Wer liegt falsch?

Hallo zusammen…

Ich hab grad mal nen englischen Text gelesen. Übers Kochen und Backen.
Da ist mir zum wiederholten male ne Unstimmigkeit mit der deutschen Sprache aufgefallen.
Und zwar die genau gegenteilige Bezeichnung von „Kuchen“ und „Keks“ bzw. „cookie“ und „cake“ in beiden Sprachen.

Wer liegt da eigentlich sprachgeschichtlich falsch?
Wir oder die englischsprechende Welt?

MfG chris

Hallo Chris,
auf der Leibnitz-Seite gefunden:

Die „Cakes“-Idee hatte Hermann Bahlsen aus England mitgebracht, für Deutschland erkannte er die Marktlücke. Zielsetzung der Rezepturentwicklung im Jahre 1889 war ein hochwertiger, schmackhafter, haltbarer und „preiswerter“ „Cakes“. Damals ahnte er nicht, dass sich dieser Keks zu einem der bekanntesten Markenartikel Deutschlands entwickeln würde.

Der LEIBNIZ-Keks begann, sich als Reisekeks immer größerer Popularität zu erfreuen. Zum durchschlagenden Erfolg verhalf dem legendären Keks die TET-Packung. Diese neue Schutzmarke wurde für eine neue Packung kreiert, die 1904 auf den Markt kam. In dieser Verpackung wurde der Keks in Wachspapier eingeschlagen, das ihn vor Luft, Staub und Feuchtigkeit schützte. Das TET-Zeichen drückt diesen Schutz symbolisch aus: TET ist eine ägyptische Hieroglyphe, die „ewig“ oder auch „dauernd“ bedeutet.

Dass Nahrungsmittel nach bekannten Persönlichkeiten benannt wurden, war allgemein üblich (Bismarckhering, Schillerlocke, Mozartkugel). Hermann Bahlsen folgte dieser Sitte selten, wählte dann aber bevorzugt Hannoversche Persönlichkeiten als Pate. Seinen Butterkeks benannte er nach dem bedeutendsten Einwohner Hannovers: Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) war Philosoph, Mathematiker, Physiker und Techniker, Jurist und politischer Sprachforscher, kurzum der erste deutsche Denker der Neuzeit von europäischem Rang.

Aus England kamen im 19. Jahrhundert die industriell gefertigten süßen Plätzchen, und von dort brachten sie ihre Namen mit. Je mehr sich aber das Produkt in Deutschland ausbreitete, desto unglücklicher wurden die englischen Bezeichnungen empfunden. So nahm Hermann Bahlsen 1911 die Eindeutschung vor: aus Cakes wurde Keks. Im gleichen Jahr griff der Duden die neue Form auf: der oder das Keks hieß es zunächst. Die Pluralform lautete „die Keks“.
Grüße Almut
http://www.leibniz.de/welt_leibniz/

Hallo Chris,

etymologisch gesehen, sieht es folgendermaßen aus:

cookie - 1703, Amer.Eng., from Du. koekje „little cake,“ dim. of koek „cake,“ from M.Du. koke (see cake). Slang application to persons attested since 1920. Phrase that’s the way the cookie crumbles „that’s the way things happen“ is from 1957

cake - c.1230, from O.N. kaka „cake,“ from W.Gmc. *kokon-, from PIE base *gag-, *gog- „something round, lump of something.“ Not related to L. coquere „to cook,“ as formerly supposed. Replaced its O.E. cognate, coecel. Originally (until c.1420) „a flat, round loaf of bread.“ Caked „thickly encrusted“ (with) is from 1922. Cakewalk is Amer.Eng., probably from the cake given as a prize for the fanciest steps in a procession in a Southern black custom (explained by Richard H. Thornton, 1912, as, „A walking competition among negroes,“ in which the prize cake goes to „the couple who put on most style“). Its figurative meaning of „something easy“ (1863) is recorded before the literal one (1879). This may also be the source of the phrase to take the cake (1847). Piece of cake „something easy“ is from 1936. Let them eat cake is from Rousseau’s „Confessions,“ in reference to an incident c.1740, when it was already proverbial, long before Marie Antoinette. The „cake“ in question was not a confection, but a poor man’s food.
„What man, I trow ye raue, Wolde ye bothe eate your cake and haue your cake?“ [„The Proverbs & Epigrams of John Heywood,“ 1562]

Gruß Mucke

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Hallo zusammen…

Da ist mir zum wiederholten male ne Unstimmigkeit mit der
deutschen Sprache aufgefallen.
Und zwar die genau gegenteilige Bezeichnung von „Kuchen“ und
„Keks“ bzw. „cookie“ und „cake“ in beiden Sprachen.

