Wer kann 'aktives Zuhören'?

Hallo,

sicher kennt der eine oder andere von euch auch die
„Familienkonferenz“ und die Methode des aktiven Zuhörens.
Ich versuche derzeit, es zu praktizieren, weil unsere Tochter (8)
solche Probleme macht, sehr viel motzt und streitet, aber es fällt mir so schwer!

Z.B. beim Streit mit ihrem kleinen Bruder. Meistens fängt leider sie
mit Streiten an. Ihr Bruder (6) ist auch kein Engel und
kann ganz schön nerven, aber sie ist schon ein ganz anderes Kaliber.

Wenn ich dann mitbekommen habe, dass sie wieder wegen irgeneinem
Pipifax ein Riesentheater macht, kriege ich einfach eine Wut und kann
nicht mehr zuhören…

Beispiel: Wir sind beim Zelten.
Mein Sohn gibt seine Taschenlampe her, damit sie im Zelt aufgehängt
werden kann für alle, damit wir beim Schlafengehen Licht haben.
Waehrend meine Tochter im Waschraum ist, verwendet er ihre
Taschenlampe, um vor dem Schlafen noch ein Buch anzuschauen (das Licht
der anderen, die oben haengt ist zu funzlig zum Lesen).
Als sie zurueckkommt, regt sie sich total auf, dass er ihre
Taschenlampe verwendet, schreit er solle sie gefaelligst vorher
fragen, und als er sagt dass sie ja nicht da war zum Fragen, haut sie
ihm mit Wucht die Taschenlampe ueber den Kopf (wir haben eine klare
Regel, dass wehtun verboten ist, hauen mit Sachen ist strengstens
verboten).

Leute, da kann ich nicht ruhig zuhoeren, warum sie der Ansicht ist im
Recht zu sein, da fliegt sie aus dem Zelt.

Oder:
Wir fahren im Auto, die Kinder haben Hunger, es ist noch eine Semmel
da. Also fuer jeden eine halbe Semmel. Ich werde mich hueten, die
Semmel zu teilen und zu verteilen, denn einer wird sich immer
benachteiligt fuehlen.
Also bestimmen wir, dass einer der beiden teilt und einer aussucht.
Keiner will teilen und wir schlagen vor, dass Karin es macht, weil sie
das vielleicht besser kann. Sie versucht es, es gelingt ihr aber nicht
so wie sie das moechte, sie faengt zu zetern und schreien an, und
schmeisst schliesslich mit voller Wucht die beiden Haelften nach
vorne. Ich habe nun zwei Semmelhaelften im Schoss und bin von oben bis
unten mit Kruemeln uebersaet. Wir sind teils amüsiert, teils aber
auch reichlich sauer ueber das Gezeter (dem gingen schon eine halbe
Stunde lang Streits voraus, wer die uebrige Erdbeere bekommt und wer im Raetselbuch das Kreuzchen machen darf).

Leute, ist das normal fuer ein achtjaehriges Kind?? Beim Kleinen
wuerde ich es ja noch einsehen, Trotzalter und so (obwohl wir uns da
genauso aufregen). Aber mit acht?
Und dieses bloede Getue, nur weil der Andere vielleicht am Ende drei
Kruemel mehr von einer Semmel hat?

Kennt ihr das, wenn einem einfach das Verstaendnis abgeht, und man
deshalb einfach nicht mehr wirklich zuhoeren kann oder will?
Leider kommt es sehr oft vor, und ich befuerchte, dass sie, an der
Vorstufe zur Pubertaet (merken wir jetzt schon: Anklopfen am
Kinderzimmer, geheime Briefe, Tagebuch usw.) mit der Zeit das Gefuehl
bekommt, dass wir sie ja doch nie verstehen (wollen) und uns ihr
Vertrauen entzieht?

Hinterher drueber reden hilft auch nicht viel, denn dann ist sie zwar
ruhiger, aber inhaltlich aendert sich gar nichts.

Welche Ideen habt ihr dazu?

Matilda

Moin,

Wenn ich dann mitbekommen habe, dass sie wieder wegen
irgeneinem
Pipifax ein Riesentheater macht, kriege ich einfach eine Wut
und kann
nicht mehr zuhören…

Nun ja, vielleicht kriegt sie auch einfach die Wut und kann nicht mehr zuhören ? Kann es sein, dass ihr vielleicht beide leicht aufbraust ?

(wir haben eine
klare
Regel, dass wehtun verboten ist, hauen mit Sachen ist
strengstens
verboten).

Habt ihr auch eine Regel die besagt, dass wer etwas vom anderen nehmen will, diesen immer vorher zu fragen hat ? Falls ja sollte diese Regel auch in dem Fall gelten, wenn der andere seine Taschenlampe anderweitig zur Verfügung stellt. Ansonsten macht es nämlich den Anschein, dass eure Regeln keineswegs „klar“ sind sondern manchmal gelten und manchmal nicht.

Leute, da kann ich nicht ruhig zuhoeren, warum sie der Ansicht
ist im
Recht zu sein, da fliegt sie aus dem Zelt.

Sie fliegt aus dem Zelt, wenn sie versucht, ihr Handeln zu rechtfertigen ? Oha. Wie wärs mit: erstmal zuhören und dann entscheiden, dass die Regel „niemand nimmt etwas vom anderen ohne zu fragen“ in jedem Fall gilt.

Ich werde mich hueten,
die
Semmel zu teilen und zu verteilen, denn einer wird sich immer
benachteiligt fuehlen.
Also bestimmen wir, dass einer der beiden teilt und einer
aussucht.
Keiner will teilen und wir schlagen vor, dass Karin es macht,
weil sie
das vielleicht besser kann.

