Wenn Ausländer neben Nazis wohnen

Hallo!

Pech gehabt: Gerade hat das ausländische Pärchen nach langer Suche eine neue Wohnung bezogen, als sie merken, daß ihre ebenfalls frisch eingezogenen Nachbarn auf dem Treppenabsatz kurze Haare und einschlägige Stiefel tragen. Kein eineindeutiges Zeichen für rechte politische Auffassungen. Hinzu kommt aber, daß freundliches Guten Tag von ihnen prinzipiell negiert wird und gar demonstrativ weggeschaut wird, wenn man sich im Treppenhaus begegnet.

Was nun? Schnell eine neue Wohnung suchen? Zum Tee einladen und Frieden schließen? Nicht mehr grüßen oder gerade doch auch in Zukunft?
Wer hat mit sowas schon Erfahrung? Und welche?

Tschuess, Sven.

Hallo Sven,
am besten waere es wohl, wenn das Auslaenderpaerchen die
Kurzhaarigen mit genausoviel Vorurteilen betrachtet wie sie es
von ihrem Gegenueber erwarten: naemlich mit gar keinen. Nicht
Gruessen und das Aussehen muss ja nicht unbedingt ein Zeichen
fuer Fremdenfeindlichkeit sein.
Wenn ich ein Teil des Paerchens waere, wuerde ich versuchen, mit
den Nachbarn in Kontakt zu kommen (sich vorstellen, etwas
fragen, oder wenn das alles zu gewollt aussieht, dann eben 100 g
Zucker ausleihen), und dabei so wenig argwoehnisch wie moeglich
zu sein. Das raeumt Vorurteile gleich aus dem Weg und fuehrt
u.U. dazu, dass beide einander besser verstehen und einige
Vorurteile fuer immer aus ihren Koepfen verbannen.
Ich wuensche dem Paerchen, dass es klappt und dass alles weniger
bedrohlich ist, als es jetzt aussieht.
Viele Gruesse,
baw

Vorurteile
Hallo Sven,

Vorurteile entspringen aus Ignoranz. Ausgrenzung fördert Ignoranz. Das ist der Teufelskreis. baw hat nicht ganz unrecht: Wenn Dein Ausländerpaar den Nachbarn jetzt mit Mißtrauen und Ablehnung begegnet, ist das reverse Diskriminierung - und macht die Situation überhaupt nicht besser.

Statt dessen würde ich versuchen, auf beiden Seiten gegen die Ignoranz anzugehen. Und das andere Paar tatsächlich zum Kaffee einladen, nach dem Motto „Wir sind ja beide neu hier, wir sollten uns mal näher kennen lernen“.
Gut, vielleicht reagieren die dann abweisend… dann wissen Deine Freunde aber, woran sie sind, und können erneut überlegen, was zu tun ist.

Aber vielleicht lassen sie sich auch drauf ein, und das „Nazipärchen“ hat dadurch die Möglichkeit, mehr über die Welt ihrer ausländischen nachbarn zu verstehen. Dann wäre es möglicherweise sogar eine großartige Chance, deren Einstellung zu ändern (falls sie wirklich diese Einstellung haben sollten, was ja noch gar nicht bewiesen ist).

Ignoranz, Diskriminierung und Ungerechtigkeiten kann man am besten mir Verständnis und Toleranz begegnen, finde ich. Weitere Agressionen machen alles nur noch schlimmer und treten den Teufelskreis erst richtig los.

Liebe Grüße, Nike

Hallo Sven!

Ich denke ganz anders als meine Vorschreiber.
Das Pärchen hat höchstwahrscheinlch wirklich Pech gehabt.
Und die Einstellung: „Jetzt-lade-ich-meine-Nazi-Nachbarn-auf-'nen-Kaffee-ein“ halte für extrem naiv.
SIE sind diejenugen, die ignorant sind und Ausländer partout nicht im Lande wollen.
Also: ich würde sie einfach ignorieren, udn wenn ich mich belästigt fühle, dann etwas unternehmen: je nachdem, vielleicht sogar wegziehen. Gegen DIESE IGnoranz hat man (vor allem als Ausländer) keine Chancen.

