Hi haplo,
(bist Du nur ne halbe Portion oder woher der Name?)
Da sich ja sonst niemand meldet, hier ein bißchen Senf.
ME läuft es in der Politik öfter so, daß (gerade bei politisch motivierten Streitgesprächen) zu einseitig argumentiert wird und zb. Langfristeffekte übersehen werden.
Bsp: Die Diskussion um die Stillegung von Kernkraftwerken - ohne zu berücksichtigen, daß wir dann aus Temelin einkaufen werden.
Oder: Raucher kosten zwar das Gesundheitswesen erheblich, aber immer noch billiger 5 Jahre Lungenkrebs als 30 Jahre fett Rente und dann vielleicht noch ein paar Bypässe, Alzheimer etc. bis dahin!
Du hast vollkommen recht, Angehörige, die pflegen, würden ihren Arbeitsplatz aufgeben müssen. Das wäre praktisch, denn schon haben wir ein paar Arbeitsplätze mehr. Natürlich würden umgekehrt auch ein paar Pflegeleute ihren Job verlieren 
Hier kommt dann wohl das uralte Ricardo-Beispiel ins Spiel (von wegen, VWL bringt nix für die Praxis). Wenn jeder das macht, was er am besten kann, ist das Ergebnis optimal!
Warum sollte also ein brillanter Manager wie ich bald *g* oder ein gelernter Bäcker seine Zeit damit verbringen, etwas zu tun, wo er sich blöd anstellt, während dann die Krankenschwester, die super sich um Leute kümmert (und durch ihre Berufserfahrung das ganze auch viel schneller - nebenbei auch sicherer - kann) plötzlich in der Backstube stehen muß oder die Lufthansa leiten.
Außerdem: Stell Dir vor, Dein Vater wird ein Pflegefall. Du pflegst ihn selbst. Dazu kündigst Du Deinen Job. Du könntest Dich aber mit Deiner Frau abwechseln, oder es reicht, wenn die Nachbarin alle 2 Stunden mal nach dem rechten schaut. Du hättest dann theoretisch noch ein paar Stunden Zeit zu arbeiten - aber dafür lohnt es sich ja nicht. Eine professionelle Pflegekraft kann viel einfacher täglich drei Stunden hier, drei dort sein und hat sozusagen zwei Pflegefälle mit einer Arbeitskraft betreut. (Drücke ich mich klar aus?)
Zufällig stand gestern ein Urteil dazu in der Zeitung, bei dem eine Frau klagte, daß die Haftpflichtversicherung für ihren durch Kunstfehler bei der Geburt geschädigten Sohn ihr nur die Zeit bezahlt, die von der Pflegeversicherung für diese Fälle angesetzt wird. Damit kam sie aber nicht aus, wie sie durch Stoppuhrexperimente nachwies. Sie erhielt recht.
Und dann natürlich die *sorry* economies of scale, wenn man sich zb. für die Lösung Altenheim entscheidet! Da genügt abends eben eine Krankenschwester in Bereitschaft für 100 Leute, zuhause wäre das Verhältnis 1:1.
Insofern ist das Pflegesystem einfach effizienter. Du hast also recht: Es spart tatsächlich viel gegenüber privater Pflege.
Aber auf Gesundheitsausgaben kann man doch politisch so schön rumhacken! Und Leute, die nicht selber pflegen, können leicht zum Schweigen gebracht werden, wenn man ihr Gewissen ins Feld führt und an die Zeiten vor 100 Jahren erinnert, wo alte Leute eben in der Familie gepflegt wurden - ohne zu berücksichtigen, daß damals immer eine Hausfrau daheim war, die Leute weniger alt wurden, Behinderungen (zb. bei Frühgeborenen) gar nicht erst auftraten, sondern einfach starben.
Ich hoffe, das war das, was Du gemeint hast?
ciao,
erik