N`abend an alle "Noch-"Ineteressierten,
ich (Betreuerin vom einnässenden Kind) gehe mit der (Akademikerin-)Mutter am Freitag zu Tee, Kuchen und Informationsaustausch für zwei Stunden in ein Cafè. Wenn es noch interessiert, würde ich danach davon erzählen.
Schönen Abendgruß aus einem nebligen Berlin
Renate
hallo renate, würde mich schon interessieren.
und denk daran - keine vorwürfe, sonst geht der schuss nach hinten los.
aber das weisste eh…
bin mal gespannt…
LG
nina
Das einnässende Kind, die Mutter und ich
Hallo Nina,
und denk daran - keine vorwürfe, sonst geht der schuss nach
hinten los.aber das weisste eh…
Genau, eben weil ich dies wusste, hatte ich ja hier gefragt, wie ich von meiner Irritation und innerer Aufgebrachtheit wegkommen könne.
Ich habe also, als ich am Dienstag im Nachbarhaus ein Kind betreute, auch bei der „Akademiker-Mutter“ (und damit möchte ich dieses Wort dann auch zum letzten Mal benutzt haben, nur zum Klarlegen wer wer ist) geklingelt. Sie sagte mir als Erstes, dass sie nun doch noch ein Au Pair Mädchen gefunden hätte (an der Stelle passierte was Seltsames bei mir, doch davon weiter unten), ich also nur noch während dieser Woche benötigt würde. Das geht auch OK so, das war von Anfang an klar, dass sie mich nur gefragt hatte, weil sie eben noch keines gefunden hatte.
Meine Frage, ob wir mal über Ms Problem sprechen, unsere Informationen austauschen könnten, bejahte sie sofort. Auch von meinem Vorschlag dies nicht zu Hause zu tun, sondern irgendwo Kaffee trinken zu gehen war sie sehr angetan. Sie wüsste auch ganz in der Nähe ein sehr schönes Cafe. Wir verabredeten uns für Freitag.
Und ab jetzt steht die ganze Angelegenheit unter dem Motto „Die schönsten Geschichten schreibt doch immer noch das Leben selbst“
Auf der Fahrt zum Cafe erzählte sie mir, dass am vergangenen Abend das Au Pair Mädchen die Kinder zu Bett bringen sollte. Es wäre nach wenigen Minuten wieder in der Küche erschienen, das umstrittene Korpus delikti in der Hand! Und hätte gesagt, dass sie DAS M nicht ummachen könne. DAS wäre VIEL zu klein, M könne doch niemals ruhig und gut schlafen mit DAS um. Man müsse im Sanitätsgeschäft größere Windeln kaufen! Das alles halb empört, aber irgendwie auch entschieden.
Ich hätte am liebsten laut losgelacht. Da mach ich mir einen Kopf, über mögliche Folgerungen (wird die Mutter es als Kritik erleben, empört über unerbetene Einmischung sein, usw. usw) und dann kommt ein junges Mädchen (grad eben 18 geworden) daher, sieht dass da was falsch läuft, und sagt gerade heraus, in aller Unschuld mit leicht empörten Unterton, dass eine andere Windel gekauft werden müsse. Köstlich, einfach nur köstlich!!
Nun, zu unserem „erwachsenem, lösungsorientiertem Problemgespräch“:
Sie haben bis zum heutigen Tag tatsächlich noch nichts unternommen. Sie sind davon ausgegangen, dass M auf diese Weise zeigt, dass sie ein Problem hat. Und darauf reagiere man am besten indem man von der Sache an sich so wenig Aufhebens wie möglich macht (gemeint ist: der Umgang mit nasser Bettwäsche). Ansonsten: Verständnis, selbstverständlich keine Strafen, und viel, viel Geduld. Ich war PLATT, einfach nur platt! Die einzige Erklärung für`s bisherige „Nichtstun“, die ich verstehen kann. Ich finde sie nicht vollständig richtig, selbst hätte ich sicher anders gehandelt, aber ich kann die Gedankengänge nachvollziehen. Wenn man „weiß“, richtiger: zu wissen glaubt, dass es ein psychisches Problem ist, dass Strafen unsinnig wären, und ansonsten Verständnis, Ruhe bewahren und viel Geduld angesagt ist, warum zum Geier, sollte man dann noch im Netz rumtoben, oder anderweitig nach Beratung und Hilfe suchen?
