Werbung für Ein-Mann-Firma

Hallo, liebe www-ler,

seit 1998 betreibe ich nebenberuflich eine kleine Computerfirma (Verkauf von Hardware, Vor-Ort-Service). Ich habe einen kleinen Kundenstamm aufgebaut, für die ich regelmäßig arbeite. Zum 1. April werde ich arbeitslos, baue diesen Monat meinen Resturlaub ab. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen und meine Firma in meiner Gemeinde (Flächengemeinde, 18.000 Einwohner) verstärkt bewerben. Ich habe schon zweimal Flyer verteilt, allerdings mit mäßiger Resonanz. Von Zeitungsanzeigen halte ich nicht viel. Welche Werbeformen und -materialen würdet Ihr empfehlen? Da ich nur über ein schmales Budget verfüge, sollten sich die Kosten idealerweise im Rahmen halten. Ich freue mich auf Eure Tipps!

Achim

Hallo Achim,

bevor Du Dir Gedanken machst, wie Du Deine Flächengemeinde bewirbst, solltest Du Dir vorher nochmal Gedanken machen, ob Du aus dem Einzugsgebiet heraus überhaupt noch weitere Kundschaft generieren kannst und ob das für Dich tragfähig ist - ansonsten mach Dir Gedanken, wo demnächst dann das notwendige "Haupt"geld neben dem nebenberuflichen Erwerb herkommt.
Lösungen wären evtl., den Service auf andere Gemeinden und die nächste grössere Stadt auszudehnen, oder Dir wieder einen regulären ersten Job zu suchen. Weiterhin stehst Du ja sicherlich auch mit dem Arbeitsamt in Verbindung, um zu klären, inwieweit Dein Nebenerwerb Einfluss auf Dein ALG hat …

Um aber auch einen konkreten Tipp zu geben ;o)
Wenn Dein Budget so schmal ist, such Dir möglichst Wege, wo Dich die Werbung nichts kostet. Habt ihr einen kostenlosen monatlichen Kleinanzeiger für die Gemeinde? Ist dort die Konkurrenz vertreten? Falls nein, tritt doch mal an den Herausgeber heran und biete ihm an, wenn er ne regelmässige Werbung für Dich kostenlos veröffentlicht, dass Du ihm bei allen Computerfragen berätst und entsprechend kostenlos reparierst, was Du kannst.
Gibt es den Anzeiger noch nicht? Dann schau, ob Du ne Druckerei findest, mit der Du das gemeinsam aufziehen kannst. Suche andere, die ebenfalls werben wollen und die, die gerne redaktionelle Inhalte in die Gemeinde tragen wollen …
Oder veranstalte in Kooperation mit z.B. ner VHS einen kostenfreien Lernkurs und bring das in die Tageszeitung …

Viel Erfolg!

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Hallo Achim,

leider gibt es nicht die „Sofort-Erfolg-Werbung“. In der Werbung ist es wie beim Sport. Nur andauerndes Training bringt oder steigert den Erfolg.
Du musst es einfach schaffen in den Köpfen Deiner potenziellen Kunden zu bleiben.
Zuerst solltest Du überlegen welche Leistungen/Produkte Du für welche Zielgruppe anbieten willst. Dabei musst Du versuchen ein (oder besser mehrere) Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten. Denn wenn Du nur alles genau so machst wie Deine Wettbewerber, dann ist das Entscheidungskriterium der Preis und darüber kannst Du im Bereich Computer wohl kaum überleben.

Als relativ preiswerte Werbeform würde ich eine gute Fahrzeugwerbebeschriftung empfehlen. Gemessen an Werbefläche / Sichtkontakte gibt es kaum eine preiswertere Werbeform. Lass Dir ein schickes und möglichst auffälliges Beschriftungsdesign entwerfen und aufs Fahrzeug montieren (Ja auffällig (nicht dezent und verschämt)!! Gerade beim Start heißt es auffallen.

Als nächstes lass Dir professionelle Visitenkarten machen (beidseitig bedrucken - Vorderseite Kontaktdaten, Rückseite Leistungsangebot). Diese in großer Stückzahl (mind.1000) gedruckt, sind der kleinste Werbeflyer und sehr effizient wenn man fleissig verteilt (in der Schublade bringen sie nichts).
Und wenn Du es Dir leisten kannst mach Flyer (aber passend zur Zielgruppe) und verteile regelmäßig (mind. 1mal per Quartal).
Die Streuverluste sind dabei hoch (Response wenns optimal läuft 2-5%)aber steter Tropfen höhlt den Stein.

