Welcher Bodenbelag?

Guten Tag,

Ich bin gerade beim Auswählen des Bodenbelags für meine baldige Neubauwohnung (in den Schlaf/Wohnräumen). Ich schwanke zwischen Parket, Steinboden und Terrazzoboden. Denken Sie bitte daran, dass kein Fussbodenheizung eingesetzt wird und dass direkt unter uns Büros sind (Luftschallschutz von unten wird wahrschenlich ein Thema für uns sein!). Was sind jeweils die Pros und Contras (ausser natürlich der Geschmackfaktoren)? Gibt es andere Optionen, die ich nicht berücksichtigt habe?

Danke für Ihre Tipps und Erfahrungen!

Viele Grüsse
Paul

Guten Tag Paul,

also einen echten Terrazzo-Boden im Schlafzimmer? Also ich weiß nicht, hatte man in der Gründerzeit im Treppenhauseingang. Steinboden, Parkett oder Terrazzoböden sind laute Böden, aber da unter Ihnen ja nur Büroräume sind, wird es keinen stören. Bei einer Neubauwohnung ist ja auch von freischwimmendem Estrich auszugehen. Sie haben natürlich Glück, in der Regel sind in Ihrer Feierabendzeit Büros nicht besetzt.

Es ist also reine Geschmackssache. Aber mal unter uns, Neubauwohnung ohne Fußbodenheizung, wie rückständig ist das denn?

Mit freundlicher Empfehlung
Peter Echevers

PS
In hohen Räumen einer Altbauwohnung kann ich mir nur Parkett vorstellen, in einer modernen Neubauwohnung vielleicht eher einen Laminatboden.

Hallo Paul!

Auf die Frage - Parkett, Naturstein oder Terrazzo - gibt es keine kurze Antwort, dafür sind zu viele Faktoren im Spiel, die vorab geklärt werden sollten.
Ausserdem gibt es noch: Teppichboden, Laminat, Kork, Vinyl, Fliesen, Zementfliesen, TerraCotta…

Also. Zuerst die Grundsatzfragen:

