Wer weiß weiter

Hier die Falldarstellung
Ein 20jähriger Student … klagt bei seinem Internisten, dass er beim Lernen Schwierigkeiten habe. Über die letzten sechs Monate hinweg habe er sich zunehmend mit Gedanken befassen müßen die er nicht vertreiben konnte. Er verbrachte jetzt abends viele Stunden damit, die Ereignisse des Tages durchzugehen, besonders die sozialen Interaktionen mit Freunden und Lehrer, wobei er auch die kleinsten Vorfälle in seinem Geist , abhakte". Er verglich diesen Vorgang mit dem wiederholten Abspielen eines Videobandes von jedem Ereignis, wobei er sich fragte, ob er sich bei jedem Schritt auch richtig verhalten habe. Er sagte sich dann, dass er sein bestes versucht oder das Richtige gesagt hätte. Er machte das, während er am Schreibtisch saß und angeblich lernte. Es war für ihn nicht ungewöhnlich, nach einer solchen Phase der Beschäftigung auf die Uhr zu sehen und festzustellen, dass zu seiner Überraschung zwei oder drei Stunden vergangen waren. Seine schlechter werdenden Noten beunruhigten ihn. Auf weiteres befragengab der Patient zu, dass er ein zweistündiges Körperpflegeritual durchlief, wenn er sich fertig machte, um mit seinen Freunden auszugehen. Dabei wurde wieder, beim Rasieren, Duschen, Haarekämmen und Anziehen ,Perfektion" verlangt. Zusätzlich war er einige Jahre lang durch einen Aberglaube beeinträchtigt, der, wie sich herausstellte, seinen Alltag dominierte. Er musste z.B. bestimmte Gebäude meiden , wenn er auf dem Unigelände spazierenging, immer auf dem dritten Platz in der fünften Reihe im Klassenzimmer sitzen und seine Bücher und Stifte in einer bestimmten Weise auf dem Schreibtisch anordnen, bevor er anfangen konnte zu lernen.

Welche Störung liegt vor?

Wäre super wenn mir jemand weiter helfen kann

Huhu!

Also ich weiss nicht, soll das eine Art Prüfungsfrage sein?

Naja, ich plädiere bei sowas immer dafür, dass es in dem relevanten Bereichen weg vom Papier kommen müsste. So eine Frage wäre besser gestellt, wenn man z.B. einen Protagonisten befragen müsste und durch die Interaktion zu einer Diagnose finden könnte. Am Besten wäre natürlich, wenn sich Klienten aus der klinischen Psychologie bei bereits bekannter Diagnostik zur Befragung finden ließen, und die zu Prüfenden durch Schilderung UND Beobachtung des Verhaltens Rückschlüsse ziehen können. Gerade zweiter Teil ist in der Diagnostik meiner Meinung nach wichtiger als die nüchternden Fakten.

Davon abgesehen ist die exakte Kategorisierung in von einander zu trennenden Krankheitsbildern - wohlmöglich noch auf Achsen - für die Interaktion mit dem Menschen (statt der Störung) nicht zwingend nötig. Verschiedene Störungskomponenten (Depression, Angst, Selbstbild, Zwänge) in unterschiedlicher Ausprägung und Stärke ergeben ein individuelles Bild in jedem Klienten, dem die Prädikate in keister Weise gerecht werden. Zudem müssen auch individuelle Behandlungsansätze sowohl in Symptomatik (z.B. Zwang) und Ursache (z.B. soziale Angst) gefunden werden.

Aber zum Fallbeispiel: Hört sich nach ICD-10 F60.5 an. Ich könnte mir vorstellen, dies wäre die erwartete Antwort auf das Fallbeispiel. Wenn der Prüfer jedoch gut ist, dann wäre alle, was hier vor ICD-10 steht, die Möglichkeit einer richtigen Antwort… :wink:

Lieben Gruß
Patrick

P.S.: Wofür isses denn nu?

Obsessive-Compulsive Disorder (OCD)
Hallo Sigrid,

http://www.ocduk.org

Die verschiedenen Formen von OCD:
http://www.ocduk.org/1/types.htm

Die Seite ist auf Englisch.

Ich habe das auch (wenn auch nicht sehr extrem und weniger schlimm als vor einigen Jahren) und dein Beispiel hoert sich ganz danach an.

Gruesse

Kris

Hallo Sigrid
Wir haben es hier mit der lupenreinen Diagnose (wenn wir schon so Diagnose-geil sind) ZWANGSNEUROSE zu tun. Auf einen Therapie-Antrag könnte man z.B. (immer in zwei Ebenen, Symptomatik und Persönlichkeits- bzw. Neurosen-Struktur) schreiben:
„Zwangsgedanken, Waschzwang und Kontrollzwang bei zwanghaft akzentuierter Neurosenstruktur“.
Gruß,
Branden

"Zwangsgedanken, Waschzwang und Kontrollzwang bei zwanghaft

Oh, oh… haben wir da nicht den Ordnungszwang vergessen? Das gibt Punktabzug!

Stifte in einer bestimmten Weise auf dem Schreibtisch anordnen