Welcher Berufszweig handelt Veträge aus?

Hallo zusammen,
also, ein kleines Unternehmen ging ins Ausland hat nun durch viel Arbeit und Nachforschungen eine Lizenz zum Abbau von Bodenmaterial bekommen. Dieses Material ist in der weitläufigen Region einmalig und ist für den Straßenbau sehr wichtig.
Eine größere (um nicht zu sagen Riesen)Firma ist nun an der Zusammenarbeit interresiert, nun muß jemand her, der möglichst provitable Verträge aushandelt.
Vielleicht kann mir jemand die Info geben, wen man in solchen Fällen beauftragt.
Ganz lieben Dank
Penelope

Huhu,

für diesen theoretischen Fall wäre es interessant, welcher Nationalität die beiden Vertragsparteien sind und wo das Business stattfindet, weil diese Berufszweige in verschiedenen Nationen unterschiedlich heissen, bzw Anforderungen je nach versch. Kulturkreisen variieren.

Generell finde ich es übrigens löblich das ein Unternehmen einsieht, das komplexe Verträge nicht unbedingt zu seinen Kernkompetenzen gehören.

Begrifflichkeiten in Deutschland: es gibt freiberufliche, selbständige Manager oder auch Agenten (analog zu Sportmanager oder Künstleragenturen), allerdings wirst Du unter diesen Suchbegriffen milliarden von Treffern in allen Bereichen finden, evtl hilft der Begriff „Interims-Manager bzw Management“. Evtl kann eine gute Bank jemanden vermittel, manchmal haben gute Anwälte Menschen im Zugriff, die sowas können. Frag doch mal den Willi Weber nach ob der sowas macht!

Am besten macht man sich im Vorfeld genaue Gedanken darüber, welche Anforderungen von Nöten sind (Branchenkenntnis, Finanzhintergrund, Kultur-Kenntnis usw.)plus Vertrauen!

Am Schluss wird sicherlich sowas wie ein Fachanwalt für Unternehmensrecht drüberschauen, aber den würde ich nicht verhandeln lassen.

Ich mache mir mal noch ein paar Gedanken, vielleicht bis später!

Gruß

zb

Hallo,
Oh, viele Dank für dein Interesse und deine schnelle Antwort!
Ich bin hier noch recht unerfahren, deswegen entschuldige bitte meine Frage.
Wer ist Willi Weber?

Ich möchte Ihn gerne fragen, ob er mit weiterhelfen kann oder irgendwelche Infos hat.

Liebe Grüße
Penelope

Hi,

sorry, Fehler von mir: Willi Weber ist ein wichtiger Sportmanager,er hat zB 3stellige Millionenverträge für Michael Schuhmacher ausgehandelt, aber auch in anderen Bereichen wohl sein Verhandlungskönnen genutzt. Ich habe bislang leider seine Homepage noch nicht finden können, dort könnten wir vielleicht weitere Suchbegriffe finden…

Gruß

zb

Hallo,

ein kleines Unternehmen sollte immer einen Hausjuristen an der Hand haben, der ähnlich wie ein guter Allgemeinmediziner die Kleinigkeiten selbst erledigt, und für größere Dinge weiß, wen man fragen muss.
Viele Anwaltskollegen machen so etwas auf Basis einer monatlichen Pauschale recht günstig. Ich habe auch einige solcher Dauermandate.

Da es hier um Auslandberührung geht, sollte auf jeden Fall ein Kollege eingebunden werden, der im Internationalen Recht erfahren ist, und ggf. sogar auch das Heimatrecht des betroffenen anderen Landes beherrscht. Hierfür kann man allerdings auch im Falle des Falles noch mal einen ausländischen Kollegen hinzuziehen.

Inwieweit man den Kollegen verhandeln lässt, oder ihn eher als Backup sieht, hängt von den eigenen Fähigkeiten und dem Typus des Kollegen ab. Mit eher streitig orientierten Kollegen würde ich nicht beim Vertragspartner auftauchen wollen, mit eher beratend tätigen Kollegen kann dies die Sache deutlich vereinfachen und beschleunigen.

Grundsätzlich würde ich immer darauf achten, dass man einen Kollegen bekommt, der soetwas nicht zum ersten Mal macht, mit großen Zahlen umgehen kann, betriebswirtschaftlich denkt und in der Lage ist, sich in die betroffene fachliche Ebene einzuarbeiten und diese zu verstehen.