Du gibst die Verantwortung für etwas, dass du dir selbst nicht zutraust, an ein 8-jähriges Kind ab mit dem „Köder“, dass sie es vielleicht besser kann ? Sicher wird sie sich „geschmeichelt“ fühlen, dass man ihr aufgrund ihres Alters soviel zutraut und es versuchen. Genau so sicher wird sie scheitern, weil es fast unmöglich ist, eine Semmel in zwei gleiche Teile zu teilen. Klar erzeugt das Frust, was dachtest du denn ?

schmeisst schliesslich mit voller Wucht die beiden Haelften
nach
vorne. Ich habe nun zwei Semmelhaelften im Schoss und bin von
oben bis
unten mit Kruemeln uebersaet.

Na immerhin hat deine Tochter klar erkannt, wer für ihr Dilemma verantwortlich ist und den richtigen getroffen :smile:

Leute, ist das normal fuer ein achtjaehriges Kind??

Was findest du daran unnormal ?
Ihren Frust kann ich völlig verstehen. Dass ein 8-jähriges Kind diesen Frust nicht so ruhig wegstecken kann wie ein Erwachsener halte ich ebenfalls für normal, insbesondere wenn die Eltern diesbezüglich auch nicht mit guten Beispiel voranzugehen scheinen sondern ihrerseits auch recht überzogen reagieren.

genauso aufregen). Aber mit acht?

hm…wie alt bist du denn ?

Und dieses bloede Getue, nur weil der Andere vielleicht am
Ende drei
Kruemel mehr von einer Semmel hat?

Das dürfte zwichen Geschwistern nicht ungewöhnlich sein. Angelblich wurden auch schon Ehen zerrüttet, weil einer der Ehepartner immer den letzten Schokopudding isst.

Kennt ihr das, wenn einem einfach das Verstaendnis abgeht, und
man
deshalb einfach nicht mehr wirklich zuhoeren kann oder will?

Hm…das versteh ich nicht so ganz. Was hilft es dir denn, wenn du nicht mehr zuhören kannst oder willst, weil dir das Verständnis abgeht ? Wie willst du denn dann verstehen lernen ?

bekommt, dass wir sie ja doch nie verstehen (wollen) und uns
ihr
Vertrauen entzieht?

Was in Anbetracht einer Mutter, die wie sie selbst sagt: „nicht mehr zuhören kann oder will“ auch nicht allzu abwegig wäre, oder ?

Welche Ideen habt ihr dazu?

Stellt tatsächlich klare Regeln auf.
Erwarte nicht mehr von deinem Kind, als du deinerseits zu tun bereit bist.

Gruß
Marion

Hallo Matilda,

das Buch von Thomas Gordon biete interessante Denkanstöße an, ist aber nur bis zu einem bestimmten Grad hilfreich, nämlich erst dann, wenn Kindern selbst klar ist, was sie stört, was sie wütend oder hilflos macht. Und das sollte sie außerdem noch in Worte fassen können, was eigentlich eher Teenies können. Was soll man die jüngeren Kinder da dann fragen?

Ich würde den Begriff „aktives Zuhören“ als Überbegriff einer elterlichen Erziehungmaßnahme verstehen, im Sinne von Beobachtungen machen.
Mir würde es wie dir gehen, und mich fragen, warum die Tochter so ausrastet. Das erscheint mir eine Kombination von Wut und Ohnmacht zu sein.

Bei der Semmel-Geschichte habe ich den Verdacht, dass deine Tochter schon vor dem Teilen Stress empfunden hat, der nichts mit Hunger oder Lust auf Semmel zu tun hatte. Irgendwie geht es ihr auf die Nerven die große Schwester eines kleinen Bruders zu sein. Eventuell ist sie in einer Umbruchphase, und versucht vieler ihrer Positionen in ihrem Umfeld neu zu ordnen. Da rüttelt sie dann nachhaltig und mit vielen Frustgefühlen an Grenzen und Gitterstäben.

An deiner Stelle würde ich das „aktive Zuhören“ so gestalten, in dem ich erst einmal beobachten würde, ob deine Tochter die Distanz von Euch allen bekommt wie sie es für sich braucht. Dann kannst du die Position deiner Tochter stärken, und dies z.B. auch deinem Sohn entsprechend vermitteln. Damit meine ich, dass zwar allgemeines Familienrecht zu erhalten ist, weswegen ich mit dir einer Meinung bin: keine Gewalttätigkeiten oder knappes Allgemeingut in Einzelteilen wird ohne Gemaule genommen (solches Gezeter dulde ich nicht, weil das uferlos und kraftraubend sein kann). Aber zum Familienrecht gehört meiner Ansicht nach auch die Wahrung von Eigentum (Sohn muss warten, bis Tochter die Lampe herleihen mag), oder das Recht auf Alleinsein und nicht mit Bruder spielen müssen, wenn sie nicht will…usw.
Als Elternteil wackelt man sich auf einer erzieherische Gradwanderung zwischen den Rechtsansprüchen der einzelnen Familienmitglieder (du hast ja als Mutter auch Rechte, nicht wahr?) und der ganzen Familie durch. Das mit der Taschenlampe ist insofern ein Problem gewesen, weil das zur Verfügungstellen des Sohns nicht automatisch die Taschenlampe der Tochter zum Allgemeingut macht. Das hättet ihr vorher ausmachen müssen. Die Tochter wäre wegen der Gewalttätigkeit von mir geschimpft worden, aber im gleichen Zuge (so ähnliches ist mir auch schon passiert) hätte ich mich bei ihr entschuldigt, dass ihr Bruder die Lampe nehmen durfte: „Das nächste Mal reden wir vorher darüber“.
Wenn du sie als Individuum ernst nimmst, dann hat sie wieder Freude daran ein Teil der Familie zu sein. Wahrscheinlich leidet sie an einem ganz normalen Familienkoller. Und den kennen wir wohl alle.

viele Grüße
claren

Hallo

dem Beitrag von pendragon würde ich mich anschließen, ich möchte nur noch zwei Gedanken hinzufügen, die vielleicht helfen könnten.

