Wer darf sich was erlauben?

Guten Abend.

Letztens habe ich wieder einmal die Werke von Wilhelm Busch durchgelesen.
Die Verunstaltungen der deutschen Sprache sind zum Teil ungeheuer. Dennoch stört man sich natürlich nicht daran. Jetzt frage ich mich, wer es sich leisten darf, die Sprachen gemäß seinen Zwecken zu formen und bei wem man es als stümperhaften Stil ankreidet?

Guten Abend.

Letztens habe ich wieder einmal die Werke von Wilhelm Busch
durchgelesen.
Die Verunstaltungen der deutschen Sprache sind zum Teil
ungeheuer.

Könntest du ein paar Beispiele nennen?

Meinst du sowas wie:

Jeder weiß, was so eim Mai-
käfer für ein Vogel sei!

Oder:

Selbst im frommen Öster-
reiche tadelt man die Klöster.

Das wäre Sprachwitz, wie sie auch Morgenstern, Valentin, und viele andere bieten.

Fritz

Hallo Feldmarschall

frage ich mich, wer es sich leisten darf, die Sprachen gemäß
seinen Zwecken zu formen und bei wem man es als stümperhaften
Stil ankreidet?

Ganz einfach:
Dem Stümper kreidets man an, das Genie lässt man machen.
Gruß, Branden

Hi,

Jetzt
frage ich mich, wer es sich leisten darf, die Sprachen gemäß
seinen Zwecken zu formen und bei wem man es als stümperhaften
Stil ankreidet?

ein Genie beherrscht die Regeln und geht über sie hinweg, ein Stümper beherrscht die Regeln nicht und kommt darin um.

Wenn Du Spracherweiterung vom feinsten lesen möchtest, geh in die Bibliothek und beginne ‚Zettels Traum‘ von Arno Schmidt zu lesen.
Das ist Genie, auch wenn viele es als Popanz bezeichnen, aber die können nicht anders :wink:

Gandalf

Nein, das meine Ich natürlich nicht. Ich dednke an Fälle, in denen Wörter nach belieben verändert wurden, damit es zum Vers paßt oder einen Reim ergibt.
Spontan fällt mir nur ein nicht ganz so schwerwiegendes Beispiel ein (ich suche aber noch):

Fürwahr, er hätte ihn getroffen!
Wär nur der Bär nicht fortgeloffen.

Busch, Morgenstern, Klabund, Valentin, Gerhardt …
Na, das:

Fürwahr, er hätte ihn getroffen!
Wär nur der Bär nicht fortgeloffen.

ist doch ein neckisches Ausweichen in den Dialekt, um der Reimes willen.

Ebenso:

_ Morgenstern, Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.

Ein Archtekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen satnd ganz dumm,
mit Latten ohne was herum.

Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko._

Und nochmals

_ Morgenstern, Das ästhetische Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesl
inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr,
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im Stillen.

Das raffinier-
te Tier
tats um des Reimes willen._

Gruß Fritz

Na, das:

Fürwahr, er hätte ihn getroffen!
Wär nur der Bär nicht fortgeloffen.

ist doch ein neckisches Ausweichen in den Dialekt, um der
Reimes willen.

Ebenso:

_ Morgenstern, Der Lattenzaun
…_

Also das Afri- od- Ameriko ist offenbar eher Willkür als Dalekt, bei dem fortgeloffen ist es vielleicht anders.

Die Frage war ja auch nur, ab welchem Autoritätsgrad man sich das leisten darf.

Ich. Du auch.
Hi,

Jetzt frage ich mich, wer es sich leisten darf, die Sprachen gemäß seinen Zwecken zu
formen und bei wem man es als stümperhaften Stil ankreidet?

die Frage stellt sich so nicht. Ein Könner nimmt sich die Freiheit, mit der Sprache zu spielen, und Du hast das Recht, derartige Spielereien, die mich entzücken, als Stümperei zu bezeichnen. Kultur ist das, was über die Schulbücher hinausgeht; was gut oder schlecht ist, muss jeder für sich beurteilen. Ich lese Wilhelm Busch immer wieder gern, bei Peter Handke stellen sich mir die Federn auf. Gut, dass ich kein Maßstab bin.

Gruß Ralf

die Frage stellt sich so nicht. Ein Könner nimmt sich die
Freiheit, mit der Sprache zu spielen, und Du hast das Recht,
derartige Spielereien, die mich entzücken, als Stümperei zu
bezeichnen. Kultur ist das, was über die Schulbücher
hinausgeht; was gut oder schlecht ist, muss jeder für sich
beurteilen.

Vielelicht hätte ich besser die Frage anders stellen sollen. Es war eigentlich damit gemeint:
Können Schriftsteller, die die Sprache verfälschen, auch wenn sie sie eigentlich können, als verdienstreiche Träger des Deutschen bezeichnet werden?

Hallo, Feldmarschall,

genau das tun sie nicht: „die Sprache verfälschen“. Sie spielen mit ihr - und ihre anderen Werke zeigen ja, daß sie mit der Sprache umzugehen vermögen und sie beherrschen. Oder, wie mein Vater mir immer sagte: Nur wer die Form beherrscht, darf sie verletzen.

A propos Verfälschung: „Wer Worte nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Worte in Umlauf bringt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.“
Sollte man solch eine Vorschrift nicht mal bei kleinem ins Strafgesetzbuch aufnehmen?

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Ganz einfach: Was den Göttern erlaubt, ist dem Rindvieh noch lange nicht gestattet.

HM :smile:

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