Wer kann mir die Rechtslage erklären?

Hallo zusammen,

ich habe gestern meine Freundin von der Arbeit abgeholt.
Da ich noch ein bischen Zeit hatte bin ich über den Firmenparkplatz geschlendert und habe zufällig eine "Personalgesprächsnotiz"gefunden dass wohl jemand aus der Tasche gefallen war.

Inhalt:

Am Mittwoch 17.11.2004 wurde im beisein des Schichtführers und des Betriebsrates [Anm. von mir: Der Teilnehmerzahl nach ein Mitglied davon] ein Personalgespräch bzgl. „Nichteinhaltung der Arbeitszeit“ mit XXXXXXXXX geführt.
XXXXXX wurde klar mitgeteilt, daß Ihr zuspätes Erscheinen zu Arbeit arbeitsrechtliche Folgen hat, da XXX bereits am 22.10.2003 schriftlich ermahnt wurde. XXX ist seit Ihrer Rückkehr vom Bereich XX am 01.10.2004 bereits 3x zuspät zur Arbeit erschienen und das in der Früh - sowie auch in der Spätschicht.
Es wird bei [Personalbüro der Firma] ein Antrag auf Abgruppierung in Verhalten um 2 Pkt beantragt (das ganze zur 3 monatigen Karrenz). Es ergeht ausserdem ein Eintrag in die Personalakte und ein Gespräch mit [Personalbüro].

Neugierig wie ich war habe ich meine Freundin gleich mal interviewt was das ganze bedeuten könne, aber die konnte mir nicht helfen.
Nur, dass hier zwischenzeitlich ziemlich dumm getan würde wenn man auch nur mal eine Minute zu spät kommt (Überstunden kann man trotzdem machen ohne Ende.).
Außerdem sei diese Gefahr zwischenzeitlich viel Größer geworden weil es schwieriger geworden sei einen Parkplatz zu finden, weil die Besucher und Angestellten des „Puffs“ ebenfalls auf dem werkseigenen Parkplatz parken würden, was insbesondere in der Spätschicht zu Problemen führen könnte.

Ich habe vor Jahren selbst mal in dieser Firma gearbeitet und weiss daher, dass sich der Punktabzug im Verhalten direkt auf die Höhe des Lohnes auswirkt.

Daher meine Frage:
Ist es überhaupt zulässig, dass man wegen zuspätkommens weniger Geld bekommt? Hab ich das richtig verstanden dass das ganze für 3 Monate gilt?
Was bedeutet der Eintrag dieser Art in der Personalakte für einen Arbeitnehmer?
Was bedeutet das alles sonst noch?

Gruß Ivo

Hallo.

Mal abgesehen davon, dass Du diese Notiz umgehend abgeben musst bedeutet das:

  • ‚offiziell‘ ein Arbeitsvertrag nicht eingehalten wurde -> ist der Beginn der Arbeitszeit schriftlich im Vertrag fixiert ? Obwohl, wegen einer Minute…
  • wg. Nichteinhaltung des Arbeitsvertrags eine Abmahnung erfolgen wird
  • bei mehrmaliger Abmahnung eine Verschlechterung des Arbeitsverhältnisses/Kündigung erfolgt
  • zumindest wird die Herabstufung für 3 Monate beantragt. Ob der Antrag durchkommt, steht also noch nicht fest. „Bei guter Führung“ wird die Herabstufung nach 3 Monaten wieder zurückgenommen
  • der Eintrag in die Personalakte bedeutet im evtl. Arbeitszeugnis u.a. eine schöne Formulierung die umschreibt, dass der AN zu spät gekommen war. Oder andere Schönfärbereien und Behandlungen seitens des AG… Auf gar keinen Fall etwas Positives :,-(
  • und was ein schlechtes Arbeitszeugnis bedeutet, brauche ich wohl nicht zu erklären…

Angesichts der Arbeitsumstände bei dieser Firma würde ich eine arbeitsrechtliche Beratung ins Auge fassen. Schon allein wegen des Umstands, dass eine eher fragwürdige Abmahnungspolitik wg. „zu spätem Erscheinen am Arbeitsplatz“ betrieben wird.

HTH
mfg M.L.

http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/ar… (das müsste er sein…)

Hallo Markus!