Ciao
Camilla

Hi Sven,

zusätzlich würde ich zur Entschärfung der Situation, falls diese vorliegt, mehrere Nachbarn sozusagen als Willkommensgruß einladen. Es erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auch auf ein paar sympathische Menschen zu treffen, egal ob man nun Ausländer ist oder der Nachbar „scheinbar“ ein Rechtsradikaler ist.

Vielleicht hilft da etwas was landestypisch für deren Küche ist, um mit deren Traditionen, Eßgewohnheiten vertraut zu machen, doch auch hiesige Küche. Ebenso würde ich das mit der Musik so handhaben, eben immer was aus beiden Kulturkreisen bringen.

Manche Jugendliche sind auch einsilbig, bekommen den Mund nicht auf, und sind deshalb noch lange nicht rechtsradikal. Die Kleidung muß das nicht belegen.

Mag sein, daß die Vorstellung, eher die Befürchtung, es könnte sich hier um Nazis handeln, auch eine gewisse Ängstlichkeit in den Reaktionen ausdrückt, Angst vor Gewalt. Freundlichkeit und Offenheit ist sicherlich wichtig, doch man muß auch zu sich selbst stehen und darf sich - egal ob In- oder Ausländer - nicht zu sehr zurücknehmen, nur weil es einem anderen nicht gefallen könnte. Mit Freundlichkeit, Offenheit und mit Selbstbewußtsein auftreten, scheint mir ein gangbarer Weg zu sein.

Es gibt in der Nachbarschaft sicherlich auch andere Paare oder ältere Menschen, Singles, die einfach offen und freundlich sind. Also, nur nicht an dem einen Paar aufhängen. :smile: Man muß nicht mit jedem können. Und das hat nichts mit Aus- oder Inländer zu tun.

Ciao,
Romana

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nanu?
hi camilla,

woher weiß du, daß es nazis sind?
das sind doch nur vermutungen, sowie genauso vorurteile wie die der sog. rechten.

cu

strubbel

camilla meinte, WENN es nazis Wären…und da muss ich ihr
recht geben…

Bye
Hd

Hallöchen :smile:

Warum sollten die sogenannten Ausländer ausziehen,und nicht die Nazis?*grübel*

Gruß

Hallo

Warum sollten die sogenannten Ausländer ausziehen,und nicht
die Nazis?*grübel*

weil unterschriebene Verträge (z.B. Mietverträge) auch für Glatzen gelten - egal welcher politischen Gesinnung sie anhängen. Der Vermieter wird ihnen was husten, wenn sie plötzlich ausziehen wollen - es sei denn sie kündigen fristgemäß.

Es gibt neben „rechten“ Skins übrigens auch welche die als politisch neutral gelten oder die eher „links“ stehen (die Skinheadsubkultur kommt ursprünglich aus der britischen Arbeiterbewegung, war lange Zeit apolitisch bis links und wurde nach und nach von national orientierten Parteien assimiliert).

Gruß,

Guido Strunck

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skins

Es gibt neben „rechten“ Skins übrigens auch welche die als
politisch neutral gelten oder die eher „links“ stehen (die
Skinheadsubkultur kommt ursprünglich aus der britischen
Arbeiterbewegung, war lange Zeit apolitisch bis links und
wurde nach und nach von national orientierten Parteien
assimiliert).

hi guido,

ergänzend möchte ich nur noch bemerken, auch in der schwulenszene frönen sehr viele jungs diesem fetisch.
allerdings meist ohne politische haltung dahinter.

cu

strubbel

Hallo Romana,

wie schön… eine Willkommenparty für die Nazis…
Ich glaube, Euch allen ist es nicht klar, wie primitiv und ignorant Neonazis sind. Vielleicht weil Ihr (sorry, wenn ich nicht du sage, ich wende mich auch an die anderen, die so denken)als Deutsche mit solchen Leuten eventuell nocht nichts zu tun gehabt habt…
Eigentlich ist Romana kein deutscher Name…?!?

Ich halte diese Kaffee-und-Kuchen-Vorschläge für sehr naiv und unrealistisch.

Ciao
Camilla

Hi Camilla,

ich bitte Dich doch mich als Individium zu sehen. :smile:

Ich habe nichts dem Posting entnehmen können, aus dem man sicherlich schließen kann, daß es sich tatsächlich um Nazis handelt. Richtig? Und sollen Leute auf Verdacht hin Nazis zu sein so behandelt werden?

