Hallo Julia,
so wie du das beschreibst hört es für mich an als würdest du schon alles für deinen Freund tun. Das allerwichtigste was man als Partner in so einer Situation tun kann, ist dass man den Partner in seiner Trauer nicht allein lässt. Und dass tust du ja auch anscheinend nicht, wenn du mit ihm sprichst und für ihn da bist. Wenn er das Gefühl hat dass du in allen Situationen für ihn da bist und ihn nicht alleine lässt wird ihm das sicher schon helfen.
Generell kann man leider nicht pauschal sagen wie lange oder auf welche Weise jemand trauert, egal wie alt er ist. Ich persönlich würde sagen dass es völlig normal ist dass er nach drei Monaten noch so tief in seiner Trauer steckt.
In wie weit er sich „verrennt“ kann ich leider so nicht beurteilen. Allerdings ist es immer das sinnvollste sich dann wirklich professionelle Hilfe zu suchen. Ich weiß dass viele Menschen Vorurteile gegen Psychologen oder Therapeuten haben und es vielen einfach peinlich wäre so etwas zu versuchen. Aber in Situationen wo man wirklich gar nicht mehr selbstständig aus der Trauer herauskommt, ist es meiner Meinung nach das Beste.
Vielleicht könntest du auch einfach mal neue Gesprächsrichtungen versuchen (ich weiß ja nicht worüber ihr euch genau unterhaltet). Viele Menschen haben vor allem Angst weil sie gar keine Vorstellungen oder Ideen von dem Tod an sich haben, also generell was danach passiert. Es kann schon etwas helfen wenn man beispielsweise eine schöne Vorstellung vom Leben danach hat, also vielleicht an ein „Paradies“ glaubt. Dann ist zwar die Trauer genauso groß aber wenn man fest daran glaubt dass es dem geliebten Menschen jetzt viel besser geht, kann das hilfreich sein.
Vielleicht könntet ihr darüber sprechen was ihr beide für Vorstellungen davon habt und eventuell kannst du ihm eine andere Sichtweise auf die Dinge vermitteln (wenn er zB denkt dass nach dem Tod gar nichts mehr kommt). Ich weiß auch nicht was du oder er mit Religion anfangen könnt, aber vielen Menschen hilft ein religiöser Glaube in ihrer Trauer.
Andere Gesprächsansätze könnten auch Dinge sein,wie zB „Was hast du von deinem Vater gelernt? Welche Eigenschaften haben deinen Vater ausgemacht? Was sind die schönsten Erinnerungen an deinen Vater?“ (Dir fallen sicher noch mehr Fragen ein) Solche Fragen regen einfach die Gespräche an und fördern schöne Erinnerungen zu Tage.
Generell würde ich dir raten, ihn in seiner Trauer zu begleiten, ihm beizustehen, ihm das Gefühl zu geben dass du immer an seiner Seite bist und ihn nicht alleine lässt. Auch wenn er das im Moment vielleicht gar nicht so bewusst wahrnimmt dass du so für ihn da bist, weil er einfach nur ein Thema vor Augen hat momentan.
Ich würde auf jeden Fall noch eine Zeit lang warten ob er die Trauer nicht doch noch überwinden kann, wenn du irgendwann aber wirklich das Gefühl hast dass es zur „ungesunden“ Trauer kommt, dann denk mal über die professionelle Hilfe nach.
Wichtig fände ich es auch dass du mit seinen Familienangehörigen und Freunden sprichst, wie sie das einschätzen ob die Trauer deines Freundes noch „normal“ ist…
Was ich dir auch noch empfehlen kann, es gibt viele Bücher über Trauerverarbeitung, die wirklich hilfreich sind. In einem Buchladen kannst du da sicher braten werden. Ich kenne ein gutes Buch, was allerdings auf Kinder und Trauer zugeschnitten ist, was ich aber nicht schlimm finde denn im Prinzip sind es die gleichen Ansätze wie man trauert. Da wird alles sehr gut erklärt, auch die verschiedenen Trauerphasen usw.
Das Buch heißt:
„Wie ist es tot zu sein?“ Tod und Trauer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern
HERDER Verlag, Autor Willi Everding
Ich wünsche dir dass sich die Situation bald bessert und dass du genug Kraft hast deinem Freund beizustehen.
Ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen.
Liebe Grüsse
Katrin