Ist das ein psychologisches Problem?
Hallo,
Ich verstehe zwar nicht viel von Psychologie, kann mir aber vorstellen, dass sich diese Art von „Familientragödien“ (auch in meiner Familie gibt es immer mal wieder etwas in dieser Art) eher aus dem sachlichen Hintzergrund heraus verstehen lassen.
Die Frau wird vor 8 Jahren von Tante G. wüst beschimpft, und
zwar nicht direkt, sondern Tante G. beleidigt ihre Schwägerin
gegenüber dem Mann und der Tochter, was wirklich schlimm war.
Ich vermute mal: Beschimpfungen „hintenherum“ (gegenüber Dritten) sind immer besonders schwer zu ertragen, da man sich nicht wirklich dagegen wehren kann. Meist erfährt man erstmal gar nichts darüber, sondern kriegt es erst nach längerer Zeit und dann nur zufällig hinterbracht. Man weiß nicht wirklich, ob die anderen die Beschimpfungen (Vorwürfe?) geglaubt haben. Man ist darauf angewiesen, das die die Regel beherzigen „Man muss immer beide Seiten hören“, bzw.: "Zu jedem Streit gibt es 3 Geschichten: was A erzählt, was B erzählt und was wirklich passiert ist.
Wenn mir gegenüber jemand über einen Dritten schimpft, dann verstehe ich unter „loyalem Verhalten“: heftig widersprechen, sich verbitten für solche Ausfälle als Publikum benutzt zu werden, es dem Betroffenen mitteilen. (Mache ich natürlich nicht immer - nur, wenn mir der Betroffene wichtig ist).
Ich vermute mal: hier ist es nicht so gelaufen. Die beiden Zuhörer haben vielleicht alles angehört, heimlich darüber gegrinst, einiges zutreffend gefunden, etc. Die betroffene Person hat erst später davon erfahren und empfand es so, dass sich hinter ihrem Rücken eine Art Intrige zugetragen hat, in die ihr nahestehende Personen (also Mann und Tochter) zumindest als belustigte Zuhörer mitgewirkt haben. Das verletzt, und um dies zu wissen brauche ich keine Psychologen.
Die Frau ist tief verletzt und bricht den Kontakt, den sie
zuvor pflichtbewusst zu ihrer Schwägerin, Tante G., gehalten
hat, ab.
Würde ich genauso machen.
Mann und Tochter kümmern sich aber gelegentlich um Tante G.,
was nun von der Frau als Verrat interpretiert wird.
Genau daraus schliesse ich, dass sie mit dem Verhalten von Mann und Tochter damals, als die Beschimpfungen stattfanden, nicht einverstanden ist. Hätten sie damals die Beschimpfungen unterbunden und śie der Betroffenen migeteilt, wäre nichts, das sich als „Verrat“ interpretieren lässt. [Wie gesagt: Vermutung von mir.]
Zur Klarstellung: Tante G. ist alt und hinfällig, aber immer
noch das, was man flapsig als „gelegentlich ziemlich bösartig“
bezeichnet. Ihr Bruder und ihre Nichte sind derzeit damit
befasst, ihren Umzug ins Seniorenheim zu unterstützen.
Die Vorfälle könnten sich also wiederholen. Mann und Tochter könnten mit der alten Tante über die blöde Frau X weiter herziehen, vielleicht ihre Empfindlichkeit als weiteres Futter nehmen. Da dies schon einmal passiert ist, kann Frau X nicht überblicken, ob diesmal wieder gewisse Grenzen überschritten würden, ob sie von erneuten Beschimpfungen unterrichtet würde, ob Mann und Tochter heimlich amüsiert reagieren würden.
Wenn Frau X heute so stark Loyalität einfordert, vermute ich mal, dass sie das Verhalten von Mann und Tochter in der Vergangenheit als nicht loyal einstuft. Hier dürfte der Konflikt zwischen Frau X und ihrer Familie liegen. Ist aber nichts Besonderes und kommt in fast allen Familien vor.
Die Frau ist nun auch noch darüber verletzt, dass ihr Mann und
ihre Tochter Kontakt halten und macht allen Beteiligten ein
schlechtes Gewissen, so dass kaum einer wagt, das Thema
anzusprechen. Einerseits möchte man einmal aussprechen, dass
die Beleidigungen vor acht Jahren nicht wert sind, so lange so
wichtig genommen zu werden;
Wenn einmal „Klar Tisch“ gemacht wurde, sind sie es tatsächlich nicht wert. Wenn aber Tante G. sich weiter im Recht fühlt und Mann und Tochter jede klare Stellungnahme vermeiden wollen, dann verstehe ich dieses Verhalten gut.
Wie geht man so ein Problem an?
Frau und Mann sind - generationsbedingt?? - der Auffassung,
man spricht am besten das Thema nicht an; Streiten im
positiven Sinn geht nur sehr schwer.
Ergebnis heute: Schlaflose Nächte, insbesondere noch bei der
Frau, Genervtsein bei allen anderen, die meinen, das ist es
nicht wert.
Tja. Na schön, ab hier wird es vielleicht doch noch ein Fall für die Psychologen.
Viele Grüsse, Peter.
P.S. Würde mich sehr interessieren, in wie weit ich richtig liege.