Wert der ärztlichen Schweigepflicht

Hallo,

Je älter ich werde, umso mehr Situationen kommen vor, in denen ich selbst meine Ärzte (Hausarzt, Frauenarzt, etc.) benennen muss und sie von der Schweigepflicht entbinden, damit die Behörde/ private Krankenversicherung, bei der ich gerade zur Untersuchung bin, nachfragen kann, ob bei mir irgendwelche Risiken oder Vorerkrankungen vorliegen. (Beispiele: Einstellungsuntersuchung, Verbeamtung).

Eigentlich hatte die ärztliche Schweigepflicht doch wohl mal den Wert, dass die Leute bei ihrem arzt keine Angst haben sollten, auch die unangenehmen Dinge zu erzählen. Aber inzwischen stelle ich bei mir fest, dass ich bei allen Ärzten nur noch sage „Null Probleme, rauche nicht, trinke nicht, tut nichts weh“ (ob es jetzt stimmt oder nicht) und die fälligen Vorsorgeuntersuchungen immer vorsichtshalber auf einen Termin nach der nächsten amtsärztlichen Untersuchung schiebe.

Meine Frage jetzt: ist diese Sorge berechtigt? Was sagt ein Arzt, wenn ein Amt anfragt (z.B. zur obligatorischen Gesundheitsuntersuchung bei Beamten). Sagt er eventuell „Meines Wissens raucht Frau Walkuerax gelegentlich, hat einen Polypen an der Gebärmutter und Probleme mit den Knien?“

In welchen Situationen wird überhaupt nachgefragt?

Mit vielen Grüssen, Walkuerax

Hi!

Ich kann dich verstehen, denn dasselbe Problem hab ich zur Zeit auch *g* und ich bin echt froh, daß ich in den letzten Jahren kaum beim Arzt war und so viele Dinge nciht dokumentiert sind (z.b. Allergien die ich definitv habe, aber da kein Test vorliegt… *ggg*) - so brauche ich einiges nicht anzugeben in den Anträgen und krieg weniger Zuschläge :stuck_out_tongue:

Eigentlich hatte die ärztliche Schweigepflicht doch wohl mal
den Wert, dass die Leute bei ihrem arzt keine Angst haben
sollten, auch die unangenehmen Dinge zu erzählen.

Stimmt und das ist auch immernoch gültig! - außer eben bei diesen blöden Versicherungs-Anträgen, aber bei denen entbindest du ja auch den Arzt von der Schweigepflicht! Ansonsten dürfte der das nämlich nicht!

und die fälligen
Vorsorgeuntersuchungen immer vorsichtshalber auf einen Termin
nach der nächsten amtsärztlichen Untersuchung schiebe.

Das ist jedoch nicht gut - in deinem eigenen Interesse…
Sollte kein dringender Verdacht vorliegen, macht die Vorsorgeuntersuchung ja nix - auch nciht bei den Versicherungen und Co.
Liegt nichts vor, wird aber etwas festgestellt - nuja, entweder kommst du gar nciht in die Private/Beamtentum, aber dafür wurde es rechtzeitig erkannt und könnte im schlimmsten Fall dein Leben retten oder dich auch „nur“ vor schlimmeren Schäden bewahren. Die nachfolgenden Untersuchungen/Behandlungen übernimmt dann ja deine bisherige Versicherung - oder der Antrag ist schon durch, aber du zahlst nun mehr Beiträge wegen höherem Risiko.

