Hallo Leandra,
was Euch früher verbunden hat, war Eure Unterschiedlichkeit, und jetzt trennt sie Euch.
Unterschiede ziehen sie an, sagt man. Ich kenne das auch aus meiner Schulzeit, da war man Leidensgenosse, und ergänzte sich. Der Ultraleichtvogel zieht den Ernsten aus mancher Depression. Der Ernste holt den Vogel zurück auf die Erde, damit das Ziel nicht aus den Augen verloren wird.
Aber dann zog dieser Vogel aus dem gemeinsamen Revier, ins vermeindliche Paradies…
Sie war unzufrieden mit ihrem Job und kam an mein Institut zum
promovieren. Einige fanden das komisch, weil es gar nicht
ihrem Fachgebiet entsprach und meinten, sie wolle in
Konkurrenz zu mir treten.
Ich freute mich aber darauf, auf tolle Gespräche gemeinsamen
Spass usw.
…was sich als nicht so paradisisch erwies. Sie hätte ja auch woanders hinziehen können. Dass sie deine Nähe gesucht hat, ist kein Zufall, das hat etwas mit dir zu tun, und da zählt nicht nur die Sympathie zu dir. Vielleicht hoffte sie auf das gewohnte Teamarbeiten mit dir. Dabei ist ihr sicher nicht entgangen, dass du bereits deine ersten Lorbeeren geerntet hast, während sie bei Null anfing. Das hat Euch automatisch zu Konkurrentinnen gemacht, ohne das jede von Euch das wahrhaben wollte.
Es war aber nicht mehr wie früher, der gemeinsame Draht war
nicht mehr so ganz da. Ich wollte trotzdem an dieser
Freundschaft festhalten.
Und wenn es beruflich schon nicht so toll läuft, dann gilt es andere Register zu ziehen, was frau so eben drauf hat:
Ausserdem hatte sie noch eine Affäre mit einem Kollegen, mit
dem ich auch locker befreundet war, der sich in einer
Beziehung befand und zog mich mithinein. Ich riet ihr davon ab. Der
Kollege beendete die Affäre, entschied sich für seine Freundin.
Vielleicht auch hat der Kollege den Braten gerochen, dass er nur eine personifizierte Bestätigung werden soll. Und da stand sie da, zurück gewiesen, nicht die gemachte Frau sondern immer noch nur die Freundin einer Erfolgreichen. Sie hat ihr Gesicht verloren.
Sie litt ziemlich, versuchte ihm aus dem Weg zu gehen, war
etwas sauer, daß ich noch mit ihm redete.
In solchen Situationen reagiert man instinktiv, und teilt Personen nur noch in Freunde und Feinde auf. Da wird nicht mehr relativiert. Das wäre ein guter Zeitpunkt für dich gewesen, mit ihr eine Nacht lang über alles zu reden (wenn der Ernste den Vogel auf die Erde holt…
))
Sie fing langsam an mich auszugrenzen, unseren gemeinsamen
Freundeskreis gegen mich aufzuhetzen.
Ich versuchte sie zu einer Aussprache zu bewegen. Sie wich dem
aus.
Neben dir konnte sie nicht mehr bestehen. Sie bemühte sich um ein eigenes Image, allerdings auf deine Kosten.
Ich muss dazu sagen, sie ist geselliger als ich, pflegt viel
oberflächliche Kontakte, veranstaltet dauernd irgendwelche
Partys, zu denen ich nicht mehr eingeladen wurde.
Ich bin zwar auch kein Kind von Traurigkeit, aber da kann ich
nicht mithalten, habe so einige Kontakte verloren.
Weißt du, was ich mit „deinen Kosten“ gemeint habe? Sie will allen beweisen, dass sie vieles besser kann als du, zumindest auf dem menschlichen Sektor. Ihr Trumph im Ärmel ist ihre Geselligkeit.
Ich beschloß darauf, sie nur noch als Kollegin zu sehen. Sie
höflich unverbindlich zu behandeln und auf private Kontakte zu
verzichten. So weit es geht versuche ich sie zu
ignorieren.Leider ist das nicht so einfach.
Das hätte ich an deiner Stelle auch getan.
Sie versucht mich ständig von oben herab zu behandeln, wirft
spitzen und spielt sich dauernd in den Vordergrund. Ich wehre
mich natürlich, halte mich aber vor den Kollegen etwas zurück.
Ich will ja auch nicht, dass sie den Zickenalarm ausrufen.
Fehler. Sie sucht den Zweikampf mit Wertung des Publikums. Wenn du ihre Angriffe meidest, wird irgendwann angenommen, dass du dich nicht wehren kannst, und sie gewinnt dann wirklich Oberwasser. Es würde ein spitzer Verbalpfeil reichen „du bist aber heute wieder gut drauf - immer für eine kleine Unterhaltung gut“, und dann hinterher schweigen. Dann hast du Selbstwert bewiesen und sie gleichzeitig enttarnt. Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum sie dich angreift.
