Werde ich noch depressiv oder gar psychotisch?

Hallo ihr Lieben,

mein Verstand verabschiedet sich so langsam von mir und ich hab Angst. Ich habe viele Probleme und seit einigen Wochen eine 3,5jährige Beziehung hinter mir.

Alles scheint mich mehr zu belasten als ich eigentlich dachte. Seit Wochen finde ich keinen richtigen Schlaf mehr, wenn ich einschlafe dann hab ich sofort Alpträume. Also so 3 - 5 Alpträume pro Nacht kann man schon sagen. Ich bin tagsüber total erledigt und gerädert. Mal hab ich nen kurzen Aufschwung (besonders wenn die Sonne scheint) aber mit jedem Tag steigern sich die Abstürze.

Gestern lag ich auf der Couch und konnte nicht mehr aufhören zu heulen. Ich weiß nichtmal genau wieso ich geweint hab, eigentlich hab ich keinen Grund. Auch mach ich mir um alles was ich sage immer so viele Gedanken, ich kann nicht aufhören zu denken. Ich werd noch verrückt. Ich fühle mich irgendwie taub an, weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Ich bin kraftlos und antriebslos. Schaff es nicht aufzustehen. Fühle mich als sei das Leben ein Zug und ich schaff es nicht aufzuspringen.

Dazu kommt dass ich mit mir selber total unzufrieden bin. Ich hab es zwar geschafft 20 kg abzunehmen und mit 21 im unteren Normalbereich des BMI zu liegen, kann mich dennoch nicht selber akzeptieren. Ich bin 22 Jahre alt und seit 7 Jahren hab ich eine Essstörung. Ich hatte Bulimie, diese kam aber die letzten 8 Monate nicht mehr raus, als ich anfing Weight Watchers zu machen und ich die Kontrolle über alles hatte ging es mir in der Hinsicht gut aber jetzt wo ich emotional so fertig bin merk ich, dass die Krankheit wieder rauskommen will. Zweimal bin ich schon schwach geworden letzte Woche, ich will unter gar keinen Umständen wieder in die Krankheit rutschen :frowning:

Ich habe heute einen Termin beim Neurologen, ich habe Angst davor. Ich hab Angst dass er mir Medikamente gibt wie Antidepressiva, man nimmt von denen zu, das würde ich nicht ertragen. Damit käme ich überhaupt gar nicht zurecht.

Ich denke Psychotherapie wäre bei mir ne gute Maßnahme aber die Wartezeiten sind zwischen 3 - 6 Monaten. ein psychiatrischer Aufenthalt käme leider überhaupt nicht in Frage, das geht nicht von meiner Arbeit her. Aber 3 Monate mit diesen Schlafstörungen halte ich nicht mehr aus.

Ich bin einfach total fertig. Weiß jemand Rat? :frowning:

Liebe Grüße

Hallo homicida,
könntest du uns bitte genau schildern, wann diese Schlafstörungen etc. das Erste mal aufgetreten sind?
Du kannst mir eine email schreiben wenn du willst, ich bin zwar kein Psychotherapeut, aber ich will dir helfen: [email protected]

Viele Grüße,
Scarface

Danke für deine Antwort. Ich habe dir eine e-Mail geschrieben.
Habe die Alpträume seit der Trennung von meinem Ex-Freund

Liebe Grüße

Hallo Homicida (nee, was für ein Nick!),

mal als ganz schwacher Trost vorab: Aus dem, was Du schreibst, deutet nichts auf eine „krankhafte“ Reaktion auf die Belastungen hin, denen Du zur Zeit ausgesetzt bist. Ich denke, ganz viele Leute kennen - insbesondere im Zusammenhang mit Trennungsgeschichten - ganz ähnliche Reaktionen. Wenn dann noch weitere Stressfaktoren dazu kommen, dann geht es einem wirklich absolut dreckig (Old Man Arbeyterson macht in den letzten Monaten ähnliches durch, inklusive solcher Phasen, in denen er denkt „Ich dreh durch, ich muss mich stationär aufnehmen lassen“).

Aaaalso, wenn der Neurologe nicht nur Neurologe ist, sondern auch Facharzt für Psychiatrie, dann hast Du doch schon mal einen wichtigen Schritt unternommen. Du hast gemerkt, dass Du fachliche Hilfe benötigst und hast Dir einen Termin besorgt. Gut.

Ob der Teil Deiner Symptome, der so verdammt nach einer reaktiven Depression klingt, am besten medikamentös behandelt werden sollte, muss der Arzt entscheiden. Ich verstehe ja, dass Du nicht wieder zunehmen willst, aber Du musst jetzt Prioritäten setzen. Deine Superfigur nützt Dir gar nichts, wenn es Dir die ganze Zeit einfach nur Scheiße geht (um das mal mit den Worten des psychologischen Fachmanns auszudrücken). Also: Geh das Risiko ein, Deinen BMI um einen oder zwei Punkte zu „verschlechtern“, oberstes Ziel muss eine Stabilisierung sein. Und da sind Antidepressiva als Sofortmaßnahme eine sinnvolle Option. Der Facharzt sollte natürlich - sofern er die noch nicht kennt - von Dir detailliert über die Vorgeschichte (Bulimie, etc.) informiert werden.

