Wer Wind sät

Hi,

die öffentliche Ausstellung über die „Verfolgung Homosexueller unter dem Hakenkreuz“ auf dem Wiener Heldenplatz wurde in der Nacht auf heute von unbekannten Tätern völlig zerstört. Aber, wie einige hier meinen: „Jesus war auch intolerant“ und „Gott hat sie (die Schwulen) dahingegeben)“, Fazit, die Verfolgung war eine feine, christlich gedachte Sache, und da ist es nur klar, dass ein paar aus der „Partei der Anständigen“ zur Selbsthilfe greifen mussten, bevor diese Drecksäue auch noch gefühlsduselig dafür bemitleidet werden, dass sie ins KZ kamen, wo ihnen erstmal Anstand und Strammstehen beigebracht wurde…
Fromme säen Wind und ernten den Sturm des Rechtsextremismus.
gruß,
bb

Mag ja sein…

Fromme säen Wind und ernten den Sturm des Rechtsextremismus.
gruß,
bb

Hallo BB!

Ja, leider ist leider oft so gewesen mit Bibelzitaten Verbrechen zu rechtfertigen.
Aber nirgendwo in der Bibel wird Gottes Handeln so genau beschrieben wie durch Jesus selbst (Wer mich sieht, sieht den Vater, oder so ähnlich). Und vor allem die Gebote der Nächstenliebe, Feindesliebe etc. werden immer wieder mit den Füßen getreten.
Wie heisst es doch so schön „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.

Jesus warnt in der Bibel auch von „Falschen Propheten“ die in seinem Namen auftreten werden, und weisst gleichzeitig darauf hin, dass man sie an den Früchten erkennt. „Ein schlechter Baum bringt keine Guten Früchte hervor“ und umgekehrt.

Ich denke, dass viele Verbrechen im Namen des Kreuzes, aus reiner Machtgier geschehen sind, unter dem Missbrauch des Wort Gotttes um auch die Frommen auf seine Seite zu kriegen, so wie es im Mittelalter häufig der Fall war.

Mag sein, dass ich jetzt ein bisschen abgeschweift bin, …

Viele Grüße
M.

Wieviel Christen gab’s in 2000 Jahren?

Ja, leider ist leider oft so gewesen mit Bibelzitaten
Verbrechen zu rechtfertigen.

Und vor allem die Gebote der
Nächstenliebe, Feindesliebe etc. werden immer wieder mit den
Füßen getreten.

Ich denke, dass viele Verbrechen im Namen des Kreuzes, aus
reiner Machtgier geschehen sind, …

Das habe ich einem Freund, gläubiger Christ, auch einmal gesagt, bzw. habe ihn gefragt, wie das mit dem Christentum zu vereinbaren ist. „Das waren alles keine Christen!“ antwortete er.
Ich schliesse daraus, dass es in der 2000jährigen Geschichte des Christentums nur ganz, ganz wenige Christen gab.

Mag sein, dass ich jetzt ein bisschen abgeschweift bin, …

Nein, überhaupt nicht. Denn das ist der Kern, auf den immer wieder alles zuläuft in solchen Diskussionen!

Gruss, Stucki

Hi stucki,

Das habe ich einem Freund, gläubiger Christ, auch einmal
gesagt, bzw. habe ihn gefragt, wie das mit dem Christentum zu
vereinbaren ist. „Das waren alles keine Christen!“ antwortete
er. Denn das ist der Kern, auf den immer
wieder alles zuläuft in solchen Diskussionen!

