Hallo Wolfgang,
Du schlägst fast täglich jemanden hier vor, sich selbständig zu machen, oder in die Arbeit zu gehen, auf den ersten Blick nicht schlecht!
Auch habe ich manchen Beitrag gerne gelesen und zur Kenntnis genommen!
Aber langsam bringst mich mit Deinen Vorschlägen auf die Palme.
Ich schlage Dir mal wirklich vor, einen Eintageskurs bei der IHK für Existensgründer zu besuchen auch wenn Du diesen Verein hasst, sie wissen doch wo es lang geht, zumal sie täglich Existensgründer auf den Weg helfen wollen, müssen. Egal, wie auch immer, sie machen einen guten Job in dieser Richtung.
Nimm Dir mal die Zeit, dann wirst Du nie wieder solche „Empfehlungen“ total neben der Realität vorschlagen.
Oder man tut sich mit einem Partner
zusammen und bringt seine Fähigkeiten in eine gemeinsame
Aktivität ein. Realistisch geplant muß die Sache sein.
Träumereien mit hohen Anlaufkosten sind nicht möglich.
Du kannst in aller Seelenruhe an einem schlüssigen
Unternehmenskonzept arbeiten, kannst bis zum letzten
i-Tüpfelchen alles vorbereiten (komme mir bitte nicht mit den
Kosten für Papier), kannst Dir einen geeigneten Partner für
das Geschäft suchen… Es geht!
Obriges schlägst Du dem Verfasser des Eingangstitels wirklich ernsthaft vor?
Dann mache ihm doch mal ein tragfähiges Existensgründerkonzept, dass wenigstens überhaupt zur einer Geschäfts-Kontoreröffnung führt und mindestens die Anlaufzeit von ca. einem Jahr standhält.
Du wirst schon bei einigen Details gewaltig scheitern und nicht zum gewünschten Ergebnis kommen können, egal was Du machst, ausser Geld zaubern zu können.
Ich frage mich nur, wie Du dem Banker oder irgend einer anderen Fachstelle nur die nachfolgenden Punkte aus dem Existenzgründerkonzept wahrheitsgemäss durchbringen willst?
Er braucht das Existensgründerkonzept, denn ohne Hilfe, egal von welcher Stelle und Art, wird er nichts erreichen können.
Finanzierung:
Eigenmittel der Gründer
Anteile Fremdmittel
Anhang: Gewinn- und Verlustrechnung
Anhang: Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan
Das sind nur vier Punkte aus der Empfehlung des BMI zu der Erstellung eines Ggründungskonzeptes.
Diese Punkte verlangen und sehen sich Banker, IHK, HWK, usw. sehr genau an.
Sein Sozialamt wird wohl auch einen neugierigen Blick darauf werfen wollen und wehe er hatte noch was.
Gewinn und Verlustrechnung kannst ja noch hinbekommen.
Wie machst Du das bei einem Sozialhilfeempfänger mit dem Eigenkapital und dem Fremdkapital?
Allein an diesem Punkt fallen allen Deine wohlgemeinten Vorschläge so tief, tiefer geht es nicht mehr.
Wenn er einen Partner findet, was will der denn sehen?
€ und nichts anderes!
Oder vielleicht eine solch geniale Idee, die die halbe Welt umkrempelt, z.B. Microsoft oder McDonalds, dann braucht er kein Eigenkapital. Aber hat er sowas in der Hinterhand?
Nichts mehr mit eigenem Laden aufmachen ohne vorher 'ne Bank zu öffnen (Ironie).
Ihm bleibt nur noch der nicht legale Weg um an Geld zu kommen und das über einen längeren Zeitraum.
Tut mir leid, aber so ist es nun einmal, denn wie will er Kapital sammeln? Legal?
Klar geht, als Vorstandsmitglied bei einer Grossfirma!
Aber nicht wenn er in diesen Etagen, die heute über Sozialhilfeempfänger oder Arbeitnehmer willkürlich entscheiden, abends Staubsauger schwingen muss.
Davon bleibt nichts übrig.
Der Gründer kann kein Eigenkapital vorweisen.
Der Gründer kann kein Fremdkapital vorweisen.
Bekommen wird er keines, denn im Plan steht bei den obrigen Punkten der Finanzierung überall 0,00€.
Dann noch den Punkt, wo er gefragt wird, wie er seinen jetzigen Lebensbedarf deckt und der ist genial für eine Existensgründung.
Ja ich weiss, es gibt genügend Fördermittel, für alles mögliche.
Nur bekommt er die nicht, denn die setzen alle mindestens 15-20% Eigenkapital voraus und die hat er nun mal nicht und stehen nicht jedem zu, der einen zweiten Anlauf starten will.
Bleibt noch das Microdarlehen (BtA), aber das entscheidet ja der ortsübliche Banker. Der wiederum beurteilt es nur dann positiv wenn die Sicherheiten vorhanden sind, auch wenn der Staat 80% Haftung übernimmt.
Welcher Banker gibt heute noch sein ok für einen Kredit wo absolut nichts im Hintergrund vorhanden ist?
Ich kennen keinen, gut ich suche auch keine Bank für diesen Fall.
Hast Du keine Teuros zur freien Verfügung, kannst Du
- keine Ware einkaufen oder eine Dienstleistung anbieten,
- nicht die notwendigsten Nebenkosten aufbringen,
- nicht Deinen eigenen Unterhalt finanzieren,
und so geht die Falle weiter, je nach genauer Betrachtungsweise, mal mehr oder weniger teuflisch.
Also ich weiss keinen tragfähigen Rat, auch wenn ich mich bemühen würde.
Hier steht eine verdammt schwierige Lage vor der Haustür, ich wünsche mir sowas jedenfalls nicht.
Ich wünsche Dir ein schönes WE
Gerd