Wer nicht für mich ist, ist gegen mich

Hallo liebe Experten,

ich schildere ein kleines Problem und hoffe auf Anregungen aus eurem Kreis:

Beteiligt sind:

Mann, Frau, Tochter, Tante G. (=Schwester von „Mann“ und Tante von „Tochter“ und Schwägerin von „Frau“)

Die Frau wird vor 8 Jahren von Tante G. wüst beschimpft, und zwar nicht direkt, sondern Tante G. beleidigt ihre Schwägerin gegenüber dem Mann und der Tochter, was wirklich schlimm war.

Die Frau ist tief verletzt und bricht den Kontakt, den sie zuvor pflichtbewusst zu ihrer Schwägerin, Tante G., gehalten hat, ab.

Mann und Tochter kümmern sich aber gelegentlich um Tante G., was nun von der Frau als Verrat interpretiert wird.

Zur Klarstellung: Tante G. ist alt und hinfällig, aber immer noch das, was man flapsig als „gelegentlich ziemlich bösartig“ bezeichnet. Ihr Bruder und ihre Nichte sind derzeit damit befasst, ihren Umzug ins Seniorenheim zu unterstützen.

Nun zum eigentlichen Problem:

Die Frau ist nun auch noch darüber verletzt, dass ihr Mann und ihre Tochter Kontakt halten und macht allen Beteiligten ein schlechtes Gewissen, so dass kaum einer wagt, das Thema anzusprechen. Einerseits möchte man einmal aussprechen, dass die Beleidigungen vor acht Jahren nicht wert sind, so lange so wichtig genommen zu werden; es traut sich aber niemand, das so auszusprechen, weil befürchtet wird, dass man dann selbst Ursache für jahrelange Beleidigung ist, weil man ja die Verletzung durch die Beleidigung schmälert.

Wie geht man so ein Problem an?
Frau und Mann sind - generationsbedingt?? - der Auffassung, man spricht am besten das Thema nicht an; Streiten im positiven Sinn geht nur sehr schwer.

Ergebnis heute: Schlaflose Nächte, insbesondere noch bei der Frau, Genervtsein bei allen anderen, die meinen, das ist es nicht wert.

Vielen Dank im Voraus, Grüße, J.

Hi Jan,
Du bist also der „Mann“ in dem Part?

Ohne zu persönlich werden zu wollen: Was genau waren diese Beleidigungen einer „von Zeit zu Zeit ziemlich bösartigen“ Person?

Je nach Grad der Rationalität der Personen (scheint hier nicht sehr hoch zu sein :wink: könnte man auf der Schiene „Kann man es mit dem Gewissen vereinbaren, eine alte Frau, die es nicht besser weiß so abzustrafen?“
Waren die Beleidigungen so schwerwiegend, dass man ihr nicht einen ruhigen Lebensabend gönnt?
Kann man einer (verbitterten?) alten Dame wirklich so viel Böses wollen, dass nichtmal der eigene Bruder sich um sie kümmert?

Eine andere Möglichkeit wäre ein „klärendes Gespräch“, falls die alte Dame und die junge Nachtragende irgendwie dazu zu bewegen sind.

Das Mindeste, was man aber erwarten kann, ist, dass die Frau ihre persönlichen Differenzen hintenanstellt, wenn es um die Schwester/Tante geht! Wenn sie ein Problem mit ihr hat, soll es IHR Problem bleiben, dass falls nötig mit Unterstützung gelöst wird (oder eben mit sich rumgetragen). Jetzt die Familie damit noch zu belasten ist einfach schofel!

Da diese Gedanken sicherlich auch Euch schon kamen, würde ich vorschlagen mal in folgende Richtungen zu überlegen:
-Was sind ihre Bedingungen für einen Waffenstillstand/Versöhnung?
-Warum echauffiert sie sich über EUER Engagement bei der bösen Tante?
-Warum empfindet sie die Beleidigungen für so schwerwiegend, dass sie acht Jahre mit sich herumgetragen werden?
-Ist es Neid oder Angst vor Verlust oder Gerechtigkeitssinn oder oder oder, dass sie Euch beide auf Ihrer Seite wissen möchte?

