Hallo,
im nächsten Monat habe ich ein Vorstellungsgespräch bei einer amerikanischen Firma mit einer Niederlassung in Berlin (und hauptsächl. deutschen Mitarbeitern). Gilt dort wohl auch das Prinzip des „Hire and Fire“ oder ist die Firma an deutsche Gesetze gebunden? Muss man in amerikanischen Firmen wohl wesentlich länger arbeiten als in deutschen? Gibt es dort auch Gleitzeiten? Evtl. auch Halbtagsstellen, falls mal Kinder vorhanden sind?
Sylvie
‚Hire and Fire‘ ist nichts Schlechtes
Hi,
im nächsten Monat habe ich ein Vorstellungsgespräch bei einer
amerikanischen Firma mit einer Niederlassung in Berlin (und
hauptsächl. deutschen Mitarbeitern). Gilt dort wohl auch das
Prinzip des „Hire and Fire“ oder ist die Firma an deutsche
Gesetze gebunden?
Das Eine hat mit dem Anderen nicht das Geringste zu tun.
Natürlich ist die Firma an deutsche Gesetze gebunden, sodass das rein rechtlich keine Auswirkungen auf dich hat.
„Hire and Fire“ könnte man auf’s Deutsche übertragen etwa so deuten:
Wer sich nicht bewährt, der bekommt einen andere Aufgabe oder wird entlassen. Das ist aber für „normale Werktätige“ nicht besonders von Bedeutung, sondern eher bei höheren Funktionen, wo eine Fehlbesetzung schnell ziemlich viel schaden anrichten kann.
Muss man in amerikanischen Firmen wohl
wesentlich länger arbeiten als in deutschen? Gibt es dort auch
Gleitzeiten? Evtl. auch Halbtagsstellen, falls mal Kinder
vorhanden sind?
Das musst du selber herausfinden und hat mit amerikanisch oder nicht amerikanisch nichts zu tun. Aber auch hier greifen in erster Linie deutsche Gesetze.
Gruss
Hallo,
wenn Du hier eingestellt wirst und arbeitest unterliegt Dein Vertrag natürlich deutschem Recht. Insofern spielt das von der gesetzlichen Seite her keinerlei Rolle, wo die Firma ihren Hauptsitz hat.
Was Unternehmensziele sowie „Do’s und Don’ts“ dieser speziellen Firma angeht müßtest Du dich natürlich gezielt über das entsprechende Unternehmen erkundigen.
Ich habe seinerzeit bei einem Paketdienst mit braunen Lieferwagen gearbeitet und dort waren einige der grundsätzliche Spielregeln:
- Alkohol ist absolut tabu. Ein Gläschen Sekt zum Geburtstag? Unmöglich, Alkohol ist eine Totsünde!
- Beziehungen zwischen Angestellten sind nicht gerne gesehen. Ist natürlich völlig unsinnig weil man in jeder Statistik lesen kann daß gerade der Arbeitsplatz eine der weltweit besten Ehe- und Beziehungs-Anbahnungs-Stätten ist und natürlich gab es auch in diesem Unternehmen Beziehungen und sogar Rosenkriege. Aber man sieht es offiziell sehr ungern und ein kluges Verhalten ist derartige Privatangelegenheiten so weit als möglich aus dem Betrieb fernzuhalten. Also selbst wenn da zwei Leute zusammenkommen sollten Liebesbezeigungen nicht in der Firma stattfinden. Albern, aber sie nehmen es ernst damit. Offiziell wird einem von beiden die Kündigung nahegelegt wenn es offiziell wird daß sich da zwei Leute gefunden haben…
- Pünktlichkeit ist absolut wichtig. In der Hinsicht sind sie nicht flexibel, einmal ist keinmal, beim 2. Zu-spät-Kommen wird es richtig unangenehm.
- Sie legen wert auf angemessene - konserative - Bekleidung. Natürlich hängt es von der Position im Unternehmen und dem Tätigkeitsfeld ab, als 08/15-Büroangestellte® braucht man keinen Anzug/Kostüm, Turnschuhe sind aber auch nicht gerne gesehen. Also, wie nennt man das jetzt?, sportlich-bequem aber nicht zu leger. Management-Mitarbeiter - Management ist jeder, sobald er Vorgesetzter/Abteilungsleiter wird - haben in Anzug / Kostüm zu erscheinen. Da rennet also selbst der 23jährige PC-Freak im Anzug herum, weil das aufgrund seiner Position (er leitet die Abteilung…) und wegen der 2 ihm unterstellten Mitarbeiter so erwartet wird. Der arme Kerl ist eigentlich nur ausgelatschte Turnschuhe, zerfetzte Jeans und Bombenlescher-Zopf gewöhnt gewesen, wie es sich für so einen Freak gehört. Aber nicht so beim Paketdienst; jetzt ist ein „ordentlicher Haarschnitt“ und ein Anzug mit Krawatte seine Dienstbekleidung.
- Für Männer gilt: bitte glatt rasiert. Bärte sind bei UPS nicht gerne gesehen. Die Ideologie des Unternehmens sagt daß rasierte Menschen vertrauenswürdiger aussähen…
- Kritik jeder Art ist unerwünscht und wird als „Zersetzung“ betrachtet. Was das Unternehmen macht ist immer super, immer toll, immer genial. Widerspruch, Kritik, selbst Verbesserungsvorschläge, werden Dir sehr negativ ausgelegt. „Funktionieren und Klappe halten“ ist die Devise wenn man keinen Ärger haben will.
