Wer kann mir helfen im Umgang mit meinem Partner? Sein Vater ist vor drei Monaten verstorben

Hallo, ich bin 24 Jahre, mein Partner ist 22 Jahre und sein Vater ist vor drei Monaten verstorben. Ich weiß nicht, wie ich ihn noch unterstützen soll?
Wir führen Gespräche bis in die Nacht herein, schauen uns gemeinsame Bilder von ihm an, fahren täglich, manchmal mehrmals zum Grab,…
Ich weiß nicht was ich noch tun kann, er hat Nachts schreckliche Träume, macht sich teils Vorwürfe, schaut immer wieder Krankenhausberichte an, kauft immer mehr Grabschmuck usw.
Mache mir ernsthafte Sorgen, das er trauert gar keine Frage und das man das in solch jungen Jahren auch noch mal anders verarbeiten muss, leuchtet mir auch ein, sein vater war zu dem noch viel zu jung zum sterben, aber ich glaube er verrennt sich, kommt alleine nicht mehr aus seiner Trauer und Verzweiflung raus.
Wer kennt solche Situationen oder kann mir Tips geben, wie ich ihn weiterhin unterstützen kann?

Liebe Grüße
Julia

Hallo liebe Julia,
du bist wirklich in einer schwierigen Situation, aber ich finde es ganz toll, dass du deinen Freund so sehr unterstützt. Es ist sicher wichtig für ihn, dass du in einer so traurigen Lage an seiner Seite bist. Ich finde, du machst alles gut. Du bist für ihn da und gehst mit ihm den Weg, den er für sich gewählt hat (wie z.B. häufig zum Friedhof zu gehen).
Du begleitest ihn, wenn ich dich richtig verstanden habe, jeden Tag. Wenn du dadurch das Gefühl hast, dass er es nicht alleine schafft, würde ich raten, dass er sich professionelle Hilfe sucht. Und ich meine damit nicht, er soll sich das suchen, weil er es unbedingt braucht, sondern auch, weil er sich das gönnen sollte. Es gibt Menschen (z.B. psychologische Psychotherapeuten), die einem helfen können, mit der Trauer besser klar zu kommen. Adressen bekommt man z.B. dadurch, dass man die Krankenkasse bittet, eine Liste mit entsprechenden Adressen zu senden. Man hat dann die Möglichkeit, erst mal 5 mal dort hin zu gehen und zu schauen, ob man sich dort wohl fühlt und glaubt, dass einem das hilft. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Auch für dich fände ich wichtig, dass sein Freund sich Hilfe sucht, damit du nicht das Gefühl bekommst, ganz alleine die Verantwortung zu tragen. Natürlich möchtest du deinen Freund unterstützen, aber manchmal gerät man an seine Grenzen und dann ist es wichtig, dass man gut auf sich aufpasst.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.
Viele Grüße und ich wünsch euch beiden ganz viel Kraft,
Jups

Hallo Jups,
erst einmal vielen Dank das du mir geantwortet hast.
Wir sind seit vier jahren ein Paar, wollen nächstes Jahr heiraten…
Sein Vater war sehr lange, sehr krank mein Freund hat sehr gelitten die ganze Zeit über. Nach seinem Tod habe ich auch getrauert, auch jetzt ist es noch nicht leicht für mich, aber hatte irgendwo die Hoffnung, das wir das schlimmste überstanden hatten, aber die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten.
Was er jetzt durchmacht lässt sich garnicht in Worte fassen… Ich liebe ihn so sehr und habe Angst an der gleichen Krankheit zwei nahe stehende Personen zu verlieren…, mein Freund war immer so ein lustiger, lebensfroher, immer Positiv denkender Mensch, bis zum Schluss hat er den Glauben und die Hoffnung an seinen Papa nicht verloren und jetzt…
Es macht mich so traurig und zereißt mich innerlich ihn so zu sehen, er ist so schnell gereift, seine jugendliche Freude ist aus ihm verschwunden, ist nur noch nachdenklich, traurig und innerlich ein Frack…
Über psychologische Hilfe haben wir beide schon nachgedacht und gesprochen, aber irgendwie bekommt er den Sprung nicht dahin… Würde ihm das gerne abnehmen, aber ich glaube das wäre auch nicht das richtige…?
Naja Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, aber vielleicht zeigt sie uns irgendwann einen Weg gemeinsam damit umzugehen, die Situation zu akzeptieren und unseren weiteren Weg, unsere Ziele und Träume trotz allem zu verwirklichen…
Nochmals vielen lieben Dank an dich, allein das einmal aufzuschreiben und deine Antwort zu lesen hat mir ein Stück weit gut getan und kann daraus bestimmt wieder neue Kraft für meinen Freund schöpfen…