  1. Welcher Bodenaufbau ist möglich, d.h. wieviel Höhenaufbau kann der Bodenbelag haben (Höhe ab Estrich)?
    Bei Teppichboden reicht 1 cm
    Bei Laminat, Kork, Vinyl ca. 1,5 bis 2 cm
    Bei Parkettstäben, Naturstein-/TerraCotta-/Fliesen ca. 1,5-3 cm
    Bei Natursteinplatten/Zementfliesen, TerraCotta/Terrazzo ca. 3-5 cm
    Unabhängig davon, ob Fussbodenheizung vorhanden oder nicht.
  2. Wie hoch können die Kosten angesetzt werden?
    Bitte beachten: Je nach Material sind für die Verlege-, Verlegematerialien, sonst. Leistungen/ Kosten unterschiedliche Preise anzusetzen. Diese können enorm differieren.
    z.B. Verlegung Teppichboden m² ab 2,50 € bis Verlegung Naturstein/Fliesen m² 20-30 Euro, das Einbringen von einem Terrazzoboden (vollfächig und eingeschliffen) kann m² 60,-- und mehr kosten.
    2.1. Wird die Wohnung von einem Bauträger o.ä. gebaut udn verkauft? Dann sollten die Bodenbeläge vorher auch preislich geanau definiert sein, da ansonsten ein böses Erwachen mit Aufpreisen möglich ist. Oft geben die Bauträger einen m²-Preis von (sagen wir mal) € 20.-- ab und bei Änderung des Materials/Verlegung zahlt der Käufer dann den Aufpreis direkt an den Handwerkern, an den der Käufer dann ausgeliefert ist und kein Verhandlungsspielraum gegeben ist. Diese Erfahrung habe ich bei jedem (!!!) Kauf/Änderung…
  3. Von wem wird die Wohnung bewohnt und in welchem Masse?
    a) Teppichboden/ Parkett/ Laminat/Vinyl… haben ein „weicheres“ Trittgefühl. D.h., es ist nicht so laut, es „federt“ etwas, die Gelenke/Fusssohlen/Venen werden nicht so beansprucht. „Schlucken“ die Geräusche im Raum etwas. Dies Bodenbeläge wirken „warm“ als Wohngefühl.
    b) Naturstein/Fliesen/Terrazzo sind „hart“ gehend, laut im Trittschall und auch im Raumschall widerhallend, daher lauter. Füsse…können stark beansprucht werden (schlecht bei Tendenz zu Krampfadern oder Venenleiden)- je nach Einsatz und Oberfläche (z.b. hochglänzend, sehr glatt…) kann die Trittsicherheit bei Feuchtigkeit (z.B. in der Küche und Flur) eingeschränkt sein.
    Diese Materialien wirken „kalt“ als Wohngefühl.
    In Räumen, in denen man auch barfuss sein kann oder sich auf dem Boden rumtümmelt (Schlafzimmer, Kinderzimmer) ist zu bedenken, dass Naturstein/ Fliesen… immer kälter sind als der Fuss/Körpertemperatur.
    Naturstein/ Granit/ Terrazzo/ Terra Cotta können unter Umständen leicht radioaktiv/ abstrahlend sein.
  4. Wie soll der Einrichtungsstil sein?
    Modern - extravagant - locker/familiär - klassich/elegant - mediteran…???
  5. Wichtig: In einer Wohnung versuchen, den Bodenbelag so zu wählen, dass er in alle Räume verlegt werden kann, um fliessende Übergänge und „Großzügigkeit“ der Räume zu schaffen. Wenn möglich, auch die Fliesen in Bad und WC farblich/ gestaltend anzupassen.
    Ausser: jeder Raum soll komplett anders gestaltet werden (kann supertoll sein, jedoch auch eine Herausforderung)
  6. Bei Naturstein/Fliesen… kann natürlich ein schöner Teppich im Bereich Sitzgruppe das kalte Wohngefühl abmildern.
  7. Der Luftschall, sprich die Geräusche von unten sind nur durch eine sehr dicke Bodenplatte und dementsprechenden Bodenaufbau in den Griff zu bekommen. Darauf werden Sie wohl keinen Einfluss haben, das bestimmt der Architekt.
    Der weitere Fehler durch ungewollte Schallübertragung wird von den Handwerkern begangen (und vom Bauingenieur/Bauleiter nicht richtig kontrolliert und Fehler beseitigt): sehr wichtig ist dabei, dass der Estrich KEINEN Kontakt zu den Wänden haben darf, d.h., er wirklich „schwimmend“ verlegt werden muss. Die dabei verwendeten Randstreifen sind oft schlecht und
    unzureichend verlegt. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass keine einzige (!!!) Kontaktstelle zwischen schwimmendem Estrich/ Bodenbelag und der Wand stattfindet, das passiert sehr häufig dadurch, dass kleine Steine/ Betonklümpchen/ Dreckbatzen… sich in die notwendige Abstandsfuge (sind beim Bodenbelag mit dauerelasitscher Verfugung auszukleiden) von ca. 1 cm befinden und das reicht aus, um sämtlichen Trittschall über die Wände zu übertragen!!

Also - viel zu bedenken. Wenn Sie noch Fragen haben oder genaueres zu Ihrer gewünschten Wohnsituation abgestimmt haben wollen - einfach wieder melden!
Viele Grüsse
Ines044

Habe keine Erfahrungen mit Bodenbelaegen

LG

Hallo Paul,

ein Bodenbelag für private Schlaf- und Wohnräume muss keine speziellen Anfordeungen erfüllen, ausser dass er gefällt.
Parkett wird dabei wärmer empfunden als Stein- oder Terrazzo. Bei einer Südorientierung des Wohnzimmers mit grossen Panorama-Glasscheiben kann jedoch ein (kühler) Steinbelag als angenehmer empfunden werden, während er im nach Norden orientierten Schlafraum evtl. als zu kalt empfunden wird.
(Luft-)Schall zu den Büros von unten hat mit den Bodenbelägen nichts zu tun. Trittschall ist bei Holz geringer als bei Stein, betrifft aber auch nur den Schall von oben nach unten.
Der gesetzliche (Tritt-)Schallschutz muss mit jedem Bodenbelag eingehalten werden, evtl. den Architekten fragen, ob diesbezüglich etwas gegen (lauten) Steinboden spricht.

freundliche Grüsse

Martin Bulling-Heimann

s

servus paul,
ich würde auf alle fälle schwimmend verleges parkett nehmen mit 5 mm extra dämmmaterial. bei verklebtem parkett oder mineralischem belag wird der schall und auch die temperatur wesentlich besser übertragen. d.h. kalte füsse und laut. würde auch geöltes parkett nehmen, da erstens fusswärmer und zweitens kann man da auch als laie selbst ausbessern. hoffe ich konnte helfen. gerne wieder.