So das reicht ersteinmal (leider kann ich hier nur ein Bruchteil von dem was dazu gehört ansprechen) - viel Erfolg und einen guten (Durch-)Start.

Gruß
Frank

Hallo,
aus meiner Erfahrung, im Gemeinde-Umfeld ist der beste Werbefaktor die (mehr oder weniger) aktive Teilnahme in mehreren örtlichen Vereinen, Kommunalpolitik und andere Gruppierungen.
Gruß D.K.

Mundpropaganda?
Hallo,

Ich habe einen kleinen Kundenstamm aufgebaut, für die ich regelmäßig arbeite.

Das sind eigentlich die potentielle Werbeträger für Dich. Wenn diese in 7-8 Jahren keinen großen Zuwachs gebracht haben, dann ist es natürlich schlecht.

Eine weitere Möglichkeit wäre mit 24h Service (Computernotdienst) zu werben und das regelmässig. Nur unterscheidet sich ein Notdienst sehr krass vom alltäglichen, da oftmals Hardwareprobleme auftreten, bei denen man Ersatzteile benötigt.

Eine weitere Möglichkeit wäre sich bei der VHS zu als Dozent zu melden (sofern dies möglich ist) und über diesen Weg Geld dazu zu verdienen und Kundenkontakte zu knüpfen.

Der beste Weg wurde schon genannt, Vitamin B, also soziale Aktivitäten in Vereinen oder Engagement in der Gemeinde.

Gruß
Christian

Hallo Achim!

Ich habe schon zweimal Flyer verteilt, allerdings mit mäßiger
Resonanz.

Hast Du Dir schon mal Gedanken über Deine Zielgruppe gemacht? Wer sind Deine Kunden? Du erzählst von einer Gemeinde mit 18.000 Einwohnern. Nicht alle davon kommen als Kunden in Frage, z. B. Kleinkinder im Säuglingsalter oder Demenzkranke oder Erstklässler scheiden vermutlich aus. Benenne und beschreibe Deinen Kundenkreis möglichst genau. Wenn Du dabei ein Problem hast, dann schließe wenigstens bestimmte Personengruppen aus, wie ich das mit dem Säuglingsbeispiel schon machte. Durch Eingrenzung kommst Du auf eine möglichst genau beschreibbare Zielgruppe, z. B. vorzugsweise Schüler bestimmter Altersgruppen oder Azubis oder bestimmte Gewerbetreibende. Wenn Du Deine Zielgruppe kennst, kommst Du nicht mehr auf die Idee, Flyer, Aufkleber, Inserate o. ä. einfach unters Volk zu streuen, weil Du damit in der Hauptsache Streuverluste produzierst. Wenn Du Deine Zielgruppe kennst, sprichst Du Deine Zielgruppe direkt an, gehst also an die Schule/Berufsschule oder nur an Gewerbetreibende bestimmter Betriebsgrößen oder Branchen. Wenn es gelingt, die Zielgruppen eng genug und genau genug zu beschreiben, kannst Du auf streuende Werbung ganz verzichten und sprichst die Mitglieder Deiner Zielgruppe direkt und namentlich an.

Nehmen wir an, Du hast eine bestimmte Zielgruppe ausgemacht. Dann muß Deine Werbung der Zielgruppe auf den Leib geschneidert sein. Deine Zielgruppe muß Dich also verstehen und das kann sie nur, wenn Du die Sprache der Zielgruppe sprichst. Wie man sowas nicht macht, kannst Du bei zahllosen Computershops und Telefonanbietern bewundern, wenn die nämlich ihre Flyer mit denglischen Schlagworten, Abkürzungen und kryptischen Trivialbezeichnungen vollpflastern. Bediene Dich also einer klaren Sprache, die nicht für Insider gemacht ist und solche, die sich dafür halten, sondern die von Deiner Zielgruppe verstanden wird, statt sie zu verschrecken.

Die vielen Worte eingedampft:

  • Möglichst genaue Beschreibung der Zielgruppe
  • Ansprache der Zielgruppe mit Mitteln, die die Zielgruppe versteht.