…dass eine eher fragwürdige :Abmahnungspolitik wg.
„zu spätem Erscheinen am Arbeitsplatz“ betrieben wird.

In diesem Einzelfall traue ich mir kein Urteil zu. Grundsätzlich ist pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz eine Pflicht, über die sich nicht diskutieren läßt. Eine einmalige oder seltene Verspätung hat i. d. R. keine Folgen für den Arbeitnehmer. Die Erfahrung zeigt aber, daß regelmäßig die gleichen Leute Probleme mit der Pünktlichkeit haben, keinen Parkplatz finden oder in kurzen Abständen Opfer der seltsamsten Umstände werden. Aus den gebotenen Ausreden/Rechtfertigungen/Entschuldigungen könnte ich ein (Witz-)Buch schreiben. Glaubs einfach, ich habe ein paar Jahrzehnte einschlägiger Erfahrung mit derartigen Kandidaten. Als Chef/Vorgesetzter hört man sich das alles eine Weile an, sucht das Gespräch, aber es ändert sich nichts. Statt dessen regelmäßig die Ungewißheit, ob und wann die betreffenden Leute noch aufschlagen und welche Story man geboten bekommt. Andererseits gibts Leute mit langer Anfahrt, die merken von alleine, daß der Winter naht, der Weg evtl. etwas länger dauert, vielleicht der gewohnte Parkplatz schon besetzt ist und fahren deshalb früher los.

Irgendwann hat man vom chronischen Zuspätkommer die Faxen dicke und kündigt Konsequenzen an. Das zeigt Wirkung, aber zumeist nur für kurze Zeit, dann ist der alte Schlendrian wieder da. Dann muß die Folge an der empfindlichsten Stelle spürbar sein, nämlich im Portemonnaie. Wenn alles nichts hilft und auch die Abmahnung fruchtlos bleibt, folgt irgendwann die Kündigung. Schließlich hat niemand Lust, regelmäßiges Bauchgrummeln am frühen Morgen einfach zu schlucken.

Häufige Verspätung ist eine Form der Unzuverlässigkeit. Wenn irgend vermeidbar, umgibt man sich mit solchen Leuten nicht.

Gruß
Wolfgang

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Hallo Wolfgang

Häufige Verspätung ist eine Form der Unzuverlässigkeit. Wenn
irgend vermeidbar, umgibt man sich mit solchen Leuten nicht.

Was du geschrieben hast will ich alles nicht abstreiten. Allerdings muss ich auch auf den Text von Ivo insoweit eingehen, dass ich den Satz mit „…bei einer Minute…“ mangels Gegenbeispiel ernst nehmen muss. Und bei einer so kleinen Zeiteinheit gleich eine Abmahnung anzustrengen scheint ja wohl ein klein wenig übertrieben zu sein.

mfg M.L., der gerade mit SUSE 9.0 & dem SAP Web Application Server 6.40 RC1 unterwegs ist :smile:

Danke.

Mal abgesehen davon, dass Du diese Notiz umgehend abgeben
musst bedeutet das:

Hallo Markus,

danke für deine Einschätzung.

(Die Notiz habe ich längst in einem Briefumschlag gepackt, die Personalnummer aussen drauf geschrieben und beim Werksschutz abgegeben.)

Gruß Ivo

Hi Wolfgang,

hab Dir gerade einen Stern verpasst! :smile:

Du sprichst mir aus der Seele. Es gibt Kandidaten, die um 8.02 kommen, wenn man 8.00 vereinbart. Und genauso um 9.04, wenn man 9.00 vereinbart. Es liegt nicht an der frühen und nicht an der späten Zeit. Genau, sie sind einfach unzuverlässig, bzw. ist es ihnen sch…egal, wieviele Menschen wielange auf sie warten müssen oder ihre Arbeit solange mit erledigen.

Gruß
Bonsai

Schade das Du den Zettel an die Personalabteilung geschickt hast. Ich hätte das Ding zumindest erstmal an den Datenschutzbeauftragten gesandt. Wenn es ein Original war hast Du somit den Fehler desjenigen der das verloren hat korrigfiert und ggf arbeitsrechtliche Massnahmen erst ermöglicht.

Schlimm finde ich aber den Umgang mit solchen Daten als Zettel den man finden kann.

Übrigens, wenn es Werkschutz gibt, wieso kannst Du dann auf ads Gelände ?