Wer steckt hinter'Kraft zum LEBEN'?

Hallo Leute,
Zur Zeit läuft eine große Medienkampagne für ein kostenloses Buch mit dem Titel „Kraft zum Leben“
Wer weiss, welcher Verein, Sekte etc. dahintersteckt ?

Gruß
Crotalus

Hallo Crotalus,

siehe http://www.n-tv.de/2894446.html

Gruß
Werner

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

schau mal hier, und schau mal bei Report aus Mainz rein…

mus…

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Hi!

Zur Zeit läuft eine große Medienkampagne für ein kostenloses
Buch mit dem Titel „Kraft zum Leben“
Wer weiss, welcher Verein, Sekte etc. dahintersteckt ?

Vor zwei oder drei Tagen war ein Fernsehbericht über die Aktion „Kraft zum Leben“ zu sehen. Da wurde folgendes gesagt:

Hinter „Kraft zum Leben“ steht die amerikanische DeMoss-Stiftung in Florida. Gründer ist ein Multimillionär namens DeMoss, der sein Geld mit Versicherungen gemacht hat. DeMoss starb 1989 und vererbte sein Vermögen seiner Frau mit der Auflage, das Geld für eine missionarisch tätige christliche Religionsgemeinschaft einzusetzen. Die DeMoss-Stiftung verweigerte dem deutsche Fernsehteam jegliches Interview.

Amerikanische Menschenrechtsorganisationen erklärten dem Fernsehteam gegenüber, daß es sich bei der DeMoss-Stiftung um eine ultrakonservative Kirchengemeinschaft handelt. Der Sprecher der Menschenrechtsorganisation bezeichnete die DeMoss-Stiftung wörtlich als „christlich-fundamentalistische Taliban“.

Ziel der DeMoss-Stiftung sei es, in den USA eine alttestamentarische Rechtsprechung einzuführen. So soll Homosexualität mindestens mit dem Verlust aller bürgerlichen Rechte (z.B. Entzug des aktiven Wahlrechtes) bestraft werden. Ferner sei Ehebruch mit der Todesstrafe zu ahnden. Alle Gesetze zur Gleichstellung von Mann und Frau seien zurückzunehmen, da laut Bibel die Frau dem Manne untertan ist. Wer eine Abtreibung vornimmt (aktiv oder passiv), fällt ebenfalls unter die Todesstrafe.

Der deutsche Fernsehteam nahm Kontakt auf mit den bekanntesten Werbeträgern in Deutschland. Paulo Sergio vom FC Bayern München sagte im Interview, er sei als bekennender Christ für die Werbeaktion angesprochen worden und hätte zugesagt, jedoch hätte er sich nicht näher mit den Zielen der DeMoss-Stiftung befaßt. Er würde auch niemanden von DeMoss kennen. Bernhard Langer war für das Fernsehteam nicht zu sprechen. Ein dritter Werbeträger (eine ehemalige Spitzensportlerin aus der DDR, deren Name mir momentan entfallen ist - irgendwas mit „B“) bekannte sich offen zu ihren Werbeauftritten und ist wohl auch in Teilen mit den Zielen von DeMoss einverstanden.

Mittlerweile ist die Ausstrahlung der Werbespots in Fernsehen und Rundfunk vom Rundfunkrat untersagt worden, da in Deutschland für politische, religiöse und weltanschauliche Angelegenheiten keine Werbung in Radio und TV betrieben werden darf.

Die Sendung kam vom MDR.

Soweit das, was ich aus dem Kopf wiedergeben kann.

Grüße
Heinrich

Hallo

Buch mit dem Titel „Kraft zum Leben“
Wer weiss, welcher Verein, Sekte etc. dahintersteckt ?

Daß die DeMoss Stiftung dahintersteckt, wurde ja schon erläutert.

Ich finde es interessant, daß sich viele über die politischen Ansichten der DeMoss-Familie aufregen (zum Teil vermutlich zu Recht), aber noch niemand dieses Büchlein gelesen hat.

Ruft denn das Buch auch auf zu der „ultrakonservativen Haltung“, zu der die DeMoss-Familie zu tendieren scheint? Oder fordert es auf, in einer bestimmten Sekte Mitglied zu werden? Das wäre doch das, was die Leute primär lesen, wenn sie dieses Buch zur Hand nehmen.

Gruß
Thomas

Ich finde es interessant, daß sich viele über die politischen
Ansichten der DeMoss-Familie aufregen (zum Teil vermutlich zu
Recht), aber noch niemand dieses Büchlein gelesen hat.

Hallo Thomas,

ich hab schon mehrfach überlegt, mir dieses Buch zuschicken zu lassen, es aber bisher bleiben lassen um nicht in irgendwelche Datenbanken solcher Leute zu geraten. Wenn Du weißt, wie ich anonym ein Exemplar kriegen könnte, sag mir bitte bescheid.

Ganalf

Wer weiss, welcher Verein, Sekte etc. dahintersteckt ?

Über diese De-Moss-Stiftung weiss ich nichts, kann mich aber meinen Vorrednern anschließen: Erstens sollte man das Buch lesen, bevor mans kritisiert, und nicht nur irgendwas auskramen, was vielleicht einmal derselbe Urheber gemacht hat. Man sollte das Buch inhaltlich kritisieren.

Zweitens finde ich es immerhin ehrenhaft, dass die de Moss Stiftung ausdrücklich Spenden zurückweist.

