Unternehmenswertbestimmung
Hallo,
wie ermittle ich den Wert einer Firma?
Aktien einer Börsennotierten Firma kauf ich für den
angebotenen Preis oder nicht.
Gibt es Faustregeln um
Kapital/Investment,
aktueller Umsatz,
erwarteter Umsatz
Kundenstamm
Marktlage
einer Firma, die nicht an der Börse notiert ist zu ermitteln?
ich habe schon Aussagen gehört wie: Jahresumsatz mal 10
das ist eine von vielen Faustformeln und vermutlich die dümmste, die ich kenne. Der Wert eines Gegenstandes ist – wie schon anderweitig erwähnt – der Preis, der dafür gezahlt wird. Sofern es keine Börsennotierung und keinen Bieter gibt, wird es schwierig. Entweder einigen sich Käufer und Verkäufer dann „einfach so“ auf einen Preis oder es wird angefangen zu rechnen.
Gängig ist z.B. die Berechnung des Substanzwertes (Wert des Vermögens abzgl. Schulden = Wert des Eigenkapitals = Kaufpreis). Nette Sache, wenn man davon ausgeht, das Unternehmen in seine Bestandteile zu zerlegen und diese zu verkaufen. Da das aber die wenigsten Unternehmenskäufer vorhaben, ist das irgendwie unrealistisch. Außerdem lassen sich Kundenstamm, Erfahrung und Marktstellung schlecht bewerten, so daß diese Methode (nicht nur) bei Dienstleistern versagen muß.
Dann gibt es etliche Verfahren, die zukünftige Gewinne bzw. Cashflows (Ertragswertverfahren, Discounted Cashflow-Verfahren sowie diverse Mischverfahren) berücksichtigen, d.h. die Gewinne bzw. Cashflows der nächsten x Jahre werden prognostiziert und mit einem angemessenen Zinssatz auf heute abgezinst. Genau an dieser Stelle wird es interessant. Über die Frage, welche Ertrags-/CF-Größe und welcher Zinssatz zu wählen ist, sind vermutlich weltweit schon rd. 100.000 Seiten Literatur verfaßt worden, darunter um die 80 von mir. Das ganze ist für den Eimer, weil man über die Annahmen lange diskutieren kann und u.U. schon winzige Änderungen bei den Annahmen bzw. bei den letztendlich berechneten Gewinnen bzw. beim Zinssatz erhebliche Auswirkungen auf den ermittelten Unternehmenswert haben können.
Bei größeren Übernahmen werden dann Berater eingeschaltet, die teuer dafür bezahlt werden den „richtigen“ Wert zu ermitteln, d.h. um die richtigen Anpassungen in den (relativ einfachen) Formeln vorzunehmen. „Richtig“ definiert sich dabei danach, wer der Auftraggeber ist: Käufer oder Verkäufer. Es ist problemlos möglich, vollkommen realistische Annahmen zu treffen und der höchste und der tiefste ermittelte Wert liegen trotzdem um den Faktor 5 auseinander.
Die Unternehmensbewertung ist also auf den zweiten Blick ein schwieriges Feld, auf dem sich viele Berater mehr als nur eine goldene Nase verdienen. Das Ergebnis ist aus neutraler Sicht aber auch nicht besser, als wenn man sich mit spitzem Bleistift und gesundem Menschenverstand an die Sache ransetzt.
Gruß,
Christian