Servus Dawn,
die Frage, was ein Berufsanfänger in einer näheren oder weiteren Zukunft verdienen kann, hängt nur bedingt von dem ab, was heute in diesem Beruf verdient wird.
Als ich 1983 in Göttingen mit dem Agrarstudium angefangen habe, waren wir, wenn ich mich recht erinnere, gut 250 Anfänger im Semester. Heute passt die Zahl, wenn ich richtig informiert bin, wenn man sie durch zehn teilt. Dementsprechend waren wir als Frischdiplomierte Massenware mit der Perspektive Taxifahren, Lebensversicherungen verkaufen, Kaffeemaschinen im Außendienst betreuen etc. Heute wäre ich mit meinem mittelprächtigen Diplom (grad noch „gut“) ein gesuchter Spezialist.
Es gibt derzeit haufenweise frischgebackene Betriebswirte, die sich sehr drüber ärgern, daß sie nichts „richtiges“ gelernt haben: Anlagenbauer, Maschinenbauer, Stahlbauer sind trotz aller Produktionsverlagerung eher seltene Leute, für Betriebswirte darf man (je nach Einzelfall und Spezialisierung gilt das natürlich nicht für alle) die oben für Agraringenieure Ende der 1980er genannten Perspektiven nennen.
Kurz: Wenn man sich betreffend Zukunft bloß am heutigen Stand der Dinge orientiert, ists nicht unwahrscheinlich, daß man in einen Mainstream gelangt, der in ein paar Jahren grade auf der falschen Seite des Marktes fließt.
Unabhängig davon gibts natürlich die Möglichkeit, sich ganz ab von jeder Chancenrechnerei mit irgendeinem geeigneten Gegenstand fanatisch zu beschäftigen. Leute, die auf dem, was sie machen, richtig abfahren, haben wohl ziemlich geringe Chancen, arbeitslos zu werden. Beispiel: „Man“ kann heute in Deutschland keine Textilien und keine Schuhe mehr produzieren. Brütting kann aber, und Hiltl auch.
Die paar Unternehmen, die in D heute noch pneumatische Förderanlagen herstellen, lassen sich den Stahlbau im wesentlichen trotz aller Konkurrenz untereinander von einem einzigen (unabhängigen) Ingenieur rechnen. Der ist nicht mehr jung und wird den Job nicht mehr lang machen. Wenn er aufhört, wird es keinen mehr geben, der das machen kann, was er macht; da werden die deutschen „Exportweltmeister“ sich was einfallen lassen müssen.
Offenbar hat sich jahrelang niemand für diese „trockene Materie“ begeistern können. Oder der Weg vom ersten Reißbrett bis zu der Villa, so wie sie heute dasteht (schaut ganz gut aus, das Teil) war einfach zu mühsam für andere.
Schöne Grüße
MM