Erst dachte ich, ich bilde mir das nur ein. Aber gestern hat
sie vor den Kollegen eine Sache ausgeplaudert, von der ich
nicht wollte, dass sie es wissen uns mich dadurch ziemlich
gedemütigt. Glücklicherweise haben meine Kollegen prima
reagiert und sie stand blöder da als ich.
Ich habe sie hinterher zu Rede gestellt. Sie meinte ich bilde
mir das einfach nur ein und bin überempfindlich.
sie ist sich dessen bewußt, dass sie sich nicht ganz sauber verhält. Was soll sie da groß zu dir sagen? „ja, du hast recht, ich benehme mich unmöglich“?
Ich frage mich, was will diese Frau.
Meine Freundschaft will sie nicht, ich ihre auch nicht mehr.
Sieht sich mich, da ich ihre einzige weibliche Kollegin bin
als Konkurrenz?
Ist sie neidisch, weil ich eine glückliche Beziehung habe und
sie verzweifelt auf Männersuche?
Sie will dich von einem vermeindlichen Sockel schupsen, den sie für sich beansprucht.
Manchmal bin ich an dem Punkt, dass ich denke, wenn sie Krieg
will , kann sie ihn haben. aber eigentlich will ich mich nicht
auf dieses Niveau herabbegeben. Ich will einfach nur in Ruhe
arbeiten, in einer guten Athmosphäre.
Auf einen Krieg würde ich mich nie einlassen, weil es da um Kräfte messen geht, der immer unsportlich verläuft.
Andererseits hat sich die ganze Sache in mir so hochgeschaukelt, daß
mich ihre bloße Anwesenheit auf die Palme bringt.
Wie kann ich ihr gelassener begegnen?
Nach außßen hin tu ich zwar als gehe sie mir am A… vorbei,
aber innerlich bin ich oft am kochen.
Mit deinen Ausweichmanövern schwächst du deine Position nach außen, sowohl im Freundeskreis als auch unter Kollegen. Aber ich glaube, dass es bisher nicht dein Ding war, deine Wut gegen sie einmal an Ort und Stelle rauszulassen, egal wo und wann? Wäre meines auch nicht, aber ich denke manchmal, dass es eine Möglichkeit sein könnte, eine verfahrene Situation aufs richtige Gleis zu bekommen.
Und sie ist auch am kochen. Deine Ruhe bringt sie auf die Palme. So lange du die Ruhige spielst, wird sie dich piesacken. Sie will, dass du deine Haltung verlierst, und so an Würde verlierst, wie sie es mit dem Kollegen verloren hat.
Das letzte mal habe ich sowas im Teenageralter erlebt. Beste
Freundinnen, aus denen erbitterte Feindinnen wurden, habe
nicht gedacht, dass mir das nochmal passieren kann.
Das ist keine Frage des Alters.
Um einen Streit wirst du nicht herum kommen, davon bin ich überzeugt. Aber du hast den Vorteil, dass du am Zug bist, und dass du genau über Ort und Waffen nachdenken kannst. Der Streit sollte nicht unter Zeugen geschehen. Pack sie dir, und erkläre ihr, dass es so nicht weitergehen kann. Du willst ein Gespräch mit ihr, und bestehst darauf - laß sie nicht aus, von wegen du bildest dir das alles ein, das ist hochgradig heimtückisch. Beim Gespräch könntest du sie auch deine Wut spüren lassen, als Beweis, dass du ein ernst zunehmender Gegner sein kannst.
Überlege dir, worauf du hinaus willst: soll sie vom Institut ganz gehen, sich versetzen lassen, dich mit ihr Siezen, keine gemeinsamen Treffs… Deine Zielstrebigkeit wird in dem Moment dein Vorteil sein.
Und dann wird es dir vielleicht besser gehen. Ihre Piesackereien, wenn sie dann noch immer vorkommen, sind Makulatur und berühren dich einfach nicht mehr, wenn du ihr mitgeteilt hast, wie unnötig kränkend sie bisher war. Das Thema könnte dann für dich vom Tisch sein.
Vermutlich habt Ihr untereinander so eine Art 6.Sinn entwickelt. Manches muss nichts gesagt werden, weil man die Empfindungen und Empfindlichkeiten des anderen ahnt (Gestik, Mimik, Worte). Wenn du wirklich Gleichgültigkeit gegen sie empfindest, wird sie das spüren. Und wer weiß, vielleicht zieht dieser Vogel wieder weiter, weil es nichts mehr zu holen gibt.
viele Grüße
grilla