`wer wohnt gern im wald?

hi leute, habe gerade in einem anderen brett diesen antwortartikel geschrieben, der ausgangspunkt war, dass jemand sagte:

Ich beneide dich immer wieder, wenn du erwähnst, dass du mitten im Wald wohnst! Stelle ich mir traumhaft vor.

und dann meine antwort:

sicher, ist schoen… , hat aber auch nachteile:

ne art garten anlegen geht kaum, weil halt alles mit samen, keimen, etc unkrautmaessig versifft. waldboden muss sowieso erheblich „aufgearbeitet“ werden, bevor du mal ne eigene erdbeere essen kannst.

waldgrundstuecke sind meist gross, und ganz egal, was drauf ist: was machen muss man immer… besonders nach urlaub.

grosse fenster bei hitze laenger aufmachen ist nicht, weil du umgehend jede menge ungeziefer im haus hast.

wenn du dich dann doch nachts im dunklen traust, im schlafzimmer ein fenster zu oeffen, wirst du dich wundern, wie laut und wie frueh voegel morgens rumbruellen koennen.

bei jedem sturm haeltst du die luft an, dass keine baeume umfallen, sonst machst du naemlich fruehmorgens ne motorsaegenschicht, um zur arbeit zu kommen.

und dann mach dir mal gleich gedanken, wie man artgerecht ne kranke, evtl vom borkenkaefer befallene 30-meter fichte entsorgt… mit nem fachbetrieb kostet das tausende…verbrennen ist nicht, zum grillen kannst fichtenholz auch nicht benutzen, und vermulchen ist auch zu aufwendig und das zeugs ist zu harzhaltig.

wenn du selbst nix mit der motorsaege zu machen brauchst, gibt es in deinem urlaub, wo du ausschlafen willst, garantiert nen waldarbeitertrupp in der naehe, der mit allerlei technischem geraet SEHR frueh morgens anfaengt.

im wald gibts kein kabelfernsehen, und die satellitenschuessel musst du andauernd umsetzen, weil die baeume wachsen und den empfang stoeren.

auf jeden fall brauchst du nen gelaendegaengingen wagen, denn im winter fahren keine streu - und raeumdienste in den wald.

im sommer hast du bei geoeffnetem grundstueck andauernd spaziergaenger im garten, die mal schauen wollen, wer da „so schoen“ wohnt.

dein groesster feind ist der foerster: er argwoehnt naemlich, dass in seinem naturschutzgebiet nen wilder campingplatz entstehen wird, wenn dich mal freunde mit nem wohnmobil besuchen, und schickt daher regelmaessig den ortsbeirat zur begehung vorbei.

der ortsbeirat wird deine gesammelten „schaetze“ kritisieren - fuer dich sind das zwar lebensnotwendige materialien zum zaunbau, baumstuetzen etc, aber fuer die herren ist es baldigst ( mit bußgeldandrohung ) zu beseitigender unrat.

die meisten der spaziergaenger haben hunde dabei, und die kommen garantiert an „und wollen spielen“, auch wenn ich nicht mit ihnen spielen will. wenn sie dann von dannen ziehen, kacken sie grundsaetzlich nochmal in die einfahrt.

wenn diese einfahrt abfallend richtung haus ist, schwemmt der naechste regen nen fetten schwall verduennte hundescheisse richtung garage, die dann tagelang stinkt.

einkaufen ist disziplinsache, denn „noch mal kurz in den laden“ , weil du senf vergessen hast, wird dann zeitraubend.

die kids laufen mindestens ne halbe stunde zum bus, um zur schule/zu freunden zu kommen… oder du machst nen privaten fahrdienst auf.

das gleiche gilt natuerlich andersrum, wenn unmotorisierte freunde zu besuch kommen wollen…

wenn du mal nen taxi brauchst, wartest du laenger, als ein normaler mensch, denn entweder finden die fahrer das nicht, oder sie stellen die tour nach hinten, weil es da keine kombinationsmoeglichkeiten gibt.
wenn du von auswaerts mit dem taxi kommst, halten einige fahrer am waldrand an und wollen nicht weiterfahren, weil sie schiss haben…

wege im wald sind nachts nicht beleuchtet, d.h. aus der stammkneipe faehrt man grundasetzlich besoffen mit dem auto.

gruss
khs ( der 15 jahre im wald gewohnt hat )

frage also: wer kann mir deutliche vorteile vom waldwohnen nennem, ausser laut musik hoeren?
gruss
khs

Hi Karl Heinz,

ich sag nur eins: Wendy müßtest Du eher prügeln, bevor sie in nen Wald zieht! Ich bin in Unterlüß in der Lüneburger Heide groß geworden, Wohnung, aber direkt an Rand vom Wald.

Großer Sturm in der Heide - 1973 oder 1974 - 10 Jahre Baumfällverbot, um erstmal die Schäden abzuarbeiten… nicht daß meine Existenz vom Baum abhinge… aber um unser Haus sind damals auch die Brocken geflogen.

Und inzwischen bezeichne ich mich mit Fug und Recht als Zivilisationskind: 2 Minuten und ich sitze in der Straßenbahn, 10 Minuten und ich bin im Kino und meinen Rasen mäht jemand anderes.

Nein, ich wollte nicht in den Wald und mein Freund hat eh Allergie auf Kiefern und ähnliches Zeug…

Wendy (wohnt gern in einer Neubau-Stadtwohnung, wenn sie nur groß genug ist)