Die geschilderte Reaktion des angeblichen Nazipaares finde ich natürlich unerfreulich. Doch ob sie nun Nazis sind oder nicht, wäre erst mal zu bestätigen. Möglicherweise handelt es sich nur um Kontaktmuffel. Möglicherweise hat das Ausländerpärchen so unsicher im Auftreten reagiert, daß die anderen neuen Nachbarn deren Grüße nicht gehört haben, weil sie zu leise kamen. Ich weiß es nicht. Weißt Du es?

Wenn es sich um ein Nazipärchen handelt, würden sie einer Einladung wohl kaum nachkommen. Ich denke, als neue® Mieter kann man mit einer Einladung der Nachbarn generell bekannt machen. Und das hat nichts mit In- oder Ausländer zu tun.

Überdies muß im speziellen Fall das Ausländerpärchen sich ja nicht mit dem angeblichen Nazipärchen beschäftigen. Es könnte z.B. Bekanntschaften oder Freundschaften mit den anderen Leuten entwickeln. Überdies, sollte es sich tatsächlich um ein rechtsradikales Pärchen handeln, so werden sie das Ausländerpaar wohl weniger angreifen, wenn diese integriert in die Gemeinschaft sind.

Ignoranz bzw. Primitivität ist nicht Nazis allein vorbehalten.

Und was wäre dann für Dich realistisch, was wäre Deine Lösung?

Ciao,
Romana

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Romana,

Ich habe nichts dem Posting entnehmen können, aus dem man
sicherlich schließen kann, daß es sich
tatsächlich um Nazis handelt. Richtig? Und sollen Leute
auf Verdacht hin Nazis zu sein so behandelt werden?

Also, wie Dilarah unten geschrieben hat: gehen wir davon aus, dass sie Neonazis SIND.

Die geschilderte Reaktion des angeblichen Nazipaares finde ich
natürlich unerfreulich. Doch ob sie nun Nazis sind oder
nicht, wäre erst mal zu bestätigen.
Möglicherweise handelt es sich nur um Kontaktmuffel.

Warum soll man ihnen dann hinterherlaufen? Sie zum Kaffee einladen? Für die sogar eine kleine Party schmeissen? Sooooo menschenfreundlich bin ich schliesslich nicht. Dann sollen sie halt Muffel bleiben. Sie sind keine Kollege oder Leute, mit denen ich zwangsläufig zu tun haben muss.

Wenn es sich um ein Nazipärchen handelt, würden sie
einer Einladung wohl kaum nachkommen.

Allerdings.

Ich denke, als neue®
Mieter kann man mit einer Einladung der Nachbarn generell
bekannt machen. Und das hat nichts mit In- oder Ausländer
zu tun.

Ich stimme zu.

Überdies, sollte es sich tatsächlich um
ein rechtsradikales Pärchen handeln, so werden sie das
Ausländerpaar wohl weniger angreifen, wenn diese
integriert in die Gemeinschaft sind.

Das bezweifle ich sehr. Glaubst du im Ernst, dass sie differenzieren? So tiefgründig sind sie nicht.

Ignoranz bzw. Primitivität ist nicht Nazis allein
vorbehalten.

Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, sie sind primitiv und ignoranz und habe nie behauptet, sie seien die Einzigen. Sicherlich sind sie es nicht, im Gegenteil. Die Tatsache, dass andere Menschen primitiv sind, ändert an der Primitivität DIESER Menschen auch nichts.

Und was wäre dann für Dich realistisch, was
wäre Deine Lösung?

Ignorieren, aus dem Weg gehen, solange sie mich nicht belästigen.
Mit Sicherheit NICHT zu mir nach Hause einladen oder ihre Gesellschaft suchen.
Ich versuche, so weit ich kann nicht zu verallgemeinen und in Kategorien zu denken, in diesem Fall lässt sich das bei mir nicht vermeiden und ich sage dir ehrlich: mit solchen Zeitgenossen will ich absolut nichts zu tun haben.