Wie gesagt, pauschal lässt sich hier wenig sagen, sind nur Vorschläge die auf Kosten/Nutzenrechnung (Genugtuung/Friede im Alter) hinauslaufen und für sehr irrationale/emotionale/weibliche (nix davon ist negativ gemeint :wink: vielleicht überhaupt nicht anwendbar sind.

Physiker Ende

gruß
jartUl

Hallo Jartul,

vielen Dank für deine Anregungen.

Ein kurzer Blick in deine Visitenkarte ruft spontane Sympathie hervor: Auch ich liebe „widerliche“ Witze und lasse mich, mit der gleichen Begründung, nicht von ihnen abhalten. Aber zum Problem

Hi Jan,
Du bist also der „Mann“ in dem Part?

Nein, ich bin der Mann der „Tochter/Nichte“, der Schwiegersohn von „Mann“ und „Frau“

Ohne zu persönlich werden zu wollen: Was genau waren diese
Beleidigungen einer „von Zeit zu Zeit ziemlich bösartigen“
Person?

Sie hat sie sehr abschätzig behandelt und würde dies, wenn Gelegenheit bestünde - wahrscheinlich wieder tun, aber da jeder das Thema vermeidet, fehlen wohl die entsprechenden Anregungen.

Je nach Grad der Rationalität der Personen (scheint hier nicht
sehr hoch zu sein :wink: könnte man auf der Schiene „Kann man es
mit dem Gewissen vereinbaren, eine alte Frau, die es nicht
besser weiß so abzustrafen?“
Waren die Beleidigungen so schwerwiegend, dass man ihr nicht
einen ruhigen Lebensabend gönnt?

Eigentlich gehört beiden Damen „der Rost runter“. Klar ist, dass Tante G. initiativ war/ist, die Frau nur reagiert. Allerdings ist aus der Reaktion nun eine Aktion geworden, die sich zunehmend verselbstständigt.

Kann man einer (verbitterten?) alten Dame wirklich so viel
Böses wollen, dass nichtmal der eigene Bruder sich um sie
kümmert?

Ich könnte das ja verstehen, wenn Bruder/Schwester bzw. Nichte/Tante klüngeln würden, richtig Spaß zusammen hätten o.ä. Dann würde ich mich als Frau/Mutter auch fragen, weshalb die so viel Spaß mit jemandem haben, den ich nicht mag. So ist es aber nicht: Das ist sozusagen das Pflichtprogramm, was unter Blutsverwandten läuft.

Eine andere Möglichkeit wäre ein „klärendes Gespräch“, falls
die alte Dame und die junge Nachtragende irgendwie dazu zu
bewegen sind.

NO CHANCE!! Nur in Anwesenheit von Sanitätern.

Das Mindeste, was man aber erwarten kann, ist, dass die Frau
ihre persönlichen Differenzen hintenanstellt, wenn es um die
Schwester/Tante geht! Wenn sie ein Problem mit ihr hat, soll
es IHR Problem bleiben, dass falls nötig mit Unterstützung
gelöst wird (oder eben mit sich rumgetragen). Jetzt die
Familie damit noch zu belasten ist einfach schofel!

Das sehen wir auch so. Ich fürchte aber, dass der, der dies so ausspricht, für die nächsten Jahre Objekt des Schmollens ist.

Da diese Gedanken sicherlich auch Euch schon kamen, würde ich
vorschlagen mal in folgende Richtungen zu überlegen:
-Was sind ihre Bedingungen für einen
Waffenstillstand/Versöhnung?
-Warum echauffiert sie sich über EUER Engagement bei der bösen
Tante?

Das versuchen wir, herauszukriegen. Würde sie auch bei anderen, die so etwas sagen, ähnlich reagieren?

-Warum empfindet sie die Beleidigungen für so schwerwiegend,
dass sie acht Jahre mit sich herumgetragen werden?

Sie kultiviert das richtig, hat auf drei DIN A4-Seiten notiert, was passiert ist und zieht die Zettel immer mal wieder vor, damit ja keiner vergisst, was passiert ist.

-Ist es Neid oder Angst vor Verlust oder Gerechtigkeitssinn
oder oder oder, dass sie Euch beide auf Ihrer Seite wissen
möchte?

