Werden Ärzte psychologisch betreut?

Hallo,

ich habe mal eine Frage. Offensichtlich. :smiley:

Müssen Ärzte eigentlich berufsbedingt zu einem Psychologen bzw. eine (Gesprächs-)Therapie machen?

Gibt es in Krankenhäusern sowas wie einen psychologischen Dienst oder sowas, den Ärzte nutzen können oder müssen um bestimmte Erlebnisse zu verarbeiten? Oder über ihren Stress zu reden, ihn abzubauen? Wenn der Arzt zum Beispiel einen Patienten verliert bei einer OP wird er dann psychologisch betreut oder entscheidet der das selbst?

Oder generell für Krankenhauspersonal? Haben die eine Anlaufstelle innerhalb ihres Arbeitsplatzes oder müssten diese Menschen dann privat zu einem Therapeuten, wenn sie mit dem erlebten nich klar kommen?

Danke. :smile:

Die Ärzte haben eine große Hemmschwelle zum Psychiater oder
Psychologen zu gehen;
Ihnen ist die Pseudowissenschaft der Wortakrobatik, die jedweder
grundlegenden Logik entbehrt, sehr wohl bekannt:

http://www.gert-postel.de/zeitungsberichte/mopo.htm

http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/psychologie/

Der eine Deiner zitierten ‚Wortakrobaten‘, lieber Berniebär, war Briefträger. Es würde mich nicht wundern, wenn Du nicht, bei sich bietender Gelegenheit, etliche Medienzitate finden würdest, die die unkommunikative Wortkargheit von Weißkitteln geißeln.

Gute Besserung :wink:)

Kai Müller

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Hallo,

eine sehr interessante Frage!
Es gibt vereinzelt Ideen und Modellprojekte, die allerdings noch nicht flächendeckend eingesetzt sind und/oder deren Wirksamkeit bislang noch nicht hinreichend belegt ist.

So sollen zum Beispiel sogenannte Balint-Gruppen, das sind Gruppen, in denen sich mehrere hierarchieähnliche Ärzte unter der Supervision eines Psychotherapeuten zum Gespräch treffen, Konflikte in der Arzt-Patienten-Beziehung überwinden helfen, die Behandlung verbessern und somit psychischen Stressreaktionen ein wenig vorbeugen.

Darüberhinaus gibt es im Rettungsdienst und Katastrophenschutz die Möglichkeit der Notfallnachsorge, bei der auch die eingesetzten Helfer (damit auch Ärzte) psychisch betreut werden.

Insgesamt ist die Problematik der psychischen Belastung für Ärzte und medizinische Assistenzberufe meiner Meinung nach sehr unzureichend gelöst.
Besteht eine psychische Erkrankung (z.B. Depression, Burnout, posttraumatische Belastungsstörung u.ä.), so müssen sich die Betroffenen zumeist im privaten Bereich Hilfe besorgen, was bei den genannten Krankheitsbildern schwierig ist, da der Wille, eine Behandlung aufzunehmen bzw. den Sinn ebendieser zu erkennen, oftmals sehr niedrig ist, was sich auch in einer erhöhten Suizidrate dieser Berufsgruppe äußert.

Grüße
Liete

Guten Abend und Danke :smile:

das mit den herachieähnlichen Ärzten habe ich jetzt glaube ich nicht verstanden. Das heißt dann nur Oberärzte bzw. Chefs in bestimmten Abteilungen und Bereichen würden dann dort in einem Gespräch zusammenkommen? Nicht die Ärzte, die unter ihnen arbeiten? Oder die Pflegekräfte? Besonders die, die in Ausbildung sind? Weil denen kann ja genauso etwas wiederfahren. Also Burnout, Depressionen oder eben das ein Patient verstirbt.

Wie ist das eigentlich bei diesem Beispiel.

Ein Arzt operiert, der Patient stirbt. Also nicht, weil der Arzt es verschuldet sondern, weil er ihn einfach nicht retten konnte.

Darf der Arzt dann weiter arbeiten? Muss der sich dann in ein Gespräch begeben nach so einem Erlebnis? Oder hat er eine Art „Zwangspause“? Ich meine, ich kann mir das nur schwer vorstellen, man hat einen Patienten, den verliert man und macht dann einfach weiter? Ich meine es ist mir schon klar, in dem Beruf ist das nicht selten der Fall und die Ärzte können nicht jedesmal eine 1-Jährige Trauerzeit abhalten bei jedem Verlust, es gehört ja schon irgendwie dazu. Oder härtet man dann einfach ab?

Tut mir leid, wenn das alles sehr platt klingt, bitte nicht übel nehmen, ich habe keine Ahnung von sowas, daher ja logischerweise auch die Frage.

