nicht ganz
Die obigen Beispiel legen nahe, dass Sprachen ihre
Umstaendlichkeiten
und Komplexitaeten mit der Zeit abreiben und und somit immer
einfacher werden.
dieselbe frage hab ich hier schonmal vor jahren gestellt. auch
mir fiel das auf (habe erfahrungen mit latein, altgriechisch
und althebräisch). die erklärung von experten lautete damals -
und das leuchtete mir intuitiv ein - folgende: die einzigen
aus der antike erhaltenen schriftwerke gehören zur
hochsprache, zur dichtung, philosophie, wissenschaftlichen
literatur. sie wurden von menschen geschrieben, die der
höchstform der damaligen sprache mächtig waren. dazu kommt,
daß in de antike längst nicht alle menschen die
intellektuellen, und wenn doch, dann nicht die materiellen
möglichkeiten hatten, überhaupt schriftwerke zu verfassen: es
war immer die gebildete reiche oberschicht!
daher ist uns aus dieser zeit nur die höchstsprache erhalten
geblieben und nicht die alltagssprache, die man auf der straße
SPRACH, und die höchstwahrscheinlich genauso „vereinfacht“ und
„verunreinigt“ war wie heutige alltagssprache.
die abnutzung der sprache ist also ein illusion.
Hallo datafox
Dieses Argument war mir bisher unbekannt, obwohl es sehr einfach ist.
Mit ihm laesst sich gewiss ein Teil des Phaenomens erklaeren, aber
doch habe ich Zweifel, dass damit alles gesagt sein soll.
Der Bildungsunterschied zwischen Cicero und irgendeinem Plebejer von
der Strasse war gewaltig. Ganz klar, dass sich dieser Unterschied
auch in der Sprache bemerkbar machte. Aber war er so viel grosser als
der zwischen Guenther Grass (ein willkuerliches Beispiel fuer einen
Schriftsteller, der sich eines guten Deutsches bedient) und einem
erwachsenen Analphabeten in Deutschland? Ich denke nicht. Wenn also
sich Cicero zu Plebejer wie Grass zu Analphabet verhaelt, dann sollte
auch der Sprachunterschied in etwa gleichem Verhaeltnis stehen. Nun
wage ich zu behaupten, dass die Grammatik in der Schriftsprache
Grass’ und die in der gesprochenen Sprache des Analphabeten nur
relativ geringe Unterschiede aufweist. Der Analphabet wird nur die
gaengigen Fehler begehen, also mir und mich verwechseln,
Genitivpraepositionen mit Dativendungen verbinden und noch einige
Kleinigkeiten. Der Unterschied in der Grammatik duerfte also
vielleicht bei 10% liegen. (Das Vokabular halte ich von Anfang an aus
der Betrachtung heraus. )
Mithin schaetze ich die Uebereinstimmung zwischen den Grammatiken der
geschriebenen Sprache Ciceros und der gesprochenen Sprache des
Plebejers auch auf 80-90%. Deiner Aussage zufolge liege die
Uebereinstimmung in der Komplexitaet der modernen romanischen
Sprachen und dem damals vom Volk gesprochenen Latein auf etwa
gleicher Hoehe. Das wuerde bedeuten, dass z.B. Italienisch eine
Komplexitaet hat, die in etwa 80-90% der Komplexitaet des Lateins
Ciceros entspricht. Tatsaechlich wuerde ich jene aber auf vielleicht
40-50% beziffern. D.h. dein Argument kann nur 10-20% erklaeren. Die
restlichen 30-40% des Unterschiedes zwisches Italienisch und
Cicero-Latein kann es nicht erklaeren.
zur einfachheit des englischen: auch das ist eine illusion!
englisch erscheint dem mitteleuropäer (!) als die „einfachste
mögliche sprache“, da dieser in denselben kategorien zu denken
gelernt hat und er diese im englischen sehr einfach realisiert
sieht.
Die Formulierung „einfachste mögliche sprache“ wuerde ich in
Zusammenhang mit Englisch nicht benutzen. Ich sage nur, dass Englisch
von den grossen europaeischen Sprachen (mehr als 10 Mio Sprecher) die
einfachste sei, genaugenommen die modernste.
das gilt aber nicht mehr, wenn ein sprecher aus einer
anderen sprachtradition stammt. dann ist englisch plötzlich
genauso schwer oder leicht wie andere sprachen.
Nein. Nimm zwei gleichbegabte Chinesen und lasse den einen Deutsch
den anderen Englisch lernen. Alles gleich, nur die Sprachen
verschieden. Der, der Englisch lernt, wird es nach einem Jahr besser
koennen als der, der Deutsch lernt Deutsch.
nebenbei: ich kenne eine sprache, die viel viel leichter als
englisch ist, da es (teilweise) eine kunstsprache ist.
Sicher. Mir ist voellig klar, dass es einfacher geht. Ich selbst habe
eine Kunstsprache entwickelt, die einfacher ist:
http://www.fasala.com
gruß
Tychi