Liebe Grüße
Camilla

Hi Camilla,

so ich das Ausgangsposting in Erinnerung habe, wurden Nazis gemutmaßt, doch von etwas auszugehen, heißt noch lange nicht, daß dem auch tatsächlich so ist. Ein Verdacht bedarf immer noch einer Beweisführung.

Hallo Romana,

Ich habe nichts dem Posting entnehmen können, aus dem man
sicherlich schließen kann, daß es sich
tatsächlich um Nazis handelt. Richtig? Und sollen Leute
auf Verdacht hin Nazis zu sein so behandelt werden?

Also, wie Dilarah unten geschrieben hat: gehen wir davon aus,
dass sie Neonazis SIND.

Kennst Du sie? Warst Du dabei? Wie gesagt, die Möglichkeit scheint nicht wirklich bewiesen zu sein.

Die geschilderte Reaktion des angeblichen Nazipaares finde ich
natürlich unerfreulich. Doch ob sie nun Nazis sind oder
nicht, wäre erst mal zu bestätigen.
Möglicherweise handelt es sich nur um Kontaktmuffel.

Warum soll man ihnen dann hinterherlaufen? Sie zum Kaffee
einladen? Für die sogar eine kleine Party schmeissen? Sooooo
menschenfreundlich bin ich schliesslich nicht. Dann sollen sie
halt Muffel bleiben. Sie sind keine Kollege oder Leute, mit
denen ich zwangsläufig zu tun haben muss.

Nieman soll jemanden hinterherlaufen. Eine Einladung war in meinem Lösungsversuch für alle Nachbarn gedacht. Und ob Nazi oder nicht: jeder Mensch hat das Recht Fehler zu machen und jeder Mensch hat das Recht daraus zu lernen. Man kann das jedoch nur anbieten, doch es bleibt jedem selbst überlassen, ob er sich darauf einläßt.

Wenn es sich um ein Nazipärchen handelt, würden sie
einer Einladung wohl kaum nachkommen.

Allerdings.

Wieso machst Du dann ein Problem draus? Sie kämen ja dann eh nicht. :smile:

Ich denke, als neue®
Mieter kann man mit einer Einladung der Nachbarn generell
bekannt machen. Und das hat nichts mit In- oder Ausländer
zu tun.

Ich stimme zu.

Dann kann man auch ein paar Schwule, Alte, Paare mit Kindern, Behinderte, Singles, Akademiker, Künstler, Nazis und andere Nachbarn einladen. Es zeigt sich erst in einer Begegnung, wer sich darauf einläßt und was daraus sich entwickelt.

Überdies, sollte es sich tatsächlich um
ein rechtsradikales Pärchen handeln, so werden sie das
Ausländerpaar wohl weniger angreifen, wenn diese
integriert in die Gemeinschaft sind.

Das bezweifle ich sehr. Glaubst du im Ernst, dass sie
differenzieren? So tiefgründig sind sie nicht.

Es gibt sicherlich auch sehr intelligente Rechtsradikale, nicht alle Neonazis plappern nur dumm nach was ihnen jemand vorgesagt hat. Natürlich gehe ich mit derartigen Meinungen nicht konform.

Ignoranz bzw. Primitivität ist nicht Nazis allein
vorbehalten.

Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, sie sind primitiv
und ignoranz und habe nie behauptet, sie seien die Einzigen.
Sicherlich sind sie es nicht, im Gegenteil. Die Tatsache, dass
andere Menschen primitiv sind, ändert an der Primitivität
DIESER Menschen auch nichts.

So einfach ist das nicht. Ein kaltblütiger Bankräuber der skrupellos Menschen niederschießt, kann dennoch durchdrehen, wenn seiner Freundin etwas geschieht. Sagen möchte ich damit, in welcher Hinsicht Menschen primitiv bzw. ignorant sind, kann sehr unterschiedlich sein.

Und was wäre dann für Dich realistisch, was
wäre Deine Lösung?

Ignorieren, aus dem Weg gehen, solange sie mich nicht
belästigen.

Das ist Dein Weg. Andere Menschen möchten vielleicht andere Wege versuchen, die ihnen hilfreicher erscheinen.

