Wem erzähl ich's bloß?

liebe www’ler

ich bin in unserem unternehmen vertriebsleiterin (betreue ca. 10 personen) und mein job macht mir spaß. jetzt habe ich folgende entwicklung in letzter zeit festgestellt: unter den kollegen wird mehr gehetzt als bisher.
das sind keine wirklich bösen sachen, aber wirklich nett ist es auch nicht. ich habe mir viele gedanken darüber gemacht, woran das liegen könnte und was ich dagegen tun kann.
dabei war ich so selbstkritisch und mußte zugeben, daß ich mich an den gesprächen manchesmal beteilige, was ich in meiner position nicht tun darf. das ist sehr schädlich, und ich werde das stoppen - ich denke, ich kann damit gerade noch die kurve kratzen, wenn ihr versteht was ich meine :smile:
als nächstes habe ich mich gefragt, warum ich mich an diesen gesprächen eigentlich beteilige, denn eigentlich bin ich nicht der typ, der jetzt ständig lust hat über andere zu tratschen.
dabei bin ich auf folgende lösung gekommen: ich muß einfach durch das aussprechen, die erlebnisse des alltags bearbeiten. meine mutter sagte mir mal, daß ich früher nach der schule nach hause kam und ihr ca. 15-30 minuten von den erlebnissen des schultages berichtet habe. da habe ich sie regelrecht zugetextet und sie hat wirklich jeden tag geduldig zugehört. das hat mich damals ungemein befreit. sie brauchte auch garnicht viel zu sagen oder zu fragen, ich mußte es mir einfach von der seele reden und gut war.
nun bequatsche ich diese themen mit meinen kollegen und das endet dann in einer lästerei, was ich eigentlich nicht will.
ich könnte auch zu meinem freund gehen, und ihm von meinen tageserlebnissen berichten, was ich auch häufig tu’ aber ich kann und will ihn nicht jeden tag dermaßen zutexten.
die gespräche mit meinen kollegen verteilen sich auf mehrere personen, und ich erwarte von meinem freund auch nicht die gleiche zuhörbereitschaft, wie sie meine mutter an den tag gelegt hat.

meine konkrete frage nun: geht es einigen von euch genauso?
redet ihr dann gegen die wand? was tut ihr?

bitte schreibt mir jetzt nicht so antworten wie: dein freund sollte dir schon zuhören, wenn ihr eine beziehung führt…,
mein freund hört mir immer zu, wir gehen fast jeden abend spazieren und erzählen uns unsere tageserlebnisse, aber ich möchte ihn nicht jeden tag mit den stories aus dem büroalltag belabern.
aber andererseits „muß“ ich darüber reden. dann is’ alles wieder paletti.
versteht ihr was ich meine?

auf eure antworten wartet gespannt
yvi

meine konkrete frage nun: geht es einigen von euch genauso?
redet ihr dann gegen die wand? was tut ihr?

Also gegen die Wand direkt nicht. Aber es hilft schon, mit sich selbst ins „Gespräch“ zu gehen. Bei mir findet das häufig erst abends im Bett statt, weil ich vorher meist nicht zur Ruhe komme, aber es hilft ungemein. Beim joggen kann ich auch gut Erlebnisse verarbeiten.

Bei Themen, die dich stärker bewegeb und bei denen du ggf. auch ein Feedback benötigst, würde ich schon deinen Freund oder auch mal eine gute Freundin „balästigen“, denn nicht alles kann man mit sich selbst aus machen.

Viele Grüße
Markus

stimmt
ja, da geb ich dir recht.
leider hab ich grundsätzlich zu wenig zeit für mich allein.
die sollte ich mir viel bewußter freischaufeln.
ich habe nämlich festgestellt, daß ich an tagen, an denen ich ruhe habe und einfach mal nachdenken kann, garnicht mehr über manche themen sprechen will, da ich sie bereits „bedacht“ und danach abgehakt habe.

da „beneide“ ich manchmal die leute, die eine längere heimfahrt haben, und diese automatisch zum nachdenken nutzen können. ich fahre max. 3 minuten heim und man fährt ja nicht jeden tag absichtlich einen umweg nur um nachzudenken.

es liegt wahrscheinlich wirklich an der fehlenden zeit für mich selbst.

danke!

gruß yvi

da „beneide“ ich manchmal die leute, die eine längere
heimfahrt haben, und diese automatisch zum nachdenken nutzen
können. ich fahre max. 3 minuten heim und man fährt ja nicht
jeden tag absichtlich einen umweg nur um nachzudenken.

Wenn du es so nah hast, könntest du z.B. bei schönen Wetter mit dem Rad statt mit dem Auto fahren. Dann kannst du entspannen/grübeln und tust obendrein noch was für deine Fitness.

Viele Grüße
Markus

Hallo yvi,

meine konkrete frage nun: geht es einigen von euch genauso?
redet ihr dann gegen die wand? was tut ihr?

ich fahre jeden Tag mit dem Rad in die Arbeit, und ich fahre einen Umweg, da mir die 2,5 km nicht reichen. Mein Weg ist dadurch 5,5 km lang und netterweise auch noch viel grüner.