Wir haben immer wieder Loyalität versichert.

Wie gesagt, pauschal lässt sich hier wenig sagen, sind nur
Vorschläge die auf Kosten/Nutzenrechnung (Genugtuung/Friede im
Alter) hinauslaufen und für sehr
irrationale/emotionale/weibliche (nix davon ist negativ
gemeint :wink: vielleicht überhaupt nicht anwendbar sind.

Der Mensch ist halt nicht so rational strukturiert, was ja durchaus auch positiv ist.
Ich rede mal mit meiner Frau, was die so dazu meint. Wahrscheinlich muss man an allen Ecken bisschen schrauben.
Ich habe als Schwiegersohn noch ein bisschen Distanz zu der Sache und werde deshalb nochmal den Versuch machen, das ganze unter vier Augen anzusprechen.

Physiker Ende

gruß
jartUl

Vielen Dank, beste Grüße aus dem Irrenhaus, J.

Eigentlich gehört beiden Damen „der Rost runter“. Klar ist,
dass Tante G. initiativ war/ist, die Frau nur reagiert.
Allerdings ist aus der Reaktion nun eine Aktion geworden, die
sich zunehmend verselbstständigt.

Sicher weil die nie verarbeitet werden konnten. Und ich sage ganz ehrlich, ich verstehe die Frau schon ein bisschen…muss sich von der Tante da beleidigen lassen, hat keine rechte Möglichkeit sich zu wehren und soll dann auch noch großherzig sein, weil alle anderen keinen A…in der Hose haben der Lady mal die rote Karte zu zeigen?

Kann man einer (verbitterten?) alten Dame wirklich so viel
Böses wollen, dass nichtmal der eigene Bruder sich um sie
kümmert?

… Das ist sozusagen das Pflichtprogramm, was

unter Blutsverwandten läuft.

Alter ist keine Entschudligung für ungehöriges Benehmen und die Zeit heilt nicht alle Wunden, schon gar nicht, wenn sich die Dame offenbar nicht geändert hat. Und Pflichtprogramme unter Verwandten gibt es nicht. Ich wollte mal sehen, wie schnell die Tante einlenken würde, wenn sie merkt, dass sich keiner kümmert, wenn man sich nicht benehmen kann. Denn scheinbar hat sie sich ja nicht geändert, sondern nur keine Gelegenheit ihre Boshaftigkeiten weiter anzuwenden.

Das Mindeste, was man aber erwarten kann, ist, dass die Frau
ihre persönlichen Differenzen hintenanstellt, wenn es um die
Schwester/Tante geht! Wenn sie ein Problem mit ihr hat, soll
es IHR Problem bleiben, dass falls nötig mit Unterstützung
gelöst wird (oder eben mit sich rumgetragen). Jetzt die
Familie damit noch zu belasten ist einfach schofel!

Das sehen wir auch so. Ich fürchte aber, dass der, der dies so
ausspricht, für die nächsten Jahre Objekt des Schmollens ist.

Na Klasse…die Frau und Mutter soll sich hinten anstellen, wenn es um die Schwester und Tante geht…aus der Famimlie würde ich sofort ausziehen…

-Ist es Neid oder Angst vor Verlust oder Gerechtigkeitssinn
oder oder oder, dass sie Euch beide auf Ihrer Seite wissen
möchte?

Wir haben immer wieder Loyalität versichert.

Da definiert ihr Loyalität aber anders, als Eure Mutter. Ich sag mal so…ich als Tochter würde keinen freundlichen Umgang pflegen wollen mit einer Tante, die meine eigene Mutter übel beleidigt.

Sorry, aber ich musste jetzt mal einen konsequenten Gegenpart zu meinem Vorredner bilden…

Klar liegt die Wahrheit immer irgendwo in der Mitte…und ich weiß aus eigener Familienerfahrung, dass solche Situationen nicht wirklich zu lösen sind. Trotzdem sollte man bei der ‚Wahl der Seiten‘ auch ein wenig überlegen, wer einem im Ernstfall selbst wichtiger ist. Und das sollte im konkreten Fall doch vielleicht eher die Mutter/Ehefrau sein.