Wer liegt da eigentlich sprachgeschichtlich falsch?
Wir oder die englischsprechende Welt?

MfG chris

Hi Chris:
Es sieht so aus, als ob vielleicht etwas leicht missverstanden wurde: in beiden Sprachen meinen beide Woerter jeweils das Gleiche:

Cheese cake = Kaesekuchen
Layer cake = Schichtkuchen
Black Forest cake = Schwazwaelder Kuchen
Wedding cake = Hochzeitskuchen
8 tier wedding cake = 8 stoeckiger Hochzeitskuchen

Doch nun wird’s tricky:

Apfelkuchen ist kein Apple cake sondern ‚apple pie‘
Kirschkuchen ist kein Kirschkuchen ,sondern ‚cherry pie‘
ditto fuer 'banana- ;‚pecan‘- ; ‚pumpkin‘- und ‚blueberry pie‘.

Wobei der total verschiedenen Backvorgang keine Rolle spielt: ein deutscher leckerer Kirschkuchen kann im Leben nicht mit 'nem hiesigen ‚cherry pie‘ Pflatschen, der total auseinandergefallen und ausgelaufen sein muss wenn er wuest auf dem Teller liegt, verglichen werden.

Wenn Sie nach ‚Cherry cake‘ im Restaurant fragen , wird Sie keiner verstehen ; bei ‚cherry pie a la mode‘ werden die Augen aufleuchten und Sie erhalten einen Teller mit einem schoenen pflatschigem Durcheinander von piecrust , ice cream; whipping cream, knallrote Sosse und ebensolchen Kirschen. Kinder sind ekstatisch darueber…

Cookies werden auch ‚shortbread stuff‘ genannt und werden eigentlich nur mit Mehl und Wasser und Zucker hergestellt; also Ihre Kekse in D.
In der Zwischenzeit gibt es ueber 1000 Rezepte fuer ‚cookies‘ die man beim googeln finden kann, doch die meisten sind weich mit allen moeglichen yummy Zutaten drin - kids love 'em.

Zeit fuer ‚blueberry pie‘ mit Erdbeereis und Vanille cookies…:smile:

‚Piece of cake ; eh?‘

Heinz

PS:

BE = cake = Kuchen
biscuit = Keks
AE = cookie = Keks

Stimmt…und…

PS:

BE = cake = Kuchen
biscuit = Keks
AE = cookie = Keks

BE = tea biscuit => Butterkeks => AE & CE : butter cookie

BE :biscuit

  1. a small flat dry sweet or plain !! cake !! of many varieties, baked from a dough

  2. AE & CE fuer BE ‚biscuit‘ => cookie

AE & CE ‚biscuit‘ => small ,soft dinner roll => also eine Art kleine weiche Broetchen die in 'nem kleinen Brotkoerbchen zusammen mit verschiedenen Brotschnitten auf dem Tisch serviert werden .

So, wenn Sie in NA abends in ein gescheites Restaurant gehen, also nicht in einen ‚greassy spoon‘, und die waitress fragt ob Sie ‚biscuits‘ haben wollen, dann wuerde Ihre Antwort nun ‚yes, please‘ sein . Sie werden keine Bahlsen’s Kekse kriegen. Die wuerden unter Umstaenden auch als ‚crackers‘ gehen - obwohl es cookies sind :smile:

Ein paar NA Redewendungen:
'It’s had the biscuit => Es ist total fertig ( im Sinne von kaputt )
It’s a ‚cakewalk‘ => Das geht leicht.( Im Sinne vn: damit habe ich keine Schwierigkeiten)
It’s a piece of cake => kein Problem damit
You can’t have the cake and eat it too => im Sinn von : Dir ist etwas Gutes geschehen, doch habe diesbezueglich keine ueberspannten Erwartungen.

Heinz