Dabei werde ich morgens munter und abends habe ich schon fast abgeschaltet, bis ich nach Hause komme.

Dein Posting hat mich aber auf eine Idee gebracht, warum ich mich so selten an dem ausufernden Firmentratsch beteilige: Ich verarbeite doch wohl einen großen Teil schon für mich selber…

Gruß, Karin

Sport?
Hallo Yvi,

Wie siehts mit Sport aus? Wenn ich niedergeschlagen oder belastet von der Abreit komme, dann brauche ich ein wenig Sport und alles ist wieder rein. Dann kann man mit mir auch reden.

Vampy

Guten Abend!

Als Vorgesetzte® kenne ich diese Art der Einsamkeit, jemandem etwas mitteilen zu wollen, wobei die Mitarbeiter für viele Gedanken die falsche Adresse sind. Es kann sich um banale Alltagsdinge handeln, z. B. eine Freude, die kein Ventil findet. Natürlich auch alle möglichen Sorgen oder Unsicherheiten, wie man in dieser und jener Sache entscheiden soll. Da wäre ein Zuhörer gut, der aber wenigstens ein paar Zusammenhänge kennen müßte, um zu verstehen. Ich helfe mir, indem ich schreibe. Ich schreibe mir das ganze Zeug von der Seele. Es hilft wirklich! Mir jedenfalls. Ich denke, die (Selbst-)Hilfe besteht darin, beim Aufschreiben die Gedanken zu strukturieren. So entsteht aus mancher Gemengelage etwas Geordnetes, Gedanken gehen nicht verloren. Manchmal schon beim Aufschreiben, manchmal erst ein paar Tage später finde ich auf diese Weise eigentlich immer einen praktikablen Weg oder wenigstens den inneren Frieden.

Zeitweise täglich, dann wieder mit ein paar Tagen Pause, setze ich mich an den PC, öffne immer die gleiche (inzwischen riesige) Datei, fange mit dem Datum an und schreibe auf, was mir im Moment wichtig erscheint. So entsteht eine Art Tagebuch, das niemanden etwas angeht, aber hilfreich ist.

Gruß
Wolfgang

Also was nun tun?
Liebe Yvi,
erst einmal fand ich Deine Frage sehr sehr interessant!! Ich finde außerdem, die oben angesprochenen Ideen zur Verarbeitung von positiven und negativen Eindrücken bspw. auf der Arbeit sind sehr gut. Ich hätte vielleicht noch einen kleinen Tip hinzuzufügen: In Deiner Fragestellung geht es vor allem darum, daß Du wissen möchtest, wem Du von Deinen Nöten und Erlebnissen „erzählen“ sollst. Die Antworten aber lauten: fahre Rad, schreib es auf, treibe Sport. Wie Du auch schon selbst erkannt hast, geht es also nicht nur um das Erzählen, sondern vor allem um den Ausgleich: „Freischaufeln“ von Zeit und Sinnen. Deine Quintessenz lautet: Ich habe zu wenig Zeit für mich selbst.
Damit ist Dein Problem aber noch nicht gelöst. Ich denke, Du könntest nun konkret eine Möglichkeit wählen, Deinem Problem ein Ende zu bereiten. Deiner Einsicht fehlt also nur noch die Tat. Und da ist bspw. ein Umweg zur Arbeit durchaus hervorragend geeignet! Das solltest Du nicht gleich so abtun, nicht wahr?! :smile:
Also kein Neid auf anderer Menschen längere Heimwege,
nicht nur die Einsicht, daß an „manchen“ Tagen das Problem ja schon durch Nachdenken allein verschwände oder daß Du Dir mal mehr Zeit schaffen „solltest“,
sondern erst die „Aktion“ wird Dir aus Deiner Lage helfen.
Such Dir etwas aus und
do it.

Gutes Gelingen und einen lieben Gruß,
Jan

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Dem ist kaum etwas hinzuzufügen
Guten Morgen!

Wie gesagt: Wolfgangs Ausführungen kann ich nur zustimmen und ihnen kaum etwas hinzufügen, außer dass ich es immer vorgezogen habe/vorziehe, mit der Hand und einem für mich angenehmen Stift in ein schönes Notizbuch zu schreiben.
Etwas übertrieben formuliert: Das macht das Ganze dann noch zum „sinnlichen“ Erlebnis und außerdem sitze ich vor der Kiste sowieso schon den ganzen Tag und bekomme eckige Augen.

Übrigens ist es meiner Erfahrung völlig unnötig, beim Schreiben großartig darüber nachzudenken, was man denn jetzt wie schreibt. Das kommt von selbst. Und außerdem erfüllt es interessanterweise auch schon den Zweck, wenn man anscheinend belanglose Dinge (Wetter etc.), die einem im Kopf herumschwirren, niederschreibt.

Schönen Gruß,
Christiane

hi yvi,lies mal dein email bitte…

gruß