Ich behaupte, daß im Bereich der privaten PC-Nutzung sowie im Kleingewerbe nur die Hälfte des Marktpotentials genutzt wird. Die andere Hälfte wird vom unverständlichen Denglisch-Kauderwelsch der Anbieter und Verkäufer abgeschreckt, aber nicht erreicht. Für kluge Verkäufer schlummert hier gewaltiges Potential.

Anekdote dazu: Ich hatte mein inzwischen an jeder Ecke bestätigtes Aha-Erlebnis vor etlichen Jahren, als 286er-PCs der letzte Schrei waren. Meine damalige Freundin, eine Theologie-Studentin, hatte mit Technik nun wirklich nichts am Hut. Für ihre Doktorarbeit bot ich ihr einen PC aus meinem Büro an, aber sie hatte Berührungsängste vor solchem Kram. Umso erstaunter war ich, als sie eines Tages ganz stolz einen PC anschleppte, den sie bei einem kleinen Höker im Uni-Viertel für einen irrsinnig stolzen Preis erstanden hatte und eröffnete mir, daß es ein einfach zu bedienender PC sei, viel einfacher, als die Dinger aus meinem Betrieb.

Ohne das geringste Problem steckte sie in Windeseile PC, Tastatur, Monitor, Mouse und Drucker zusammen und stand da nun mit dem Netzstecker in der Hand: „Haste mal 'ne Verlängerungsstrippe“. Dann sah ich, was der pfiffige PC-Händler zustande gebracht hatte: An den Steckverbindungen des PC gab es keine Piktogramme, keine Abkürzungen, keine englischen Bezeichnungen. In Klartext waren Steckverbindungen beschriftet mit z. B. „Druckerkabel, Stecker A“ und am Druckerkabel fand sich ein Fähnchen mit exakt der gleichen Beschriftung. Damit nicht genug. Windows gabs damals noch nicht; Dos war angesagt. Der pfiffige Händler hatte eine absolut narrensichere Beschreibung in deutscher Sprache verfaßt, ein kleines Eröffnungsprogramm geschrieben, so daß man nach dem Hochlaufen auf dem Bildschirm nur das Wort „Textverarbeitung“ anklicken mußte und sofort loslegen konnte. Für meine Freundin waren Latein, Altgriechisch und Hebräisch kein Problem, aber Englisch durchsetzt mit Abkürzungen, Fachausdrücken und Trivialwortschöpfungen bildeten eine unüberwindliche und jede Motivation tötende Barriere. Der Händler hatte das Problem erkannt und für seine Zielgruppe PCs so hergerichtet und konfiguriert, daß Schwellenängste überwunden und sofortiges Arbeiten möglich wurden.

Damals gab es zwar noch kein Internet, aber der Handel und Anbieter in einschlägigen Fachzeitschriften unterboten sich laufend in ihren Offerten. Der Preisverfall nahm schon damals seinen Anfang, aber nicht für den schon mehrmals erwähnten pfiffigen Händler. Der war mit weitem Anstand teuerer als alle anderen Anbieter und hatte trotzdem keine Absatzprobleme. Dabei hatte er nichts weiter gemacht, als die Sprache seiner Zielgruppe zu sprechen.

Ob der Handel inzwischen dazugelernt hat, kannst Du in jedem technischen Kaufhaus überprüfen. Du findest auf den Verpackungen von PCs und auf den Preisschildern ellenlange Auflistungen mit abenteuerlichen Bezeichnungen aller möglicher eingebauter Karten, aber Du suchst entweder lange oder sogar vergeblich nach einer klaren, unmißverständlichen Aussage in deutscher Sprache, z. B. ob man den PC einfach mit einer zum Lieferumfang gehörenden Strippe mit der nächsten Telefonsteckdose verbinden kann. Die vorhandenen Texte werden nur von Insidern verstanden und das ist für Leute, die neue Kundengruppen erschließen wollen, verkäuferischer Dilettantismus.

Kannst Du daraus eine Handlungsanleitung für Deine Vorgehensweise erkennen?

Gruß
Wolfgang

Beispiel und völlig o.t.
Hi,

vor 5 Jahren hatte ich als in praktischen Dingen ziemlich erfahrener Dipl.-Phys ein 56k-Modem an meinem PC installiert.
Nach 2 erfolglosen Abenden habe ich bemerkt, dass dieses Teil

  1. ein externes Netzteil benötigt,
  2. mit Win2000 nicht geht.
    BEIDES war nirgends erwähnt und auch nicht enthalten!
    Stattdessen ellenlange Featurebeschreibungen, die ich nie verstanden habe, dabei wollte ich „nur“ Internet.