Wer selbst schon mal in IT-Großprojekten tätig gewesen ist, ist natürlich ideal für Verhandlungen über IT-Projekte. Jemand mit ausreichend naturwissenschaftlichem Verständnis für GFK/CFK-Verfahrenstechnik kann ganz anders an Lizenzverhandlungen zu dem Thema gehen, als jemand der nur Bahnhof versteht (um mal zwei Beispiele aus eigener Erfahrung zu nennen), …

Gruß vom Wiz

Anwälte verhandeln?
Hi el Wizzo,

mal eine Frage vom Verkäufer an den Anwalt:
ich würde mir bei wichtigen Verträgen sicherlich einen Anwalt zu Rate ziehen, wenn es darum geht das keine wichtigen rechtlichen Aspekte ausser Acht gelassen werden, dass das was vereinbart wurde so auch rechtlich haltbar ist. Allerdings würde ich das immer erst dann prüfen lassen, wenn ich mir generell mit dem Vertragspartner einig bin, das ein Konsenz über die Leistungs- Eckdaten besteht. Es spricht natürlich auch nichts dagegen, mir vom Anwalt im Vorfeld der Verhandlungen eine Checkliste geben zu lassen, worauf ich achten muss. Einen Anwalt würde ich allerdings nicht die Verhandlung führen lassen wenn es darum geht, ein Höchstmass an Profit zu erzielen, da nicht dessen Kernkompetenz.
Siehst Du das anders?

Das hat natürlich nicht mit Misstrauen gegenüber Rechtsanwälten zu tun, ich würde die Verhandlung auch nicht von einem Geologen, Bauingenieur, etc. führen lassen (wenn es sich vermeiden lässt), obschon diese sicherlich viel zum Projekterfolg beitragen könnten bzw. relevante Information liefern.

Freundlichste Grüße

zaph - der Vertrieb als hochkomplexe Spezialdisziplin erachtet

Hallo,

mal eine Frage vom Verkäufer an den Anwalt:
ich würde mir bei wichtigen Verträgen sicherlich einen Anwalt
zu Rate ziehen, wenn es darum geht das keine wichtigen
rechtlichen Aspekte ausser Acht gelassen werden, dass das was
vereinbart wurde so auch rechtlich haltbar ist. Allerdings
würde ich das immer erst dann prüfen lassen, wenn ich mir
generell mit dem Vertragspartner einig bin, das ein Konsenz
über die Leistungs- Eckdaten besteht. Es spricht natürlich
auch nichts dagegen, mir vom Anwalt im Vorfeld der
Verhandlungen eine Checkliste geben zu lassen, worauf ich
achten muss. Einen Anwalt würde ich allerdings
nicht die Verhandlung führen lassen wenn es
darum geht, ein Höchstmass an Profit zu erzielen, da nicht
dessen Kernkompetenz.
Siehst Du das anders?

Teils teils, es kommt ganz auf den Einzelfall an, und normalerweise wird ja auch der Anwalt nicht alleine verhandeln, sondern Mitglied eines Teams sein, wenn die Dinge entsprechend groß und umfangreich sind. Auf jeden Fall sollte ein Anwalt aber bei Verhandlungen in denen rechtliche Hürden zu überwinden sind, möglichst frühzeitig und laufend eingebunden werden, damit nicht Dinge passieren, die leider immer wieder passieren, nämlich dass die Parteien sich einig sind, und der Anwalt dann ganz zum Schluss leider sagen muss, dass es rechtlich schlicht und ergreifend nicht geht, bzw. Risiken aufzeigen muss, die die Sache wirtschaftlich dann vollkommen uninteressant machen und zum Scheitern bringen.

Was ich z.B. schon häufiger alleine verhandelt habe sind freihändige Verkäufe von Immobilien in Insolvenz-/Zwangsversteigerungssituationen, und wenn da Privatleute betroffen ist, dann kann man denen nur dringend raten, die Sache ausschließlich dem Profi zu überlassen, da nur der üblicherweise die nötige kalte Hundeschnauze hat. Bislang hat noch jeder Erwerber in den von mir betreuten Fällen mehr bezahlt als nötig, wenn er sich selbst eingemischt hat, obwohl ich ihm 1000 mal gesagt habe, er dürfte sich von Sprüchen wie: „Ihr Anwalt berät sie da ganz schlecht“ nicht beeindrucken lassen dürften.

Klassisches Beispiel für eine zu späte anwaltliche Einschaltung war ein Vertriebskonzept was mir mal vorgelegt wurde, welches rechtlich einfach nicht haltbar war, und sich auch nicht mehr so umbauen ließ, dass der Businesscase noch funktionsfähig gewesen wäre.

