Wer kennt die Seifenblase?

Viel Verzweiflung gehört dazu, sich in einem öffentlichen Forum über etwas so Unhandfestes kundzutun.
Ich versuch’s kurz zu halten:

Mit dreizehn Jahren hatte ich von einem auf den anderen Tag das Gefühl, vor meinen Augen würde sich ein Schleier senken und Sinneseindrücke würden nicht mehr direkt und ungefiltert zu mir durchdringen können.
Heute bin ich 26 und das Gefühl, diese Einschränkung besonders in der optischen und emotionalen Wahrnehmung ist nie mehr abgeklungen.Im Gegenteil, derzeit wird es wieder schlimmer.
Schon damals suchte meine Mutter mit mir einen Kinderpsychologen auf, der mir eine endogene Depression attestierte.Daraufhin sollte ich Dogmatil einnehmen.Nach einigen Wochen, die ich mich nun noch mehr in Watte gepackt fühlte, setzte ich mit meinem 13jährigen Verdruss das Medikament wieder ab, und wurde zu einer kaum erträglichen rebellischen Jugendlichen.

Ein Versuch, „es“ genauer zu beschreiben: Wo ich im Kindesalter einen Baum sah, sehe ich heute viele kleine, sehr detaillierte Mosaikteile des Baums, die ich in aufreibender und schwindelerregender kognitiver Leistung wieder zu dem Baum zusammensetzen muss, den ich früher wie selbstverständlich als solchen wahrnehmen konnte.
Bei Schicksalsschlägen, wie dem Tod einer nahestehenden Person kann ich sogar derart aus mir heraustreten, dass ich hinterher nicht mehr weiß, ob mir träumte, oder ob es tatsächlich mir selbst passiert ist.

Seit letztem Sommer leide ich zudem (und das Wort „leide“ setze ich nur deshalb ein, weil es mir hier angebracht erscheint) an Panikattacken, die häufig mit Herzrhythmusstörungen einhergehen.

Nachdem ich in meinem damaligen Studium emotional über die Maßen gefordert worden bin (während der Semesterferien arbeitete ich auf der Inneren eines städtischen Krankenhauses), musste ich stationär behandelt werden.
Ich versuchte, mich mit einer Überdosis blutdrucksenkender Mittel aus der Welt zu befördern, und wollte doch nicht wirklich scheiden.
Die damalige Diagnose lautete Borderline-Persönlichkeitsstörung.Therapeutischer Ansatz bestand in Cipralex-Einnahme und einer Gesprächstherapie.Alles vergebens - was das dumpfe Gefühl in meinem Kopf angeht.
Mit gutem Abitur und einem abgebrochenen Studiengang machte ich nun meine bislang wirksamste Therapie zum Beruf: Das Steinehauen.
Mittlerweile bin ich auf gutem Weg zur Meisterin, meine schulischen Leistungen sind trotz meiner motorischen Unruhe und meiner Todesängste und Aggressionen herausragend…

Letzten Sommer begab ich mich in die Praxis eines Neurologen, nachdem ich in dem Steinbruch, in dem ich mit schweren Maschinen arbeitete, eine mittelschwere Katastrophe aus Überdrehtheit angerichtet hatte.
Er ließ ein EEG anfertigen und seine Erkenntnisse (auffällige Hirnströme) veranlassten ihn dazu, mir Trevilor retard zu verschreiben, einen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, den ich bis heute in 75mg-Dosis zu mir nehme.Die Todesängste kann es mir um ein Vielfaches in Häufigkeit und Auftreten eindämmen, aber diese „Seifenblase“, mein durch mich diagnostiziertes Kernproblem (mittlerweile erlaube ich mir diese Anmaßung), wird nun wieder extremer.
Motorische Einschränkungen, wie Gleichgewichtsstörungen und Schwierigkeiten, Distanzen zwischen zwei Schritten genau einzuschätzen etc., gehören ebenfalls zu den Beschwerden, die mit zunehmendem Alter eine größere Rolle spielen.
Aufgrund dieser Unsicherheit, die ich selbst in meinem eigenen Körper empfinde, ziehe ich mittlerweile auch das Alleinsein der Gesellschaft vor, so dass ich mir nur unschwer ausmalen kann, wie es wohl auf Jahre gesehen weitergehen könnte.
Und trügerisch erscheint mir auch, dass Alkohol und Dunkelheit sich an die Stelle meiner wattigen Dunstglocke setzen und ihr somit die Intensität zu rauben scheinen…
Ich will nicht mehr derart „bekifft“ durchs Leben gehen; ich will hier raus!

Bitte, bitte, wer kennt das?wer weiß etwas?wer hat rat?

Bitte—

Hallo

Mit dreizehn Jahren hatte ich von einem auf den anderen Tag
das Gefühl, vor meinen Augen würde sich ein Schleier senken
und Sinneseindrücke würden nicht mehr direkt und ungefiltert
zu mir durchdringen können.
Heute bin ich 26 und das Gefühl, diese Einschränkung besonders
in der optischen und emotionalen Wahrnehmung ist nie mehr
abgeklungen.Im Gegenteil, derzeit wird es wieder schlimmer.

Wie ist Dein Schlafverhalten?

Grüße

hi,

das internet selbst ist ja auch eine wattierte seifenblase: da schildern menschen, die man noch nie gesehen hat, von denen man nur buchstaben gelesen hat, von denen man aus unbekannten gründen annimmt, dass sie sie selbst geschrieben haben, symptome, die man selbst vielleicht gar nicht kennt…viel, was uns umgibt, ist auch gar nicht klar, real und sofort fassbar.

bei der borderline-störung, und wir gehen davon aus, das die ärztliche diagnose hier grundlage der beiträge sein müssen, ist es häufig, dass sog. „derealisation“ oder „depersonalisation“ vorkommen (google das mal). das ist ein vorübergehender und harmloser zustand, der vor allem bei angst auftritt und einem die sicherheit im hier und jetzt ziemlich rauben kann.

das kann auch jugendlichen passieren. wie viele menschen das kennen, steht hier:

http://www-klinik.uni-mainz.de/psychosomatik/patient…

es ist eine ich-störung, eine irritation, die sehr beängstigend sein kann und auch die angst nach sich ziehen kann, dass es wiederkommt. die unerklärlichkeit und plötzliche verwirrung beunruhigen meist sehr.

ein praktischer tip aus der verhaltenstherapie ist die sog. „5-4-3-2-1-technik“, die du selbst mal ausprobieren kannst, um aus einer solchen verwirrung rauszukommen:

du setzt dich irgendwo hin und sagst dir 5 mal hintereinander
„ich sehe…(z.b. einem baum vor dir)“
"ich höre…(z.b. eine vogel im baum)
„ich rieche (z.b. frühlingsluft)“

dann 4 mal, dann 3 mal, dann 2 mal, zum schluss ein mal „durch-sinnieren“. kann man überall machen, dauert nicht lange, kostet nichts und hilft tausenden von menschen in hier und jetzt zurück zu kommen! im hier und jetzt gibt es nämlich keine pathologische angst, die entsteht bei unbewusster erinnerung/ verwechselung mit der vergangenheit oder beim furchsamen und phantasierten ausblick auf die zukunft (als ob das ginge…)

hoffe, du kannst was damit machen.

Hi alpha
Fand ich wieder mal richtig gut, deinen Beitrag. Wollte ich nur mal wieder anmerken. Wollte erst selber was schreben, aber dachte dann, geb dir lieber n * .
Es grüßt dich
Branden