Sie sei sich durchaus darüber im Klaren, dass andere Eltern sicher schon früher therapeutische Hilfen in Betracht gezogen hätten. Aber sie hätte da im Moment noch gezögert, sie hätte sich so quasi als „Deadline“ gesetzt, wenn M zehn Jahre wird. By the way, M ist erst acht Jahre, nicht neun, wie von mir gesagt wurde. Irgendwas in ihr sträube sich dagegen, M damit quasi ein Problem „aufzuhalsen“. Und damit meinte sie ganz gewiss nicht den schönen Schein nach außen hin aufrecht zu halten, oder gar Scham (die Nachbarin, deren Kind ich auch betreue, weiß z.B. davon). Oder die Augen davor verschließen, dass es ein Problem gibt, zur Logopädin geht M ja auch, weil sie ziemlich undeutlich spricht.
Dann kam mein Beitrag. Ich erzählte ihr von der Möglichkeit, dass es auch einfach nur eine Entwicklungsverzögerung sein könnte. Diese Sache mit dem nicht (oder nicht ausreichend) produzierten Hormon. Nun war sie platt! Davon hatte sie noch nie gehört, sah auch sofort, dass sich nun, im Nachhinein, ihr „energisches Zuwarten“ als höchst ungünstig herausstellen könnte. Doch sie werde sich umgehend auf entsprechenden Seiten (Adressen kann sie von mir bekommen) im Netz über diese Möglichkeit informieren. Und heraus finden, wo und wie man das prüfen lassen kann, und was dann weiterhin möglich ist, wie weiter verfahren wird. Auf meine Frage, ob M schon jemals „trocken“ gewesen sei und erst später wieder angefangen habe einzunässen, erzählte sie mir, dass M „so um die Fünf herum“ Zeiten gehabt habe, da sei sie „relativ trocken“ gewesen, aber so richtig zuverlässig eigentlich nie.
Die Mutter wirkte auf mich jetzt etwas bedrückt, aber entschlossen umgehend etwas zu unternehmen. Und das war`s! Dafür die ganze Aufregung, das Hin- und Her überlegen, wie am Besten darüber sprechen ohne dass es als Angriff, oder unerwünschte Einmischung, erlebt wird.
Noch kurz dazu wie es mir ging als ich hörte, dass ein Au Pair Mädchen gefunden sei. „Oh Klasse, es ist nicht mehr mein Problem, es geht mich nichts mehr an“ So Sätze schossen mir durch den Kopf, als erste Reaktion. Das fand ich dann aber sehr schnell ziemlich Sche** von mir. Denn eigentlich finde ich schon, ähnlich wie Nina geschrieben hatte, dass Kinder uns alle angehen. Besonders in einer Situation, von der man findet, dass dort Fehler gemacht werden, oder es einem Kind schlecht geht. Dieser Anspruch an mich selbst, von dem ich schon denke, dass ich ihn habe, war in diesem Moment ein eher entfernter. Irgendwie abstrakt, theoretisch. Ich war jedenfalls nicht sehr begeistert von mir. Dass ich mir sozusagen selbst in den Hintern treten musste, darüber so zu denken, wie ich will, dass ich darüber denken soll. Na ja, ist jetzt wahrscheinlich bissi seltsam formuliert.
Schönen Abendgruß
Renate
Hallo Renate,
dafür:
Noch kurz dazu wie es mir ging als ich hörte, dass ein Au Pair
Mädchen gefunden sei. „Oh Klasse, es ist nicht mehr mein
Problem, es geht mich nichts mehr an“ So Sätze schossen mir
durch den Kopf, als erste Reaktion. Das fand ich dann aber
sehr schnell ziemlich Sche** von mir. Denn eigentlich finde
ich schon, ähnlich wie Nina geschrieben hatte, dass Kinder uns
alle angehen. Besonders in einer Situation, von der man
findet, dass dort Fehler gemacht werden, oder es einem Kind
schlecht geht. Dieser Anspruch an mich selbst, von dem ich
schon denke, dass ich ihn habe, war in diesem Moment ein eher
entfernter. Irgendwie abstrakt, theoretisch. Ich war
jedenfalls nicht sehr begeistert von mir. Dass ich mir
sozusagen selbst in den Hintern treten musste, darüber so zu
denken, wie ich will, dass ich darüber denken soll. Na ja, ist
jetzt wahrscheinlich bissi seltsam formuliert.
würde ich dir am liebsten ein Sternchen geben, darf ich aber noch nicht. Ich finde es toll, das du diesen Anspruch an dich hast und ihn auch umgesetzt hast. Deine erste Reaktion ist ganz normal und die meisten Leute würden leider auch entsprechend handeln, aber du nicht. Sei ruhig stolz auf dich, und weiter so.
Gruß, Sigrid
grüss dich renate,
ich fange mal von unten an - ich kann gut verstehen das du erleichtert warst als du hörtest - jemand anderes wird zuständig für das kind.
ich finde nicht, dass du ein schlechtes gewissen haben musst weil du ein gefühl hattest, das sich eben nicht mehr länger mit dem problemen der familie belasten wollte. - ich finde das total menschlich. es ist doch normal, dass man da innerich ständig am ball bleiben will und eben 2 seiten hat. wichtig hier ist dennoch nur eines - du bist am ball geblieben, du hast mit der mutter gesprochen - schliesslich konntest du nicht wissen was inzwischen geschehen ist, wie sie mit dem gesagten umgeht etc. - man braucht schon mut dafür finde ich.
also mach nicht klein was du getan hast! all die gedanken und mühen im kampf mit dir selbst sind doch ein zeichen welches ich zumindest finde, man kann es kaum genug beachten. wer macht sowas schon heutzutage…
aber ich weiss selbst wie nervig es für einen ist, man macht sich gedanken und sorgen, zweifelt hin und her und will gerne helfen, steht aber irgendwie auf der stelle - da finde ich es total natürlich wenn man auch in sich eine seite hat die einfach keinen bock mehr hat.
entscheident ist und bleibt, du bist am ball geblieben - hast ja nicht beim kaffee trinken dir gedacht, ach dann spar ich mir was ich sagen wollte, ist nimmer meine sache…bist nicht den weg des geringsten widerstandes gegangen und dafür solltest du dir echt auf die schulter klopfen. du hast eine weiche gestellt zum wohle einer familie und einem kind. der rest liegt bei ihnen selbst.
und wegen der lockeren und direkten art des au pair*g…
naja, ich weiss gar nicht ob es auch so einfach hingenommen worden wäre, wenn du dich so geäussert hättest - kann sein, kann nicht sein.
denn immerhin besteht die möglichkeit, dass die mutter es deshalb konnte, weil die person eben noch so jung ist und damit kann - muss nicht - kann es aber sein, dass sie lockerer sein konnte als wenn es eine erwachsene frau ist die sich hier „einmischt“.
wir werden es aber nie erfahren:wink:
als erwachsener mensch mit so vielen gelebten erfahrungen kann man wohl gar nicht mehr so spontan mit so einer sit. umgehen wie ein teeny - beides hat vor- und nachteile und hier hat die mutter und das kind nun von beiden bereichen jeweils den vorteil genossen - die aussage der au pair als einsteig und deine überlegungen und hinweise für den weiteren möglichen umgang mit dem kind und seinem „problem“.
eine schöne fügung wie ich finde
- die mutter fühlt sich nicht bevormundet sondern beraten. ich weiss nicht ob das auch der fall gewesen wäre, wenn du das so wie das „mädl“ gemacht hättest. diese
spittung ist wirklich ein schöner „zufall“. das finde ich, fühlt sich
auch gut an oder?
und schön auch, dass die mutter doch offen genug war - trotz ihres bisherigen umgangs (da lagen wir ja gar nicht so falsch gell…wobei man sich darüber ja nicht freut, nicht gerne „recht“ hat).
also mich freut es für die mutter, auch sie könnte man loben an der stelle:smile:
mag dir im nachherein das alles so vorkommen als wäre es viel leichter möglich gewesen „einzuschreiten“, so kann der schein trügen.
zumindest ich pers. glaube grundlegend, es gibt für alles ein zeit.
ich kann mir aber deine erleichterung einerseits und deine verwunderung in dem moment gut vorstellen, ich hätte sicher auch erstmal blöd geguggt - da traut sich eine total direkt zu sein und sie lebt noch:wink:
und nicht nur das, sie löst damit einen prozess aus im besten sinne…
da ich aber nicht an zufälle glaube, warst du zur stelle als es zeit war und wichtig und hilfreich.
besser gehts nicht! ich freue mich sehr! und nun kannst du dich wieder zurücknehmen mit dem gefühl eben nicht ignoriert zu haben.
vielleicht erfährst du ja irgendwann noch, was vorlag und welche wege die familie genommen hat und wie es auf gute weise gelungen ist, das einnässen und die möglichen ursachen „zu beheben“.
einen dicken stern von mir für deinen biss am ball zu bleiben!
herzliche grüsse
nina