Das hat natürlich nicht mit Misstrauen gegenüber
Rechtsanwälten zu tun, ich würde die Verhandlung auch nicht
von einem Geologen, Bauingenieur, etc. führen lassen (wenn es
sich vermeiden lässt), obschon diese sicherlich viel zum
Projekterfolg beitragen könnten bzw. relevante Information
liefern.

Anwalt und Anwalt sind natürlich auch zwei Paar Schuhe. Wer bei Anwalt nur an den Mann mit der schwarzen Robe denkt, der jeden Tag von Gerichtssaal zu Gerichtssaal hetzt, bzw. der nur solche Anwälte kennt, hat damit sicher nicht die richtigen Leute für die Begleitung in Vertragsverhandlungen z.B. für ein großes IT-Projekt an der Hand.

Es gibt aber durchaus auch andere Anwälte, die neben dem juristischen Studium noch einen anderen Hintergrund z.B. als Kaufmann mitbringen, und die die Anwaltszulassung hauptsächlich deshalb haben, weil sie sich sonst gar nichts an die Tür schreiben könnten, was auf den ersten Blick die berufliche Qualifikation erkennen lassen würde. Auch gibt es viele Volljuristen die durchaus eine Zulassung als Anwalt haben könnten, genau wie beschrieben tätig sind, und so gut im Geschäft sind, dass sie auf die Zulassung verzichten.

Ich selbst habe mich gleich nach der Schule mit einer kleinen IT-Bude selbständig gemacht, die dann über die Zeit ganz gut gewachsen ist, habe nach dem 2. Examen dann als Projektmanager, CIO, Consultant in mehreren IT-Firmen gearbeitet, und mache heute noch immer mal wieder große IT-Projekte. Die Anwaltszulassung nebst Kanzleigründung war eine aus familiären Gründen vor ein paar Jahren notwendige Geschichte. Wenn es zeitlich gepasst hätte, würde ich z.B. momentan als Einkäufer für ein Großprojekt einer Versicherung arbeiten. Statt dessen sitze ich aber in diesen Tagen mehr oder weniger auf Abruf um die technische Projektleitung des Internetauftritts eines der Top 50 zu übernehmen. Und was glaubst Du, was da zu verhandeln sein wird?

Gruß vom Wiz

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Einverstanden!
Hi Kochkollege,

normalerweise wird ja auch der Anwalt nicht alleine
verhandeln, sondern Mitglied eines Teams sein, wenn die Dinge
entsprechend groß und umfangreich sind.

yessir

Wer
bei Anwalt nur an den Mann mit der schwarzen Robe denkt, der
jeden Tag von Gerichtssaal zu Gerichtssaal hetzt, bzw. der nur
solche Anwälte kennt, hat damit sicher nicht die richtigen
Leute für die Begleitung in Vertragsverhandlungen z.B. für ein
großes IT-Projekt an der Hand.

wie bereits geschrieben bin ich grosser Fan davon, den jeweils richtigen Anwalt rechtzeitig einzubinden, bin ständig im Kontakt mit meinem Hausjuristen, FA Unternehmensrecht und Steuer FA

Es gibt aber durchaus auch andere Anwälte, die neben dem
juristischen Studium noch einen anderen Hintergrund z.B. als
Kaufmann mitbringen…

das ist natürlich ein Spezialfall, davon kann man erstmal nicht ausgehen…
Und Zusatzanmerkung: selbst unter Menschen mit ausgeprägtem BWL- bzw. kaufmännischem Hintergrund sehe ich komplexe, großvolumige Verkaufsverhandlungen als besondere Spezialdisziplin.

Abschliessend: was Du als Deine Spezialkenntniss beschreibst ist natürlich nicht das, was Penelope im Sinn haben wird wenn Du von „Anwalt“ sprichst.
Ich bin mal gespannt, wann wir uns im Business über den Weg laufen werden! :smile:

Grüße
ZB
IT Verhandler & Verkaufsfuzzi

Immer einen dabei!
Hi,

Einen Anwalt würde ich allerdings
nicht die Verhandlung führen lassen wenn es
darum geht, ein Höchstmass an Profit zu erzielen, da nicht
dessen Kernkompetenz.
Siehst Du das anders?

Ich sehe das ganz anders. In meinem Job verhandle ich fast täglich Verträge. Meist geht es um komplexe Transaktionen bei Unternehmensverkäufen oder -käufen sowie Joint Ventures oder Programmgesellschaften.

