Wer kann reimen?

Hallo, Hobbydichter!

Es war vor etwa einem Jahr,
da küsste mich ganz wunderbar
die Muse. Ich begann, etwas zu reimen.
Und seither schrieb ich manch’ Gedicht,
ein paar war’n gut, und and’re nicht,
auf jeden Fall war’s eher im Geheimen.

Doch weil ich besser werden will,
bleib’ ich jetzt nicht mehr mäuschenstill
und wend’ mich hier im Forum an Euch alle.
Wo ist ein Dichter, der wie ich
sich üben will? Denn sicherlich
wär’s spaßig, unser Wortgeschwalle!

Gruß

Hanna

Nun, die Frage steht im Raum.
Und auf ganz behenden Sohlen
kommt, so leis, man hört sie kaum
schon die nächste an, verstohlen.

Diese ist: Wo bleibt der Sinn?
Reimen um des Reimens Willen
Wollen wir dort wirklich hin?
Und den Durst nach Worten stillen?

Und schon naht die dritte Frage:
Sinn? Was soll das? Macht das was?
Haben wir nicht dieser Tage
Ohne Sinn schon sehr viel Spaß?

Und die vierte: Sagt nicht ‚eh
Bei allem, was wir hör’n und lesen
Der Sinn schon längst und leis‘ ade…
Und tut, als wär’ er nie gewesen?

Nun kommt die fünfte, und ich denk
Es ist die letzte, GottseiDank.
Ist denn ein Reim nicht ein Geschenk
Mit dem ich froh nach Hause wank?

Und ist das Reimen ohne Sinn
Nicht ebenso ein Hochgenuß?
Doch noch 'ne Frage ist nicht drin
Ich sagte fünf. Drum mach ich Schluß.

Liebe Grüße, Nike

Reimen, sicher, wer will nicht
gerne mal ein Dichter sein
so ein Werk ,das zählt für immer
das greift tief in Herzen ein,
dabei ist es meistens schlicht
oder schlimmer.
Wahres Dichten ist verstehen,
Rilke hatte es und Hermann Hesse,
nur die Welt ganz einfach eigen sehen,
das ist dichterische Raffinesse.
Gruss
Rainer

Liebe Nike, gibt es das,
dass Du niemals hast gesehen,
dass zwei Kinder spielen gehen
ohne Sinn und nur zum Spaß?

Muss denn alles sinnvoll sein?
darf man nicht zur Übung reimen,
und die Worte lassen keimen
bis sie sich dann fügen ein?

Jeder Sportler weiß den Wert
eines Trainigs zu verstehen
und die Musiker, die sehen
auch das Üben nicht verkehrt.

Liebe Nike, gibt es das,
dass Du möchtest mir verwehren
Reimgenossen zuzuhören
einfach so und nur zum Spaß?

Liebe Grüße

Hanna

Wahres Dichten ist verstehen,
Rilke hatte es und Hermann Hesse,
nur die Welt ganz einfach eigen sehen,
das ist dichterische Raffinesse.

Ganz genau! Doch war die Frage
Nicht nach Dichtung, sondern Reim!
Und die Worte, die ich sage,
Sollen halten ohne Leim.

Übung soll den Meister machen,
Auch ein Rilke fing klein an,
Ließ den Hauch in sich entfachen,
Der bald wurde zum Orkan.

Doch wenn ich an fernem Tage
Weisheiten will legen dar,
Soll man leicht und ohne Plage
Dichtkunst sehen. Alles klar?

Gruß

Hanna

Also tue auch ich meinen Senf kund und zu wissen:

Ohne mich hier einzuschleimen,
werd’ ich ein paar Zeilen reimen.
Leider hab’ ich’s eilig,
Freizeit ist mir heilig!
Vom Dichten kann ich nur träumen.

(da Seine Wortgewandtheit, der Dichterfürst, Gesträuch auf Zweig gereimt hat, muß das hier auch gelten *bg*)

Ich mochte Limericks
schon immer *hicks*

Noch was:
Ob unter der Ficht’ er dürst’
unser großer Dichterfürst ?

Beste Grüße
Bernhard

Lieber Bernhard, g’rade noch
Dachte ich, ich hätte was,
Was ich besser kann. Jedoch
Bist im Dichten mir sogar
Noch voraus. Du bist ein Star!
Du bist auch in Deutsch ein As!

Und mein Gram ist riesengroß:
Kann ich irgend etwas g’scheit?
Ich blamiere mich doch bloß!
Du hast Sprachgefühl und Witz!
Schreibst mit einer Feder, spitz!
Ich versink in Traurigkeit.

