Wenn Kinder hysterisch werden

Hallo Clarisse,

ich habe von diesem Punktsystem noch nie gehört … könntest
du mir das (noch) klarer erklären??? (habe irgendwie nicht
ganz verstanden, sorry).

Wir bekamen es als Tipp von einer Psychologin, und es erschien uns sehr logisch, weshalb wir es dann auch umgesetzt haben.

Ich weiß jetzt nicht, was genau Du wissen möchtest, daher schildere ich unsere Situation ein bißchen:

Unsere Tochter war bereits als Baby ein richtig dickköpfiger Wutzwerg. Ab ihrem ersten Geburtstag hatte sie die allseits bekannten Trotzanfälle, Gebrüll, sich auf den Boden werfen, Krokodilstränen, aufstampfen - das ganze Programm. Inzwischen ist sie längst aus dem klassischen Trotzalter, aber trotzdem noch ein Wüterich.

Anlaß für einen Anfall konnte und kann alles sein: das Wetter, ein angeblich schräger Blick der Schwester, und natürlich irgendwelche Zwänge, die Madame nicht akzeptiert. Besonders interssant wird es mit ihr, wenn sie etwas nicht will. Sie brüllt, dass man meinen könnte, dem Kind wird etwas angetan. Dabei ist sie auch noch sehr zierlich, sie sieht dabei einfach schrecklich aus. Nun gibt es eben viele Dinge, die unvermeidbar sind: ich muß ihre Schwester täglich in die Schule, früher Kindergarten, bringen und abholen. Sie kann nicht alleine daheim bleiben. Ich muß einkaufen, wenn der Kühlschrank leer ist. Wenn wir als Familie beschließen, XY zu unternehmen, bleiben wir nicht daheim, weil ihr plötzlich einfällt, dass sie lieber malen möchte. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Wir haben alles versucht, lassen unseren Kindern viele Freiheiten, aber es gibt ganz klare Regeln. Sonst würde ich auch im Chaos versinken. Ich kann und möchte also in bestimmten Dingen nicht nachgeben. Aber wir ertragen auch das Gebrüll oft nicht mehr. Da kann man noch so sehr nach außen hin ruhig bleiben, es belastet sehr, ist einfach nicht tragbar.

Inzwischen ist Trotzzwerg längst diskussionsfähig. Sie sieht rein vom Verstand her ein, dass es so nicht geht, bekommt sich aber nicht in den Griff - daher auch unsere Suche nach Ursachen (eine Ursache für ihre Eigenart ist bekannt). Also haben wir die Punktesysteme GEMEINSAM ausgearbeitet.

Beim Bonussystem wurde erst der Wunsch festgelegt. Dieser wurde symbolisch aufgemalt. Darunter dann die Punkte. Für jeden guten Tag (wobei wir sehr, sehr großzügig waren) wurde ein großer Punkt in der Farbe ihrer Wahl aufgemalt. Dieses Blatt hing deutlich sichtbar an ihrem Kleiderschrank.

Den Nachteil mit dr eifersüchtigen Schwester habe ich schon genannt. Ein weiterer Nachteil, jedenfalls bei uns, war die Logik unserer Tochter. Beispiel: Der Tag fing an, sie hatte schlechte Laune -> Gebrüll. Ich, ganz großzügig, erinnere an die Punkte, will aber nicht schon morgens um sieben alles zunichte machen. Beim Frühstück - nächster Anfall. Falsche Marmelade oder so. Ich erinnere nachdrücklich an die Punkte und erkläre, beim nächsten Mal mache ich ernst und es gibt an diesem Tag keinen Punkt, also ist die Wunscherfüllung weiter aufgeschoben. Kind sieht das vollkommen ein.