Viele liebe Grüße Julia

Liebe Julia, ich möchte versuchen dir etwas über „solche Situationen“ zu erzählen. Sein Vater ist vor drei Monate gestorben - drei Monate sind keine Zeit bei so einem großen Verlust, nur wenn wir den Verlust alleine für sich betrachten. Es gibt mehrere anderen Ebenen die den Abschiednehmen erschweren wenn nicht gar verhindern können. Ich kann nur allgemein über Trauer, Verlust und Abschied sprechen weil ich die Situation deines Fraundes nicht kenne und daher nichts über die persönliche Ebene sagen kann.

Nach einem großen Verlust ist man im Shockzustand. Egal ob der/die Vertorbene nach langer Krankheit verstirbt und man drarauf „vorbereitet“ war! Der Tod ist immer anders als man denkt und trifft uns immer unvorbereitet, d.H. wir sind auf unsere eigenen Reaktionen nach dem Tod eines wichtigen und/oder geliebten Menschen vorbereitet.

In unsere Gesellschaft leben wir nicht mehr natürlich und im Einklang mit der Natur. Wir leben in eine künstliche von uns geschaffene Welt die Tod Krankheit und Alter verdrängt. Alles hat einen Anfang, eine gewisse Dauer und ein Ende. Nichts ist ewig, auch Berge und Sterne nicht.
Wir verdrängen den Tod zum einen weil wir Anst vor der eigenen Endlichkeit haben, zum anderen weil der Tod uns Leid und Verlust zufügt.

Wenn uns dann ein Todesfall trifft haben wir keine Ressourcen um damit adequat umzugehen. Es gibt keine Patentrezepte im Umgang mit Trauer, weil Lösungen an dem Individuum angepasst werden müssen. Oft hilft viel darüber zu reden um abzuschließen und sich genug Zeit zu nehmen um zu Trauern. Trauern und Abschied nehmen sind Prozesse und die kann man nicht zeitlich quantifizieren. Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo und sollte seine eigene Art der Trauerbewältigung finden. Manchmal helfen Abschiedsrituale die Trauer loszulassen. Einen Abschiedsritual kann man selber erfinden oder sich Inspiration bei Religionen und Kuturen holen. Ein Brauch ist z.B. einen Abschiedsbrief an dem/der Verstorbene zu schreiben wo man alles sagt was man nie gesagt hat, keine Gelegenheit mehr hatte zu sagen, man noch verzeihen will oder man selbst um Verzeihung bittet. Danach wird dieser Breif in einem feierlichen Rahmen den man selbst nach Gefühl durchführt verbrannt um als Rauch zu dem Versorbene aufzusteigen und im die Botschaft übermitteln.

Dein Freund trauert sehr stark. Zum einen ist es ein sehr großen Verlust wenn man einen Elternteil verliert und dazu noch ein gutes Verhältnis hatte. Auch Menschen die sich im Leben sich ständig gestritten haben können beim Tod sehr stark trauern. Ich weiß nicht ob bei dein Freund noch mehr dahintersteckt. Z.B. das er sich für etwas Schuldig fühlt oder er sich verwürfe für etwas macht. Ich kann nur raten eine Trauerbegleitung in Anspruch zu nehmen um diese schwere Zeit unbeschadet zu überstehen. Trauerbegleitung findet man auch kostenlos bei Beratungsstellen. Natürlich kann man Trauer als alleine überstehen, aber es ist ein langer und schmerzhafter Weg. Man kann es sich erheblich leichter machen indem man sich Hilfe von Außen holt, denn die können viele gute hilfreiche Tipps geben. Und wenn du dein Freund begleiten würdest hättest auch du ein Gewinn davon.
Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen
alle Liebe
Omana

