Hallo Barbara,
Das ist lieb von dir.
Ja, finde ich auch. 
Herbert hat eine Frage gestellt, ich
habe sie nach bestem Wissen und Gewissen faktisch richtig
geurteilt. Ich habe ihm weder Medikamente verschrieben noch
eine Diagnose gestellt, sondern nur Fakten erwähnt, z.B. dass
nur ein Facharzt Medikamente verschreiben darf und eine
kombinierte Betreuung unter Fachärzten als das beste Angebot
gilt.
Ob die Antwort faktisch richtig ist, das können weder Du noch ich noch irgendjemand sonst beurteilen, denn, wie gesagt:
"Dennoch möchte ich Euch bitten, zu beachten, daß eine
medizinisch / psychologische Diagnose Eures Problems hier
nicht erfolgen kann."
Gut. Was, meinst du, hätte ich dann an Herbert schreiben
sollen? Was darf hier überhaupt irgendjemand schreiben? Wozu
stellt jemand hier Fragen, wenn keine Antworten gegeben werden
dürfen?
Natürlich dürfen hier Antworten gegeben werden, Barbara. Darum nehme ich an, Deine Frage ist rhethorisch. Ich beantworte sie aber trotzdem gerne.
Jeder kann und darf hier jede Frage beantworten. Der von mir zitierte Satz aus der Brettbeschreibung weist nur darauf hin, daß ich mir wünsche, daß weder der Fragende noch der Antwortgebende der Ansicht verfällt, die Antwort könne unter den hier gegebenen Voraussetzungen der Weisheit letzter Schluß sein.
Diese Verantwortung obliegt natürlich beiden Seiten. Aber im Falle von menschen, die in Not sind und sich an das Forum wenden, bleibt sie oft am Antwortenden hängen.
Ich habe Herbert nicht gesagt, dass er irgendwelche
Medikamente einnehmen soll, sondern habe ihn an den Facharzt
verwiesen, an wen den sonst? Und ich habe ihm aus meiner
Erfahrung Tipps gegeben. Also?
Ich entnehme Deinem „Also“ mal, daß Du von mir gerne wissen möchtest, was es an Deiner Antwort auszusetzen gab. Da Metapher das schon angesprochen hatte, hielt ich es in meinem letzten Posting nicht für nötig, noch einmal gesondert darauf einzugehen. Da Du aber danach fragst, will ich es gerne versuchen. Ich zitiere Dein Ausgangsposting:
„Für die Medikation braucht Herbert einen Psychiater, also einen Facharzt, …“
Das ist kein Rat, kein Tip aus der Erfahrung heraus, sondern eine in den Raum gestellte Feststellung: „Er braucht einen Psychiater“. In diesem Forum posten ausgebildete Psychologen, die sich aufgrund der rudimentären Informationen nicht dazu veranlaßt gefühlt haben, diese Feststellung zu treffen. Aus meinem laienhaften Wissen über die Psychologie heraus möchte ich mutmaßen, daß das in diesem Fall auch gar nicht möglich ist: Dazu gehört mehr als ein oder mehrere Postings. Dazu gehören Gespräche.
Weiter im Text:
"…weil der Psychotherapeut keine Medikamente verschreiben darf.
Eine weitere Feststellung, die in diesem Falle nicht ganz richtig ist, wie ich selber weiß. Es stimmt, daß jemand, der sich „Psychotherapeut“ nennt, keine Medikamente verschreiben darf (soweit ich weiß), aber viele Psychotherapeuten sind auch Ärzte und dürfen das deswegen sehr wohl, ohne diplomierte Psychiater zu sein.
Weiter schreibst Du:
„Ohne Medikamente ist eine Behandlung aber meist sinnlos.“
Eine weitere Feststellung Deinerseits. Eine Behandlung wessen ist ohne Medikamente sinnlos? Das mag auf einen Magendurchbruch zutreffen, ich schätze aber mal, Du meinst eine Depression. Hier stellt Du also eine Behauptung in den Raum. Du schreibst noch nicht einmal: „Ohne Medikamtente ist eine Behandlung meines Erachtens meist sinnlos“, sondern stellst es einfach fest. Und diese spezielle Meinung teilst Du (und nach meiner ganz persönlichen Meinung Gottseidank) aber nur mit allerhöchstens der Hälfte aller ausgebildeten Psychologen - wenn überhaupt.
Ich kenne aus meiner Erfahrung etliche Menschen, deren Depressionen oder andere psychische Probleme und Krankheiten völlig ohne Medikation behoben werden konnten. Unter anderem mich selbst. Meine Diagnose ging, vereinfacht gesagt, in Richtung einer schizoiden Persönlichkeitsstörung. Nach drei Jahren intensiver Psychotherapie (übrigens bei einem Psychotherapeuten, nicht bei einem Psychiater) ging - und geht es bis heute - mir wieder vollkommen gut, und das, ohne jemals in meinem Leben auch nur ein einziges Medikament in dieser Richtung genommen zu haben.
Ganz abgesehen von der generellen zweifelhaftigkeit Deiner Aussage, die Du hier selbstverständlich in den Raum stellst, ist überhaupt nicht klar, welches Problem Herbert hat. Also: Selbst wenn Medikamtente die beste Lösung bei einer Depression wären (und sie sind es meiner Meinung nach nicht), wäre immer noch nicht gesagt, ob Herbert sie braucht, weil wir nicht klar beurteilen können, wie sein Problem gelagert ist.
Herbert fragte nach der Vorgehensweise. Diese Frage wurde ihm beantwortet. Im Falle seiner Beschreibung ([Zitat] „Da ich glaube daß ich unter einer Depression leide möchte ich nun endlich zu einem Arzt gehen, da ich es nicht mehr aushalte bzw. mich vor mir selber fürchte“) kann es vielerlei sein - wir können das nicht beantworten. Wie er vorgehen kann, hat er jetzt erfahren, der Rest wird und sollte in den Händen eines Fachmanns liegen.
Natürlich freut sich ein Fragesteller über jegliche Antwort aus dem Forum. Und jegliche Antwort ist willkommen. Im Zweifelsfall wäre es aber angebracht, einen Hilfesuchenden darauf hinzuweisen, daß hier nur Lösungvorschläge und Tips gegeben werden können, eine wirkliche Lösung des Problems aber nicht in einem Internetforum entsteht.
Ich hoffe, daß Du meine obige Bemerkung jetzt besser verstehst.
Liebe Grüße,
Nike