Wenn man immer eine unerklärliche Wut auf eines seiner Kinder hat, kann das folgende Ursachen haben.

  1. Man wurde selbst als Kind genauso behandelt und gibt dies einfach weiter. Hier hilft es, wenn man sich das klar macht, und dann evtl. der Gedanke, dass die eigene Mutter ihrerseits wahrscheinlich auch so behandelt wurde, wie auch deren Mutter usw. Sich selbst und seinen Vorfahren verzeihen und den Beschluss fassen, es anders zu machen.

  2. Man wurde (evtl. als Kind) von irgendjemandem schlecht behandelt, der in irgendeiner Hinsicht Ähnlichkeit mit dem betreffenden eigenen Kind hat, aber damals haushoch überlegen war. Die eigenen Kinder eignen sich sehr gut dafür, völlig gefahrlos eine späte Rache zu üben. Man kann auch selbst dafür sorgen, dass sie sich so verhalten, wie die verhasste Persönlichkeit aus der Vergangenheit.

Dies ist aber auf keinen Fall wirklich befriedigend, da man sich ja selbst schadet, wenn man seinen Kindern schadet. Unter Umständen sollte man dann wahrscheinich eine Therapie machen.

Viele Grüße Thea

1 „Gefällt mir“

OT: eine geniale Lösungsmöglichkeit :wink:
Hallo Matilda,

meine Eltern haben früher für meine Schwester und mir ein Patentrezept gehabt:
Ich habe an einem geraden Tag Geburtstag, meine Schwester an einem ungeraden Tag. Und so setzte sich die Regel fort.
Alles positive und negative war damit geregelt.
Im Haushalt helfen, wer im Auto vorne sitzen durfte, und auch wählen, was es zu Essen gibt und vieles mehr.
Das wurde so streng und genau durchgehalten, das wir nie mehr diskutierten, wer was wann bekam oder machen durfte oder musste.
Für diesen geschaffenen Frieden ist man heute noch dankbar.

An alle werdenen Eltern: nur max. zwei Kinder und
ungeraden und geraden Geburtstagen zur Welt bringen! :wink:

Tschüüüüss

Olaf

Hallo Matilda,

sicher kennt der eine oder andere von euch auch die
„Familienkonferenz“

Ja, alle zwei Wochen freitags :wink:.

und die Methode des aktiven Zuhörens.

Auch das. Es ist schwierig „mit“ anstatt „zu“ den Kindern zu sprechen und im Streit ist das so gut wie unmöglich.

Ich versuche derzeit, es zu praktizieren, weil unsere Tochter
(8)
solche Probleme macht, sehr viel motzt und streitet, aber es
fällt mir so schwer!

Meine Große wird nächste Woche 9, die „Kleine“ ist 7. Ich weiss genau was Du meinst.

Z.B. beim Streit mit ihrem kleinen Bruder. Meistens fängt
leider sie
mit Streiten an.

Ist das wirklich so? Hast Du Deine Kinder ständig unter Beobachtung? Die vermeintlich „Kleinen“ haben ihre Geschwister oft gut im Griff… eine versteckte Provokation hier, eine versteckte Provokation dort… und schon entsteht bei Gelegenheit der schönste Streit.

Ihr Bruder (6) ist auch kein Engel und
kann ganz schön nerven,

Aha!

Wenn ich dann mitbekommen habe, dass sie wieder wegen
irgeneinem
Pipifax ein Riesentheater macht, kriege ich einfach eine Wut
und kann
nicht mehr zuhören…

Dann mische Dich nicht ein. Werde nicht wütend. Warum solltest DU versuchen einen Streit zu schlichten, dessen Ursache Du nicht einmal kennst? Wenn es um Pipifax geht, ist ein eingreifen nicht nötig. Reibe Dich doch an solchen Kleinigkeiten nicht auf.

Ob Du es glaubst oder nicht (die Kinder machen es nicht unbedingt bewusst) - aber unbewusst wissen sie, wie sie Dich auf die Palme bringen können. Und genau das wollen sie. Sie kennen Deine Reaktion und wie ich sehe, ergreifst Du Partei, versuchst ihren Konflikt zu lösen (der Dich gar nichts angeht :wink:) und lässt sie nicht lernen, selbst damit fertig zu werden.

Das ist ein Fass ohne Boden. Sie werden nicht damit aufhören, wenn DU nicht etwas änderst. So schnell wie möglich, bevor Du komplett die Nerven verlierst. Ziehe Dich zurück, halte Dich raus.

Kleine Geschwister ertragen sogar Schläge, wenn sie damit ihre Position stärken können. Und die „Große“ wird immer wütender und hilfloser, weil sie nach Meinung der Erwachsenen eben „so ist“. Hilf ihr da raus, sie ist sehr unglücklich :wink:.

Nutze die Familienkonferenz, um allgemein über Konflikte und deren Beseitigung/Schlichtung zu sprechen und beobachte, ob Deine Kinder das mit der Zeit umsetzen können und kompromissbereiter werden.

Waehrend meine Tochter im Waschraum ist, verwendet er ihre
Taschenlampe, um vor dem Schlafen noch ein Buch anzuschauen
(das Licht
der anderen, die oben haengt ist zu funzlig zum Lesen).

Ohne zu fragen? Im Ernst - möchtest Du Deinen Besitz an jemanden verteilt sehen, nur weil Du gerade mal nicht da bist? Ist alles Allgemeineigentum? Wenn Deine Tochter so eigen ist mit ihren Sachen, dann wusste er was kommt. Er hat es provoziert. Und ihr habt alle fein mitgespielt :wink:.

Er hätte warten können, bis sie wieder da ist. Er ist nicht mehr sooo klein, dass alles was er möchte sofort greifbar sein muss.