Hallo Julia,
so wie du das beschreibst hört es für mich an als würdest du schon alles für deinen Freund tun. Das allerwichtigste was man als Partner in so einer Situation tun kann, ist dass man den Partner in seiner Trauer nicht allein lässt. Und dass tust du ja auch anscheinend nicht, wenn du mit ihm sprichst und für ihn da bist. Wenn er das Gefühl hat dass du in allen Situationen für ihn da bist und ihn nicht alleine lässt wird ihm das sicher schon helfen.
Generell kann man leider nicht pauschal sagen wie lange oder auf welche Weise jemand trauert, egal wie alt er ist. Ich persönlich würde sagen dass es völlig normal ist dass er nach drei Monaten noch so tief in seiner Trauer steckt.
In wie weit er sich „verrennt“ kann ich leider so nicht beurteilen. Allerdings ist es immer das sinnvollste sich dann wirklich professionelle Hilfe zu suchen. Ich weiß dass viele Menschen Vorurteile gegen Psychologen oder Therapeuten haben und es vielen einfach peinlich wäre so etwas zu versuchen. Aber in Situationen wo man wirklich gar nicht mehr selbstständig aus der Trauer herauskommt, ist es meiner Meinung nach das Beste.

Vielleicht könntest du auch einfach mal neue Gesprächsrichtungen versuchen (ich weiß ja nicht worüber ihr euch genau unterhaltet). Viele Menschen haben vor allem Angst weil sie gar keine Vorstellungen oder Ideen von dem Tod an sich haben, also generell was danach passiert. Es kann schon etwas helfen wenn man beispielsweise eine schöne Vorstellung vom Leben danach hat, also vielleicht an ein „Paradies“ glaubt. Dann ist zwar die Trauer genauso groß aber wenn man fest daran glaubt dass es dem geliebten Menschen jetzt viel besser geht, kann das hilfreich sein.
Vielleicht könntet ihr darüber sprechen was ihr beide für Vorstellungen davon habt und eventuell kannst du ihm eine andere Sichtweise auf die Dinge vermitteln (wenn er zB denkt dass nach dem Tod gar nichts mehr kommt). Ich weiß auch nicht was du oder er mit Religion anfangen könnt, aber vielen Menschen hilft ein religiöser Glaube in ihrer Trauer.

Andere Gesprächsansätze könnten auch Dinge sein,wie zB „Was hast du von deinem Vater gelernt? Welche Eigenschaften haben deinen Vater ausgemacht? Was sind die schönsten Erinnerungen an deinen Vater?“ (Dir fallen sicher noch mehr Fragen ein) Solche Fragen regen einfach die Gespräche an und fördern schöne Erinnerungen zu Tage.

Generell würde ich dir raten, ihn in seiner Trauer zu begleiten, ihm beizustehen, ihm das Gefühl zu geben dass du immer an seiner Seite bist und ihn nicht alleine lässt. Auch wenn er das im Moment vielleicht gar nicht so bewusst wahrnimmt dass du so für ihn da bist, weil er einfach nur ein Thema vor Augen hat momentan.
Ich würde auf jeden Fall noch eine Zeit lang warten ob er die Trauer nicht doch noch überwinden kann, wenn du irgendwann aber wirklich das Gefühl hast dass es zur „ungesunden“ Trauer kommt, dann denk mal über die professionelle Hilfe nach.
Wichtig fände ich es auch dass du mit seinen Familienangehörigen und Freunden sprichst, wie sie das einschätzen ob die Trauer deines Freundes noch „normal“ ist…

Was ich dir auch noch empfehlen kann, es gibt viele Bücher über Trauerverarbeitung, die wirklich hilfreich sind. In einem Buchladen kannst du da sicher braten werden. Ich kenne ein gutes Buch, was allerdings auf Kinder und Trauer zugeschnitten ist, was ich aber nicht schlimm finde denn im Prinzip sind es die gleichen Ansätze wie man trauert. Da wird alles sehr gut erklärt, auch die verschiedenen Trauerphasen usw.

Das Buch heißt:

„Wie ist es tot zu sein?“ Tod und Trauer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern
HERDER Verlag, Autor Willi Everding

Ich wünsche dir dass sich die Situation bald bessert und dass du genug Kraft hast deinem Freund beizustehen.
Ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen.

Liebe Grüsse
Katrin

Hallo Kathrin,
vielen Dank für deine Antwort, mit dem Buch ist vielleicht ein neuer guter Ansatz, ich werde es mal probieren.
Vielen Dank, liebe Grüße Julia

Hallo, da kann ich Ihnen schon helfen,ich arbeite mit Trauerbewältigung schon über 20 Jahre erfolgreich Hauptberuflich