tom aus mittelfranken

Hallo Paul,

ganz generell hängt es natürlich an Deinem persönlichen Geschmack, ob Du Parkett, Stein oder Terazzo möchtest.
Ein paar technische Eckdaten gibt es allerdings.
Da Du keine Fußbodenheizing hast, wird Stein und Terrazzo im Winter natürlich sehr kalt sein, was barfußgehen sehr unangenehm macht und auch bei längerem Sitzen (Couch, beim Essen) kalt nach oben strahlt. Wer da empfindlich ist, was kalte Füße angeht, könnte das als störend empfinden.
Parkett wird im Winter natürlich auch nicht wirklich warm, aber zumindest etwas angenehmer, als Stein.
Die Tatsache, dass ihr Büros unter Euch habet, kommt Euch eigentlich entgegen, da diese immer gut beheizt sind und bei Euch dafür sorgen können, dass der Fußboden zumindest ein wenig angewärmt wird.
Ob Luftschallschutz, wie Du es nennst, zwangsläufig sein muss, weiß ich nicht. Das kommt darauf an, welche Art Büros unter Euch sind. Haben die hohe Gesprächsbelastung? (Callcenter?) Oder werden laute Maschinen eingesetzt?
Zu welchen Zeiten wird dort gearbeitet? Das wären Fragen, die ich mir stellen würde.
Was Schallschutz angeht würde ich eher darauf achten, dass der Bewohner über Euch, wenn es dort einen gibt auf Trittschallschutz achtet. Das bedeutet evtl, dass ihr an Eure Decke ran müsst, um da noch nachzuarbeiten.
Weiter Optionen für Bodenbeläge sind:

  • Teppich (ich gehe davon aus, dass das wegen des Pflegeaufwands entfällt)
  • Kautschuk
  • Kork
  • geschliffener und polierter Estrich

Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Lene

Hallo,
Holz ist ein schöner, warmer Naturbelag. Wer es kühl mag -also auch im Winter, wenn keine Fußbodenheiz. da ist- nimmt Stein/Terrazzo. Parkett kann aufgearbeitet werden, kaputte Steinfliesen nicht.
Alles andere ist wirklich reine Geschmacksache.
Grüsse

Aber im Netz gibt es so viele genaue

Grüezi Paul

Habe leider erst heute gesehen, dass Du eine Frage hast. Also, wenn keine Bodenheizung vorhanden ist kann ich keine Stein/Plattenbelag empfehlen. Solche Beläge entziehen andauernd brutal die Fusswärme. Das Verhältnis zwischen Körperwärme und der Stein Temperatur ist einfach zu gross. Kalte Füsse sind garantiert, ausser man läuft dauernd in Finken herum.

Das ist bei Parkett total anders. Holz reflektiert die Körperwärme. Holz ist heimelig und wenn die Oberflächen Behandlung offenporig geölt wird entsteht ein schon fast emotionaler Kontakt mit dem Boden. Wichtig ist, dass ein gutmütiges Holz gewählt wird, z.B. Eiche. Wenn die Luftfeuchtigkeit unter 35% sinkt können Buche, Ahorn und exoten Hölzer sehr schnell Fugen bilden. Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig für einen Parkettboden. Ein Holzboden ist quasi ein Wohlfühl-Barometer. Geht es dem Boden gut - geht es auch dem Bewohner gut. Geölte Oberflächen brauchen ein bisschen mehr Pflege. Unter dem Öl Lieferanten Woca vormals Trip Trap findest Du sicher eine gute Pflegeanleitung. Als Parkettler empfehlen wir immer eine schubfest geklebte Verlegung. Die Fugenbildung ist geringer weil jeder Riemen für sich „arbeiten“ kann. Schwimmende verlegungen müssen bei den Türen mit einem Dehnfugen Profil getrennt werden - sonst gibts Ärger.
Luftschall von unten kannst Du nur von unten abhalten. Eine schallschluckende Decken Isolation ist am effizientesten. Von Deiner Wohnung aus könntest Du höchstens Deinen eigenen Trittschall mindern. Dazu müsste eine schwere elastische Matte mit mindestens 6 mm Stärke verlegt werden. Zum Beispiel eine Recycling Gummi - Korkschrot Unterlage. Wichtig ist auch, dass keine Schallbrücken entstehen. Das Parkett darf also niemals an die Wände oder Heizungsrohre anstossen. Ein schwimmend eingebrachter Unterlagsboden mit entsprechender fachlich korrekter Schallisolation setze ich natürlich voraus.

Hoffe Dir einige Inputs gegeben zu haben und wünsche Dir viel Freude am neuen Parkettboden.

Viele Grüsse aus der Schweiz

Markus Hediger