Ich bewert’ Dich nicht zu hoch,
Wenn „Genie“ ich zu Dir sag’.
Ja, das bist Du wirklich! Doch!
Denn der bravst gereimte Vers
Ohne Pep ist fad. - Wie wär’s
Mit 'nem Ghostwriter-Vertrag?

Gruß

Hanna

*dieschonwiedereinmalvonDir - no na,vonwemsunst -
desillusioniertwordenist*

P.S.

Nein! Ich brauche wirklich nicht
Mich hier öffentlich beschimpen
Und mich auch noch verunglimpfen!
Nein! Ich habe Zuversicht.

Nein, ich gebe noch nicht auf!
Werde lesen, werd’ mich bilden
In manch dichterisch’ Gefielden.
Ich üb’ für den Siegeslauf!

Bildung ist zu etwas gut!
Und mein Stil, der wird geschliffen,
Geist und Witz dann inbegriffen,
Nein, ich nehm’ noch nicht den Hut!

Liebe Hanna, ach und weh!
Hast Du mich so falsch vertanden?
Denkt jeder hier in diesen Landen
Daß ich ihm trete auf den Zeh?

Nein, oh nein, der tiefe Sinn
Ist nicht meines Reimens Trieb,
Nur weil ich hier Fragen schrieb,
heißt’s nicht, daß ich sinnvoll bin.

So ein munteres Sonett,
Sinnlos nur für sich gedichtet,
Ist schon in sich selber nett.

Wissen wollt ich einfach bloß,
Ob auch dein Sinn so gerichtet.
Prima. Ist er. Jetzt geht’s los.

Liebe Grüße,
Nike

Sorry,…
Liebe Nike, danke schön,
Dass du mir nicht böse bist.
Setz’ dich ruhig mal zur Wehr,
Wenn was missverstanden ist!

Gut. Die Fronten sind nun klar.
Nimm kein Blatt dir vor den Mund!
Ich wart’ auf 'nen Kommentar.
Tu mir deine Meinung kund!

Liebe Grüße

Hanna

Die Welt unser Traum

Nachts im Traum die Städt’ und Leute
Ungeheuer, Luftgebäude
Alle, weisst du, alle steigen
Aus der Seele dunklem Raum,
Sind dein Bild und Werk, dein eigen
Sind dein Traum.

Geh am Tag durch Stadt und Gassen,
Schau in Wolken, in Gesichter,
Und du wirst verwundert fassen:
Sie sind dein, du bist ihr Dichter!
Alles, was vor deinen Sinnen
Hundertfältig lebt und gaukelt,
Ist ja dein, ist in dir innen,
Traum, den deine Seele schaukelt.

Durch dich selber ewig schreitend, Bald beschränkend dich, bald weitend,
Bist du Redender und Hörer,
Bist du Schöpfer und Zerstörer.
Zauberkräfte, längst vergessne,
Spinnen heiligen Betrug,
Und die Welt, die unermeßne,
lebt von deinem Atemzug.

(Hermann Hesse)

Gruss
Rainer

Hesses Traum - meine Inspiration
Lieber Rainer, diesen Traum
Gilt’s in mir jetzt zu erwecken,
Will die Fantasie entdecken,
Den Gedanken geben Raum.

Und es soll mich jedes Tier,
Jeder Baum und jede Blume
inspirieren, Gott zum Ruhme
was zu bringen aus’s Papier.

Ja, ich liebe meinen Gott
Und zu ihm ich mich bekenne,
Mich ganz stolz 'nen Christen nenne,
Ernte ich dafür auch Spott.

Ach, was soll’s! Ich will einmal
Mich in Dichter’s Welt begeben,
Will die Träume selbst erleben.
Nicht nur schreiben 'nen Choral.

Gruß

Hanna

Danke, Hanna
Entschuldigen mußt Du Dich nicht,
Manchmal geht Verständnis fehl.
Wenn in Wort, Gespräch, Gedicht,
ich mir einen Sinn erstehl.

Erst Sonett und nun Ballade,
laß uns durch die Träume streifen,
finden, ob in Reimtirade
Sinn und Frohsinn beide reifen.

***
Traumballade

Heute Nacht, im letzten Traum
Zwischen Dämmerung und Tag,
Streifte mich der Meeresschaum,
Als ich über Wolken lag.

Aus dem Schreien vieler Stimmen
Sah ich Gipfel, hoch und weiß.
„Diese Höh’n willst du erklimmen?“
Dacht ich. Und mir wurde heiß.