Egal, beides wäre mir meine Gesundheit und mein Leben wert :wink:
Denn sparen kann man manchmal auch am falschen Ende…

Meine Frage jetzt: ist diese Sorge berechtigt? Was sagt ein
Arzt, wenn ein Amt anfragt (z.B. zur obligatorischen
Gesundheitsuntersuchung bei Beamten). Sagt er eventuell
„Meines Wissens raucht Frau Walkuerax gelegentlich, hat einen
Polypen an der Gebärmutter und Probleme mit den Knien?“

Genau diese Frage kann ich leider nciht beantworten, aber eventuell weiß es ein anderer. Bei anderen Behörden, die mal nachfragen, wüßte ich es, aber bei diesen leider nciht :-/
Ich persönlich gehe aber auch davon aus, daß sie detailiertere Infos anfordern - bei mir wollten sie Kopien der Arztbriefe haben, wo schon praktisch alles im Detail steht :-/

Aber zu deiner Beruhigung: trotz einiger Wehwehchen wurde ich trotzdem genommen bzw. der Antrag akzeptiert - und das ohne Zulagen *hüpf*
(meine Wehwehchen waren wohl nciht sooo schlimm, trotz eines möglichen Krebsverdachtes, der zwar momentan ausgeschlossen ist, aber dennoch ein erhöhtes Risiko besteht - was mich wundert, aber nu ja *gg*)

Ich hoffe, ich konnte trotzdem helfen :wink:

Gruß,
Sharon

Hallo,

Danke, immerhin tröstet es mich, dass auch andere sich mit diesem problem herumschlagen!

bei
diesen blöden Versicherungs-Anträgen, aber bei denen
entbindest du ja auch den Arzt von der Schweigepflicht!
Ansonsten dürfte der das nämlich nicht!

Jein, ich habe ja keine echte andere Wahl, als ihn von der Schweigepflicht zu entbinden. Wenn ich dem nicht zustimme, bekomme ich die Stelle nicht und werde eventuell arbeitslos. So etwas nenne ich immer „freiwillig gezwungen“.

und die fälligen
Vorsorgeuntersuchungen immer vorsichtshalber auf einen Termin
nach der nächsten amtsärztlichen Untersuchung schiebe.

Das ist jedoch nicht gut - in deinem eigenen Interesse…

Ich weiss.

Liegt nichts vor, wird aber etwas festgestellt - nuja,
entweder kommst du gar nciht in die Private/Beamtentum, aber
dafür wurde es rechtzeitig erkannt und könnte im schlimmsten
Fall dein Leben retten oder dich auch „nur“ vor schlimmeren
Schäden bewahren. Die nachfolgenden
Untersuchungen/Behandlungen übernimmt dann ja deine bisherige
Versicherung - oder der Antrag ist schon durch, aber du zahlst
nun mehr Beiträge wegen höherem Risiko.

Ganz so einfach ist das nicht. wenn z.B. die endgültige Verbeamtung platzt, nimmt mich die gesetzliche Krankenkasse nicht mehr zurück und bei der privaten müsste ich viel höhere Beiträge zahlen. So kann es im Zweifelsfall schon günstiger sein, dass eine schwere Erkrankung ein paar Monate später, aber dann in nicht mehr gefährdeter Position erkannt wird.

Nur so rein hypothetisch gedacht …

Mit vielen Grüssen, Walkuerax

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Hallo,

ich kann Dir natürlich nicht sagen, was Deine Ärzte so weitergeben, will Dir aber von meinen Erfahrungen bzgl. der Schweigepflicht berichten.
1994 machte ich eine Alk.Therapie. Im Rahmen der Untersuchungen wurde ich aufgefordert, so „ein paar Zettel“ (Sprich: Schweigepflichtsentbindungen) zu unterschreiben. Nah meiner Therapie habe ich mich dann in einer Fachhochschule zwecks Studium (mit finanzieller Unterstützung durch den Rentenversicherungsträger/Arbeitsamt) beworben.
Ein „Bewerbungsgespräch“ hatte ich mit meinem späteren Mathematikdozenten (der für Neueinsteiger zuständig war). Bei dem Gespräch blätterte der Mann in „meinen“ Unterlagen. Darunter befand sich auch der Entlassungsbericht der Suchtklinik, den meine Bezugstherapeutin dort verfasst hatte.
In dem Bericht standen zum Teil auch „intime“ Aussagen meinerseits, beispielsweise über meine sexuellen „Gewohnheiten“ (also keine „Perversitäten“ oder so was, aber Auskünfte über die Häufigkeit des Verkehrs).
Ich habe daran anschließend mit meiner Therapeutin über den Sachverhalt gesprochen.
Das Gespräch verlief ungefähr so:
PT:"…also Ihr Mahthematikdozent kennt meinen Bericht"
HT:„Ja.“
PT:„Woher wollen Sie denn wissen, daß es mein Abschlußbericht ist und nicht irgendetwas anderes?“
HT:„Weil ich eine Kopie des Abschlußberichts habe, und ich die Blätter, die der Dozent in der Hand hatte erkannt habe.“
PT:„Moment mal, SIE haben eine Kopie des Abschlußberichts? Woher haben SIE denn diese?“
HT:„Hat mir die Dame vom Caritas (die ebenfalls den Bericht hat) gemacht.“
PT(mittlerweile mittelgradig erregt): „HÄ??? Dieser Bericht ist ein psychologischer Fachbericht und hat in den Händen von Nicht-ärztlichem/psychologischem Fachpersonal überhaupt nichts zu suchen…“

