Hallö,
das ist doch eine typische FAQ, bloß für Fahrräder gibt´s noch gar kein FAQ-Archiv. Also los, Superweiser aufgepaßt, hier kommt mein schmales Wissen:
- Mountainbikes
(Mantabikes, har har) sind mal in den USA aus ganz normalen 26"-Oparädern entwickelt worden und dienen dem alleinigen Zweck, damit sportlich im rumpeligsten Gelände rumzukacheln: dicke grobstollige Reifen, damit man auch in Matsch und Schnee nicht versinkt, sportlich gestreckte Sitzposition, dazu passender Rennsattel, in der Gangschaltung reichlich Übersetzungen zur Auswahl, möglichst stabil und dabei federleicht, was heißt, auf Firlefanz wie Schutzbleche, Licht, Gepäckträger wird verzichtet. Stattdessen ist seit etwa 10 Jahren eine Teleskopfedergabel wie am Motorrad obligatorisch, wenn auch filigraner konstruiert, zunehmend setzen sich Brachialbremsen wie hydraulisch betätigte Scheiben durch. Hinterradfederung („Fully“, vollgefedert zusätzlich zur Federgabel) gibt´s per Schwinge wie beim Moderrad oder eben nicht, denn der dazugehörige Schwingungsdämpfer hat einen Nachteil: er ist eigens dazu konstruiert, Bewegungsenergie zu verzehren, und, genau, die fehlt dann beim Fahren. Vorne stimmt´s so grundsätzlich auch, fällt aber nicht so auf, die Gabel ist weit genug weg vom Tretlager. Es läßt sich nicht genau klären, unter welchen Bedingungen man die Stöße energiesparender selbst ausbügelt (das kostet schließlich auch Kraft), aber viele Tifosi fahren mit „Hardtails“, hinten ungefedert, oder zumindest mit abgeschalteter abschaltbarer Hinterradfederung, wenn sie bergauf reichlich zu treten haben. Der Rahmen ist aus voluminösen, aber dünnwandigen meist Alurohren zusammengeschweißt und in teureren Fällen anschließend wärmebehandelt (=gehärtet). Die Geometrie hat sich vom klassischen Diamanten ziemlich entfernt, einiges kommt mir wie Blödsinn vor, auf jeden Fall ist der Rahmen klein, damit er beim Rumturnen nicht stört, das Tretlager eher unbequem hoch wegen der unabdingbar notwendigen Bodenfreiheit. Die Sattelstütze ist entsprechend lang und denn auch dick, damit sie bei der Länge nicht abbricht. Hab ich was vergessen? Der Lenker ist ein gerades Röhrchen, alle Bedienelemente sind an den Griffen versammelt. Gegebenfalls schraubt man noch Hörnchen an die Lenkerenden, um die Griffposition variieren zu können. Beim „Downhill“ legt man bezüglich Reifenbreite, Federweg, Bremsleistung und Stabilität noch einen drauf, warum, ist klar. So far.
Das Mountainbike ist, ich sag mal, hochspezialisiert und entsprechend kompromißlos. Außer seinem nackten Leben kann man nix drauf transportieren, man wird auch von unten naß und dreckig und steht
bei Dunkelheit im Dunkeln; Parallelen zum Rennsport sind nicht zufällig, sondern erwünscht. Auf Asphalt wirkt ein Mountainbike wie ein Schwan an Land: die grobstolligen Walzen fressen jede einzeln soviel Energie wie eine mäßige Dynamolichtanlage, die Federung zusätzlich, die Sitzposition mit dem winzigen Sattel muß man von klein auf (oder vom Rennrad) gewohnt sein, um sie nach einigen Stunden geradeaus noch lustig zu finden, es ist nicht mal ein Rennlenker da, auf dem man mal ein bißchen rumklettern kann, um den Händen und Handgelenken Abwechslung zu bieten. Aua.
