Hallo Rudolf!
da gibt es eine Regulierungsbehörde.
Ich habe die Fernsehnachrichten auch verfolgt. Allerdings wurde stets nur - neben Arbeitsplatzabbau, Filialschliessungen usw. - gesagt, dass die Post die Gebühren senken muss, jedoch nicht warum. Das würde mich interessieren.
Der Cent pro Brief wird mich nicht viel reicher machen, wenn
ich aber zum nächsten Briefkasten ins Auto steigen muß und für
das Lagern der Briefe im Urlaub eine Gebühr fällig wird, werde
ich mich an diese Regulierungsbehörde erinnern.
Diese Nachricht von einem Cent pro Standardbrief, ebenso wie die 45 Euro-Cent für eine Postkarte, ist zwar einprägsam, wurde jedoch so von der Regulierungsbehörde nicht in den Raum gestellt. Der RegTP-Sprecher Dörr sagte, „die Post soll im Rahmen eines Entgeltregulierungsverfahrens ihre Preise für bestimmte ‚Warenkörbe‘ senken, zu denen auch der Standardbrief zähle. (…) Er könne allerdings nicht sagen, für welche Sendungen im Speziellen und in welchem Umfang die Post ihre Preise senken werde, sagte Dörr.“ (Siehe http://de.news.yahoo.com/020710/71/2umuu.html)
Abgesehen davon ist es schon für viele zur Realität geworden, wenn auch nicht unbedingt zum Briefkasten, so doch zum nächsten Postamt - Pardon, Freudscher Fehler, ich lebe noch in der Zeit der DBP -, zur nächsten Poststelle mit dem Auto fahren zu müssen, weil das Filialnetz ausgedünnt wurde. (Siehe auch http://www.wdr.de/tv/monitor/archiv.phtml?id=38)
Nicht zuletzt haben wir die höchsten Briefporti in Europa, und aus welchem Grund die Deutsche Post World Net AG, obwohl schon längst an der Börse, nach wie vor quasi über das Briefmonopol verfügt und mit diesem Zugewinn den defizitären Frachtdienst subventioniert, sollte man sich auch einmal fragen. Bis heute hat die Post ihre hohen Gebühren nicht rechtfertigen müssen, und solange der Markt nicht für alle Dienstleister offensteht, lassen sich diese auch nicht vergleichen. Wir haben hier das gleiche Prinzip wie seinerzeit bei der Telekom: Als es zur Liberalisierung des Telefonmarktes kam, wurde reihum über das nun günstige Telefonieren gejubelt, dabei jedoch völlig vergessen, dass zuvor am 01.01.96 die Ortstarife drastisch erhöht worden waren (siehe u.a. http://userpage.fu-berlin.de/~dittbern/Telekom/Ortsg…). Genau jene Ortstarife, mit denen man sich damals bei Providern wie CompuServe einzuwählen begann und seine ersten zaghaften Surfversuche startete; und ich erinnere mich noch sehr gut an meine hohen Telefonkosten. Doch so ganz ist das Monopol auch hier nicht beseitigt, Stichwort ‚letzte Meile‘.
Laut MONITOR (siehe obiger Link) beschloss der Bundestag, dass die 1,10 DM Porto für den Standardbrief nur noch bis August 2000 erlaubt sind. Dann wurde es bis Ende 2002 verlängert. Ich behaupte, die von Dir genannten Ärgernisse mit Brieflagerung - wovon ich bisher nichts gehört hatte - und Briefkasten stehen sowieso in Aussicht, wenn das Briefmonopol tatsächlich fällt. Auch die äusserst schnelle Reaktion der Post auf die RegTP - der Sender n-tv nannte dies gestern „lehrbuchmässig“ -, bei Portoreduzierung werden zum Ausgleich der Mindereinnahmen 10.000 Stellen abgebaut, bietet in meinen Augen der Post nur einen willkommenen Anlass für sowieso geplante Vorhaben.
(Angesichts von Post und Telekom darf man sich nach der Privatisierung der Bahn auf den wahrscheinlich 2005 kommenden Börsengang der Bahn „freuen“, wenn man es nicht seit geraumer Zeit bereits tut.)
Marco