das mit den herachieähnlichen Ärzten habe ich jetzt glaube ich
nicht verstanden. Das heißt dann nur Oberärzte bzw. Chefs in
bestimmten Abteilungen und Bereichen würden dann dort in einem
Gespräch zusammenkommen?
So in etwa, ja.
Nicht die Ärzte, die unter ihnen
arbeiten? Oder die Pflegekräfte?
Doch, die auch, aber wieder jeweils unter sich. Gut übrigens, dass du hier die Pflegekräfte ausdrücklich mit nennst. Denn das Thema, was du hier ansprichst, ist ein wirkliches Problem und betrifft alle Berufsgruppen, die mit solchen Extremsituationen zu tun haben. Ärzte, Sanitäter, Pflegekräfte, aber auch Feuerwehr und Polizei.
Weil denen kann ja genauso etwas
wiederfahren. Also Burnout, Depressionen oder eben das ein
Patient verstirbt.
Richtig. Das Kernproblem dürfte darin liegen, dass Helfer stark zu sein haben. Das erwartet man von ihnen, sie aber auch von selbst und auch untereinander. Ganz besonders schwierig bei Ärzten - überspitzt: Der Halbgott in weiß kann / darf keine Schwäche haben.
Insofern ist die Hürde, sich selbst einzugestehen, dass man jetzt selber der ist, der Hilfe braucht, höher, als in anderen Berufsgruppen. Da Hilfe nur aus dem System kommen kann, in dem man selber arbeitet, ist die Hürde da auch noch mal größer, eine solche in Anspruch zu nehmen, besonders dann, wenn die Befürchtung besteht, dass Kollegen oder gar Vorgesetzte davon etwas mitbekommen.
Diese Furcht ist oft auch nicht unbegründet. Es gibt tatsächlich viele Hierarchien in Krankenhäuser - und die prägend, weil der Arzt lange Zeit seiner Ausbildung hier verbringt - in denen das Thema nicht nur Tabu ist, sondern Vorgesetzte eine wirkliche Schwäche draus machen würden.
Hier eine Verbesserung zu erwirken, bedeutet Arbeit auf mehreren Ebenen. Das Thema gehört in die Ausbildung, es muss in Klinikleitungen bearbeitet werden und die Betroffenen selbst sind natürlich gefragt. Möglichst zusammentun, bevor man ernsthaft selbst betroffen ist, und ein entsprechendes Netz schaffen.
Wie ist das eigentlich bei diesem Beispiel.
Ein Arzt operiert, der Patient stirbt. Also nicht, weil der
Arzt es verschuldet sondern, weil er ihn einfach nicht retten
konnte.
Darf der Arzt dann weiter arbeiten?
Natürlich, warum nicht. - Grundsätzlich.
Muss der sich dann in ein
Gespräch begeben nach so einem Erlebnis? Oder hat er eine Art
„Zwangspause“?
Warum sollte er müssen und warum sollet er in eine Zwangspause?
Ich meine, ich kann mir das nur schwer
vorstellen, man hat einen Patienten, den verliert man und
macht dann einfach weiter?
Du unterstellst hier generell eine emotionale Bindung des Arztes an seinen Patienten, die so nicht vorhanden ist. Das heißt natürlich nicht, dass es in Einzelfällen sehr wohl sein kann, dass ein Arzt, generell OP-Personal / Pflegekräfte etc. sehr betroffen sein können. Wie stark jemand betroffen ist und wie er das bearbeitet, ist individuell. Manche setzen sich mit einem Glas Wein oder Bier vor die Stereoanlage. Das kann eine guten, ausreichende Lösung sein - birgt aber die Gefahr, in den Substanzmissbrauch zu kommen, was tatsächlich ein relativ weit verbreitetes Problem ist. Andere finden Ausgleich in ihrer Familie, Sport, etc. Das reicht oft, aber eben nicht immer. Deshalb ist ein gutes, systematisches Netz professioneller Angebote wichtig.
Ich will den Ärzten nicht unterstellen, dass alle labil sind
und nichts vertragen,
Davon ist keine Spur zu lesen. Wie gesagt: du sprichst ein existierendes und ernstes Problem an. Außerdem ist ein Arzt nicht schwach oder labil, nur weil er bei der Bewältigung mancher Situationen Hilfe braucht! Genau das Bild gilt es ja zu bekämpfen. Es ist (und muss als solche gelten)
Ich dachte es gäbe da eine Anlaufstelle in den Kliniken wo die
Ärzte und anderes medizinisches Personal dann hingehen und
darüber reden können was vorgefallen ist.
Wie Liete schon sagte: Das Problem ist an einigen Stellen erkannt und so ganz langsam tut sich was.
Aber wie so vieles ist das wohl leider auch an erster Stelle
eine Geldfrage …
Ja, wobei das noch beinahe das geringste Problem ist, würden die Verantwortlichen langfristig denken! Wenn Ärzte und Pflegekräfte bis an den Rand der physischen und psychischen Erschöpfung und darüber hinaus arbeiten, dann fallen sie für lange Zeit oder sogar ganz aus. Krankenstand und Fluktuation gerade bei Pflegekräften ist enorm, die Ärzte sind dabei, aufzuholen - ein unerfreuliches Wettrennen. Hier wird umgekehrt ein Schuh draus: Langfristig wird man es sich nicht leisten können, das Problem zu ignorieren. Aber genau diese Erkenntnis setzt sich ja jetzt so langsam durch. Könnte nur schneller gehen 