Soweit also meine Erdfahrungen. Welche Folgerungen Du für Dich daraus ziehst, sei Dir überlassen.
Ich habe mich in meiner damaligen Situation einfach damit abgefunden, daß wohl jeder des Schulpersonals nicht nur darüber Bescheid weiß, daß ich Alki bin, sondern auch, wie oft ich mit wem in die Kiste steige…

Viele Grüße
HylTox

Also ich weiss ja nicht wann Du grad wieviel getankt hast, aber Du unterschreibst Erklaerungen und verurteilst dann die Aerzte fuer Deine eigene Dummheit, etwas zu unterschreiben nach dessen Konsequenzen Du nicht gefragt hast?

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Also ich weiss ja nicht wann Du grad wieviel getankt hast,
aber Du unterschreibst Erklaerungen und verurteilst dann die
Aerzte fuer Deine eigene Dummheit, etwas zu unterschreiben
nach dessen Konsequenzen Du nicht gefragt hast?

Hallo,

„Getankt“ hatte ich zum Zeitpunkt des Unterschreibens überhaupt nichts - den Satz halte ich in dem Zusammenhang für eine ziemlich üble Unterstellung. Aber die Ärzte legen Dir ein Formular vor, dessen Unterschrift für die weitere Behandlung „gebraucht“ wird.
Ich habe ja auch nichts dagegen, daß die Untersuchungsergebnisse an den nächsten behandelnden Arzt weitergegeben werden (das spart vor allem Zeit bei der Behandlung, da ich nicht alles von A-Z nochmal aufsagen muß und dabei eventuell wichtige Details vergesse). Ich habe allerdings etwas dagegen, wenn die Untersuchungsergebnisse an Leute weitergegeben werden, die mit einer ärztlichen Untersuchung nichts, aber auch garnichts zu tun haben!

Viele Grüße
HylTox

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„Getankt“ hatte ich zum Zeitpunkt des Unterschreibens
überhaupt nichts - den Satz halte ich in dem Zusammenhang für
eine ziemlich üble Unterstellung.

Im Gegenteil, eigentlich war ich sogar noch nett! Ich haette auch sagen koennen das es schon ziemlich bloede sein muss, in nuechternem Zustand etwas zu unterschreiben in dem Dinge drinstehen, die einem nachher so etwas einbrocken koennen. Hab ich aber nicht.

Wie kann ich mir das jetzt vorstellen? Nehmen wir an Du willst Dir ein Auto kaufen und gehst zum Haendler. Der gibt Dir den Vertrag in dem Sachen stehen wie „Bremsen gehen ueberhaupt nicht, Kuehler undicht, Kopfdichtung defekt, Auspuff nicht mehr vorhanden“. Du unterschreibst, faehrst raus und die Karre kracht Dir unterm Arsch zamm. Ist dann der Haendler schuld weil Du nicht verstanden hast was da steht?

Nochmal: Aerztliche Schweigepflicht heisst, ein Arzt sagt gar nichts ueber Dich. Ausnahme: Der ueberweisende Arzt bekommt einen Bericht.