Ja, das ist ein ziemlich schlüpfriges Argument, das ich auch gut kenne. Es stimmt insofern, als Christen, die solche Verbrechen begingen, damit im Gegensatz zu den Forderungen ihres Glaubens handelten, also in diesem Moment quasi keine Christen waren.
Andererseits wird das Argument natürlich so angewandt, als wären da irgendwelche Finsterlinge unter dem Decknamen Christen aufgetreten, um die in Verruf zu bringen. Damit bleiben die anderen, die wahren Christen unbefleckt.
Das ist natürlich ein sehr unfairer Versuch sich abzuputzen. Mir scheint, dass er speziell von Pietisten gemacht wird, deren Glaubensauffassung ja dahin geht, dass ein bekehrter Mensch „ein neuer Mensch“ sei, also fehlerfrei. Wenn einer daher Murks baut, kann es nur ein Nichtchrist gewesen sein.
Tatsache ist leider, dass Christsein weder vor Dummheit noch vor Neurosen noch vor Schlechtigkeit schützt, wobei diese durchaus in Verbindung mit großem Wert an anderer Stelle auftauchen können. Ein Beispiel ist Abbé Pierre, der Großartiges für die Armen getan hat, sich aber leider auch als mieser Antisemit entpuppt hat.
Es ist, wie Luther gesagt hat, „kein Wordensein, sondern ein Werden“ und in diesem Werden sind leider alle nur erdenklichen Rückschritte und Fehltritte möglich. Wie dramatisch diese Fehltritte ausfallen hängt von einer Kombination aus Persönlichkeit und Zeitumständen ab.
gruß,
bb

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Luther und die Juden
Hi Barbara,

… Ein Beispiel ist Abbé Pierre, der
Großartiges für die Armen getan hat, sich aber leider auch als
mieser Antisemit entpuppt hat.
Es ist, wie Luther gesagt hat, …

Nur so nebenbei: Was Luther über die Juden gesagt hat, weißt Du doch wohl? War nicht sehr nett! Wirklich nicht! Nur knapp am allgemeinen Mordaufruf vorbei …
Gruss, Stucki

Hi Stucki,

Nur so nebenbei: Was Luther über die Juden gesagt hat, weißt
Du doch wohl? War nicht sehr nett! Wirklich nicht! Nur knapp
am allgemeinen Mordaufruf vorbei …

War wohl im selben Stil gehalten wie seine entzückenden Äußerungen über die Frauen :frowning:((
Nein, ich meine, es hat da gar keinen Sinn, an solchen Sachen herumzudekorieren, ob das nun irgendwelche Horrormeldungen im Alten Testament sind oder in der Kirchengeschichte (man denke an Alexander VI …) oder auch in der Neuzeit (Fernsehprediger usf.) Die Entschuldigung: „Das waren andere Zeiten“ und „das war damals so üblich“ gilt nicht. Erstens hat es damals den Leuten auch keinen Spaß gemacht massakriert zu werden und zweitens sollen Christen nicht das tun was üblich ist sondern was christlich ist.
Man muss sich einfach der Tatsache stellen, dass auch durchaus echte und von Herzen Glaubende zu Sachen im Stande sind, dass einem die Lade runterfällt. Beispiel: Pater Sporschil, ehrenhaft bekannt für sein Engagement für Straßenkinder in der III. Welt. Als die Affäre Groer anlief, erklärte Sporschil den Georg Wagner, der von Belästigungen erzählte (und den er gar nicht kannte) in einer Fernsehsendung öffentlich zum Lügner: „Der hat halt solche sexuellen Phantasien gehabt weil er für den Gröer geschwärmt hat und kann zwischen Phantasie und Wahrheit nicht unterscheiden.“ Gong!!! Und sogar der heiligmäßige Johannes XXIII. entblödete sich nicht, das Problem der Hungernden in der Dritten Welt mit dem fröhlichen Verslein „Wem Gott ein Häslein schenkt dem schenkt er auch ein Gräslein“ abzutun. Bestes Beispiel wohl der derzeitige Papst: Großartige, Epoche machende Schritte auf der einen Seite, lächerliche Kleingeisterei und bornierteste Weltfremdheit auf der anderen.
Nun, das Eine macht das Andere nicht ungeschehen.
Es geht auch nicht an, gleich zu behaupten, bei dem oder jenem wäre sein Christentum nur Fassade - obwohl es natürlich Leute gibt, die ich da sehr stark im Verdacht habe, und dazu muss ich gar nicht bis zu den Borgia-Päpsten zurückgehen. Früher konnte ich nicht glauben, dass man ein zutiefst gläubiger Mensch und ein großes Arschloch zugleich sein kann. Aber je mehr ich darüber herausfinde, wie dunkel und verschroben und kompliziert die menschliche Psyche ist, desto weniger wundert es mich.
gruß,
bb

Gruss, Stucki

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