Als wir uns alle startklar machen (immer eine anstrengende Situation, früher Morgen, große Tochter muß pünktlich in der Schule sein, Jüngster macht nochmal in die Windel…), setzt sie schon wieder an. BEVOR ich etwas sage, meint sie „Heute halte ich das sowieso nicht durch, der Tag ist noch lang, ich mache morgen weiter !“ - und schmeißt sich hin…

Irgendwann hatten wir doch tatsächlich die 10 Punkte, es gab eine Belohnung, viel Lob, und die Hoffnung, dass es künftig ohne Punkte einigermaßen klappen solle. Fehlanzeige. Auf meinen Vorschlag hin, mal wieder Punkte zu malen, kam die trockene Anmerkung, im Moment habe sie keine Wünsche…

Das Malussystem funktioniert analog, nur werden bereits vergebene Punkte abgezogen - auch gut sichtbar zeichnerisch umgesetzt.

Ich hatte es ja schon erwähnt, der Erfolg hält nur eine Weile an, aber das kann auch an den speziellen Gründen in unserem Fall liegen. Außerdem ist es bei Kindern eigentlich immer so,dass, wenn man meint, das eine Thema im Griff zu haben, der nächste Entwicklungsschritt kommt - mit neuen Herausforderungen…

Tut mir leid, dass ich so ausschweife, ich kann nicht anders !

Und noch off topic:

Ich denke manchmal darüber nach, ob ich eine gute Mutter sein
würde, denn ich - als Einzelkind aufgewachsen, der
Mittelpunkt und ohne Konkurrenz - bin (ich gebe zu!) sehr
egoistisch.

Das bin ich eigentlich auch, und ohne einen gewissen Egoismus kommt man als Mutter auch schnell unter die Räder :smile:

Zum Anderen bin ich schon 38 und noch nie

(richtig) den Wunsch gehabt, heiraten und /oder Mutter zu
werden …

DAS kann ich sehr gut verstehen, und solange das so ist, reicht das doch vollkommen als Grund, keine Kinder zu haben, finde ich. Als Freundin bist Du ja im Moment auch im weitesten Sinne an der Erziehung eines Kindes beteiligt, ist doch auch was.

ich glaube, Mutter zu sein, fordert einen riesigen

Maß an Hingabe und Selbstlosigkeit;

Es ist ein Geben und Nehmen.

Mütter und ihre

Aufgabe/Tun werden in der Gesellschaft oft nicht anerkannt,
sie werden benachteiligt und und …

Stimmt. Andererseits kann ich mit sehr vielen „Mitmüttern“ aus meinem Umfeld sehr wenig anfangen und bin sehr, sehr froh, dass ich noch eine kinder- und gattenlose Freundin habe, mit der ich ab und zu über gaaaaaaanz andere Themen ratschen kann.

da denke ich, so ein

Glück dass du kein Kind hast.

Dann wünsche ich Dir, dass dieses Gefühl, dass Deine Entscheidung richtig ist, so bleibt.

Die Freundschaft zwischen uns ist trotzdem wunderschön, und
unsere Verschiedenheiten ergänzen uns irgendwie gegenseitig.
Ich würde auch … nicht alles … aber alles möglich für sie
tun ;o)

Schön gesagt :smile:

Viele Grüße,

Labersylvia

1 „Gefällt mir“

Oh bitte nicht !
Hallo Oliver,

wie gesagt, der Vorschlag kam von einer Fachfrau :smile:

Da wir noch immer nach Lösungen suchen, hoffe ich doch sehr, dass eine VT oder was auch immer (siehe anderes Brett *g*) noch weitere Tricks liefert *Ironiealarm* ! Die auf die andere Thematik spezialisierte Psychologin meinte zwar, es wäre nicht weiter zu beeinflussen, aber daran glaube ich nicht !

Grüßle,

Sylvia

Hallo Clarisse,

Ich muss auch sagen, dass sie sich viel zu viel Gedanken
darüber macht, was ANDERE denken oder machen. Mir wäre die
Meinung Anderen über mich EGAL! Ich lebe sehr egoistisch …

Meiner Meinung nach hat das mit Egoismus überhaupt nichts zu tun, eher mit Selbstwertgefühl.

aber okay, mit Kindern sieht das etwas Anders aus. Denn ich
denke, Frau wird beobachtet, be- und veurteilt, besonders dann
wenn sie alleine mit Kindern da steht.