Damit ist aber auch schon klar, wie man aus einem Mountainbike ein
#- ATB, ein All terrain bike,
konstruiert: halt straßentauglicher, als Kompromiß eben. Reifen nicht ganz so sperrig, Federung etwas abgespeckt, 28"-Räder laufen besser, alles in allem die Gegenrichtung zum Downhill. (Klingt dünn? Kein Wunder, damit kenn ich mich nicht so toll aus… Experten vervollständigen?)Jetzt kann man leicht weitergehen und das
#- Trekkingrad
entwickeln: Schutzbleche, Lichtanlage, Ständer und Gepäckträger dran, hoppla, letzteren ist die Federung sehr im Weg und könnte leicht ganz verschwinden. Die Sitzposition entschärfen je nach Temperament und Ausdauer, je aufrechter, desto breiter der Sattel. Brezellenker bietet variable Sitzpositionen, Reifen je nach Bedarf schmaler und feiner profiliert bis runter zu Slicks, vielleicht sogar (oder etwa obligatorisch? Experten helft!) 28"-Laufräder. Die Rahmengeometrie mit Feinheiten wie Seilzugverlegungen wächst mit: Tretlager tiefer, Oberrohr höher, Gewindeösen für die Gepäckträger und Schutzbleche. Schon haben wir das Rad zum Wandern abseits der Bundesstraße, gegebenfalls bis nach Timbuktu.
Wer nun ausschließlich in der Stadt unterwegs ist, kann theoretisch sein schönes Trekkingrad noch ein bißchen umrüsten und ein
#- Citybike
draus machen: statt Lowrider vorne mag ein Körbchen opportun sein, die Sitzposition ist aufrecht as can be, entsprechend breitärschig der Sattel, das Tretlager bequem tief. Auf ein paar hundert Gramm mehr oder weniger an den Komponenten kommt´s nicht so an bei den paar Kilometern, die am Stück gefahren werden, vielleicht reicht auch eine Nabenschaltung statt hundertzwanzig Gängen, oder was ist im Moment der Standard. Wichtiger wird jetzt ein solides Schloß nebst praktischer Halterung, Schnellspanner an Rädern oder Sattel sind pures Kassengift, eigentlich muß die ganze Qualität nicht übertrieben werden, denn es drohen Diebstahl und Vandalismus. Dicke Straßenreifen können Federungsfunktionen übernehmen. Spätestens hier müssen die Pedale endgültig straßenschuhkompatibel sein, der Kettentrieb und die Hosenbeine zuverlässig separiert. Beim Sport wird man eh dreckig, da macht das nix.
Leider hab ich keine Ahnung, was ein
#- Crossrad
ist, Cobra, übernehmen Sie.
Ob man selberbaut oder fertig kauft, ist Temperamentssache, natürlich kann man selber näher an sein Traumrad, wenn man denn so genau weiß, was man will und wie man da hinkommt und überhaupt soviel Energie reinstecken will. Fest steht alleweil: ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube im Bett, ogott, nein.
Wieviel man ausgibt, hängt auch vom Temperament ab. Außer Wahnsinnigen, die´s voll erwischt hat, würde ich immer sagen: haltet den Ball flach, keine zu großen Sprünge weg vom Gewohnten in den Klassen und Typen. Immer bedenken: die meisten Räder vergammeln sowieso im Keller, vom Rest wird die Hälfte weggeschmissen oder (fast) verschenkt, wenn der erste Satz Reifen, Kette, Bremsbeläge alle ist.
Von den verbleibenden verrecken die meisten an mangelnder fachkundiger Pflege: Speichenbrüche, abfallende Anbauteile, klapper, knirsch, quietsch.
Bist Du sicher, daß Du zu denen allen nicht gehören wirst? Dann gib Geld aus, vergiß aber auch hier nicht: je teurer, desto klau, und Vandalismus ist ziemlich tageszeitabhängig. Wenn Du eine billige Möhre an die Laterne vor der Haustür gebunden hast, fährst Du wahrscheinlich öfter auf dem Rad zum Bäcker/Briefkasten/Edeka, als wenn Du Dein sündteures Prachtstück erstmal kunstvoll aus dem Kohlenkeller winden mußt. Think!
Tip von mir für ernsthafte Radler: Der Trend geht zum Zweitrad. Eins an der Laterne, eins für den Sonntagsausflug im Keller.
Für Sparer: Seit einigen Jahren gibt es ein relativ regelmäßiges Angebot an preisreduzierten Vorjahresmodellen oder noch preisreduzierteren Vorvorjahresmodellen.
Baumarktqualität entspricht oft sehr genau den Einsteigermodellen im Fachhandel, ist aber deutlich billiger, die Inspektionen an den „fremden“ macht der Fachhandel natürlich nicht sooo gerne, besonders im Frühjahr, wenn´s brummt, macht´s aber trotzdem (Kundenbindung!) und kostet das gleiche. Bei Selberschraubern sowieso egal.
Ok?
Gruß,
Martin
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