Herr Mustermann ist Kleinunternehmer ohne Handelsregistereintrag. Darf er in seiner Werbung in der ersten Person Plural (wir) werben?
Beispiel: „Wir bieten Ihnen Webdesign zu Tiefstpreisen!“
Herr Mustermann ist faktisch ja nur eine Person.
Herr Mustermann ist Kleinunternehmer ohne Handelsregistereintrag. Darf er in seiner Werbung in der ersten Person Plural (wir) werben?
Beispiel: „Wir bieten Ihnen Webdesign zu Tiefstpreisen!“
Herr Mustermann ist faktisch ja nur eine Person.
Hallo!
„Wir bieten Ihnen Webdesign :zu Tiefstpreisen!“
Angreifbar ist das nicht. Obwohl weit verbreitet, ist solches Tun in mehrfacher Hinsicht ungeschickt. Zunächst inhaltlich: Die Werbung mit Tiefstpreisen erweckt sicher nicht nur bei mir den Eindruck von Grabbelkistenniveau mit fragwürdiger Qualität. Kunden gewinnen und überleben kann ein Gründer aber nur mit feinster Qualität. Das muß auch in der Werbung zum Ausdruck kommen.
Ein kleines Unternehmen hat andere Betätigungsfelder und Stärken als ein großes Unternehmen. Wenn jemand z.B. einige tausend 08/15 Steuerungen braucht, wendet er sich nicht an ein kleines Ingenieurbüro, sondern an Siemens. Wenn jemand aber das hochwertige Super-Sonder-Spezialteil braucht, wendet er sich nicht an Siemens. Die können und wollen das gar nicht. Dafür gibts das kleine, feine Ingenieurbüro, das natürlich nichts für die Billigpreise von Großserienteilen liefern kann und will. Auch solche Unterschiede müssen in der Werbung zum Ausdruck kommen. Schiere Größe oder Vorgaukeln derselben ist kein Vorzug.
Wer über ein bißchen Lebenserfahrung verfügt und schon längere Zeit selbständig ist, bemerkt sofort die Minderwertigkeitskomplexe und das fehlende Verständnis für die Position am Markt, wenn jemand „wir“ sagt, aber „ich“ meint. Das wirkt albern und unprofessionell.
Wenn jemand einen Alleinunterhalter, einen Spezialisten, einen Könner braucht, fällt alles mit „wir“ unter den Tisch. Deshalb muß ein Gründer seine Stärke, die in der individuellen Betreuung und der hochwertigen Leistung besteht, hervorheben, statt sie hinter einem „wir“ zu verschleiern. Wenn der Chef selbst kocht, der Meister kümmert sich persönlich, dann wäre solcher Könner schön dumm, in seiner Werbung den Eindruck zu erwecken, daß der Kunde heute von dieser Aushilfskraft und morgen von jenem Azubi bedient wird.
Ich sehe das „wir“ an vielen Stellen, von denen ich genau weiß oder es meilenweit rieche, daß sich dahinter eine einzige Person verbirgt. Solches Verbergen ist eine überflüssige, anstrengende Fassade und ein sicherer Indikator, daß sich der Gründer noch keine Gedanken über seine Zielgruppe und damit auch letztlich noch keine Gedanken über seine eigene Tätigkeit gemacht hat.
Wer wirbt, sollte nur seine Zielgruppe ansprechen, alle anderen Leute sind uninteressant. Der allein tätige Inhaber kann überhaupt kein Interesse am Billig-Massenmarkt haben und sollte deshalb einen weiten Bogen um die Sprüche von Tiefstpreisen machen. So wirbt man für Kreti- und Pleti-Läden, die einen Haufen Leute mit geringen Ansprüchen in einen Laden mit beliebig austauschbarer Ware anlocken wollen. Ein Existenzgründer kann solche Leute aber nicht gebrauchen. Ein Existenzgründer braucht Kunden, die für eine hochwertige Leistung einen angemessenen Preis bezahlen. Dabei ist niemals von Tiefstpreisen die Rede. Statt dessen muß Qualität das Argument sein. Preise haben sich am Nutzen für den Kunden zu orientieren und treten ansonsten in den Hintergrund.
Mache Dir Gedanken über Deine Zielgruppe. Grenze sie soweit irgend möglich ein, damit es möglich wird, genau die Zielgruppe für die Dienstleistung anzusprechen. Die angebotene Dienstleistung hat vom Feinsten zu sein, so daß der Kunde einen Nutzen davon hat und jede einzelne Arbeit eine Referenz ist. Der Preis spielt dann nur noch eine Nebenrolle. Billig, aber mit der Qualität ist es nicht so doll, ist keine Empfehlung und bietet keine Existenzgrundlage. Feinste Arbeit billig verramscht ist übrigens auch nicht absetzbar. Gute Qualität muß im Vordergrund stehen und muß einen angemessenen Preis haben, dann ist die Dienstleistung zu verkaufen. Für gar nichts taugliche Worte wie billig und Tiefstpreise streiche aus Deinem Wortschatz und Spielkram mit „wir“ ist durchsichtig und albern.
Gruß
Wolfgang