Gruß Maid :smile:

loialität sollte doch in erster linie sich selbst gelten - warum soll also jemand den kontakt zu jemandem meiden, mit der eine dritte person ein problem hat. aus meiner sicht ist das nicht nur eindeutig ein kindliches verhalten (wenn du mich haust, spielen alle meine freunde nicht mehr mit dir) sondern in der art und weise des beschrieben umgangs (z.b das minutiöse aufschreiben und immer wieder auf den tische bringend müssende seitens der vermeindlich ursprünglich geschädigten) zeigt es doch eher ein sehr unreflektiertes verhalten und mich dünkt, sie lebt da etwas altes aus, das sie nie verarbeitet hat…

schlaflöse nächte und andere mit einem ereignis zu terrorisieren, das sich mist war, halte ich für derart überzogen (wobei ihr ihr die gefühle nicht ansprechen will, sie erlebt es eben so), das für mich sichtbar wird, das der eigentliche kern etwas tief in ihr liegendes ist, was durch die beleidigung hervorgeholt wurde und weil es nicht bearbeitet wird - stets am leben gehalten werden muss.

es sollten sich nicht andere vor den karren spannen lassen und selbst nicht entscheiden dürfen, mit wem sie kontakt haben und wie.
das würde nur den doch entrückten umgang mit einem konfikt an sich und dem problem, welches nunmal das der frau ist und nicht das der anderen, nur weiterhin begünstigen und aufputschen.

sie ist für sich verantwortlich und für ihre gefühle und nicht ihre umgebung - das zu erkennen zu zu lernen scheint mir wichtig - würde sie dann auch begreifen, das die alte dame letztlich nicht für den eigenen umgang mit einem negativen erlebnis zuständig ist - selbst wenn es von ihr ausging einst, wir entscheiden alle selbst, wie und was und berührt und wie wir damit umgehen etc.

LG
nina

hallo jan,

gar nicht so leicht die sache, die du da beschreibst, da ich das gefühl habe, das es im grunde um etwas anderes geht, aber die frau sich damit nicht befassen will/kann, ihr die fähigkeit dazu zumindest derzeit noch fehlt. also befasst sie sich auf aufffällige art und weise intensiv mit dem auslösenden ereignis und macht es für ihre gefühle verantwortlich.

zudem hat sie die unreife haltung (was mich in dem zusammenhang aber nicht weiter überrascht) dass ihr umfeld seine sich für sie entscheiden muss - auf ihre gedacht weise - anderenfalls ist man gegen sie.

das kennt man eigentlich nur aus der frühen kindheit. in späteren jahren lernt man im idealfall mit den eigenen gefühlen umzugehen und zu erkennen, dass man selbst für gefühle verantwortlich ist - selbst dann, wenn anderen einen schlecht behandeln sie nicht „schuld“ daran sind, wie und woran und auch wie lange man leidet.

das alles scheint sie aber nicht oder falsch gelernt bzw. vorgelebt bekommen zu haben. und so bin ich mir sicher, sie geht nicht nur in dem falle mit gefühlen so um und wird nicht nur hier das gefühl haben, andere sind für ihr glück bzw. unglück verantwortlich…

jede hilfe von aussen (also jede unterstützung, sei es auch nur um frieden zu haben) fördert ihr verschobenes bild.

aus einer sicht ist so ohnehin nur aufschiebbar, was ohnehin geschehen wird. also könnte man es auch gleich lassen und ihr einmalig mitteilen, dass es ab nun ein ende hat sie auf diese weise von ihrer eigentverantwortung zu entbinden (ander worte wären sicher noch nötig als nur diese:wink:.
ihr zu sagen, wie man sich in zukunft verhalten wird, das es nicht gegen sie geht - egal wie sehr sie es sich einreden will - und das es
ihre verantwortung ist, wenn sie sich abwendet von euch…

will heissen: ich würde ihr den ball zurückgeben, der nämlich auch in ihre hände gehört und in niemandes sonst.

