Wer/was war 'Werther'

Hallo,

Ende 1942 / Anfang 1943 tauchte in den
Spionageanforderungen des sowjetischen
Oberkommandos an den schweizer Agentenring
(Rössler) der Name „Werther“ auf.

Die „über Werther“ zurückgelieferten Infor-
mationen entsprachen ziemlich genau den Ver-
lautbarungen sowohl von Hitler, als auch von
OKW und OKH.

P. Carell (ehem. SS-Führungshauptamt&gt:wink: widmet in
„Verbrannte Erde“ (ISBN: 3550085079 Buch anschauen) den nach 45
bekanntgewordenen Personen ein ganzes Kapitel.
Die Person „Werther“ bleibt im Dunkeln. Damals war
ja noch nichts bekannt über die Enigma-Dechiffrierungen.

Im WWW findet sich folgendes (das sich etwa
genauso liest, wie Carell).
http://webhome.idirect.com/~jproc/crypto/enigs1.html

The information he provided was always very reliable, 
true and exact, however he has never told anyone who his 
agents were. He only mentioned, that he got the reports from: 
"<u>Werther</u>" from OKWehrmacht (German Army HQ), "Teddy" 
from OKHeer (Land Forces HQ), "Stefan" and "Ferdinand" from 
OKLuftwaffe (Air Force HQ) and "Olga" from the Reich's Ministry 
of Foreign Affairs. One hypothesis claims that these personalities 
had never existed and that R. Roessler gathered intelligence 
from <u>Enigma code breaking</u> or he was supported <u>by the British</u>
via another agent within Rado's network,

Hat jemand Literaturtipps oder Auszüge
zum aktuellen Stand?

Ist „Werther“ die britische Regierung, die den Sowjets
über die Schweiz die deutschen Kommandos „in Echtzeit“
übermittelt?

Grüße und Danke

CMБ

Es existieren in dieser nebulösen Geschichte einige Theorien in der Literatur. Einmal war „Werther“ (ein in die Schweiz emmigrierter Deutscher) nur der Kontaktmann des Agenten, der die Aufmarschpläne verriet. Ein ander Mal eine ganze Gruppe von Agenten und einer anderen Theorie zufolge sollen es 2 Sekretärinnen im OKH gewesen sein.

Letztendlich schrieb Gen. Franz Halder sinngemäß dazu, daß dem OKW bekannt war, das Pläne aus dem OKW an die Sowjets verraten wurden.

Hallo Mirko,

Heisst das, dass nach 60 Jahren immer noch
keiner weiss, wer die Deutschen am nachhaltigsten
geschädigt hat? Krass.

Allerdings ist folgende Bemerkung des britischen „Chief
of Staff“ vom 31. Juli 45 bemerkenswert:

"It is imperative that the fact that such intelligence
was available should NEVER be disclosed
"

Die blosse Existenz von Ultra und Bletchley wurde ja be-
kanntlich bis in die 70’er vollkommen geheim gehalten.

Wenn man sich das so anschaut, was wäre denn
plausibel? Nach meinem Verständnis käme nur eine
Führungskraft von Bletchley in Frage, die einen
‚feed‘ in die Schweiz organisiert und gleichzeitig
die Herkunft der Daten verschleiert. „Sekretärinnen“
kommt nicht in Frage, da die Informationen immer
knapp, prägnant, sachkundig und auf die strategische
Lage bezogen waren. IMHO.

Grüße

CMБ

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