Servus Mathias,
meinem Vorredner Gandalf schließe ich mich aufgrund meiner Erfahrungen teilweise an und behaupte: wenn du für deine Küche mehr als 900 € bekommst, kannst du dich sehr glücklich schätzen. Wie ich zu meiner (für dich leider recht unerquicklichen) Einschätzung komme, erläutern dir vielleicht meine folgenden Ausführungen.
Deiner Schilderung nach vermute ich, dass du die Wohnung ohne Kücheneinrichtung gemietet hast — richtig?
Wenn dem so ist, hat deine Vermieterin vermutlich ganz bewusst auf den Einbau einer Küche verzichtet. Erspart sie sich so doch einiges an Aufwand, Kosten und Ärger wegen eventueller Defekte an den installierten Einrichtungen. Sowohl während der gesamten Mietzeit (um Kaputtes musst du dich selbst kümmern) als auch bei der Rückgabe der Wohnung (was war bei Mietbeginn drin, was wurde ausgetauscht, welche Beschädigungen hast DU zu verantworten, welche waren schon vorher da, wie ist das alles monetär zu bewerten, usw.).
Bei Rückgabe des Mietgegenstandes bist du laut Mietvertrag meist gezwungen, sämtliche von dir eingebrachten (Küchen-) Einrichtungen komplett zu entfernen und insofern den Ursprungszustand laut Übergabeprotokoll wieder herzustellen. (>> schau mal in deinen Mietvertrag).
Wenn deine Vermieterin nicht zu den „supernetten“ gehört, wird sie dein Ansinnen auf Übernahme der Küche also vermutlich ablehnen.
Unter Umständen wird sie es aber „dulden“, dass du die (eigentlich zu entfernende) Küche bei der Rückgabe zunächst noch drin lässt. Sie wird sich (so sie schlau ist) allerdings entsprechend absichern. Im Rückgabeprotokoll würde dann sinngemäß [ich bin keine Juristin] vermerkt: „Zum Zeitpunkt der Rückgabe des Mietobjektes befindet sich in der Wohnung noch eine nach Übergabe vom Mieter auf seine Kosten eingebaute Küche. Sollte es zwischen dem Mieter und dem späteren Nachmieter hinsichtlich dieser Einbauten zu keiner Einigung kommen, verpflichtet sich der Mieter schon heute, die Einrichtungen binnen xx Tagen nach Aufforderung auf seine Kosten zu entfernen und insofern den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen.“
Da sich derlei Vorgehensweisen der Vermieter unter den Mietern (du bist ja auch einer) mittlerweile rumgesprochen haben, hast du damit i.d.R. leider erst mal die A…-Karte gezogen:
- Mitnehmen kannst/willst du deine Küche nicht.
- Reißt du sie raus, entstehen dir Aufwand und Kosten.
Auch wenn dein potenzieller Nachmieter deine speziellen Vertragsbedingungen nur vermuten kann, wird er (selbst wenn ihm deine Küche gefällt & er sie gerne hätte) bei den eventuellen Übernahmeverhandlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit von vorn herein pokern und sagen: „für 'nen Nuller würde ich das Teil ja übernehmen — ansonsten bauen Sie es besser aus“.
Du hast jetzt mindestens die drei folgenden Möglichkeiten:
a) du verdienst relativ gut, machst eine schnelle Kosten-Nutzen-Rechnung auf, sparst dir den voraussichtlichen Aufwand & Ärger … und überlässt deinem Nachmieter die Teile für nix
b) du wirst sauer, fühlst dich abgezockt, wirst „prinzipiell“ — und reißst deine Einbauküche raus
c) du pokerst ebenfalls. Oder suchst dir einen aus deinem Bekanntenkreis, der so was kann.
Zu berücksichtigen:
- Größe der Wohnung (einfache Einbauküchen sind in kleinen 1-2-Zi-Wohnungen mehr wert als in einer großen 4-Zi-Wohnung)
- vermutliche Verweildauer deines Nachmieters (je länger die Mietzeit, desto günstiger werden eigene Investitionen; und umgekehrt)
- vermutete Liquidität deines Nachmieters (ob er wohl die Kohle hat für eine neue Küche, wenn du die deine demontierst? Er muss ja schließlich auch die Kaution aufbringen…)
- aktuelle Situation am lokalen Wohnungsmarkt.
(wenn Wohnungen wie die deine eher Mangelware und entsprechend begehrt sind, hast du [v.a. wenn du es schaffst, deine Vermieterin mit in DEIN Boot zu nehmen] bessere Chancen auf einen guten Preis.)
Zusatzargument: ob dein Nachmieter deine Küche nun übernimmt oder selber eine einbaut — bei Mietende wird auch er sich hinsichtlich des Rückbaus mit dem gleichen Problem wie du konfrontiert sehen.
Sonstige Strategie-Ansätze:
- Vermieterin auf deine (Küchen-)Seite ziehen [damit sie im Zweifelsfall eher einem küchenübernahmebereiten Kandidaten den Vorzug gibt]
- deine Küche im Bekanntenkreis offerieren
- eruieren, was du z.B. bei eBay für deine Küche im ganzen oder einzelne Teile davon bekommen würdest
- ruhig auch mal bei Caritas et al. nachfragen, ob sie deine Küche abholen würden und ob / in welcher Höhe du dafür eine Spendenbescheinigung kriegen würdest
- usw.
All dies’ einfach nur mal als Anregung (das Thema ist dem Grunde nach ziemlich komplex). Für ergänzende Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Greetz,
Anne