allerdings ist das verflucht schwer, weil jede inkonsequenz erstmal alles erreichte wieder zunichte macht,da es ja hier um muster geht…

das es nicht ohne ärger abgeht, ohne stress etc, ist klar.
nur darf man nicht den fehler machen, mit ihr zu diskutieren.
am besten einmal wohlüberlegt sagen was es zu sagen gibt - ohne anzugreifen, ohne vorwürde - nur von sich und der eigenen einstellung
sprechen, das eigene zukünftige verhalten erklären und damit wars das.

wiederholungen und debatten sind sinnlos, dienen sie ja nur demversuch der überzeugung, das du/ihr verräter seid, sie wegen euch leidet, beleidigungen oder versuche der bestrafung etc.

nur mit viel zeit wird sie evtl entweder spüren,das ihr nichts genommen wird in wahrheit und im idealfall spürt sie, das SIE ein problem hat, für das auch nur SIE verantwortlich und damit zuständig ist.

ihr zu zeigen, das sie gemocht und respektiert wird, aber deshalb dies nicht bedeutet, das alles was sie verlangt richtig oder gar angemessen und eben auch nicht tolerierbar ist, wäre deineeure lernaufgabe denke ich. und die ist anfangs schwerer als das wie ihr es derzeit noch löst.
auf lange sicht aber ist der bekannte weg der zähere und vor allem gänzlich unergiebig, da er nichts ändert.

aber wie gesagt - wichtig hier - die eigenen auseinandersetzung mit sich, wo man sich schnell austricksen lässt - strategien druchspielen, alternativen durchdenken, damit diese auch parat sind in situation X
und ggfs. absprache mit anderen…

ich persönlich halte das für den besten weg.

LG
nina

Ist das ein psychologisches Problem?
Hallo,

Ich verstehe zwar nicht viel von Psychologie, kann mir aber vorstellen, dass sich diese Art von „Familientragödien“ (auch in meiner Familie gibt es immer mal wieder etwas in dieser Art) eher aus dem sachlichen Hintzergrund heraus verstehen lassen.

Die Frau wird vor 8 Jahren von Tante G. wüst beschimpft, und
zwar nicht direkt, sondern Tante G. beleidigt ihre Schwägerin
gegenüber dem Mann und der Tochter, was wirklich schlimm war.

Ich vermute mal: Beschimpfungen „hintenherum“ (gegenüber Dritten) sind immer besonders schwer zu ertragen, da man sich nicht wirklich dagegen wehren kann. Meist erfährt man erstmal gar nichts darüber, sondern kriegt es erst nach längerer Zeit und dann nur zufällig hinterbracht. Man weiß nicht wirklich, ob die anderen die Beschimpfungen (Vorwürfe?) geglaubt haben. Man ist darauf angewiesen, das die die Regel beherzigen „Man muss immer beide Seiten hören“, bzw.: "Zu jedem Streit gibt es 3 Geschichten: was A erzählt, was B erzählt und was wirklich passiert ist.

Wenn mir gegenüber jemand über einen Dritten schimpft, dann verstehe ich unter „loyalem Verhalten“: heftig widersprechen, sich verbitten für solche Ausfälle als Publikum benutzt zu werden, es dem Betroffenen mitteilen. (Mache ich natürlich nicht immer - nur, wenn mir der Betroffene wichtig ist).

Ich vermute mal: hier ist es nicht so gelaufen. Die beiden Zuhörer haben vielleicht alles angehört, heimlich darüber gegrinst, einiges zutreffend gefunden, etc. Die betroffene Person hat erst später davon erfahren und empfand es so, dass sich hinter ihrem Rücken eine Art Intrige zugetragen hat, in die ihr nahestehende Personen (also Mann und Tochter) zumindest als belustigte Zuhörer mitgewirkt haben. Das verletzt, und um dies zu wissen brauche ich keine Psychologen.

Die Frau ist tief verletzt und bricht den Kontakt, den sie
zuvor pflichtbewusst zu ihrer Schwägerin, Tante G., gehalten
hat, ab.

Würde ich genauso machen.

Mann und Tochter kümmern sich aber gelegentlich um Tante G.,
was nun von der Frau als Verrat interpretiert wird.