Ergo: Wenn Du Dinge unterschreibst die Du nicht verstehst, bist Du selbst schuld.

Patrick

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Hallo!
Das was du schilderst hat aber mit der Ausgangsfrage nicht direkt etwas zu tum. Deine Schilderung ist die einer Straftat. Egal was da vielleicht von dir unterschrieben wurde.
Ich hätte hier zumindest drauf bestanden dass mir diese Unterlagen ausgehändigt werden und aus allen Akten wo sie nicht hingehören entfernt werden.
Außerdem wäre eine Anzeige bei der Ärztekammer bzw. Psychotherapeutenkammer und sogar der Polizei in Frage gekommen. Die Verletzung der Schweigepflicht und die Weitergabe medizinischer Daten ist nämlich auch strafrechtlich relevant.

Gruß
Werner

Hallo,
steig mal wieder runter.

Zu seinem Arzt besteht normalerweise ein besonderes Vertrauensverhältnis, das ja auch juristisch besonders gefasst ist.
Wärhend einer Therapie achte ich normalerweise auf andere Dinge als irgendwelche juristischen Fallstricke.
Das man da nicht jedes Schriftstück im Detail durchliest ist kaum verwunderlich.
Oder liest du immer den ganzen Beipackzettel wenn ein Artz dir was verschreibt.

Gruß
Werner

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Hallo,

„Getankt“ hatte ich zum Zeitpunkt des Unterschreibens
überhaupt nichts - den Satz halte ich in dem Zusammenhang für
eine ziemlich üble Unterstellung.

Im Gegenteil, eigentlich war ich sogar noch nett! Ich haette
auch sagen koennen das es schon ziemlich bloede sein muss, in
nuechternem Zustand etwas zu unterschreiben in dem Dinge
drinstehen, die einem nachher so etwas einbrocken koennen. Hab
ich aber nicht.

Ich habe einen Zettel unterschrieben, daß meine Unterlagen an weiterbehandelnde Ärzte weitergegeben werden. Von meinem Matheprofessor stand da nichts drin!

Viele Grüße
HylTox

Hallo!

Das was du schilderst hat aber mit der Ausgangsfrage nicht
direkt etwas zu tum. Deine Schilderung ist die einer Straftat.

Das wurde mir später auch so gesagt.

Egal was da vielleicht von dir unterschrieben wurde.
Ich hätte hier zumindest drauf bestanden dass mir diese
Unterlagen ausgehändigt werden und aus allen Akten wo sie
nicht hingehören entfernt werden.

Ich fühlte damals nicht in der Situation, daß ich die Schule, auf der ich aufgenommen werden wollte irgendwie verklage oder sonstwie belange (offensichtlich ist da innerhalb derer Organisation was schiefgelaufen, oder bei der LVA oder sonstwo).
Als „Säufer“ hatte ich es nicht gerade leicht, eine Förderung zu bekommen. Und ich war bereits entnervt, weil ich zuvor ein gutes Jahr durch x Instanzen geleitet wurde, ohne daß sich irgendein Ergebnis gezeigt hatte.

Viele Grüße
HylTox

Hallo!

Ich würde es dann vielleicht nun nachholen. Zumindest das entfernen der Arztberichte aus deinen Unterlagen.

Gruß
Werner

MOD: Teilthread geschlossen
Moin,
als Premiere meiner Tätigkeit habe ich diesen Teilthread erstmal geschlossen.
Er ist teilweise offtopic und/oder wie mir scheint nicht Netiquette-konform.
Ob ich ihn ganz oder teilweise lösche oder bearbeite oder so geschlossen lasse, darüber plaudere ich mit Maja und dann kommt die entsprechende Reaktion.

Schönen Sonntag und Gruß
Kerstin

Nachtrag: Ich hab jetzt den unteren Teil des Thread gelöscht. Ich laß den Rest abgeschlossen, damit es keinen Antrieb gibt weiterzumachen.
Bitte haltet euch an die Netiquette und bleibt ontopic.
Gruß
Kerstin