Ich will den Ärzten nicht unterstellen, dass alle labil sind und nichts vertragen, für den Beruf muss man ganz gewaltig was leisten und auch vertragen können, man muss davon ausgehen, dass einem Dinge widerfahren werden, die eine Bürokauffrau oder Kassiererin nunmal nicht erlebt, aber in der Theorie darüber zu reden einen Patienten zu verlieren, von Kollegen gemobbt zu werden oder von Patienten und es in der Praxis zu erleben sind ja verschiedene Dinge.

Nicht nur der Tod, auch die Schicksale. Wenn ich an Kinderkliniken denke. Eine Bekannte von meiner Familie ist Krankenschwester und wenn sie nur erzählt, dass es schwerkranke Kinder gibt, wie sie leiden und deren Eltern sie einfach nicht besuchen oder was auch immer. Das muss doch unheimlicher Druck, Trauer und Stress sein.

Und da frage ich mich eben wo die Menschen, die in so einer Einrichtung arbeiten eben ihren Stress lassen, ihn verarbeiten, ihre Ängste. Besonders der Druck. Die Anforderungen sind hoch, Patienten sind häufig die reinsten Kotzbrocken (ich sage das jetzt einfach mal so, weil ich viel im Krankenhaus war und meine Zimmergenossinnen hätte ich selbst gerne auf den Mond geschossen manchmal so unfreundlich und undankbar wie die waren).

Ich dachte es gäbe da eine Anlaufstelle in den Kliniken wo die Ärzte und anderes medizinisches Personal dann hingehen und darüber reden können was vorgefallen ist.

Aber wie so vieles ist das wohl leider auch an erster Stelle eine Geldfrage …

Hi,
nein werden sie nicht.
Genausowenig wie das Pflegepersonal. Im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr gibt es seit einigen Jahren die Krisenintervention KIT.

Die Unfähigkeit sich einzugestehen dass man Hilfe braucht und sich dann Unterstützung zu holen ist sicher ein Faktor für die relativ hohe Sucht und Suizidrate in diesen Berufen.

vielen Grüße
Susanne

Hallo,

wenn man Glück hat, gibt es einen Supervisor, in deren Gruppensitzungen einzelne Fälle besprochen werden oder je nach dem was einen beschäftigt. Leider kostet das ein Heidengeld und ist daher recht selten anzutreffen.

Und was den Arzt und seine verlorenen Patienten angeht: so traurig es auch klingt, aber der Tod gehört zum Krankenhausalltag dazu. Wenn du auf einer internistischen Station arbeitest, wo der Großteil der Patienten 70+ und multimorbide sind, kommt es sehr häufig vor, dass diese dort auch versterben (nach wie vor sterben die meisten Menschen in Krankenhäusern).

Ich kann nur für mich selber sprechen, aber man lernt damit zu leben, so wie ein Schlachter (sorry für das krasse Beispiel) damit lernt die Tiere als Produkte zu sehen oder wie der Bankangestellte, der einer bedürftigen Familie den Kredit wegen fehlender Bonität verweigern muss.

Weisst du, wenn du pro Monat durchschnittlich 3-4 Verstorbene zu versorgen hast, dann wirds letztlich irgendwann „normal“. Natürlich gibt es auch hin und wieder tragische Geschichten, wenn zB die Patienten noch sehr jung sind. Man darf die Arbeit auch nicht zu nahe an sich ranlassen und aussteigen, wenn man merkt, dass man das nicht kann. Dann sollte man sich einen anderen Beruf aussuchen.

GDA

Diese Antwort ist m.E. wieder mal ein Indiz dafür dass
die Behauptung des Postboten, dass ein Studium der
Medizin nicht bildungsfördernd ist, zutreffend ist:

„Ich bin nicht der Ansicht, dass das Medizinstudium ein bildungsförderndes Studium ist, was ja nicht ausschließt, dass manche Ärzte, obschon sie Ärzte sind, dennoch
über ein bisschen Bildung verfügen.“

http://www.gert-postel.de/zeitungsberichte/mopo.htm

das mit den herachieähnlichen Ärzten habe ich jetzt glaube ich
nicht verstanden. Das heißt dann nur Oberärzte bzw. Chefs in
bestimmten Abteilungen und Bereichen würden dann dort in einem
Gespräch zusammenkommen?

So in etwa, ja.

Nicht die Ärzte, die unter ihnen
arbeiten? Oder die Pflegekräfte?

Doch, die auch, aber wieder jeweils unter sich. Gut übrigens, dass du hier die Pflegekräfte ausdrücklich mit nennst. Denn das Thema, was du hier ansprichst, ist ein wirkliches Problem und betrifft alle Berufsgruppen, die mit solchen Extremsituationen zu tun haben. Ärzte, Sanitäter, Pflegekräfte, aber auch Feuerwehr und Polizei.

Weil denen kann ja genauso etwas
wiederfahren. Also Burnout, Depressionen oder eben das ein
Patient verstirbt.