Meinst Du, das sieht bei Männern, die mit Kindern unterwegs sind, anders aus? Ich vermute, gerade alleinerziehende Väter könnten da auch was erzählen.

Ausserdem ist jeder Erwachsener, der bei einem schreienden Kind steht, im Augenmerk der Umstehenden. Ich denke, es ist ein Problem der Gesellschaft, dass sie mit schreienden Kindern (schon quengelnde Kinder, überhaupt sich irgendwie bemerkbare machende Kinder, habe ich manchmal den Eindruck…) nicht umgehen kann (Motto: die Eltern machen was in der Erziehung falsch). Ich nehme mich davon aus, denn aus Erfahrung (Mutter eines trotzenden Kindes seit der Geburt :wink: ) weiss ich inzwischen 1., dass man die Blicke /Kommentare der Umstehenden am besten ignoriert oder, wenn Bemerkungen an das Kind gerichtet werden ("Was bist Du denn so laut? nein, nein, nein…),d ass diese mit einer entsprechenden Bemerkung zu dem Sprecher quittiert werden , und 2., dass man als Umstehende/r in solchen Augenblicken sich so verhält, wie man es sich auch als betroffene Mutter/Vater von den anderen wünscht: man schenkt dem ganzen keine Beachtung.

Dieses ist ja auch, wei schon einige gesagt haben, erst einmal das zweckmässigste Verhalten der Eltern /Geschwister: nicht das Gebrüll erhöhen, sondern schweigen, beim Schreihals bleiben (ihn also nicht allein lassen ,- ausser man ist zuhause…) und warten, bis der Anfall vorbei ist, und das kostet Zeit´. Und Sich-Zeitnehmen (für die Kinder) dürfte das andere Problem der heutigen Zeit sein: man nimmt sich nicht die Zeit, das Kind eben auch öffentlich brüllen zu lassen; es muss, so die Erwartung der Gesellschaft, wieder zur Ruhe gebracht werden, weil ein lautes Kind stört.
Die Gesellschaft müsste ihre Einstellung gegenüber Kindern ändern. Dann hätten es auch die Eltern einfacher.

Viele Grüsse,
Deborah

1 „Gefällt mir“

Gesellschaft…
Hi!

…manchmal beneide ich unsere südländischen Nachbarn um ihr Verständnis für Kinder im allgemeinen…

Hier wird man meistens nur äußerst überrascht angeschaut, wenn man z.B. eine Mutter (oder auch einen Vater) mit quängelndem Kind an der Kasse vorlässt…

Grüße
Guido

1 „Gefällt mir“

Hallo Sylvia,

unsere Töchter scheinen mir aus dem gleichen Holz geschnitzt, wobei meine mit fast neun Jahren offenbar deutlich älter als deine ist, aber wo bleibt die größere Reife?

Unsere Tochter war bereits als Baby ein richtig dickköpfiger
Wutzwerg. Ab ihrem ersten Geburtstag hatte sie die allseits
bekannten Trotzanfälle, Gebrüll, sich auf den Boden werfen,
Krokodilstränen, aufstampfen - das ganze Programm. Inzwischen
ist sie längst aus dem klassischen Trotzalter, aber trotzdem
noch ein Wüterich.

Und zu anderen Zeiten ist sie ein richtig süßes Schätzchen, das sich rührend um andere bemühen kann. In einem Moment ist man die „liebste Mami von der ganzen Welt“ und im nächsten Augenblick hat sie vergessen, dass es absolut nicht zulässig ist, „blöde Kuh“ zu dieser liebsten aller Mamis zu sagen. Seufz!