Mit Sicherheit NICHT zu mir nach Hause einladen oder ihre
Gesellschaft suchen.
Ich versuche, so weit ich kann nicht zu verallgemeinen und in
Kategorien zu denken, in diesem Fall lässt sich das bei mir
nicht vermeiden und ich sage dir ehrlich: mit solchen
Zeitgenossen will ich absolut nichts zu tun haben.

Du reagierst auf sie so wie sie umgekehrt auf das Ausländerpaar möglicherweise reagieren können. Das ist ein Teufelskreislauf, bietet leider keine Lösungsmöglichkeiten.

Wie soll jemand was dazu lernen können, bleibt jeder in seinem Verhaltensmuster haften und ist nicht bereit mal was Neues auszuprobieren?!

Es gibt nicht die Neonazis. Es gibt unterschiedliche Motive dafür, daß Menschen es werden, z.B. ein 14jährige Junge wurde es, weil er Angst hatte, beruflich nicht gut genug zu sein. Diese Versagensängte schob er auf die Ausländer, die ihm den Job seiner Meinung nach wegnahmen (Webdesing / Programmierung).

Ein Jugendlicher wurde „Neonazi“ weil er Angst vor Türken hatte, weil er einmal verprügelt worden ist.

Mist, daß ich so Kopfschmerzen habe. Ich will damit ausdrücken, manche „Neonazis“ sind gar nicht so ignorant bzw. primitiv, gibt man ihnen eine Chance sie kennenzulernen und zeigt man sich ihnen auch.

Und irgendwelche Arschlöcher gibt es immer auf der Welt.

Also, einfach mal versuchen. Da hat sich noch keiner einen Zacken aus der Krone gebrochen. :smile:

Ciao,
Romana

Liebe Grüße
Camilla

Hallo!

Habt vielen Dank für Eure Beiträge! Sie sprachen mir aus der Seele.

Echte Erfahrungen in genau dieser Weise scheint bislang niemand gehabt zu haben.

Die meisten sehens aus der Perspektive der Unbetroffenen, der Zuschauer. Zum Glück muß man sagen, wenn nur wenige Gewalt und Hass selbst erlebt haben.
Kein Wunder andererseits, daß sie das Ganze „nicht so schlimm“ sehen. Ich interpretiere hier die Tendenz zum Selbstschutz: „so schlecht sind wir doch gar nicht und unser Staat, die Ausländer sollen mal nicht übertreiben“.
Aber ich sehe hier auch das in meinen Augen sehr gute Bedürfnis nach Ausgleich, nach Konfliktvermeidung bzw. -schlichtung.

Camilla hingegen hat offenbar höchst persönlich sehr schlechte Erfahrungen gehabt.
Kein Wunder, daß sie deshalb so reagiert, wie sie reagiert und sich an jene Situationen erinnert, bei denen ein Ausgleich unmöglich war.

Die von mir geschilderte Situation ist nicht eindeutig. Wie so oft, kann man Verhalten auf verschiedene Weise deuten (typisch Psychologie :smile:).
Deshalb finde ich gut, erstmal unvoreingenommen freundlich bis neutral zu sein, lieber einmal mehr positiv deuten, u.U. eigene Kränkung verzeihen, bis man sich wirklich sicher sein kann.
Andererseits ist mit Rechtsradikalen nicht zu scherzen. Sie haben schon Leute umgebracht. [Wenigstens vor einem Brandanschlag dürfte das Pärchen sicher sein (böser Galgenhumor)]

In der Realität deutete sich übrigens stärker an, daß es sich nicht einfach um Grußmuffel handelt. Das Ausländerpärchen hat gemeinsam im Haus geklingelt und sich ausdrücklich bei allen Familien vorgestellt, meist mit positiver Resonanz. Beim späteren Begegnen im Haus blickten trotz freundlichen Gruß’ die Nazis(?) demonstrativ zur Hauswand, während sie vorbeigingen. So etwas kränkt, und es bedarf innerer Stärke, solche Kränkungen zu verdauen und dennoch höfliches Entgegenkommen zu bewahren.