Und die Wolken wurden Berge,
Und die Lüfte wurden Meer.
Dort - des wilden Todes Scherge
Winkte düster zu mir her.

Hoch auf einer Felsenklippe
Saß ein pfeifend-munt’rer Narr,
Der auf einer hölz’nern Wippe
Tief im Spiel versunken war.

Auch ein Kind sah ich dort spielen,
Doch es war schon lange tot,
Und es gab den vielen, vielen
Andern Kindern sein Stück Brot.

Dann kam ich zu einer Wiese,
Wo ein Baum im Schlafe lag.
Unter’m Baume rief ein Riese
Nach dem langvermißten Tag.

Auch ein Zwerg traf auf den Riesen,
Sagte höflich seinen Gruß.
Für den Großen war’s erwiesen,
Daß der Kleine sterben muß.

Unermüdlich ging ich weiter,
Über Felsen, Wolken, Meer,
Manchmal traurig, doch meist heiter
Unbekanntem hinterher.

Und nach viel durchträumten Tagen,
Die ich in dem Land verbracht,
Kam Erschöpfung, mich zu plagen.
Über’m Himmel wurd’ es Nacht.

Müde legte ich mich nieder.
Schlummer stieg im Kopf hinauf.
Mit dem Schlafe kam es wieder:
Als ich einschlief, wacht’ ich auf.
***

Mit vielen Grüßen,
Auf unsich’ren Füßen,
die Nike

Auch Rilke
Rainer Maria Rilke:

O sage Dichter, was du tust? - Ich rühme.
Aber das Tödliche und Ungestüme,
wie hältst du’s aus, wie nimmst Du’s hin? - Ich rühme.
Aber das Namenlose, Anonyme, wie rufst du’s, Dichter, dennoch an? - Ich rühme.
Woher dein Recht, in jeglichem Kostüme,
in jeder Maske wahr zu sein? - Ich rühme.
Und daß das Stille und das Ungestüme wie Stern und Sturm dich kennen? - Weil ich rühme.

***

Es fallen Blätter, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten.
Sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: Es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

***

[…]
Ich kreise um Gott, den uralten Turm,
Und ich kreise jahrtausendelang.
Und ich weiß nicht, bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
[…]

Rilke + Hanna

[…]
Ich kreise um Gott, den uralten Turm,
Und ich kreise jahrtausendelang.
Und ich weiß nicht, bin ich ein Falke,
ein Sturm
oder ein großer Gesang.
[…]

Müde werden meine Schwingen,
Meine Stimme von dem Singen
Lass mich auf dem Turme nieder,
Lass erholen meine Glieder.

Fühl Geborgenheit und Wärme
Nähe, Liebe, kein Gelärme
Und ich weiß, ich bin zu Hause
Wo kein Gram mich mehr zerzause.

Gruß

Hanna

Ich war nicht nett … /Herbst

Entschuldigen mußt Du Dich nicht,
Manchmal geht Verständnis fehl.
Wenn in Wort, Gespräch, Gedicht,
ich mir einen Sinn erstehl.

Nein! er war doch nicht erstohlen!
Hab ich dir doch unverhohlen
Unterstellt, todernst zu sein!
Ja, das war von mir gemein.

Hätt ich weiter nur gelesen,
Wär ich schlauer dann gewesen.
Reimtest fröhlich vom Sonett-
Ach, ich war zu dir nicht nett!

Doch genug! Der Sprache Schwingen
Soll uns auf Gedanken bringen,
Fröhlich, heiter, unbeschwert,
Eines wahren Dichters wert.

Lass ich meine Blicke schweifen,
Seh die Trauben ich, die reifen
Und manch leuchtend buntes Blatt:
Kann mich gar nicht sehen satt!

Ich lieb alle Jahreszeiten,
Aber keine kann bereiten
Mir so überschwenglich Freud
Herzenslust und Heiterkeit.