Daraufhin habe ich das Ding zurückgegeben und ein Teureres gekauft.
Und wieder habe ich länger als einen Abend gebraucht, nur weil mir lange nicht klar geworden ist, dass man einen bestimmten Treiber von irgendwo herholen soll.

Gruss,

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Ich behaupte, daß im Bereich der privaten PC-Nutzung sowie im
Kleingewerbe nur die Hälfte des Marktpotentials genutzt wird.
Die andere Hälfte wird vom unverständlichen
Denglisch-Kauderwelsch der Anbieter und Verkäufer
abgeschreckt, aber nicht erreicht. Für kluge Verkäufer
schlummert hier gewaltiges Potential.

Hallo Wolfgang,

eine sehr schöne Anekdote, allerdings 286er ??? Das ist in Autojahren gerechnet fast Vorkriegsware, allerdings vorm ersten grossen …

Deine Kritik am Marktauftreten und Konsumentenunfreundlichkeit ist auch gerechtfertigt, allerdings bezweifel ich, dass das von Dir prognostizierte Marktpotential tatsächlich noch vorhanden ist.

Die möglichen Gewinnspannen bei der Konsumentenerwartung (gerade der noch nicht erschlossenen Kundengruppe), eigentlich einen kostenlosen Service der Beratung zu bekommen, ist einfach zu gering, um diese zeitaufwendige Kundschaft tatsächlich auch richtig zu betreuen.

Ich glaube, da kriegst Du eher über 70jährige noch dazu, den Führerschein zu machen, als das Du Leute, die von „neumodischem Schnickschnacks keine Ahnung haben“ auch öffentlich eingestehen, noch an den PC bekommst …

Hallo!

Die möglichen Gewinnspannen bei der Konsumentenerwartung
(gerade der noch nicht erschlossenen Kundengruppe), eigentlich
einen kostenlosen Service der Beratung zu bekommen, ist
einfach zu gering, um diese zeitaufwendige Kundschaft
tatsächlich auch richtig zu betreuen.

Wenn man ein Produkt anbietet und der Konsument versteht vom Angebot kein einziges Wort, wirklich nichts, nur Bahnhof, hat die Kaufentscheidung mit dem Preis nichts zu tun. Du könntest das Zeug auch verschenken, für den Kunden, der wirklich nichts von dem kryptischen Kauderwelsch versteht, ist das alles nur unnützer Sperrmüll.

Wenn eine Produktbeschreibung im Stil
Psiom Dacom PLC
TVGA 9000 Card… aussieht, auf einer mitgelieferten CD steht „Adobe Photoshop“, in der Anleitung in 18 Sprachen findet sich „a:\setup.exe“, es ist von IEEEuvw, IECxyz, von Parallel- und Seriell-Port die Rede, dann fällt die Klappe, ist das Geschäft mausetot.

Ich glaube, da kriegst Du eher über 70jährige noch dazu, den
Führerschein zu machen…

Das ist doch gerade das Elend! Aber sieh Dir die Unterschiede in der Vermarktung an. In der Automobilbranche käme niemand auf die Idee, den Kaufinteressenten erstmal mit der Zündfolge, der Typenbezeichnung der unteren Ölabstreifringe und dem Übersetzungsverhältnis des Lenkgetriebes zuzumüllen. Der tüchtige Verkäufer beißt sich lieber die Zunge ab, als seinen Kunden mit unverständlichem Zeug zuzudröhnen. Der Autoverkäufer wird statt dessen die niedrige Ladekante und den bequemen Einstieg erwähnen, weil diese Dinge den Kunden interessieren; damit kann er etwas anfangen, um den Gegenstand benutzen zu können. Wenn man das Auto aber erstmal so verkompliziert mit lauter Abkürzungen und dann auch noch in einer Fremdsprache zu erläutern versucht, daß der Kunde lieber zu Fuß geht, als sich mit so viel Ballast abzugeben, kann man nichts verkaufen. Jede Insiderbezeichnung, jede Abkürzung, jede Trivialbezeichnung verunsichert den unkundigen Interessenten und ein verunsicherter Mensch kauft nichts, wird gar nicht erst zum Kunden. Man muß deutsch in verständlichen, ganzen Sätzen sprechen und schreiben.