Aber genau hierbei habt Ihr geholfen: Es wurde der Entschluß gefaßt, in Zukunft weiter zu grüßen, ohne Aufdringlichkeit, statt seinerseits wegzugucken o.ä.
Darüber hinaus soll eben der freundliche Kontakt zu andern Familien gehalten werden, mit denen man zurechtkommt. Vielleicht sogar mal zum Kaffee einladen. Letztlich ist gute Nachbarschaft überall bedeutsam, und wenns bloß um das Entgegennehmen von Päckchen geht.
Das weitere Zugehen auf die Nazis(?) ist verworfen. Zu groß scheint die Gefahr, schon durch das Anbieten größerer Nähe noch mehr Abwehr zu provozieren, auch wenn im Moment nicht von regelrechter Angst geredet werden kann, von Sorge schon.

Vielen Dank also!

Tschuess, Sven.

Pech gehabt: Gerade hat das ausländische Pärchen nach langer
Suche eine neue Wohnung bezogen, als sie merken, daß ihre
ebenfalls frisch eingezogenen Nachbarn auf dem Treppenabsatz
kurze Haare und einschlägige Stiefel tragen. Kein
eineindeutiges Zeichen für rechte politische Auffassungen.
Hinzu kommt aber, daß freundliches Guten Tag von ihnen
prinzipiell negiert wird und gar demonstrativ weggeschaut
wird, wenn man sich im Treppenhaus begegnet.

Was nun? Schnell eine neue Wohnung suchen? Zum Tee einladen
und Frieden schließen? Nicht mehr grüßen oder gerade doch auch
in Zukunft?
Wer hat mit sowas schon Erfahrung? Und welche?

Tschuess, Sven.

Danke fürs Update!
Hallo Sven,

ich finde es immer schön, wenn man Updates zu Themen bekommt, um die man sich gekümmert hat. :smile:

Anscheinende scheint sich herauszukristallisieren, daß die vermeintlichen Nazis tatsächlich zumindest fremdenfeindlich sind. Unter diesen Umständen macht es Sinn, daß sich Deine Freunde genau so verhalten, wie sie es jetzt beschlossen haben: Freundlich weiter grüßen und ansonsten passiv bleiben.

Wichtig finde ich vor allem, daß sie beschlossen haben, den Kontakt zu den anderen Nachbarn zu pflegen. Gute Nachbarschaft ist sehr wichtig, und wenn sie sich mit den anderen Parteien im Haus gut verstehen, wird es für sie sicher einfacher werden, möglichen Anfeindungen zu widerstehen.

Ich wünsche den beiden viel Erfolg! :smile:

Liebe Grüße, Nike

Hi Sven,

wußte bei meinem Posting nicht, daß die Nachbarn mit zunehmender Wahrscheinlichkeit Nazis sind?

Hallo!

Habt vielen Dank für Eure Beiträge! Sie sprachen mir aus der
Seele.

Echte Erfahrungen in genau dieser Weise scheint bislang
niemand gehabt zu haben.

Die meisten sehens aus der Perspektive der Unbetroffenen, der
Zuschauer. Zum Glück muß man sagen, wenn nur wenige Gewalt und
Hass selbst erlebt haben.
Kein Wunder andererseits, daß sie das Ganze „nicht so schlimm“
sehen. Ich interpretiere hier die Tendenz zum Selbstschutz:
„so schlecht sind wir doch gar nicht und unser Staat, die
Ausländer sollen mal nicht übertreiben“.

Auch. Doch ich glaube auch da gibt es noch etwas anderes im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeihung. Gegen manche Gedanken kann man sich nur schlecht wehren, die man dann teils, je nach dem, sogar therapeutisch aufarbeiten sollte. Es gibt diverse Aussagen, die vermitteln, daß das was wir denken, auch anziehen: „Ändere Dein Bewußtsein und Du änderst Deine Realität“, die Energie fließt dahin, worauf Du Deine Aufmerksamkeit richtest.

Das heißt für mich im konkreten Fall, von innen heraus freundlich bleiben (ich weiß, das ist sehr schwer, vor allem wenn man auch noch grundlos - man wird ja nicht mal wirklich gekannt - abgelehnt wird) und dabei auch entspannt bleiben. Sprich nicht Freundlichkeit in Verbindung mit einem Stück Unterwerfung. Ich habe Angst, also mache ich mich lieb Kind bei Dir. Das kann fatal sein. Echte Freundlichkeit, nicht aufgesetzt, das ist eine große Herausforderung, finde ich.