Als sie zurueckkommt, regt sie sich total auf, dass er ihre
Taschenlampe verwendet, schreit er solle sie gefaelligst
vorher
fragen, und als er sagt dass sie ja nicht da war zum Fragen,
haut sie
ihm mit Wucht die Taschenlampe ueber den Kopf (wir haben eine
klare
Regel, dass wehtun verboten ist, hauen mit Sachen ist
strengstens
verboten).

Autsch. Damit hat sie ihren Rauswurf wohl festgelegt, der dann ja auch kam. Und das Brüderchen musste sicherlich getröstet werden. Und sie fühlt sich ungerecht behandelt - er zählt und sie nicht. Bestärkt das nicht mehr.

Ich will Dich nicht ärgern. Deine Kinder sind völlig auf dem falschen Dampfer und nur Du, oder Ihr, könnt ihnen helfen.

Leute, da kann ich nicht ruhig zuhoeren, warum sie der Ansicht
ist im
Recht zu sein, da fliegt sie aus dem Zelt.

Es ist schwer, aber Du bist der Erwachsene - lass Dich da nicht mit reinziehen. Ihr die Tatwaffe Lampe abzunehmen und BEIDE aus dem Zelt (und damit gleich) zu setzen wäre wahrscheinlich besser gewesen (auch wenn sich das hart anhört). Es ist das Problem Deiner Kinder, nicht Deins.

Wir fahren im Auto, die Kinder haben Hunger, es ist noch eine
Semmel
da. Also fuer jeden eine halbe Semmel. Ich werde mich hueten,
die
Semmel zu teilen und zu verteilen, denn einer wird sich immer
benachteiligt fuehlen.

Sie haben Dich erstaunlich gut im Griff. Demnächst werden auch noch die Schokoladenstückchen abgewogen *g*.

Entweder wird im Auto nicht mehr gegessen, oder Du überlässt es Deinen Kindern, wie sie ihren Hunger stillen.

Also bestimmen wir, dass einer der beiden teilt und einer
aussucht.

Für so einen Käse braucht es elterliche Autorität? Himmel.

Keiner will teilen

*g* Dann können sie nicht sehr hungrig gewesen sein…

und wir schlagen vor, dass Karin es macht,
weil sie
das vielleicht besser kann.

So. Und warum? Weil der Bruder noch so „klein“ ist? Bitte.

Sie versucht es, es gelingt ihr
aber nicht
so wie sie das moechte, sie faengt zu zetern und schreien an,
und
schmeisst schliesslich mit voller Wucht die beiden Haelften
nach
vorne.

Dieses Kind ist frustriert ohne Ende. Sie „kann“ schon, sie will nur nicht. Weil sie „immer“ im Unrecht ist und die Große und … als ihr Bruder geboren wurde war sie 2. Er hat sie enttrohnt. Das eine Kind versucht durch übertriebene Fürsorge ihr Geschwisterchen hilflos zu halten, die anderen werden … eben so. Oder ganz anders. Irgendwie ist sie da auf einer Schiene, die ihr selbst nicht gefällt. Aber es ist was bekanntes, deshalb hält sie daran fest.

Ich habe nun zwei Semmelhaelften im Schoss und bin von
oben bis
unten mit Kruemeln uebersaet. Wir sind teils amüsiert, teils
aber
auch reichlich sauer ueber das Gezeter (dem gingen schon eine
halbe
Stunde lang Streits voraus, wer die uebrige Erdbeere bekommt
und wer im Raetselbuch das Kreuzchen machen darf).

*lach* Sie können einen wirklich zur Weißglut bringen. Nur merken dürfen sie es nicht :wink:.

Leute, ist das normal fuer ein achtjaehriges Kind?? Beim
Kleinen
wuerde ich es ja noch einsehen, Trotzalter und so

Aha.

(obwohl wir

uns da
genauso aufregen).

Wirklich?
Hört auf damit - haltet Euch raus. Auch wenn Ihr Eure Zähne knirschen hört. Sie müssen es (mit Unterstützung) selber in den Griff bekommen. Entweder kommen sie besser miteinander aus, oder eben nie. Aber ich bin fast sicher dass sich viel verbessert, wenn ihr Euch nicht wutentbrannt einmischt und versucht das alles für Eure Kinder zu regeln.

Aber mit acht?
Und dieses bloede Getue, nur weil der Andere vielleicht am
Ende drei
Kruemel mehr von einer Semmel hat?

Ja. Weil das eine wundervolle Methode ist die Eltern miteinzubeziehen. Auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit.

Kennt ihr das, wenn einem einfach das Verstaendnis abgeht, und
man
deshalb einfach nicht mehr wirklich zuhoeren kann oder will?

Aber natürlich. Vor allem, wenn es um solche Kleinigkeiten geht. Schließ Dich im Klo ein, wenn Dir die Beherrschung flöten geht. Sie werden sich schon nicht gegenseitig umbringen…

Leider kommt es sehr oft vor, und ich befuerchte, dass sie, an
der
Vorstufe zur Pubertaet (merken wir jetzt schon: Anklopfen am
Kinderzimmer, geheime Briefe, Tagebuch usw.) mit der Zeit das
Gefuehl
bekommt, dass wir sie ja doch nie verstehen (wollen) und uns
ihr
Vertrauen entzieht?

Wenn Ihr ihre Privatspähre achtet, ist das völlig in Ordnung. Was das Vertrauen angeht… sie vertraut auf das, was sich bisher abgespielt hat. Und sie gefällt sich nicht in der Rolle, schafft es aber alleine nicht hinaus.
Wenn Ihr Euren Kindern mehr Vertrauen schenkt und sie ihren Kram alleine regeln lasst, dann werden sie automatisch auch mehr Vertrauen in ihr Handeln haben und das Vertrauen zu Euch wird ebenso wachsen. Euer Sohn kann dadurch auch nur gewinnen.

Hinterher drueber reden hilft auch nicht viel, denn dann ist
sie zwar
ruhiger, aber inhaltlich aendert sich gar nichts.