Ich bin selbst Gerätehersteller. Meine Kunden sind i. d. R. Ingenieure, die aber von meinen Geräten definitiv keine Ahnung haben und auch keine Ahnung haben können. Deshalb liegt jedem Gerät eine ausführliche „Bibel“ bei, aber für den ersten Einstieg ein einziges doppelseitig bedrucktes, bebildertes und in Folie eingeschweißtes Blatt. Ich feilte wirklich sehr lange an dem Text, der die Inbetriebnahme der Meßanlage und erste Messungen „zum Warmwerden“ ermöglicht. Ein blutiger Laie, der solches Gerät noch nie im Leben gesehen hat, muß die Aussagen und Bilder auf Anhieb verstehen, andernfalls taugt die Anleitung nichts und richtet nur Schaden an. Es beginnt mit einer knackig kurzen Aussage, wozu das Instrument überhaupt dient. Schon daran mangelt es bei vielen Anbietern von z. B. Software. Da steht irgendein Herstellername und natürlich hat die Software einen Namen, aber nirgends findet sich ein Satz, dem zu entnehmen ist, was man mit der Software machen kann. Jeder Insider weiß, was gemeint ist, wenn im Zusammenhang mit Software
vom Office-Paket oder von Word die Rede ist. Aber bitteschön, woher soll ein Laie wissen, um was es sich handelt? Die klare Aussage, daß man mit Word Texte verfassen und z. B. Briefe schreiben kann, erleichtert das Verständnis. Aber solche einfachen und verständlichen Aussagen fehlen nur zu oft. Was glaubst Du wohl, weshalb die nicht einmal besonders gute Buchhaltungssoftware von Lexware so erfolgreich ist? Die Software heißt „Buchhalter“, genau das steht in deutscher Sprache drauf und es steht nicht „accountancy-manger“ oder „XnetBHT0815 with SupernovaUpdate“ oder ähnlicher aus den Fingern gesogener Unfug drauf.

Kurz: Wenn man einem Laien einen PC verkaufen will, fragt man ihn nicht, welchen Prozessortyp, welche Graphikkarte, wieviel MHz und RAM er haben will, weil der Kunde solches Gerede von pickeligen Jungspunden schon seit 10 Jahren hört und es hat ihn immer abgeschreckt, weil er wie dumm dasteht und nichts darauf zu sagen weiß. Man erzählt nichts von Schnittstellen, Bits und Bytes, sondern fragt, was der Kunde mit dem Gerät machen möchte. Dann bekommt man zu hören, daß er ins Internet, Briefe schreiben und seine Buchhaltung erledigen will. Dann wird der PC komplett konfiguriert und alles installiert und selbstverständlich liefert man das Teil nicht mit 100 MHz-Netzwerkanschluß, sondern mit dem passenden Eingang und der passenden Strippe für die Telefondose. Dann fragt man nicht, ob der Kunde lieber XCR-05 oder XCR-10 haben will, sondern man fragt, ob ein 5 m langes Kabel zur Telefondose reicht oder ob es lieber 10 m sein sollen. Sodann erklärt man dem Kunden nicht die Feinheiten, wie man die in Excel gespeicherten Daten in die Word-Mischfunktion einbindet. Statt dessen zeigt man, wo der Ein-Schalter ist, wo man anklicken muß, um einen Text schreiben zu können und läßt den Kunden diesen Vorgang einmal selbst durchführen. Die erste Schwelle aus Berührungsängsten muß weg und genau diese „Kunst“ versteht die Branche nicht und bekommt es nicht auf die Reihe, in ganzen deutschen Sätzen ohne Fachchinesisch zu reden und zu schreiben.

Der tüchtige Verkäufer installiert dem Kunden mit dem Buchhaltungswunsch gleich noch Lexware, ist in der Lage, einen einfachen Buchungssatz zu demonstrieren und hat dem Kunden auch gleich im Word-Vorlagenordner einen simplen Briefbogen zusammengeklickt. Dieser Kunde wird die „aufgebohrte“ superschnelle Maschine weder brauchen noch haben wollen. Er wird für einen einfachen PC einen sehr üppigen Preis bezahlen, bei dem auch noch ein Besuch beim Kunden wegen Fehlbedienung locker übrig ist. Dieser gut bediente Kunde, der seine Buchhaltung erledigt, wird auch offen sein für das Angebot einer unterbrechungsfreien Stromversorgung und eines vom PC unabhängigen Datensicherungssystems. Insgesamt erzielt der kleine PC-Händler auf diese Weise mit jedem einzelnen individuell bedienten Kunden deutlich höheren Gewinn als der Kollege, der im Preiswettbewerb ganze Paletten voller PCs an Dutzende Pfennigfuchser verkauft.