Wenn sich dieses Pärchen aklimatisiert hat, Kontakte sich gefestigt haben werden, vielleicht - je nachdem - kann man mal die „Nazis“ in der Gruppe konkret (vielleicht mit einem kleinen Witz) ansprechen? Vielleicht sprechen die anderen mal die Nazis? an? Das wäre viel. Und ich kann verstehen, wenn die meisten dieser Konfrontation aus dem Weg gehen.

Aber ich sehe hier auch das in meinen Augen sehr gute
Bedürfnis nach Ausgleich, nach Konfliktvermeidung bzw.
-schlichtung.

Großteils sicher auch.

Camilla hingegen hat offenbar höchst persönlich sehr schlechte
Erfahrungen gehabt.
Kein Wunder, daß sie deshalb so reagiert, wie sie reagiert und
sich an jene Situationen erinnert, bei denen ein Ausgleich
unmöglich war.

Ja, das las sich für mich auch so. Die Frage ist nur, ob sie mit der Wut im Bauch, die für mich so rüberkam, einen heilsamen Weg finden kann?

Die von mir geschilderte Situation ist nicht eindeutig. Wie so
oft, kann man Verhalten auf verschiedene Weise deuten (typisch
Psychologie :smile:).
Deshalb finde ich gut, erstmal unvoreingenommen freundlich bis
neutral zu sein, lieber einmal mehr positiv deuten, u.U.
eigene Kränkung verzeihen, bis man sich wirklich sicher sein
kann.
Andererseits ist mit Rechtsradikalen nicht zu scherzen. Sie
haben schon Leute umgebracht. [Wenigstens vor einem
Brandanschlag dürfte das Pärchen sicher sein (böser
Galgenhumor)]

In der Realität deutete sich übrigens stärker an, daß es sich
nicht einfach um Grußmuffel handelt. Das Ausländerpärchen hat
gemeinsam im Haus geklingelt und sich ausdrücklich bei allen
Familien vorgestellt, meist mit positiver Resonanz. Beim
späteren Begegnen im Haus blickten trotz freundlichen Gruß’
die Nazis(?) demonstrativ zur Hauswand, während sie
vorbeigingen.

Wie hatte den das Nazipärchen? auf die Begrüßung direkt reagiert?

So etwas kränkt, und es bedarf innerer Stärke,

solche Kränkungen zu verdauen und dennoch höfliches
Entgegenkommen zu bewahren.

Aber genau hierbei habt Ihr geholfen: Es wurde der Entschluß
gefaßt, in Zukunft weiter zu grüßen, ohne Aufdringlichkeit,
statt seinerseits wegzugucken o.ä.
Darüber hinaus soll eben der freundliche Kontakt zu andern
Familien gehalten werden, mit denen man zurechtkommt.
Vielleicht sogar mal zum Kaffee einladen. Letztlich ist gute
Nachbarschaft überall bedeutsam, und wenns bloß um das
Entgegennehmen von Päckchen geht.
Das weitere Zugehen auf die Nazis(?) ist verworfen. Zu groß
scheint die Gefahr, schon durch das Anbieten größerer Nähe
noch mehr Abwehr zu provozieren, auch wenn im Moment nicht von
regelrechter Angst geredet werden kann, von Sorge schon.

Vielen Dank also!

Tschuess, Sven.

Ciao,
Romana

Pech gehabt: Gerade hat das ausländische Pärchen nach langer
Suche eine neue Wohnung bezogen, als sie merken, daß ihre
ebenfalls frisch eingezogenen Nachbarn auf dem Treppenabsatz
kurze Haare und einschlägige Stiefel tragen. Kein
eineindeutiges Zeichen für rechte politische Auffassungen.
Hinzu kommt aber, daß freundliches Guten Tag von ihnen
prinzipiell negiert wird und gar demonstrativ weggeschaut
wird, wenn man sich im Treppenhaus begegnet.

Was nun? Schnell eine neue Wohnung suchen? Zum Tee einladen
und Frieden schließen? Nicht mehr grüßen oder gerade doch auch
in Zukunft?
Wer hat mit sowas schon Erfahrung? Und welche?

Tschuess, Sven.