ein Freund von mir hat sich vor einigen Jahren von seiner Frau getrennt, und die gemeinsame Tochter zu sich genommen, weil die Ex. sich mit der Kinderbetreuung überfordert fühlte. Diese ist nach einigen Jahren der Trennung in unsere Stadt gezogen, um der Tochter näher zu sein. Dabei zog sie in eine WG mit Frauen, die einer religiösen Gemeinschaft (ich würde diese Sekte nennen, aber aus Mangel an Kenntnissen über Internas, käme dies einer Abwertung gleich) angehören.
Nun nutzt die Exfrau das Besuchsrecht ihrer Tochter auch dazu aus, sie regelmäßig zu den Gottesdiensten dieser Kirche mitzunehmen.
Welche Rechte hat der Mann und welche die Frau, wenn sich beide Elternteile über die religiöse Erziehung der Tochter nicht einigen können?
ich kann die konkrete religiöse Gemeinschaft jetzt zwar nicht einordenen, weil du sie nicht benannt hast, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Kinder ihre Eltern in ihrem normalen Umfeld erleben sollten. Wenn also die Mutter einer bestimmten religiösen Gemeinschaft angehört, dann sollte das Kind auch seine Mutter dort erleben können. Die Grenze zu „Bekehrungsversuchen“ (im Sinne von Überreden) ist natürlich schnell überschritten.
Ich selbst gehöre auch einem Glauben an, der von vielen für eine Sekte gehalten wird, obwohl nach der Sekten-Checkliste der nordelbischen Kirche (DIE evtl. luth. im Hamburger Raum), hat die katholische Kirch ca. 10 mal soviele „Punkte“ auf dieser Liste wie meine Glaubensgemeinschaft. Meine Ex-Frau mischt sich da aber auch nicht ein, was ich gut finde.
So ähnlich sehen es auch viele Gerichte, soweit ich gehört habe. Vielleicht hilft dir jemand auf: http://www.isuv.de weiter?
Welche Rechte hat der Mann und welche die Frau, wenn sich
beide Elternteile über die religiöse Erziehung der Tochter
nicht einigen können?
Wie alt ist die Tochter inzwischen? Vielleicht sollte das nicht einfach so über ihren Kopf hinwegentschieden werden, ob sie da weiter mit hindarf oder nicht. Wieso fragt er sie nicht selbst? Und nimmt sie im Gegenzug mit in seine Kirche (wenn er eine hat)?
Vielleicht sollte das
nicht einfach so über ihren Kopf hinwegentschieden werden, ob
sie da weiter mit hindarf oder nicht.
Diese Überlegung verstehe ich nicht ganz.
Eltern müssen oft über die Köpfe der Kinder hinweg etwas entscheiden: Wahl der Schulen, Wohnumgebung, Hortunterbringung…usw.
Natürlich hat sich der Vater mit seiner Tochter über ihre Erfahrungen bei den Kirchenbesuchen unterhalten - das ist das eine. Aber er macht sich auch Gedanken darüber, ob der Einfluß der Kirche sich ungünstig auf seine Erziehung auswirkt, und muß sich darüber informieren. Das ist das andere. Außerdem möchte er seiner Ex die Möglichkeit geben, eine Gemeinsamkeit mit der Tochter zu schaffen - doch das Auseinandersetzen der Tochter mit religiösen Lebensidealen können konträr zu den väterlichen Lebensidealen verlaufen, die er der Tochter vermitteln will. Was tun, wenn Vater und Mutter sich über bestimmte Ideale uneinig sind. Wer hat mehr Recht? der das Kind betreut oder beide gleichermaßen ?
Wieso fragt er sie nicht selbst?
das hat er.
Und nimmt sie im Gegenzug mit in seine Kirche (wenn er
eine hat)?
er gehört keiner kirchlichen Richtung an, und hat im Grunde genommen kein Interesse daran, sich mit religiösem Gedankengut auseinandersetzen zu müssen. Das soll ruhig die Ex übernehmen. Wäre es eine der weit verbreiteten Kirchen, die auch Unterricht in der Schule erteilen, würde er sich darüber keine Gedanken machen.