Vielleicht weil sie Recht hatte?

Welche Ideen habt ihr dazu?

Die obigen.
Versuche was anderes, überrasche Deine Kinder mit einer unüblichen Reaktion. Beobachte die Gesichter Deiner Kinder wenn sie sich streiten und wenn Du dazu kommst. Was erwarten sie? Was wollen sie erreichen? Handle entsprechend, wenn nötig, aber bleibe kühl. Lasse Dich nicht in ihre Angelegenheiten ziehen, mache ihren Ärger nicht zu Deinem.

Am besten ist es, wenn sie sich selbst einigen. Sie können das. Ganz bestimmt.

Vielleicht liege ich auch völlig falsch… aber ich glaube nicht.

Viel Nervenstärke und liebe Grüße

Eva

Hallo Olaf,

Ich habe an einem geraden Tag Geburtstag, meine Schwester an
einem ungeraden Tag. Und so setzte sich die Regel fort.

Du hast mich auf die wunderbare Idee gebracht, diese Regel (die bei uns lange auch existierte und sehr hilfreich war, aber in Vergessenheit geraten ist) wieder aufleben zu lassen!
Der Trick ist wohl das konsequente Durchhalten. Danke!

Matilda

Hallo Claren,

vielen Dank fuer deine ausfuehrliche Antwort.

das Buch von Thomas Gordon biete interessante Denkanstöße an,
ist aber nur bis zu einem bestimmten Grad hilfreich, nämlich
erst dann, wenn Kindern selbst klar ist, was sie stört, was
sie wütend oder hilflos macht. Und das sollte sie außerdem
noch in Worte fassen können, was eigentlich eher Teenies
können. Was soll man die jüngeren Kinder da dann fragen?

Hm - er wendet es sogar schon bei Säuglingen an… ?

Familienrecht gehört meiner Ansicht nach auch die Wahrung von
Eigentum (Sohn muss warten, bis Tochter die Lampe herleihen
mag),

Hm - da bin ich schlicht anderer Meinung. Ist ja möglich, dass ich zuviel verlange, aber wenn die beiden nebeneinander schlafen (wollen sie ja unbedingt) und da liegt eine Taschenlampe in der Mitte der beiden Isomatten, die andere hängt grade an der Zeltdecke, bin ich der Ansicht, dass die Rücksicht auf die Allgemeinheit vor der Wahrung des Eigentums geht. Und dazu gehört für mich, dass man auch mal vom anderen was ausleihen kann ohne fragen zu müssen (wenn der Andere grade nicht da ist). Ich warte auch nicht bis mein Mann aus dem Waschraum kommt, um ihn zu fragen, ob ich seine Lampe mal ausleihen darf *g*
Ich weiss, dass es ziemlich „in“ ist, das Recht auf Eigentum, Abgrenzung usw. sehr hoch zu bewerten, meist höher als die guten alten Tugenden des Teilens und Rücksichtnehmens, die als etwas zopfig gelten.

Trotzdem hat mir dein Beitrag weitergeholfen, mir über meine Beweggründe, in diesem Fall: Werte, besser klar zu werden. Da hilft es zwar nicht, einzelne Gegebenheiten zu regeln, aber ich weiss, dass die Vermittlung von Werten ein langer Prozess ist, und ich nicht erwarten kann, dass meine Kinder meine automatisch teilen…

Danke und viele Grüße,

Matilda

1 „Gefällt mir“

Hallo Eva,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Ist das wirklich so? Hast Du Deine Kinder ständig unter
Beobachtung? Die vermeintlich „Kleinen“ haben ihre Geschwister
oft gut im Griff… eine versteckte Provokation hier, eine
versteckte Provokation dort… und schon entsteht bei
Gelegenheit der schönste Streit.

Also, ich bekomme es schon oft mit - auch diese kleinen Provokationen, die ich schon auch von BEIDEN meiner Kinder kenne.
Klar fängt er auch mal an - keine Frage! Aber wer mehrere Kinder hat, weiss auch, dass sie wirklich unterschiedlich sind, und er ist halt irgendwie ruhiger, gelassener. Meine Tochter hat es schwerer mit sich selbst. Gerade darum beschaeftige ich mich ja oft innerlich - auch hier - mehr mit ihr. Gerade sie braucht mehr Unterstützung, und ich bin hier, weil ich es eben nicht so auf die Reihe bringe, ihrer oft anstrengende Art mit Gelassenheit zu begegnen.

Ihr Bruder (6) ist auch kein Engel und
kann ganz schön nerven,

Aha!

…aber anders - das gäbe mal einen eigenen Thread zum Thema „Was ist wenn eine Nervensäge nicht mehr aufhört“? Meine Tochter braust leicht auf und kann einen zur Weißglut treiben, findet aber in der Regel auch mal wieder ein Ende. Während mein Sohn meistens eher sozial ist, aber wenn er mal beleidigt ist, hört er so schnell nicht damit auf…

Dann mische Dich nicht ein. Werde nicht wütend. Warum solltest
DU versuchen einen Streit zu schlichten, dessen Ursache Du
nicht einmal kennst? Wenn es um Pipifax geht, ist ein
eingreifen nicht nötig. Reibe Dich doch an solchen
Kleinigkeiten nicht auf.

Nein, schlichten will ich gar nicht. Wenn ich mich einmische, dann geht es immer um MEIN Bedürfnis: meine Ohren auszuruhen. Und ich sehe wirklich nicht ein, dass ich dann jeweils diejenige sein soll, die sich aufs Klo zurückziehen muss, während meine Kinder zeternd und schreiend das Wohnzimmer belegen. Und im Zelt ist nunmal sowieso keine Rückzugsmöglichkeit.
Ich greife bei kleinen Streitereien wirklich nicht ein, bei größeren halte ich das Eingreifen aber durchaus für wichtig. Nicht mit Partei nehmen zu verwechseln!

kennen Deine Reaktion und wie ich sehe, ergreifst Du Partei,

Nicht grundsätzlich, aber ich gebe zu, dass ich es nicht immer vermeiden kann - ich arbeite noch dran :wink:

versuchst ihren Konflikt zu lösen (der Dich gar nichts angeht
:wink:) und lässt sie nicht lernen, selbst damit fertig zu werden.