Nein, Du wirst nicht verrückt. Du bist jung und stark. Hast Du gute Freunde, eine Familie, die Dich auffängt? Mittelfristig kann eine Psychotherapie angeraten sein, bespreche auch das mit dem Facharzt. Wenn Du sofort eine psychologische Fachfrau oder einen psychologischen Fachmann suchst, kann der Sozial-psychiatrische Dienst (in Deiner Stadt / Deinem Kreis) kurzfristig Termine anbieten.

Kopf hoch, halt die Ohren steif (bekomme ich auch immer gesagt, ich gebe das jetzt einfach nur mal weiter…)

Gruß
Arbeyterson

Liebe Homicida!

mein Verstand verabschiedet sich so langsam von mir und ich
hab Angst. Ich habe viele Probleme und seit einigen Wochen
eine 3,5jährige Beziehung hinter mir.

Der Verstand verabschiedet sich vorübergehend, weil deine Gefühle einer gründlichen Bearbeitung bedürfen. Der Mensch besteht eben aus beidem, und nach dem Ende einer Beziehung muss im Gefühlsleben etwas neu geordnet werden.

Alles scheint mich mehr zu belasten als ich eigentlich dachte.

Tja, manchmal ist Denken eben Glückssache. Vielleicht hattest du viele Gefühle verdrängt?

Seit Wochen finde ich keinen richtigen Schlaf mehr, wenn ich
Gestern lag ich auf der Couch und konnte nicht mehr aufhören
zu heulen. Ich weiß nichtmal genau wieso ich geweint hab,
eigentlich hab ich keinen Grund.

Klar, mit der Betonung auf ‚eigentlich‘.
Ich denke, du verdrängst ganz schön was, und es bricht sich so einfach Bahn. Geh noch mal dem ‚eigentlich‘ nach. Ist mit der Beziehung vielleicht noch mehr zerbrochen? Vertrauen, Zukunftsträume,…?

Auch mach ich mir um alles
was ich sage immer so viele Gedanken, ich kann nicht aufhören
zu denken. Ich werd noch verrückt. Ich fühle mich irgendwie
taub an, weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Ich bin
kraftlos und antriebslos. Schaff es nicht aufzustehen.

Müdigkeit ist Widerstand. Du hast viel zu verarbeiten, dort steckt deine Energie.
Das hört sich schon sehr nach ner Depression an.

will unter gar keinen Umständen wieder in die Krankheit
rutschen :frowning:

Das geht aber nur, wenn du dich emotional in einem ausgeglichenen Zustand befindest.

Ich habe heute einen Termin beim Neurologen, ich habe Angst
davor. Ich hab Angst dass er mir Medikamente gibt wie
Antidepressiva, man nimmt von denen zu, das würde ich nicht
ertragen. Damit käme ich überhaupt gar nicht zurecht.

Viele Menschen nehmen zu, wenn sie Stress haben. Wer im Gleichgewicht ist, kann sich besser auf seine Ernährung konzentrieren.

Bei mir haben die Antidepressiva dazu geführt, dass ich weniger gegessen habe. Sie sollen dir aus dieser absoluten Tiefphase heraushelfen, damit du deinen Alltag gebacken kriegst und auch für Therapie zugänglich wirst.

Ich denke Psychotherapie wäre bei mir ne gute Maßnahme aber
die Wartezeiten sind zwischen 3 - 6 Monaten. ein
psychiatrischer Aufenthalt käme leider überhaupt nicht in
Frage, das geht nicht von meiner Arbeit her.

Weil du so unersetzlich bist? Und weil dein Wohlergehen nicht so wichtig ist? Sorry, aber das ist Quatsch!

Aber 3 Monate mit
diesen Schlafstörungen halte ich nicht mehr aus.
Ich bin einfach total fertig. Weiß jemand Rat? :frowning:

Ich denke, dass du jetzt Zeit brauchst und dich mit dir und deinen Gefühlen, deiner neuen Lebenssituation beschäftigen solltest. Möglicherweise verdrängst du etwas, was dann in den Träumen zurückkommt. Vielleicht ist es beängstigend für dich, aber da musst du durch, sonst kommst du nicht weiter.

Ein möglicher Plan:
-Lass dich mal für ein - zwei Wochen krankschreiben.
-Kümmere dich in dieser Zeit intensiv um dein Wohlergehen: Schlafe aus, iss vernünftig, treibe Sport oder geh Spazieren, in die Sauna. Tue Dinge, die dir gut tun, bei denen du dich spürst.
-Such dir jemanden zum Reden. In solchen Gesprächen ordnen sich Dinge manchmal. Sprich auch über deine Alpträume.

  • Schreibe! Führ Tagebuch. Manchmal werden Dinge klarer, wenn man mit zeitlichem Abstand nochmal drüberliest.

Alles Gute

wünscht dir

Erdfrauchen