Natürlich hat sich der Vater mit seiner Tochter über ihre Erfahrungen bei den Kirchenbesuchen unterhalten - das ist das eine. Aber er macht sich auch Gedanken darüber, ob der Einfluß der Kirche sich ungünstig auf seine Erziehung auswirkt, und muß sich darüber informieren. Das ist das andere. Außerdem möchte er seiner Ex die Möglichkeit geben, eine Gemeinsamkeit mit der Tochter zu schaffen - doch das Auseinandersetzen der Tochter mit religiösen Lebensidealen können konträr zu den väterlichen Lebensidealen verlaufen, die er der Tochter vermitteln will. Was tun, wenn Vater und Mutter sich über bestimmte Ideale uneinig sind.
Ein Kind läßt sich in seinen Anschauungen nicht zu 100% nur von einem oder auch beiden Elternteilen beeinflussen, es sei denn, man isoliert es gezielt von seiner Umwelt.
Wenn die Mutter dem Kind ihren Glauben nur „zeigt“, es in die Gemeinde (?) mitnimmt und nicht gerade eine Gehirnwäsche stattfindet, sehe ich keine große Gefahr.
Eher läuft der Vater Gefahr, das Kind durch verstecktes oder gezieltes Intervenieren abzuschrecken - Kinder haben ein feines Gespür dafür.
Vielleicht mal ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis:
Eine Freundin von mir ist Tochter einer Neuapostolikerin und eines Konfessionslosen. Der Mann nahm nie Anstoß am Glauben seiner Frau, wollte jedoch auf keinen Fall, daß das Kind in diesem Glauben aufwuchs. Also nahm ihre Mutter das Kind hie und da heimlich mit in die Gottesdienste. Zum offenen Eklat kam es, als meine Freundin im Alter von etwa 14 Jahren sich zum neuapostolischen Glauben bekannte. Sie ist heute noch Neuapostolikerin, sagte aber auch, daß Heimlichkeit, zu der sie als Kind in puncto Glauben gezwungen war, die heftigen Attacken ihres Vaters gegen den Glauben etc. sie deutlich in ihrer Entscheidung bestärkt hat.
Diese Überlegung verstehe ich nicht ganz.
Eltern müssen oft über die Köpfe der Kinder hinweg etwas
entscheiden: Wahl der Schulen, Wohnumgebung,
Hortunterbringung…usw.
Ich hatte dich so verstanden, dass er überlegt, ob sie in diese Kirche mitdarf oder nicht. Das Ergebnis wird ihr dann mitgeteilt und fertig. Mit 10 ist sie sicherlich noch zu klein, um eine solche Entscheidung selbst zu treffen, aber auch schon zu groß, um es sich einfach vorschreiben oder verbieten zu lassen. Sie sollte die Entscheidung verstehen und wenn möglich sogar mittragen, also zumindest das Gefühl vermittelt bekommen, selbst etwas dazu zu sagen zu haben. Es hätte ja auch sein können, dass sie schon 14 oder 15 ist, dann müsste man sie sicherlich noch viel weiter in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen. Ich denke ganz prinzipiell, dass man Kinder so weit wie möglich immer an Entscheidungen, die sie betreffen, teilhaben lassen sollte und auch ihre Position hört und überdenkt. Das passiert - gerade wenn es um religiöse Erziehung geht - leider viel zu selten (eigene Erfahrungen!).
Um was für eine Kirche geht es überhaupt? Ich setze mich sehr viel mit Religion und Religionen auseinander und ich bin jetzt einfach neugierig. Was passiert in dieser Kirche und was glauben die Mitglieder?
das weiß ich nicht, und ich konnte das bisher auch nicht herausbekommen. Der Freund hat sich auch bisher nicht so sehr um die Sorte der Kirche bemüht, als vielmehr sich an der Veränderung seiner Tochter gestört.
Meine Tochter war mal mit in dem Gottesdienst. Es erinnert mich (den Erzählungen nach) ein bißchen an diese filmreifen Kirchauftritte in Amerika, mit Halleluja-Zwischenrufe bei der Predikt, und Gesängen sehr begabter Sängerinnen.
Alles in allem habe ich hier für ihn gefragt, hatte dabei aber nciht die Absicht ihm in seiner Vorgehensweise bei der Lösung seines Problems hineinzureden.
hallo,
rein vom gesetz her ist es so:
religiöse erziehung gehört im familienrecht zu den dingen mit erheblicher bedeutung für das kindeswohl. diese dinge entscheidet immer derjenige elternteil, der das sorgerecht hat.
haben es beide eltern gemeinsam (behalten), müssen sie sich einigen (was immer zu empfehlen ist in solchen fällen).
können sie sich nicht einigen, entscheidet das familiengericht (auf antrag eines elternteiles).
hbx