Ich hab aber wenig Hoffnung, daß Leute aus der Branche begreifen, was ich zum Ausdruck bringen will.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

Du hast das ganze sehr treffend analysiert und bist mit Deiner Firma sicherlich auch vorbildlich in Sachen nutzerfreundlichem Umgang engagiert.

Ich glaube aber trotzdem weiterhin, dass der Markt nicht da ist. Im Rahmen meiner weiteren beruflichen Überlegungen habe ich auch damit gespielt, genau der von Dir potentiell umschriebenen Zielgruppe Dienstleistungen zu verkaufen. Ich bin allerdings zu dem Schluss gekommen, dass ich zu teuer sein müsste, um wirklich das zu leisten, was Du so wünscht.

M.E. kannst du die Privatkunden gerade in kleinen Gemeinden vergessen.

  1. Keiner will dir einen sinnvollen Preis zahlen (also 40€ aufwärts pro Stunde).
  2. Der Nachbar hat nen Sohn und dessen Freund ist Computerfreak, der richtet das Problem.
  3. „Der Media-Markt ist bestimmt billiger“

Versuche:

Auch außerhalb deiner Gemeinde zu arbeiten und spreche GEZIELT kleinere Gewerbetreibende an, die auf ihre IT angewiesen sind (oder durch dich davon abhängig werden :wink:).
Versuche die Kunden von immer mehr IT zu überzeugen und erzeuge damit einen größeren administrativen Aufwand.

Oho… hoffentlich hab ich nicht zu viel aus dem Nähkästchen geplaudert…

Hallo,
ich nehme als Firma aber niemanden der das so nebenher macht.
Wenn ein Stamm IT ler zugelegt wird dann einer den ich Täglich haben kann und ich Weiss das es nachhaltig keine Probleme gibt.
Ansonsten könen wir selber rumbasteln oder der Onkel, eien Bekannten, des Sohnes der Sekretärin.

IT Arbeiten müssen Schnell, zuverlässig und möglichst nicht bemerkbar von statten gehen. Hilft wenig wenn 2 Tage kein PC geht.

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IT Arbeiten müssen Schnell, zuverlässig und möglichst nicht
bemerkbar von statten gehen. Hilft wenig wenn 2 Tage kein PC
geht.

Das musst du mir nicht sagen, ich habe das ganze Wochenende ein Projekt vor Ort gehabt - da ist es wie mit den Heinzelmännchen :wink:

Da der Achim aber jetzt dies hauptberuflich machen will (habe ich zumindest so verstanden)sehe ich darin überhaupt kein Problem.

Noch ein paar Tipps in Kurzform von mir (Psychologe und Marketing erfahren):

  • Vernachlässige bei der Suche nach Neukunden nie deinen Kundenstamm! Sprich mit ihnen, um ihre Bedürfnisse herauszufinden.

  • Schreibe in deiner Werbung nicht in erster Linie über dein Anbebot, sondern über das, was es für den KUNDEN bedeutet. Schreibe ihm was er von Dir hat.

  • Das mit dem kostenlosen VHS Kurs ist gar keine schlechte Idee. Biete etwas kostenloses, vielleicht auch einen hilfreichen Newsletter, das erstens nützlich für deine Kunden ist und 2.) dich immer wieder ins Gedächtnis ruft.

  • Sei freundlicher zu deinen Kunden als die Konkurrenz, gib ihnen ein gutes Gefühl bei Dir am besten aufgehoben zu sein…höre ihnen gut zu!!!

  • Sei kulant bei Reklamationen, aber gib niemals „Freundschafts-Rabatte“

  • Die Werbung wirkt nur geringfügig durch die Aufmachung, ca. 80% durch den INHALT! Sei direkt und sage dem Kunden möglichst direkt, was er zu tun hat, (z.B. auf deine Website gehen und sich zu deinem Infoabend zum Thema Home-Netzwerke anmelden) und das am besten in einer Sprache, die ein 11jähriger problemlos versteht.

  • Frage deine Neukunden, woher sie von dir wissen.