Hallo,
Bei Linux vs. Windows ist das ein bißchen anders. Die
gegenseitige Produktkenntnis ist eher gering ausgeprägt,
Das sehe ich nicht so. In erster Linie ist die Produktkenntnis asymmetrisch: es gibt noch verhältnismäßig viele Linux-Nutzer, die auch Windows gegenübersitzen. Demgegenüber dürfte es deutlich weniger Windows-Nutzer geben, die Linux kennen.
die
Linuxianer berufen sich auf einen nicht widerlegbaren
philosophischen Ansatz und sind der Ansicht, gute Gründe dafür
zu haben, nicht nur Windows nicht zu benutzen sondern seine
Anwender an den Pranger zu stellen oder ihnen zumindest die
Doofmütze überzuziehen.
Die Windows-Anwender bekommen nicht von Linuxianern die Doofmütze aufgezogen, das besorgt schon ein prominenter Software-Konzern aus Seattle.
Windows ist ein System, was systematisch Userverdummung betreibt und den Nutzer mehr oder weniger erfolgreich zum unmündigen Klickobjekt erzieht. Solange alles funktioniert: Prima. Wenn aber die Problemsuche beginnt, ist man unter Windows verhältnismäßig übel aufgeschmissen.
Die Linuxianer unterstellen, daß jeder Windowsbesitzer zu
dämlich ist, seine Kiste richtig zu bedienen, daß er so
dämlich ist, für seine („schlechte“) Software auch noch Geld
zu bezahlen und den ganzen Tag lang absichtlich oder
fahrlässig Viren u.ä. verteilt.
Der Punkt mit den Viren ist der, der mich am meisten aufregt. Ich habe hier[tm] eine eher langsame Vervindung ins Internet und bin eher ärgerlich, wenn ich die mit Viren verstopft sehe. Volumenmäßig bewegt sich der Viren-Anteil zeitweise über dem Spam. gegen Spam wollen alle was unternehmen, warum fördert Microsoft dagegen keine Gesetzesinitiative gegen Virenverteiler?
Da erden dann Virenscanner propagiert, mit denen sich noch etwas Geld verdienen lässt. Und die dann wieder neue Sicherheitslücken öffnen.
Hingegen ist mir eigentlich noch nicht aufgefallen, daß ein
Windows-Benutzer irgendeinen Linuxianer bekehren wollte.
Zugegeben: Die Bekehrungsversuche der Windows-Nutzer laufen deutlich subtiler ab als die der Linux-Anwender. Die sind so sobtil, daß es selbst der Windows-Nutzer nicht als solchen bemerkt.
Als „Bekehrungsversuche“ in dieser Richtung sehe ich:
-
Nutzung und Zusendung von Word, PowerPoint und Excel-Dateien
-
Versenden der unsählichen winmail.dat
-
HTML-Erstellung mit Ergebnissen, die sich nur auf dem IE passabel darstellen lassen.
-
Verschicken von EXE- und WMA-Dateien.
Letztlich ist mir egal, was für ein Betriebssystem und Programm jemand benutzt, solange er mich damit in Ruge lässt (Viren) und mir ebenfalls nichts aufnötigt, was ich nicht haben will (Word-Format).
Dies alles vor dem Hintergrund, daß der Fragsteller in der
Regel nicht derjenige ist, der für alles Windows-Elend dieser
Welt verantwortlich ist.
Kein Mensch ist für alles (Windows)-Elend dieser Welt verantwortlich, vermutlich nichteinmal Bill Gates. Dennoch geht mir diese Passivität gehörig auf den Senkel. Es wird hingenommen, daß man Computer regelmäßig rebooten muß und in etwas größeren Abständen neu installiert werden muß. Es wird akzeptiert, daß der Computer sich „launisch“ verhält, aber eigentlich ist das ja nur eine Umschreibung dafür, daß der Computer Dinge tut, die unerwartet, unreproduzierbar und nicht logisch erscheinen.
Intuitiv? - Nada!
Es ist ein wunderschöner Volkssport herumzumaulen: „M$-Window$ treibt mich in den Wahnsinn und der Word-Assistent macht immer meine Formatierung kaputt!!1!“ (das ist bei mir etwa genauso beliebt wie: „Die Politiker sind doch alles Schweine“).
Aber keiner tut was.
Wer mit Windows zufrieden ist, soll hebe seine Hand und nutze es weiter, solange ich mit offenen und patentfreien Standards die Daten mit demjenigen nutzen kann. Ich persönlich neige dazu, Windows nach Möglichkeit zu meiden. Meine Gründe:
- Ich finde das System zu intransparent. am meisten stören mich die nicht dokumentierten Schnittstellen:
· NTFS ist nicht spezifiziert und deshalb nicht zuverlässig nutzbar.
· SMB und Kerberos mutieren unter der Ägide von Microsoft
· Word ist kein stabiles und definiertes Format. Excel und Powerpoint auch nicht.
· Die neuen XML-Formate werden voraussichtlich in der Praxis auch nicht frei nutzbar sein: entweder durch nicht veröffentliche Schemata oder durch patentrechtliche Knebeln.
Microsoft versteht es leider meisterhaft, Inkompatibilitäten zu erzeugen, um alternative Softare auszubooten oder vorhandene Standards zu erweitern und zu verschmutzen um ebenfalls Mitbewerber zu demontieren.
Das ist nicht nur für den Mitbewerber störend, sondern auch für den Anwender. Einmal Microsoft – immer Microsoft (wie bekommt man noch seine Mails aus einem Exchange-Server exportiert?)
Wer Microsoft nutzen will, möge dies tun, aber andere implizit dazu zu zwingen, obscure Formate zu verwenden empfinde ich als deutlich anmaßender als die paar Linux-Nutzer, die sich über die in der süßen und honig-klebrigen Hilflosigkeit eingebetteten Windows-Nutzer amüsieren.
Wer Mircosoft nutzen will beklage sich bitte auch nicht darüber, daßer sich langfristig und systematisch an einen Hersteller bindet, der Konkurrenz untergräbt. Der es erschwert, durch Etablierung lanfristiger Standards Daten zu archivieren und darauf zuzugreifen.
Soviel zu einem Tail der „nicht widerlegbaren“ Philosophie.
Gruß,
Sebastian