Jein.
Vom ganz raushalten halte ich auch nichts. Wie sollen sie da was lernen? Das endet im Faustrecht, dem Recht des Stärkeren. So habe ich es als Kind erlebt. Die Eltern haben sich komplett rausgehalten und ich war echt ausgeliefert. Ich kann nur sagen, dass es ziemlich schlimm war.
Übrigens, wenn meine Mutter damals mal Partei für mich ergriffen hat, war mir das als Kind NICHT recht, weil ich wusste, dass ich wieder ausgeliefert bin, sobald sie nicht mehr da ist. Aber Hilfe für den Streit, Unterstützung einer fairen Auseinandersetzung hätte mir/uns sehr geholfen.

Ohne zu fragen? Im Ernst - möchtest Du Deinen Besitz an
jemanden verteilt sehen, nur weil Du gerade mal nicht da bist?

In diesem Fall: ja…

Er hätte warten können, bis sie wieder da ist.

Nein, dann war Schlafenszeit und Licht aus :wink:

ja auch kam. Und das Brüderchen musste sicherlich getröstet
werden.

Nein, das hab ich mir ganz bewusst verkniffen :wink:

Entweder wird im Auto nicht mehr gegessen, oder Du überlässt
es Deinen Kindern, wie sie ihren Hunger stillen.

Ja, wahrscheinlich hätten wir wirklich gar nichts dazu sagen sollen.
Das Problem ist nur, wenn wir gar nichts dazu sagen, haben wir eine Stunde Geschrei in den Ohren, das ist der Grund, warum wir uns ab und zu breitschlagen lassen einen VORSCHLAG zu machen (z.B. „teil doch du die Semmel“). Wir hatten das eben schon hinter uns. Wir haben uns nicht eingemischt bei der letzten Erdbeere *augenroll* und auch nicht bei der Frage, wie das Rätselbuch verteilt wird *augenroll* - ach ja, stimmt ja gar nicht, bei der Erdbeere zog der Sohn den Kürzeren, weil er keine mehr wollte und zugestimmt hatte, dass seine Schwester sie bekommt, dann wurde eine halbe Stunde lang gemault, weil sie sie doch nicht bekommen soll, sondern einer von uns soll sie essen (wir wollten sie gar nicht) - da wurde aber ER an die Luft gesetzt - wer hält denn sowas ununterbrochen aus!?
Soviel zum Thema „immer sie“ - sieht vielleicht so aus, weil ich eben eine Frage zu ihrem Verhalten und meiner Reaktion darauf gestellt habe - das kann natürlich die Familiensituation nicht umfassend darstellen.

und wir schlagen vor, dass Karin es macht,
weil sie
das vielleicht besser kann.

So. Und warum? Weil der Bruder noch so „klein“ ist?

  • Zum einen war es nur ein Vorschlag
  • Zum anderen könnte man auch den Vorschlag, dass er es machen soll als Benachteiligung von ihr interpretieren: Obwohl sie die Größere ist, wird es ihm eher zugetraut… Ich hätte es eher als eine Beleidigung ihrer Fähigkeiten betrachtet, vorzuschlagen, dass er es machen soll.

(obwohl wir

uns da
genauso aufregen).

Wirklich?

Ja, leider :wink:

Hört auf damit - haltet Euch raus. Auch wenn Ihr Eure Zähne
knirschen hört. Sie müssen es (mit Unterstützung) selber in
den Griff bekommen. Entweder kommen sie besser miteinander
aus, oder eben nie.

Du hast recht - wir dürfen es nicht für sie regeln. Ich will das auch gar nicht. Meistens habe ICH das Problem, weil das ewige Geschrei und Gezeter an meinen Nerven zerrt. Und dann greife ich ein.
Wie gesagt halte ich das Eingreifen aber in manchen Fällen auch für die Kinder für notwendig - allerdings nur wenn ich es schaffe nicht Partei zu ergreifen.

Und dieses bloede Getue, nur weil der Andere vielleicht am
Ende drei
Kruemel mehr von einer Semmel hat?

Ja. Weil das eine wundervolle Methode ist die Eltern
miteinzubeziehen.

Tja, ich weiss nicht, man liest das immer…
Ich kann aber aus eigener Erinnerung sagen, dass mich beim Streiten mit Geschwistern niemals interessiert hat, die Eltern einzubeziehen. Mir ging es wirklich immer nur um die Sache selbst. Wenn meine Schwester einen tollen Aufkleber hatte, wollte ich halt auch einen tollen Aufkleber. Nur war ich „bräver“ als meine Kinder, weil autoritär erzogen.

sie ihren
Kram alleine regeln lasst,(…)Euer Sohn kann dadurch auch nur gewinnen.

Ich und meine Geschwister haben dadurch viel verloren…

unüblichen Reaktion. Beobachte die Gesichter Deiner Kinder
wenn sie sich streiten und wenn Du dazu kommst. Was erwarten
sie? Was wollen sie erreichen?

Das weiss ich jetzt schon. Sie wollen wirklich, dass ich es für sie regle, und jeder hofft mich auf seine Seite ziehen zu können…
Manchmal gelingt es ihnen leider, aber nicht immer!! :wink:

Handle entsprechend, wenn

nötig, aber bleibe kühl. Lasse Dich nicht in ihre
Angelegenheiten ziehen, mache ihren Ärger nicht zu Deinem.