Genau daraus schliesse ich, dass sie mit dem Verhalten von Mann und Tochter damals, als die Beschimpfungen stattfanden, nicht einverstanden ist. Hätten sie damals die Beschimpfungen unterbunden und śie der Betroffenen migeteilt, wäre nichts, das sich als „Verrat“ interpretieren lässt. [Wie gesagt: Vermutung von mir.]

Zur Klarstellung: Tante G. ist alt und hinfällig, aber immer
noch das, was man flapsig als „gelegentlich ziemlich bösartig“
bezeichnet. Ihr Bruder und ihre Nichte sind derzeit damit
befasst, ihren Umzug ins Seniorenheim zu unterstützen.

Die Vorfälle könnten sich also wiederholen. Mann und Tochter könnten mit der alten Tante über die blöde Frau X weiter herziehen, vielleicht ihre Empfindlichkeit als weiteres Futter nehmen. Da dies schon einmal passiert ist, kann Frau X nicht überblicken, ob diesmal wieder gewisse Grenzen überschritten würden, ob sie von erneuten Beschimpfungen unterrichtet würde, ob Mann und Tochter heimlich amüsiert reagieren würden.

Wenn Frau X heute so stark Loyalität einfordert, vermute ich mal, dass sie das Verhalten von Mann und Tochter in der Vergangenheit als nicht loyal einstuft. Hier dürfte der Konflikt zwischen Frau X und ihrer Familie liegen. Ist aber nichts Besonderes und kommt in fast allen Familien vor.

Die Frau ist nun auch noch darüber verletzt, dass ihr Mann und
ihre Tochter Kontakt halten und macht allen Beteiligten ein
schlechtes Gewissen, so dass kaum einer wagt, das Thema
anzusprechen. Einerseits möchte man einmal aussprechen, dass
die Beleidigungen vor acht Jahren nicht wert sind, so lange so
wichtig genommen zu werden;

Wenn einmal „Klar Tisch“ gemacht wurde, sind sie es tatsächlich nicht wert. Wenn aber Tante G. sich weiter im Recht fühlt und Mann und Tochter jede klare Stellungnahme vermeiden wollen, dann verstehe ich dieses Verhalten gut.

Wie geht man so ein Problem an?
Frau und Mann sind - generationsbedingt?? - der Auffassung,
man spricht am besten das Thema nicht an; Streiten im
positiven Sinn geht nur sehr schwer.

Ergebnis heute: Schlaflose Nächte, insbesondere noch bei der
Frau, Genervtsein bei allen anderen, die meinen, das ist es
nicht wert.

Tja. Na schön, ab hier wird es vielleicht doch noch ein Fall für die Psychologen.

Viele Grüsse, Peter.

P.S. Würde mich sehr interessieren, in wie weit ich richtig liege.

Hallo Nina,

vielen Dank für deine differenzierten Anmerkungen zu der Sache.

Ich habe jetzt im Laufe meiner kleinen Recherche erfahren, dass es in sehr vielen Familien solche Konflikte gibt, das relativiert dann die eigenen Sorgen immer ein bisschen - aber es nervt halt trotzdem!!

Kurios ist ja, dass das Vorhaben der Beteiligten, die Sache unter den Tisch zu kehren, tatsächlich als Verstärker wirkt. Wenn ich Dinge wie Telefonate heimlich erledige, muss ja beim anderen der Eindruck entstehen, es gäbe einen Grund für Heimlichkeit. Den gibt es ja aber nur in der Person der „Verratenen“.

Deshalb habe ich so ein bisschen in der Richtung argumentiert, dass ich das Spiel einfach nicht mitmache, sondern die Dinge und Ereignisse genau so behandle, wie ich das mit mir vereinbaren kann - also eben nicht heimlich, sondern offen zu telefonieren/handeln usw.

Das bedeutet ja nicht, alles richtig zu machen, aber dieser Stress auf der zweiten Ebene (Heimlichkeit, Verrat) kann dann einer Auseinandersetzung weichen, die sich auf der ersten Ebene abspielen: Was stört wirklich, was verletzt …?

Darum geht es doch, glaube ich wenigstens (- wüsste ich´s, wäre ich ja nicht hier :smile:)

Deine Vergleiche mit kindhaftem Verhalten finde ich sehr anschaulich, genau so wirkt das auf mich.