Wir verhandeln immer im Team. Im Normalfall bin ich dabei der Entscheider, bin aber nicht notwendigerweise der Verhandlungsführer. Das kann neben mir entweder ein Investment Banker oder auch ein Anwalt sein. Allerdings handelt es sich dabei im Normalfall um Partner von internationalen Großkanzleien. Ich habe gerade eine Verhandlungssituation gehabt, wo auf der anderen Seite ein Partner einer regionalen 5 Mann Kanzlei saß der offensichtlich keine umfassende M&A oder Transaktionserfahrung hatte. Er hat versucht seinen Mandanten vor allem Unbill dieser Welt zu schützen und so die Verhandlungen unnötig verkompliziert. Wir hingegen sind mit zwei unserer Unternehmensanwälten, einem Berater einem Finanzer und mir aufgelaufen und waren bestens vorbereitet. Jeder deckt ein Feld ab und einer entscheidet bei Kompromissen. Es handelte sich dabei allerdings um eine für uns kleine Transaktion (ca. 40M€). Ab ca. >100M€ schalten wir dann die großen Banken (Goldman, Morgan Stanley, etc.) und die großen Kanzleien (Lovells, Freshfields, Bird&Bird, etc.) ein um uns zu unterstützen und die notwendige Expertise zu liefern (oder auch um uns im schlechtesten Fall den Hintern zu retten).

Ich für meinen Teil habe also immer einen Anwalt in der Verhandlung sitzen. Wie soll man denn sonst die legalen Auswirkungen von Verhandlungsergebnissen verstehen?

Gruß
C.

Hallo Christoph.

Ich sehe das ganz anders.

ich sehe garnicht, dass Du mir in der Sache sehr widersprichst.
Ich habe nichts gegen Anwälte im Team, und ein eingespieltes Verhandlungsteam ist sicher das beste was man haben kann, allerdings hat das mit der ursprünglichen Fragestellung nicht viel zu tun…

Allerdings handelt es sich
dabei im Normalfall um Partner von internationalen
Großkanzleien.

eben, in der Anfrage geht es ausdrücklich um eine kleine Firma.

Ich habe gerade eine Verhandlungssituation
gehabt, wo auf der anderen Seite ein Partner einer regionalen
5 Mann Kanzlei saß der offensichtlich keine umfassende M&A
oder Transaktionserfahrung hatte. Er hat versucht seinen
Mandanten vor allem Unbill dieser Welt zu schützen und so die
Verhandlungen unnötig verkompliziert.

und genau das ist wahrscheinlich, das die Fragestellerin an sojemanden gerät, wenn man ihr empfiehlt einen Anwalt die Verhandlungen führen zu lassen!

Wir hingegen sind mit
zwei unserer Unternehmensanwälten, einem Berater einem
Finanzer und mir aufgelaufen und waren bestens vorbereitet.

Super.

Ich für meinen Teil habe also immer einen Anwalt in
der Verhandlung
sitzen. Wie soll man denn sonst die
legalen Auswirkungen von Verhandlungsergebnissen verstehen?

Die Frage war aber nicht, ob man sich zusätzlich anwaltlich beraten lässt (selbstverständlich), sondern ob jemand in einem kleinen Unternehmen gut beraten ist, einen Anwalt an Stelle des GFs/Eigentümers verhandeln zu lassen. Und das würde ich verneinen.

Auch Gruß

zb

Hi zp,

Allerdings handelt es sich
dabei im Normalfall um Partner von internationalen
Großkanzleien.

eben, in der Anfrage geht es ausdrücklich um eine kleine
Firma.

die mit einer „Riesenfirma“ verhandeln muss.

Ich habe gerade eine Verhandlungssituation
gehabt, wo auf der anderen Seite ein Partner einer regionalen
5 Mann Kanzlei saß der offensichtlich keine umfassende M&A
oder Transaktionserfahrung hatte. Er hat versucht seinen
Mandanten vor allem Unbill dieser Welt zu schützen und so die
Verhandlungen unnötig verkompliziert.

und genau das ist wahrscheinlich, das die Fragestellerin an
sojemanden gerät, wenn man ihr empfiehlt einen Anwalt die
Verhandlungen führen zu lassen!

M.M. nach, sollte sie sich eine erfahrenen RA einer intl’ Großkanzlei holen, dessen Rat sich dann der unerfahrene GF anvertrauen kann.

Die Frage war aber nicht, ob man sich zusätzlich anwaltlich
beraten lässt (selbstverständlich), sondern ob jemand in einem
kleinen Unternehmen gut beraten ist, einen Anwalt an Stelle
des GFs/Eigentümers verhandeln zu lassen. Und das würde ich
verneinen.

Ich nicht! Wenn der GF unerfahren ist, wird er von den Beraterprofis des Großkonzerns schneller abgezockt als er seinen Beistand um Hilfe bitten kann.

Aber jeder hat da seine eigenen Erfahrungen.

Gruß
C.