Du sagst zwar nichts anderes, als was bei Gordon steht, aber danke, dass du mich daran erinnerst. Ich glaube ich werde einfach mal wieder ein paar gute Bücher lesen. Mir hat übrigens auch schon oft das Buch „Hilfe, meine Kinder streiten“ geholfen, das - bei gravierenden Fällen - das Eingreifen ohne Parteinahme propagiert. Und Gordon selber werde ich mir auch mal wieder zu Gemüte führen.

Vielen Dank, du hast mir einige Dinge wieder in Erinnerung gerufen, die hilfreich sind…

Viele Grüße,

Matilda

Hallo -

Eva hat das schon sehr richtig beantwortet -
hier noch ein paar einfache Beispiele zur Ergänzung.

meine Mutter hat immer einen bestimmten Satz gesagt:
(den habe ich als Kind zwar gehasst, aber jetzt weiß ich, daß sie Recht hatte)
"zum Streiten gehören zwei - einer alleine kann nicht streiten"
ergo macht es auch Sinn bei Streit beide zu bestrafen, die Konsequenzen
spüren zu lassen. auch wenn es im Einzelfall ungerecht erscheint, ist es
in der Summe sicherlich angebracht.

Beispiel essen im Auto:
> wer mag die Erdbeere?
einigt euch!
so jetzt wird wohl bei der jetzigen Situation keine Einigung statt finden,
das ganze wieder in Streit ausarten. gib Dir eine Zeit (zb 1min) - dann
das ganze beenden:
> wenn ihr Euch nicht einigen könnt, esse ich sie selbst.
wenn dann mal einer anfängt nachzugeben - beim nächsten mal belohnen -
> da Du die Erdbeere bekommen hast, bekommt jetzt der andere die Semmel.

sobald irgendeine Diskussion ins unermessliche oder Streit artet -
konsequent beide bestrafen. zb das Rätselbuch - wegnehmen.

> was aber nicht bedeutet, daß Du nicht hinterher, wenn sich alles wieder
beruhigt hat, das ganze versuchen kannst, zu erörtern,
Lösungsvorschläge zu bringen.

Taschenlampe:
wieso ist es überhaupt nötig eine aufzuhängen?
jeder von beiden hat eine.
im Gegenteil - das Licht zieht nur die „Vie’cher“ an.
wenn jetzt keine aufgehängt worden wäre, hätte er mit seiner gelesen,
und es wäre sicherlich genug Licht im Zelt, damit sie sich zurechtfindet.
falls er vorher müde gewesen wäre (vermutlich nicht*) - hätte sie das
nächste mal ihre Taschenlampe mitgenommen, oder entsprechend am Zelteingang
zurecht gelegt.
wenn jeder von beiden eine Taschenlampe hat, dann ist es auch ihre eigene
Sache, was sie damit machen, oder nicht.
wenn sie sich darauf verlassen können (jetzt nicht), daß ihres auch ihres ist,
werden sie auch bereitwilliger darauf verzichten.

nur nochmal am Rande:
Deine Tochter fühlt sich grundsätzlich unverstanden, und ungerecht
behandelt - auch wird es wohl so sein, daß Du bestimmt schon ein gewisses
Vorurteil ihr gegenüber hast, sie daraus resultierend, erst recht nicht
nachgibt. Sie ist halt die stolzere, unnachgiebigere - aber auch offenere
und verlässlichere - aber jetzt fühlt sich sich grundsätzlich angegriffen.
und als Kämpferin muß sie sich wehren - und kann ihre guten Seiten
gar nicht zeigen.

hoffe Dir damit geholfen zu haben,

Gruß Hajo

Hallo Matilda,

nur eine kurze Anmerkung an der Stelle:

Wenn ich mich einmische,
dann geht es immer um MEIN Bedürfnis: meine Ohren auszuruhen.
Und ich sehe wirklich nicht ein, dass ich dann jeweils
diejenige sein soll, die sich aufs Klo zurückziehen muss,
während meine Kinder zeternd und schreiend das Wohnzimmer
belegen.

Das sehe ich genauso. Es ist doch prinzipiell dann so, dass du dich - krass ausgedrückt - zum Sklaven deiner Kinder machst, wenn du diejenige bist, die durch ihre Streitereien den Kürzeren ziehen muss.

Ich finde es wichtig, dass sie lernen, auf andere - in dem Fall auf dich - Rücksicht zu nehmen, anstatt sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Aber hier hilft wohl nur das Aufstellen klarer, konsequenter Regeln (z.B. bezogen auf den Lautstärkepegel in der Wohnung - da fand ich den Vorschlag von Eva an Andrea sehr gut, dass die Kinder, wenn sie z.B. rumtoben, eben raus müssen, vielleicht ließe sich das auch auf die eine oder andere Situation bei euch übertragen).

Im Übrigen stimme ich dir auch darin zu, dass Ignorieren für mich in dem Fall ebenfalls keine Lösung wäre. Ich denke, das hängt generell vom persönlichen Erziehungsstil eines jeden ab und man kann nicht jede Erziehungsmethode auf seine eigene Erziehung anwenden. Nur hast du dadurch eben die Schwierigkeit, deinen eigenen Weg für solche Situationen finden zu müssen.

Na ja, sooooo kurz ist es nun auch wieder nicht geworden. :wink:

Grüße,
Anja

Hallo Matilda,

Hm - er wendet es sogar schon bei Säuglingen an… ?

ja, das schon, denn es geht in dem Buch auch um das Prinzip vor´m Handeln zuerst die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen (was ja auch ohne Worte möglich ist), um dann die Mißstimmung besser zu verstehen und richtig zu reagieren.
Du hast von deinen Kindern erzählt, und nach dem aktiven Zuhören gefragt. Das Buch von Thomas Gordon habe ich vor ewigen Zeiten gelesen, und mich nur an die Stellen erinnert, in der er Gesprächsverläufe beschrieb. Darauf habe ich mich bezogen.

