Hallo zusammen!
Ich habe eine Frage zu einem ziemlich verzwickten Fallbeispiel. Es geht um eine Familie mit 5 Kindern. Die drei ersten aus erster Ehe der Frau, die zwei Kleinen aus der zweiten, und noch bestehenden Ehe. Die zweitälteste Tochter hat nach 14 jahren Kampf und Kleinkrieg mit Schulen, Psychiatrie und Behörden endlich eine gesicherte Diagnose, nämlich dass sie an einer sozio-emotionalen Störung leidet, und knappe 3 Jahre zurückgeblieben ist. Mit Hilfe der Psychiatrie und dem Jugendamt wurde für das Mädchen eine Unterbringung in einer Privatschule mit entsprechender Psycho-sozialer Erfahrung, mit gleichzeitiger Unterbringung in einer 5-Tage Internatsgruppe gefunden. Nach knapp 2 Jahren intensiver Schulung von Kind und Eltern im Umgang miteinander ist sie nun so weit, dass sie einen „normalen“ Schulabschluß anstreben kann, und eigentlich könnte sie aus dem Internat entlassen werden, und in ein normales Familienleben zurückgeführt werden…Der älteste Sohn der Familie (16,5 Jahre) ist jedoch seid einem halben Jahr sehr auffällig. Er ist mehrfach straffällig geworden (unter anderem schwere Körperverletzung, Einbruch und Vandalismus)er hat das Gymnasium geschmissen und war auch schon ein paar mal abgängig. Im Großen und Ganzen will er sein eigenes Leben leben, ist dabei Rücksichtslos und kennt weder mein noch Dein. Die Eltern sind ziemlich ratlos(und auch nervlich am Ende), auch die Familienhilfe(nicht vom Amt sondern selbst gesucht und selbst bezahlt), die die Familie bereits seid Jahren begleitet weiß keinen Rat mehr. Zur Zeit ist die einzige Maßnahme den Jungen „leiden“ zu lassen. Heißt: Er hat nur noch einen Schlafplatz in der elterlichen Wohnung, muss die Wohnung morgens verlassen, darf Abends um 21 Uhr rein kommen, dort übernachten, und morgens wieder gehen. Kommt er abends zu spät soll er vor der Türe stehen bleiben, und sich eine andere Schlafmöglichkeit suchen.Das Jugendamt geht davon aus, wenn der Leidensdruck groß genug ist, wird der Junge schon weich werden. Der Jugendliche selber hat beim JA schon beantragt aus der Familie genommen zu werden, weil er das Zusammenleben als Zumutung empfindet (weil seine Eltern nicht bereit sind ihm alles zu erlauben, und auf Recht und Gesetze bestehen), die Eltern haben ebenfalls beim JA einen Antrag gestellt auf Beistand, da der Junge ihnen immer mehr entgleitet. Das JA steht auf dem Standpunkt dass die Eltern einfach nicht streng genug sind, und nicht konsequent ihre Sanktionen durchsetzen. Das Kind belächtelt diese Aussage nur und meint, die Strafe die er nicht ignoriert müsste erst erfunden werden. Bei Hausarrest geht er durch das Fenster, Verbote werden mißachtet, der Stiefvater wurde sogar schon körperlich angegriffen. Das JA vertritt den Standpunkt, wenn die Eltern ihn konsequent vor der Türe stehen lassen, sehen die Jüngeren Geschwister, dass man mit den Eltern eben nicht alles machen kann, und werden selber dann später nicht auffällig. Bedenken der Mutter, dass der Junge noch mehr straffällig wird wenn sie ihn über Nacht vor der Türe stehen lässt werden vom JA abgetan mit dem Kommentar: Was solls, straffällig ist er eh schon, desto größer wird die Strafe beim Jugendgericht, und das braucht der Junge doch wohl.
Was aber am schlimmsten für die Eltern ist, dass die Tochter so lange nicht aus dem Internat nach Hause kommen darf, bis der Sohn sich wieder an die Regeln hält, und Ruhe in die Familie einkehrt…
Auf die Bitten der Mutter doch irgendetwas zu unternehmen wurde vom JA nur entgegnet: Da müssen sie jetzt einmal durch, es ist ja schon das zweite Kind was ihnen entgleitet(wie bitte? man kann doch eine psychiatrische Indikation nicht als entgleiten bezeichnen), und wenn sie diesmal nicht konsequent sind ist es vorprogrammiert dass das nächste Kind in Kürze auch vor der Türe steht.
Das schönste ist, dass die Mutter aus der Nachbarschaft immer zu hören bekommt dass sie mit ihren Kindern doch viel zu streng ist, und dass ihre Strafen (Hausarrest o.ä.) immer viel zu konsequent eingehalten werden, man müsste doch bei Kindern auch mal ein Auge zudrücken…
Muss denn wirklich erst etwas ernstes passieren bevor der Ruf der Familie um Hilfe erhört wird? Wen könnte man da noch einschalten?