Richtig. Das Kernproblem dürfte darin liegen, dass Helfer stark zu sein haben. Das erwartet man von ihnen, sie aber auch von selbst und auch untereinander. Ganz besonders schwierig bei Ärzten - überspitzt: Der Halbgott in weiß kann / darf keine Schwäche haben.

Insofern ist die Hürde, sich selbst einzugestehen, dass man jetzt selber der ist, der Hilfe braucht, höher, als in anderen Berufsgruppen. Da Hilfe nur aus dem System kommen kann, in dem man selber arbeitet, ist die Hürde da auch noch mal größer, eine solche in Anspruch zu nehmen, besonders dann, wenn die Befürchtung besteht, dass Kollegen oder gar Vorgesetzte davon etwas mitbekommen.

Diese Furcht ist oft auch nicht unbegründet. Es gibt tatsächlich viele Hierarchien in Krankenhäuser - und die prägend, weil der Arzt lange Zeit seiner Ausbildung hier verbringt - in denen das Thema nicht nur Tabu ist, sondern Vorgesetzte eine wirkliche Schwäche draus machen würden.

Hier eine Verbesserung zu erwirken, bedeutet Arbeit auf mehreren Ebenen. Das Thema gehört in die Ausbildung, es muss in Klinikleitungen bearbeitet werden und die Betroffenen selbst sind natürlich gefragt. Möglichst zusammentun, bevor man ernsthaft selbst betroffen ist, und ein entsprechendes Netz schaffen.

Wie ist das eigentlich bei diesem Beispiel.

Ein Arzt operiert, der Patient stirbt. Also nicht, weil der
Arzt es verschuldet sondern, weil er ihn einfach nicht retten
konnte.

Darf der Arzt dann weiter arbeiten?

Natürlich, warum nicht. - Grundsätzlich.

Muss der sich dann in ein
Gespräch begeben nach so einem Erlebnis? Oder hat er eine Art
„Zwangspause“?

Warum sollte er müssen und warum sollet er in eine Zwangspause?

Ich meine, ich kann mir das nur schwer
vorstellen, man hat einen Patienten, den verliert man und
macht dann einfach weiter?

Du unterstellst hier generell eine emotionale Bindung des Arztes an seinen Patienten, die so nicht vorhanden ist. Das heißt natürlich nicht, dass es in Einzelfällen sehr wohl sein kann, dass ein Arzt, generell OP-Personal / Pflegekräfte etc. sehr betroffen sein können. Wie stark jemand betroffen ist und wie er das bearbeitet, ist individuell. Manche setzen sich mit einem Glas Wein oder Bier vor die Stereoanlage. Das kann eine guten, ausreichende Lösung sein - birgt aber die Gefahr, in den Substanzmissbrauch zu kommen, was tatsächlich ein relativ weit verbreitetes Problem ist. Andere finden Ausgleich in ihrer Familie, Sport, etc. Das reicht oft, aber eben nicht immer. Deshalb ist ein gutes, systematisches Netz professioneller Angebote wichtig.

Ich will den Ärzten nicht unterstellen, dass alle labil sind
und nichts vertragen,

Davon ist keine Spur zu lesen. Wie gesagt: du sprichst ein existierendes und ernstes Problem an. Außerdem ist ein Arzt nicht schwach oder labil, nur weil er bei der Bewältigung mancher Situationen Hilfe braucht! Genau das Bild gilt es ja zu bekämpfen. Es ist (und muss als solche gelten)

Ich dachte es gäbe da eine Anlaufstelle in den Kliniken wo die
Ärzte und anderes medizinisches Personal dann hingehen und
darüber reden können was vorgefallen ist.

Wie Liete schon sagte: Das Problem ist an einigen Stellen erkannt und so ganz langsam tut sich was.

Aber wie so vieles ist das wohl leider auch an erster Stelle
eine Geldfrage …

Ja, wobei das noch beinahe das geringste Problem ist, würden die Verantwortlichen langfristig denken! Wenn Ärzte und Pflegekräfte bis an den Rand der physischen und psychischen Erschöpfung und darüber hinaus arbeiten, dann fallen sie für lange Zeit oder sogar ganz aus. Krankenstand und Fluktuation gerade bei Pflegekräften ist enorm, die Ärzte sind dabei, aufzuholen - ein unerfreuliches Wettrennen. Hier wird umgekehrt ein Schuh draus: Langfristig wird man es sich nicht leisten können, das Problem zu ignorieren. Aber genau diese Erkenntnis setzt sich ja jetzt so langsam durch. Könnte nur schneller gehen :wink:

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Danke für den tollen ausführlichen Beitrag.

Ja, da bin ich offensichtlich von zu einer starken Bindung zwischen Arzt und Patient ausgegangen.

Danke nochmal. :smile: