kann mir jemand sagen wie hoch im Mittelalter das Wergeld für
einen Freien ungefähr war?
Hallo Robin,
da das Zitat aus dem Sachsenspiegel ja vielleicht doch etwas kryptisch war (zumal ich Ludovicis Übersetzung von 1750 zitiert habe) hier noch mal im Klartext:
Nach dem im 13. Jahrhundert aufgezeichneten Sachsenspiegel betrug das Wergeld eines freien Mannes 18 Pfund Schilling. Ein Pfund hatte 20 Schillinge, der Schilling 12 wendische (Silber-)Pfennige. Der Goldpfennig hatte den Wert von 30 Silberpfennig (dreifaches Gewicht, Wertverhältnis Silber/Gold 1:10).
Das Wergeld eines abhängigen Pächters (der persönlich frei war) betrug 10 Pfund, desgleichen bei landfremden Freien (etwa reisenden Kaufleuten). Das Wergeld einer Frau betrug jeweils die Hälfte des Wergeldes ihres Mannes; bei unverheirateten galt der Stand der Eltern.
Das Wergeld war eine Entschädigungszahlung (ursprünglich zur Ab-wehr eines gerichtlichen Entscheids). Bei gerichtlichen Entscheiden kam das Bußgeld als Strafe hinzu: bei freien Leuten 30 bzw. 15 Schilling, Frauen wiederum jeweils die Hälfte.
Welchen Wert diese Beträge konkret darstellten, ergibt sich aus den in Buch 3, Artikel 51 genannten Wergeldern für Tiere. Ich erspare mir das Zitieren und stelle hier eine Liste auf:
Huhn ---- 1/2 Pfennig
Gans, Ente ---- 1 Pfennig
Brutgans oder -henne, Ferkel, Ziege ---- 3 Pfennig
Lamm, Kalb ---- 4 Pfennig
Fohlen ---- 1 Schilling
Hofhund ---- 3 Schilling
Schwein, Rind ---- 4 Schilling
Muttersau, Zuchteber ---- 5 Schilling
Esel, Maultier, Zugochse, Feldstute ---- 8 Schilling
sonstige Arbeitspferde ---- 12 Schilling
Reitpferd ---- 1 Pfund
Das Reitpferd war ein gewöhnliches Pferd, „da der Mann seinem Herrn auf dienen soll“. Bei edlen Pferden oder Pferden mit besonderer Ausbildung (z.B. Streitross oder Zelter) gab es kein festes Wergeld - übrigens auch bei Mastschweinen nicht. Da machte der Geschädigte unter Eid den tatsächlichen Schaden (der natürlich deutlich höher lag) geltend. Bei alten oder sonst minderwertigen Tieren konnten Abschläge angebracht werden.
ich brauche aber nur eine annähernde
Größenordnung, lag es bei fünf Kühen, 20 Pferden oder wo?
20 Pferde war ganz gut geschätzt - es waren tatsächlich 18 (Reitpferde, versteht sich). Bei den Kühen dagegen sind 5 deutlich zu wenig, es musste schon eine Herde von 90 Stück sein. Einen solchen Betrag schüttelte kaum jemand aus dem Ärmel, auch ein Adliger nicht.
Freundliche Grüße,
Ralf