Wenn ein MA sich beim Chef beschwert

Liebe Experten,

ich habe eine Frage zum Thema Mitarbeiterführung?

Wie wäre eine angemessene Verhaltensweise, wenn sich ein Mitarbeiter über einen anderen Mitarbeiter beschwert.

Wie sollte man sich als Vorgesetzter verhalten??

Vielen Dank für die Vorschläge.

Hallo Monique,

ich denke, es kommt ganz darauf an, worum es geht - es gibt einen großen Unterschied zwischen bspw. sexuelle Belästigung, Beleidigungen oder nicht erfüllte Aufgaben im Projekt…

Ich als Vorgesetzte würde situativ die geschilderte Lage beobachten. Auf keinen Fall zum beschuldigten MA gehen und erzählen, was wer über ihn/ sie gesagt wurde.
Möglicherweise kann man nach Beobachtung oder schwerwiegender Lage (z.B. Mobbing) persönlich mit dem MA sprechen und schildern, was aufgefallen bzw. was dem Team aufgefallen ist und über die Folgen aufklären - sachlich und neutral, dennoch mit gewisser Stärke und Konsequenz.

Hoffe, es hilft dir & LG!

Hallo Monique,
bei Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern sollte der Chef sich - sofern es machbar ist - raushalten.
Worüber beklagt sich denn der Mitarbeiter. Geht es um etwas fachliches oder etwas persönliches?
Für das Fachliche gibt es wahrscheinlich Regeln, wie es in Ihrem Haus gehandhabt werden soll. Die Klärung sollte einfach sein.
Für das Persönliche empfehle ich, zuerst eine Aussprache des „Klageführers“ mit dem anderen Mitarbeiter (unter 4 Augen) anzuregen. Wenn das nicht klappen sollte, wäre die zweite Stufe, dass Sie das Gespräch moderieren und nach einem einfachen 3-Punkte-Schema eine Klärung herbeiführen :

  1. Was genau stört?

  2. Wie würde der Idealzustand aussehen?

  3. Was muss passieren, damit dieser Idealzustand erreicht wird?
    Zu dem Weg dorthin sollte eine Vereinbarung getroffen werden, mit der beide Seiten einverstanden sind.
    Auf jeden Fall sollten Sie - wenn Sie schon involviert sind - beide Seiten zu dem Thema hören.
    So weit die Kurzform.
    Ich hoffe, es hilft weiter.
    Falls noch Fragen auftauchen, können Sie mich gerne kontaktieren.
    Viel Erfolg und beste Grüße
    111Merlin

Liebe Monique,

es ist wichtig, dass sich der Mitarbeiter ernstgenommen fühlt. Der Weg zum Chef ist ja meist ein wohl überlegter Schritt. Ist sehe das nicht als Petzen (Verrat). Im ersten Schritt sollte also Interesse und Verständnis gezeigt werden. Der zweite Schritt hat mit dem Inhalt der Beschwerde zu tun. Ist sie persönlicher Natur? Oder arbeitsbezogen? Wie reflektiert geht der MA mit der Situation um? Sieht er auch ein Fehlverhalten bei sich? Typischerweise gehören ja zwei Leute zu einem Problem.

Wünschenswert wäre es, wenn Du einen Weg findest dem Mitarbeiter zu helfen besser mit der Situation umzugehen. Wenn nötig sind weitere Schritte zu überlegen - eventuell ein Gespräch mit dem betroffenen MA oder beiden zusammen. Das solltest Du aber nicht mit demjenigen besprechen der sich beschwert. Zumeist ist es ausreichend, wenn Du ihm sagst, dass Du seine Bedenken ernst nimmst und Dir Gedanken dazu machst. Dann sollte aber auch ein paar Tage später eine Rückmeldung erfolgen zu welchem Schluss Du gekommen bist und wie Du weiter verfahren möchtest.

Grüße
Barbara

Hallo,

also ich lade in solchen Fällen immer BEIDE Mitarbeiter zu mir ein und übernehme die Rolle eines Mentors. Meistens, sobald beide zusammen vor mir sitzen, ist alles nicht mehr so schlimm und man erzielt schnell eine Einigung.

Viel Erfolg!
Gruß

hallo monique,
grundsätzlich müssen solche themen zeitnah oder besser gleich erledigt werden.
solltet ihr einen teamleiter (gruppenführer) in eurer organisation haben sollte er vorrangig diesen vorgang erst einmal allein klären.
wenn nicht, höre dir die beschwerden an, aber mache dem mitarbeiter gleich klar, das die beschwerde immer mit dem betroffenen zusammen besprochen werden - immer !
es kann nämlich sein, das sich dann die angelegenheit anders oder einfacher zu klären ist.
mache dies bitte jedem mitarbeiter klar !!
jedes problem wird zusammen besprochen und geklärt - wichtig.
schaffe für solche gespräche eine entsprechende vorbereitungen: eigener raum, kein telefon, freundlich sein, ggf mit einem kaffee in die gespräche gehen.
schreibe ruhig ein protokoll, so sehen die mitarbeiter das es ernst genommen wird, sage auch deine erwartungshaltungen, fasse am ende des gespräches noch einmal alles zusammen und geht dann wieder auseinander.
wäre nett von dir etwas zu hören wie es war !
gruß brase

Hallo, ja das ist immer so eine Sache. Natürlich kommt es auch darauf an, warum er oder sie sich beschwert. Auf alle Fälle sollten beide sich aussprechen und zwar mit dem Chef als Schiedsrichter. Damit sind wir bislang gut gefahren.

Liebe Monique,
wir haben in unserem Unternehmen ein Beschwerdemanagement, dass diese Vorgehensweise regelt.
Der Vorgesetzte nimmt die Beschwerde mit Hilfe eines Formblattes auf und klärt auf diese Weise u.a. die Wichtigkeit der Beschwerde des Mitarbeiters. Anonyme Beschwerden lehnen wir grundsätzlich ab. Der Vorgesetzte hat dann die Pflicht, den Sachverhalt zu klären; das bedeutet vorrangig Anhörung des Mitarbeiters, über den die Beschwerde geführt wird. Zur Klärung des Sachverhalts sind evtl. Befragungen erforderlich.
Das Ergebnis der Beschwerdebearbeitung wird dem Beschwerdeführer schriftlich und mündlich mitgeteilt. Ist die Beschwerde nicht begründet, erfolgen keine weiteren Maßnahmen; evtl. ist ein einsichtsförderndes Gespräch mit dem Beschwerdeführer sinnvoll.
Bei begründeter Beschwerde kann man als Vorgesetzter versuchen, eine Einigung der Beteiligten herbeizuführen.
Ggfs. sind bei berechtigter Klage arbeitsrechtliche Maßnahmen erforderlich.
Wir behandeln im Interesse aller Beteiligten Beschwerden grundsätzlich diskret und fordern auch die Beteiligten zur Diskretion auf.
Das protokollierte Ergebnis legen wir einem bei uns installierten Beschwerderat vor, der die Ordnungsmäßigkeit des Vorgehens überprüft. Beschwerdeführer können sich auch direkt an den Beschwerderat wenden. Das kann z.B. sinnvoll sein, wenn sich ein MA über einen Vorgesetzen beschweren möchte.

Wir haben dieses Verfahren, das im übrigen in ähnlicher Form bei der Bundeswehr seit langem angewendet wird, entwickelt, um sog. Meckereien, Sticheleien, Mobbing und Gerüchten weitestgehend Einhalt zu gebieten und dem MA das sichere Gefühl zu vermitteln, dass Beschwerden ernst genommen und sachlich geklärt werden.

Viele Grüße
Rainer Holsten