Nicht mehr hör’n woll’n meine Kinder
Lobesred’. Und auch nicht minder
Ärgert sie mein Lustgestöhn:
„Herbst ist wunder- wunderschön!!!“

Also muss ich mich bezwingen
Darf nicht Jubellieder singen
Flüster leis im Forum hier:
„Herbst ist schön, das glaube mir!“

Gruß

Hanna

Liebe Nike, lieber Rainer!
Liebe Nike, lieber Rainer!
So wie Ihr, so kann das keiner,
Himmelsleitern ihr errichtend,
Ich erklimm sie, fröhlich dichtend,
Lass mit Winden mich verweben,
Werde fliegen, werde schweben,
Schau die Wunder in der Ferne,
Lass mich treiben. Ach, so gerne
Werd ich meine Seele laben
An den vielen guten Gaben,
Die im Traum sich mir darbieten.
Freunde sind’s, die mir das rieten,
Dass ich mich von allem löse,
Was nur Lärm macht und Getöse
Und mich in die Ruh begebe,
Dass ich aufatme und lebe
Und die Welt mit and’ren Sinnen
Wahrnehme. Ich zieh von hinnen
Und entdecke vieles Neues.
Niemals sag ich: „Ich bereu’ es!“,
Seh aus and’rer Perspektive
Seltsam’ Dinge, exklusive,
Werd dann wieder weiterreisen,
Dabei singen manche Weisen.
Fröhlich Lieder will ich trällern
Von den Jägern und Holzfällern,
Von den Guten und den Bösen.
Irgendwann werdet Ihr’s lesen
Hier in diesem Sprache-Brett.
Dann schreib ich Euch ein Sonett.

Gruß

Hanna

Neues Erleben

Wieder seh ich Schleier sinken
Und Vertrautestes wird fremd
Neue Sternenträume winken
Seele schreitet traumgehemmt.

Abermals in neuen Kreisen
Ordnet sich um mich die Welt
Und ich seh mich eitlen Weisen
Als ein Kind hineingestellt.

Doch aus früheren Geburten
Zuckt entfernte Ahnung her
Sterne sanken, Sterne wurden
und der Raum war niemals leer.

Seele beugt sich und erhebt sich
Atmet in Unendlichkeit
Aus zerißnen Fäden webt sich
Neu und schöner Gottes Kleid.

:wink:)
Rainer
PS:Auf Dein Sonett bin ich schon sehr gespannt!

Herbst
Über Herbst geht keine Jahreszeit
Hat kein Frühling solche Farben, hat kein Sommer solches Licht!
Hat kein Winter solche Wolken, niemals geht der Wind so weit!
Nur der Herbst ist Ode, Symphonie, ist zeitgewordenes Gedicht.

Nur der Herbst bietet dem Sterben
Trotz. Und jubelt auf in letztem Leuchten.
Nur der Herbst umspielt mit süßem Werben
Den Tod, den kalten, weißen, feuchten.

Nur der Herbst schreit ohne Scham
gegen den Wind. Und reißt uns mit in seinem Tanz.
Nur der Herbst geht ohne Trauer, ohne Gram
Dem Tod entegegen und umfängt uns ganz.

Nur der Herbst betrog uns nie
mit lichten Lügen und dem Schein von Ewigkeit,
Nur der Herbst, er zeigt uns wie
wir leben können, trotz sterbender Zeit.

Liebe Hanna,

Liebe Nike, lieber Rainer!
So wie Ihr, so kann das keiner,

Ach, Du kannst das ebenso,
machst uns mit den Reimen froh.

Ich bin, die zu danken hat,
Hatte schon das denken satt,
und vergaß im Lauf der Zeit
gar den Kuß der Ewigkeit.

Ich vergaß, wie ich mit Worten
Hier und dort, an allen Orten,
Himmel ganz umfassen kann,
überall sein, alles sein, was ich nur ersann.

Und nun hast du mich erinnert,
welches Licht in Worten schimmert.
Und ich bin zurückgekehrt
Zu dem, was ich mir selbst verwehrt.

Du bist es, der Dank gebührt,
Hast zum Dichten mich verführt.
Ob es Ernst, ob süßes Spiel,
Weit entfernt, und doch am Ziel.

Ja, ich freu mich auf’s Sonett,
Ernst und heiter und adrett.

Liebe Grüße
Nike

Nike, Rainer! Dank-Sonett an Euch!
Einem matten Wand’rer gleich
Trank ich Eure Wort’, die süßen.
Lernend lag ich Euch zu Füßen.
Wardt entführt ins Fabelreich.

Weisheit schlürft’ ich! Und berauscht
Tanzten alle meine Sinne,
Sang von Freude und von Minne.
Dank Euch, die Ihr mir gelauscht!

Kann das Wasser Euch nicht reichen,
Seid um Welten mir voraus!
Werd’ Euch lange noch nicht gleichen.

Lasst mich nun von dannen ziehen,
Fort, vom Sprache-Brett hinaus!
Dank, dass Ihr das Ohr geliehen!

Ganz liebe Grüße
meinen beiden Dichterfreunden!

Hanna