Familienrecht gehört meiner Ansicht nach auch die Wahrung von
Eigentum (Sohn muss warten, bis Tochter die Lampe herleihen
mag),

Hm - da bin ich schlicht anderer Meinung. Ist ja möglich, dass
ich zuviel verlange, aber wenn die beiden nebeneinander
schlafen (wollen sie ja unbedingt) und da liegt eine
Taschenlampe in der Mitte der beiden Isomatten, die andere
hängt grade an der Zeltdecke, bin ich der Ansicht, dass die
Rücksicht auf die Allgemeinheit vor der Wahrung des Eigentums
geht. Und dazu gehört für mich, dass man auch mal vom anderen
was ausleihen kann ohne fragen zu müssen (wenn der Andere
grade nicht da ist). Ich warte auch nicht bis mein Mann aus
dem Waschraum kommt, um ihn zu fragen, ob ich seine Lampe mal
ausleihen darf *g*

Naja, unter Erwachsenen wäre solch Fragerei eine alberne Erbsenzählerei, eben Kinderkram. Aber manchmal geht es bei Kindern genau darum, nämlich, dass sie nicht nur Grenzen gegenüber anderen einhalten müssen, sondern auch ihnen gegenüber Grenzen eingehalten werden, weil sie das als ein Zeichen für ihr Selbstwertgefühl brauchen. Der Tag ist lang und reichlich voll mit genau diesen Situationen, in denen Kinder sich anpassen müssen und teilen müssen. Wenn es ihnen psychisch nicht gut geht, was sich z.B. in Wutanfällen zeigt, dann brauchen sie manchmal die Ausnahme von der Regel (das Prinzip in der Familie Besitzansprüche nicht zu eng zu sehen).

Ich weiss, dass es ziemlich „in“ ist, das Recht auf Eigentum,
Abgrenzung usw. sehr hoch zu bewerten, meist höher als die
guten alten Tugenden des Teilens und Rücksichtnehmens, die als
etwas zopfig gelten.

Wahrscheinlich sind wir einer Meinung, dass es keine Rolle spielt, welches Familienideal gerade „in“ sind, weil persönliche Wertevorstellungen vorrangig sind. So habe ich lediglich von meinen Erfahrungen als Mutter zweier Mädchen weitergegeben - ich weiß nicht, was gerade „in“ ist (gott-sei-dank :smile:)

Die Älteren unter den Geschwistern (ich selbst habe einen „kleinen“ Bruder - mittlerweile größer als ich :wink:)) haben es insofern nicht leicht, weil das jüngere Geschwister länger niedlich und hilfsbedürftig wirkt, wessen diese sich sehr wohl bewußt sind. Im Gegensatz zur/m widerspenstigen Schwester/Bruder sind sie gelegentlich besonders hilfsbereit und zuvorkommend - eine raffinierte Maßnahme um bei geschisterlichen Rivalitäten einen Sieg davon zu tragen. Genau das macht dann die große eigensinnige Schwester in den Augen der Eltern böser, und diese reagiert hilflos und zornig.
Um nicht mißverstanden zu werden: ich finde das nicht schlimm, und sehe das als ganz normal an. Aber es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich fähig war, meine Sichtweisen zu erweitern und auch einmal anders zu reagieren.

Trotzdem hat mir dein Beitrag weitergeholfen, mir über meine
Beweggründe, in diesem Fall: Werte, besser klar zu werden.

Das freut mich ehrlich. Denn zum einen bin ich keine Crack im Formulieren, das können andere viel besser als ich *seufz*, zum anderen bin ich mir immer unsicher, ob es richtig ist jemanden die eigenen Wertevorstellungen so frank und frei mitzuteilen, was oft für den Hilfesuchenden eher nervig als hilfreich sein kann.
Aber genau so sehe ich das auch: Entweder kann man eine Idee eines anderen brauchen oder nicht.
In dem Sinne, alles Gute dir und deiner Familie
herzliche Grüße
claren

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Hallo Matilda

Beispiel: Wir sind beim Zelten.
Mein Sohn gibt seine Taschenlampe her, damit sie im
Zelt aufgehängt werden kann für alle, damit wir beim
Schlafengehen Licht haben. Waehrend meine Tochter im
Waschraum ist, verwendet er ihre Taschenlampe,
um vor dem Schlafen noch ein Buch anzuschauen (das Licht
der anderen, die oben haengt ist zu funzlig zum Lesen).
Als sie zurueckkommt, regt sie sich total auf, dass er
ihre Taschenlampe verwendet, schreit er solle sie
gefaelligst vorher fragen, und als er sagt dass sie ja nicht
da war zum Fragen, haut sie ihm mit Wucht die Taschenlampe
ueber den Kopf

und

Wir fahren im Auto, die Kinder haben Hunger, es ist noch
eine Semmel da. Also fuer jeden eine halbe Semmel.
Ich werde mich hueten, die Semmel zu teilen und zu verteilen,
denn einer wird sich immer benachteiligt fuehlen. Also
bestimmen wir, dass einer der beiden teilt und
einer aussucht.

Das ist interessant und auch korrekt, da vom spieltheoretischen
Ansatz her der klar im Vorteil ist, der „aussucht“.

Keiner will teilen und wir schlagen vor, dass Karin es macht,
weil sie das vielleicht besser kann. Sie versucht es, es gelingt
ihr aber nicht so wie sie das moechte, sie faengt zu zetern und
schreien an, und schmeisst schliesslich mit voller Wucht die
beiden Haelften nach vorne.

Sie spürt, wie sie sich beim Teilen um die bessere Hälfte
selbst betrügt und will oder kann das nicht hinnehmen.

Welche Ideen habt ihr dazu?

Eine schöne Bestätigung für marxistische Ökonomie,
dass nämlich Privatbesitz (an Taschenlampen u.a.)
sowie ungerechte Verteilung zu Krisen und Kriegen
führt.

:wink:

Grüße

CMБ