Die Sorge der Eltern ist ja auch, dass sich die Jüngeren Geschwister ein negatives Beispiel am großen Bruder nehmen könnten. Das JA ist aber der Meinung, die Geschwister würden sehen dass der Bruder weder Schulabschluss noch Arbeit vorweisen kann, und würden daraus lernen dass sie selber sich an Regeln halten. Interessiert es wirklich einen 11 Jährigen, ob er mal nen Job bekommt? Oder sieht er doch eher dass der Große Bruder im Moment tun und lassen kann was er will?
Ich hoffe auf viele Antworten
Lonesteen
Hallo,
ich habe mich nun durch den Artikel ohne Punkt und Komma, vor allem ohne Absätze durchgequält…
-
Warum wurde eine Beistandschaft beantragt? Eine Beistandschaft ist das hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Beistandschaft
und ist meiner Meinung nach hier nicht das geeignete Mittel. -
Werden nun die Regeln für den 16-jährigen eingehalten oder nicht? Das habe ich aus dem Posting nun wirklich nicht rauslesen können
-
Wenn Zuhause derzeit eine entsprechend sozial und psychisch angespannte Situation herrscht, kann ich mir schon vorstellen, daß man die Schwester, die sowieso schon Schwierigkeiten hat(te), nicht (wieder) in ein so schwieriges Umfeld bringt und damit den ganzen Therapieerfolg gefährdet.
Wie du schon selbst schreibst, ist die Tochter so weit, in ein NORMALES Familienleben integriert zu werden, allerdings ist das was hier abgeht wohl kaum als normales Familienleben zu bezeichnen.
Die Tochter ist ja nicht von irgeneiner Krankheit genesen, sondern die Therapie hat sie so weit gebracht, derzeit (wahrscheinlich mit Hilfe einer weiteren abulanten Therapie) wieder ins NORMALE Leben integriert zu werden.
-
Das Jugendamt weiß, was es tut bzw. von den Eltern fordern muß.
Nur wem geholfen werden will, dem kann geholfen werden. Der 16-jährige ist noch nicht so weit, ist noch nicht weit genug „unten“.
Traurig aber wahr… -
Meiner Erfahrung nach wäre es in dieser Phase wichtiger den anderen Kindern wesentlich mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und den 16-jährigen vom Familienleben komplett aussen vor zu lassen.
Prävention für die anderen Geschwister ist hier das Allerwichtigste!!!
Und BITTE BITTE BITTE: beim nächsten körperlichen Angriff SOFORT die Polizei rufen.
Viel Kraft wünscht
miamei
Moin,
was sollte oder könnte das Jugendamt in so einem Fall denn deiner Meinung nach tun?
Gruß
Marion
Hallo,
es gibt doch noch weitere Erziehungsberatungsstellen. Dort mal mit dem Jungen hingehen.
Was mir bei dem Artikel (zusätzlich zu den fehlenden Absätzen) auffällt ist, dass hier immer von den Eltern gesprochen wird.
Gemeint sind aber wahrscheinlich Mutter und Stiefvater. Was ist mit dem leiblichen Vater? Lebt er noch?
Er sollte dann wohl auch bei den Problemen mit einbezogen werden. Unter Umständen kann der Junge dort erst mal leben und ohne große Geschwisterschar wieder auf den Weg kommen.
Ihn tagsüber vor der Tür „abstellen“ halte ich nicht für den richtigen Erziehungsweg. Was lernt und fühlt er durch diese Vorgehensweise? Auf jeden Fall fühlt er sich noch mehr ausgegrenzt und wird sich durch entsprechende Aktionen die Aufmerksamkeit zurückholen, die ihm fehlt.
Juristisch dürfte dieses „vor die Tür jagen“ auch nicht ganz einwandfrei sein. Er ist minderjährig. Wenn er irgendwas anstellt, weil er nicht in die Wohnung darf, kann das zu Haftungsansprüchen gegenüber der Mutter führen.
Allerdings macht er den anderen Familienmitgliedern das Familienleben auch nicht leicht.
Eine Alternative wäre vielleicht so etwas wie betreutes Wohnen für Jugendliche. Wohngruppen oder ähnliches.
Problem dürfte hier sein, dass das Jugendamt die finanziellen Mittel hierfür bereit stellt und einen Platz ausfindig macht. Das Jugendamt schriftlich auffordern (mit Fristsetzung), dass sie hier tätig werden sollen. Wenn nichts geschieht, dann einen Anwalt einschalten.
Allerdings besteht auch die Gefahr wegen
Da müssen sie jetzt einmal durch, es ist ja schon das
zweite Kind was ihnen entgleitet(wie bitte? man kann doch
eine psychiatrische Indikation nicht als entgleiten
bezeichnen), und wenn sie diesmal nicht konsequent sind ist
es vorprogrammiert dass das nächste Kind in Kürze auch vor
der Türe steht.
dass das Jugendamt die Eltern generell als Erziehungsunfähig einstuft und dann u. U. versucht alle Kinder wegzunehmen.
Gruß
Ingrid