Nun hieß es in der Sendung auch, dass man das Buch im Moment wegen Lieferschwierigkeiten nicht bekommen kann. Die Adressen der Besteller werden also anscheinendgesammelt und wenn das Buch dann ausgeliefert wird, bekommen die Leute es auch. Glauben wir mal, dass dies keine manipulierten Schwierigkeiten sind, aber selbst dann halte ich es für bedenklich, dass es keine „Presseexemplare“ gibt, die eine gesellschaftliche
Diskussion begleitend zu dieser mit in der Tat enormem finanziellen Aufwand betriebenen Aktion ermöglichen würden.

Nun ist es nicht das erstemal, dass sich Bernhard Langer in (bzw. hier: mit) „christlichen“ Publikationen zu Wort meldet. Da ich glaube, die „evangelikale“ Szene in Deutschland etwas zu kennen und schon früher solche Sachen von nahen Verwandten aufgedrängt bekam, kann ich dir schon etwas über die höchstwahrscheinlichen Hintergründe sagen.

In Deutschland kommen die besonders christlichen Protestanten (um solche handelt es sich hier) traditionell aus dem Pietismus und dem sind solche lauten Aktionen eher fremd. Je nachdem, wie man das Wort „Fundamentalismus“ definiert: Pietisten sind schon Christen, die sich sehr betont auf das „Fundament“ christlichen Glaubens beziehen, wobei dies ja dann auch wiederumsehr verschieden definiert werden kann.

Nun, jedenfalls kann man in den letzten Jahrzehnten einen zunehmenden Einfluss der amerikanischen strenggläubigen Protestanten auf die deutschen Pietistenkreise feststellen. Diese „Kraft zum Leben“-Aktion ist direkter Ausdruck dieses zunehmenden Einflusses. Auch das Wort „Evangelikal“ ist auf den amerikanischen Einfluss zurückzuführen, und in der Tat kommen damit auch politische Tendenzen zum Tragen, die dem deutschen Pietismus an sich eigentlich durch und durch fremd sind.

Als „evangelikal“ bezeichnen sich hierzulande Christen, die einerseits noch etwas mit der pietistischen Tradition zu tun haben, sich aber weitgehend den neueren Tendenzen geöffnet haben. Insbesondere definieren sie das „Fundament“ des christlichen Glaubens als „die Bibel“. Allerdings beanspruchen sie ein gewisses Auslegungsmonopol, lehnen jedenfalls wissenschaftlich objektivierbare Methoden ab. Dazu kommt, dass sie ein psychologisierendes (hierdas pietistische ERbe, das natürlich letztlich auch die Amerikaner mitgeprägt hat) Gebäude aus Begriffen wie „Wiedergeburt“, „Vertrauen zu Gott“, „Leben an Gott übergeben“ etc. errichtet haben, das letzlich das eigentliche Kernstück ihres GLaubens darstellt. Wichtiges Teil dieses Gebäudes sind Versprechungen, all dies löse die menschlichen Probleme des glaubenden Subjekts, das passt also vollkommen auf den Titel des Buches „Kraft zum Leben“.

Sehr typisch ist die Sprache, die auch in der WErbekampagne zum Tragen kommt: alles bleibt sehr nebulös, die Aufforderungen an den einzelnen verlaufen meist im Kreis: man soll tun, was Gott gesagt hat, und Gott sagt, man soll seinen Willen tun, und auf ihn hören, und seiner Stimme folgen, und ihm gehorchen, und ihm in seinem Leben den ersten Platz einräumen usw: kurz: man wird immer wieder aufgefordert, írgendwem zu grhorchen, aber es bleibt unklar, wem denn genau oder welchen Befehlen denn. Stattdessen immer wieder dasselbe in anderen Worten. DAs scheint mir doch sehr gefährlich zu sein, da es unsichere Menschen stark anspricht und sie darauf einstellt, ihre Unsicherheit zu kultivieren und dann vielleicht an einer bestimmten, nicht mehr kontrollierbaren STelle in recht blinden Gehorsam übergehen zu lassen.

Ja, das steckt dahinter. Die Leser sollen mit Hilfe dieser und ähnlicher Versprechungen ermutigt werden, sich einer „wirklich christlichen Gemeinde“ anzuschließen. Immerhin wieder ehrenhaft, dass, soweit ich gehört habe, keine bestimmte Denomination genannt wird. Aus der evangelikalen Szene kann man sich also die Baptisten aussuchen oder die freien Christen oder freikirchlichen oder Mennoniten oder Pfingstler oder oder oder. Steckt wahrscheinlich wirklich eine ARt Gottvertrauen dahinter. Immerhin, wiederum.

Trotzdem: diese VErsprechungen, das kann ich dir versichern, gelten nur sehr eingeschränkt. Es gibt Menschen, für die so ein Glaubensgebäude hilfreich ist und die einen echten inneren Halt darin finden, sich in verschiedenster ARt und Weise Gott und Jesus als Personen vor Augen zu halten. Auf jeden Fall muss man aber in der Lage sein, für einen erheblichen Teil des Lebens den Verstand auszuklammern - und dazu ist nicht jeder in der Lage. ABer andererseits: wie sehr hilft uns der Verstand schon bei unseren wirklichen Problemen?

Bedenklich sind in der Tat die politischen Implikationen, die in den evangelikalen Gemeinden aufgrund des og Einflusses nun zum Tragen kommen. Richtig ist, dass Homosexuelle ausgegrenzt werden und auch sonst eine Atmosphäre der Intoleranz vorherrscht. Allerdings gibts da auch große Unterschiede. Die Gespenster, die da mit „Todesstrafe für Ehebrecher“ oder „christliche TAliban“ an die Wand gemalt werden, halte ich für weit übertrieben.

So long, viele Grüße

Juliane