Ansonsten geht es nicht nur darum was man in der Vergangenheit gemacht hat oder welche Ausbildung man hat. Sie geben Dir eine Chance wenn Du den Eindruck machst für den Job geeignet zu sein. Allerdings mußt Du dann auch richtig ranklotzen, wer sich nicht „den Arsch aufreißt“ ist auch schnell wieder weg vom Fenster.
Interessanter Link übrigens: http://www.netzwerkit.de/galeere/
Ich bin nicht mehr bei UPS und bin auch ganz froh darüber. Es ist OK, trotzdem war die Art und Weise, wie diverse Leute (und auch ich) gegangen wurden, absolut unter aller Sau.
Gruß,
MecFleih
Danke für den interessanten Bericht!
Glaubst du auch, ich sollte lieber im Kostüm/Anzug bei über 30 Grad erscheinen, auch nur als Sachbearbeiterin ohne Führungsposition? Oder genügt wohl nur eine Bluse?
Gruß,
Sylvie
Hi Sylvie,
schwer zu sagen… gerade bei Damenmode kenne ich mich nicht so gut aus und ohne zu wissen um welches Unternehmen es da geht kann man auch nur schwer einen Rat geben (wobei ich andere amerikanische Unternehmen selber nicht kenne, aber vielleicht jemand anderes, der mitliest und dann etwas dazu sagen kann).
Es gibt ja die Grundregel daß man zu Vorstellungsgesprächen sozusagen „eine Stufe besser bekleidet als im späteren Arbeitsalltag“ erscheint. Wenn Du später leger herumlaufen kannst reicht vermutlich eine Bluse, wenn Du dazu nicht gerade Turnschuhe anziehst.
Solltest Du aber Vorstandssekretärin werden, Kundenkontakt haben und das Unternehmen repräsentieren, mit Geld zu tun haben, kurz: in einem repräsentativen Bereich arbeiten, in dem Anzug oder Kostüm zum Dresscode gehören, kannst Du natürlich auch nicht mit weniger zum Vorstellungsgespräch erscheinen. In dem Fall gibt es aber bestimmt auch sommerliche Businesskleidung, auch wenn die natürlich immer unbequemer ist als Jeans und Bluse.
So ganz grundsätzlich würde ich also im Zweifel zur konserativeren Variante greifen (weil das bei den Amis und deren Firmenkultur meist besser hinkommt), schauen welche Kleidung Deine Position erfordert, und ansonsten darauf vertrauen daß es nicht nur auf die Klamotten, sondern auch das, was Du zu sagen hast und wie Du auftrittst, ankommt.
In meinem Fall war es so daß ich mit einer „1 plus Sternchen“ durch das Vorstellungsgespräch gegangen bin und selbst 30 interne Bewerber aus dem Rennen geworfen habe weil ich mich wohl recht natürlich, sympathisch, aber auch engagiert und einsatzwillig präsentiert habe. Lücken im Lebenslauf, meine vorigen Ausbildungen, das war alles weniger wichtig als der persönliche Draht zu den Interviewern, die das Gefühl hatten daß ich zwar nicht ihr Kumpel bin, aber eben auch nicht nur eine Show abziehe um krampfhaft toll zu wirken. Wir haben uns „ganz normal unterhalten“, ich war also nicht übertrieben künstlich um da unbedingt ein Bild von mir zu entwerfen, bei dem aber doch jeder merkt daß man schauspielert weil man „um jeden Preis gut aussehen will“.
Insbesondere bei 1 kritischen Frage (mein vorheriges Gehalt) haben sie von mir keine Auskunft bekommen - was aber nur gut war weil das, wie ich nachher erfuhr, zeigte daß ich bereit bin mich auch zur Wehr zu setzen wenn es erforderlich ist.
Viel Erfolg für Dein Interview und nicht bange machen lassen!
MecFleih
Hi,
Danke für den interessanten Bericht!
Glaubst du auch, ich sollte lieber im Kostüm/Anzug bei über 30
Grad erscheinen, auch nur als Sachbearbeiterin ohne
Führungsposition? Oder genügt wohl nur eine Bluse?
in meiner Firma (amerikanisch) wäre eine Bluse angemessen.
Auch hier siehst du wieder:
Es hat mit amerikanisch oder nicht amerikanisch nichts zu tun.
Gruss,
Hi Sylvia,
kenne mich nur mit amerikanischen Firmen in den USA aus, denke aber, dass die in Deutschland auch dem dt. Recht unterliegen - also nichts mit hire & fire etc. (dies gefiel mir allerdings immer besser, als das Prinzip in Dland, wo man einen, der nichts leistet, schier nicht los bekommt ).
Kleidung beim Interview:
Bei diesen Temperaturen ist eine Bluse mit 3/4-Aermeln (kurze Aermel finde ich unpassend - sieht nicht professionell aus - Hitze oder nicht) und schwarzer langer Hose (aber: dressy pants - keine Jeans oder Cord etc.)+ Pumps (keine megahohen Absaetze!) vollkommen angebracht. So habe ich mich eigentlich immer angezogen bei Vorstellungsgespraechen (habe in den Suedstaaten gelebt, wo nur heisse Temperaturen herrschen) und das war jedesmal passend.
Viel Glueck!!
Yvonne