Ich ahne aber, dass dies eine Lösung nicht leichter macht.

„Lösung“ heißt ja, dass diejenige, um die es geht, mitmachen muss; derzeit sperrt sie sich völlig. Und du magst Recht haben, wenn du weitere „Diskussionsrunden“ eher für kontraproduktiv hältst.

Da sie aber eine wichtige und liebe Person in unserem Leben ist, werden wir uns etwas einfallen lassen.

Und es bleibt natürlich die Lehre aus solchen Beobachtungen: Hass ist immer ein schlechter Begleiter, vor allem, wenn er Verteiler und Katalysatoren findet, bei denen sich das, was anfangs eine verständliche Reaktion war, allmählich zu einer eigenen, negativen Energie verselbstständigt.

Beste Grüße, ich hoffe, wir hören mal wieder voneinander, J.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Nina,

hallo jan

vielen Dank für deine differenzierten Anmerkungen zu der
Sache.

gerne:wink:

Ich habe jetzt im Laufe meiner kleinen Recherche erfahren,
dass es in sehr vielen Familien solche Konflikte gibt, das
relativiert dann die eigenen Sorgen immer ein bisschen - aber
es nervt halt trotzdem!!

es nervt und macht diese vorgehens- und lebensweisen nicht richtiger.
es zeigt nur, das in der erziehung von menschen noch immer fatale fehler gemacht werden, die als erwachsener aus sich selbst heraus selten korregiert werden sondern weitergegeben…

„Lösung“ heißt ja, dass diejenige, um die es geht, mitmachen
muss; derzeit sperrt sie sich völlig. Und du magst Recht
haben, wenn du weitere „Diskussionsrunden“ eher für
kontraproduktiv hältst.

bin hier nicht sicher, ob du meine erklärung nicht missverstanden hast.
ich habe nicht gemeint, man sollte nicht miteinander reden.
nur sollte man den eigenen vorher durchdachten standpunkt als faktum mitteilen und eben auch die massnahmen nennen. klar lassen sich die eine oder andere umgangsweise verhandeln oder sogar erfragen.

doch wenn man mit einer person wie hier dann diskutiert, wird sie nie mit dem was man will einverstanden sein und alles daran setzen, die neue umgangsweise zu zerlegen und übrigens auch immer wieder lange zeit zu untergraben - denn die eigenen muster müsssen und sollen erfüllt werden. die menschen drumherum - also auch du - sind in dem moment - also in bezug auf diesen konflikt und alles was dazu gehört eine art spielball. du kennst ihre haltung und was sie von euch will.
du willst es anders - und hier darf es keinen raum für debatten geben - sonst biste schneller wieder dort, wo du nicht sein willst.

Da sie aber eine wichtige und liebe Person in unserem Leben
ist, werden wir uns etwas einfallen lassen.

das eine schliesst das andere ja nicht aus.
man kann jemanden gern haben und dennoch mit dingen nicht einverstanden sein und grenzen setzen, sobald man benutzt wird.
das zu zeigen und zu leben ist ja die krux*seufz

Und es bleibt natürlich die Lehre aus solchen Beobachtungen:
Hass ist immer ein schlechter Begleiter, vor allem, wenn er
Verteiler und Katalysatoren findet, bei denen sich das, was
anfangs eine verständliche Reaktion war, allmählich zu einer
eigenen, negativen Energie verselbstständigt.

hass entsteht aus unfähigkeit mit den eigenen gefühlen umzugehen
und sich aus einer rolle zu ziehen, in die man sich gedrängt sieht,
unfähig den eigenanteil zu erkennen, die eigene verantwortung.
das gilt für eine menge anderer offener oder versteckter negativer
gefühle auch finde ich. sie zerstören und helfen niemandem, vor allem
wenn sie länger andauern. am meisten schadet man sich selbst.
umdenken und umlernen ist aber echt schwer und nach wie vor denke ich,
aus eigener kraft in ermangelung des wissens das da nötig wäre, kaum
machbar - sonst wären ja alle psychologen und psychotherapeuten überflüssig*g
oder so ähnlich, kann nicht erklären heute *geistiges formtief*g
ansonsten aber stimme ich dir zu!