Als wir uns alle startklar machen (immer eine anstrengende
Situation, früher Morgen, große Tochter muß pünktlich in der
Schule sein, Jüngster macht nochmal in die Windel…), setzt
sie schon wieder an. BEVOR ich etwas sage, meint sie „Heute
halte ich das sowieso nicht durch, der Tag ist noch lang, ich
mache morgen weiter !“ - und schmeißt sich hin…

-)) Sind sie nicht niedlich? Das kann meine Tochter auch sehr gut. Wir arbeiten auch sehr viel mit Punktesystemen. Wir haben als Eckpfeiler und Dauergrundlage des Systems die Computer-Glotze-Dosierungspunkte. Bei uns geht das so: bevor wir diese Punkte hatten, pflegte meine Tochter beim Heimkommen aus der Schule zu fragen, ob sie „ausnahmsweise“ nicht schon vor dem Mittagessen fernsehen dürfe oder vielleicht vor dem Fernseher sitzend essen dürfe usw. Der ganze Nachmittag bestand aus Fernsehgebettel und -ablehnungen. Mein Sohn ist mindestens genauso süchtig nach dem Computer. Seit wir das Punktesystem haben, haben wir weitgehend Ruhe vor dem Gebettel. Jedes Kind bekommt am Sonntag 7 Klebepunkte ausgehändigt, die jeweils eine halbe Stunde Bildschirmkonsum bedeuten. An der Küchentür hängt ein Plan, in dem jedes Kind jeden Tag abhaken kann, ob es seine Hausaufgaben gemacht hat, sein Musikinstrument geübt hat und seinen Küchenhilfsdienst erledigt hat. Wenn diese drei Haken abends von mir abgesegnet werden, dann bekommt das Kind für diesen Tag einen extra Bildschirmpunkt. Das heißt, maximal können meine Kinder jeden Tag eine Stunde fernsehen/computern. Ist ein bisschen viel, aber da es ihre absolut liebsten Hobbies sind, halte ich das noch für vertretbar, außerdem sind sie oft zu faul zum Üben, wenn die Sucht gerade mal nicht so groß ist, und dann gibt es eben keinen Punkt. Außerdem dürfen die verschiedenen Kisten erst angeschaltet werden, wenn die Pflichten erledigt sind.

Irgendwann hatten wir doch tatsächlich die 10 Punkte, es gab
eine Belohnung, viel Lob, und die Hoffnung, dass es künftig
ohne Punkte einigermaßen klappen solle. Fehlanzeige. Auf
meinen Vorschlag hin, mal wieder Punkte zu malen, kam die
trockene Anmerkung, im Moment habe sie keine Wünsche…

Das ist leider das Problem. Wenn meine Tochter einen Trotz hat, dann hat sie einen Trotz und dann kann sie nichts beeindrucken. Fernsehen ist ein Privileg, das ich mir schon erlaube, an Tagen mit besonderem Fehlverhalten trotz aller Punkte zu entziehen. Dann meint meine Tochter eben, „heute hatte ich sowieso keine Lust zum Fernsehen“ oder „diese Folge kenne ich eh schon“. Wir haben in solchen Fällen noch nie nachgegeben, denn auch uns ist klar, dass man solches Verhalten durch schwankende Reaktionen nur verstärkt. Aber manchmal muss der kleine Bock sich eben durchsetzen. Dann sitzt sie ihre Strafe schmollend aus und ist am nächsten Tag das liebste, freundlichste Kind. Von meinem Sohn kenne ich so einen Trotz überhaupt nicht.

Wenn sich solche Trotzreaktionen häufen, kann man schon davon ausgehen, dass sie sich aus irgendwelchen Gründen zurückgesetzt fühlt. Dann hilft ihr besondere Zuwendung (Vorlesen, was mit ihr allein unternehmen, bewusstes besonderes Beachten lobenswerter Verhaltensweisen) wieder aus dieser Giftzwergposition heraus. Bis zum nächsten Wutanfall :wink:

Viele Grüße
Susi