Beste Grüße, ich hoffe, wir hören mal wieder voneinander, J.

davon kann man ausgehen:wink:

LG und gute nerven weiterhin!*g

nina

hallo jan,

gar nicht so leicht die sache, die du da beschreibst, da ich
das gefühl habe, das es im grunde um etwas anderes geht, aber
die frau sich damit nicht befassen will/kann, ihr die
fähigkeit dazu zumindest derzeit noch fehlt. also befasst sie
sich auf aufffällige art und weise intensiv mit dem
auslösenden ereignis und macht es für ihre gefühle
verantwortlich.

zudem hat sie die unreife haltung (was mich in dem
zusammenhang aber nicht weiter überrascht) dass ihr umfeld
seine sich für sie entscheiden muss - auf ihre gedacht weise -
anderenfalls ist man gegen sie.

das kennt man eigentlich nur aus der frühen kindheit. in
späteren jahren lernt man im idealfall mit den eigenen
gefühlen umzugehen und zu erkennen, dass man selbst für
gefühle verantwortlich ist - selbst dann, wenn anderen einen
schlecht behandeln sie nicht „schuld“ daran sind, wie und
woran und auch wie lange man leidet.

das alles scheint sie aber nicht oder falsch gelernt bzw.
vorgelebt bekommen zu haben. und so bin ich mir sicher, sie
geht nicht nur in dem falle mit gefühlen so um und wird nicht
nur hier das gefühl haben, andere sind für ihr glück bzw.
unglück verantwortlich…

jede hilfe von aussen (also jede unterstützung, sei es auch
nur um frieden zu haben) fördert ihr verschobenes bild.

aus einer sicht ist so ohnehin nur aufschiebbar, was ohnehin
geschehen wird. also könnte man es auch gleich lassen und ihr
einmalig mitteilen, dass es ab nun ein ende hat sie auf diese
weise von ihrer eigentverantwortung zu entbinden (ander worte
wären sicher noch nötig als nur diese:wink:.
ihr zu sagen, wie man sich in zukunft verhalten wird, das es
nicht gegen sie geht - egal wie sehr sie es sich einreden will

  • und das es
    ihre verantwortung ist, wenn sie sich abwendet von euch…

will heissen: ich würde ihr den ball zurückgeben, der nämlich
auch in ihre hände gehört und in niemandes sonst.

allerdings ist das verflucht schwer, weil jede inkonsequenz
erstmal alles erreichte wieder zunichte macht,da es ja hier um
muster geht…

das es nicht ohne ärger abgeht, ohne stress etc, ist klar.
nur darf man nicht den fehler machen, mit ihr zu diskutieren.
am besten einmal wohlüberlegt sagen was es zu sagen gibt -
ohne anzugreifen, ohne vorwürde - nur von sich und der eigenen
einstellung
sprechen, das eigene zukünftige verhalten erklären und damit
wars das.

wiederholungen und debatten sind sinnlos, dienen sie ja nur
demversuch der überzeugung, das du/ihr verräter seid, sie
wegen euch leidet, beleidigungen oder versuche der bestrafung
etc.

nur mit viel zeit wird sie evtl entweder spüren,das ihr nichts
genommen wird in wahrheit und im idealfall spürt sie, das SIE
ein problem hat, für das auch nur SIE verantwortlich und damit
zuständig ist.

ihr zu zeigen, das sie gemocht und respektiert wird, aber
deshalb dies nicht bedeutet, das alles was sie verlangt
richtig oder gar angemessen und eben auch nicht tolerierbar
ist, wäre deineeure lernaufgabe denke ich. und die ist anfangs
schwerer als das wie ihr es derzeit noch löst.
auf lange sicht aber ist der bekannte weg der zähere und vor
allem gänzlich unergiebig, da er nichts ändert.

aber wie gesagt - wichtig hier - die eigenen
auseinandersetzung mit sich, wo man sich schnell austricksen
lässt - strategien druchspielen, alternativen durchdenken,
damit diese auch parat sind in situation X
und ggfs. absprache mit anderen…

ich persönlich halte das für den besten weg.

LG
nina