Wertpapieranlage

Ich mache mir schon lange eine Spaß daraus, mich beraten zu
lassen. Niemand fragte mich nach meinem Alter, nach meinem
Einkommen, nach meinen Lebensgewohnheiten, um eine Aussage
über das zukünftige Kapital zu machen. Nur wenige fragten mich
nach meiner Risikobereitschaft. Keiner ließ erkennen, dass er
ein risikominimiertes Portfolio (nach Markowitz oder nach der
Tobin-Separation) aufstellen will. Aber alle hatten das
passende Produktprospekt unter dem Tisch, jedoch nicht zu
beliebigen Aktien, sondern stets zu den Fonds, die sie selber
verwalten. „ETFs? So was haben wir nicht“, war die Antwort,
wenn man mal etwas auf passive Strategien anspielen wollte.

Ich lasse mich aus naheliegenden Gründen schon seit vielen Jahren nicht mehr in finanziellen Dingen beraten. Ein Erlebnis will ich aber beibringen, um den vielen subjektiven Erfahrungen eine hinzuzufügen: vor ungefähr zwei Jahren mußte ich meine VL neu unterbringen. Ich ging zu einer Sparkassenfiale und bat um Vorschläge für eine Anlage in Aktienfonds. Das Ergebnis war akzeptabel und ich unterschrieb.

Während des Gespräches, das auch viel Konversation beinhaltete, hatte der Berater offensichtlich gut zugehört. Er stellte noch einige „harmlose“ Fragen und machte aus der hohlen Hand einige Vorschläge, die genau zu meiner Gesamtsituation paßten. Nicht bezogen auf hauseigene Produkte, sondern allgemein, also hinsichtlich Versicherungen, Anlageprodukte für mehrere Zeithorizonte usw.

Ich habe mir alles angehört und dankend abgelehnt. Aber der eine Typ hat genau das getan, was ich von jemandem erwarten würde, der mich beraten soll: zuhören, mitdenken und Vorschläge machen ohne lästig zu werden.

Das Ganze ist ganz verständlich, da nicht der Kunde das Gehalt
zahlt, sondern die Bank. Welches Interesse hat also der
Verkäufer auf die Wünsche des Kunden einzugehen?

Auch heute wechseln Menschen ihre Bank immer noch sehr selten. Davon ausgehend, daß Menschen üblicherweise nicht innerhalb von Minuten nach Untrerschrift zu streben pflegen, könnte eine Motivation sein, daß der Kunde wiederkommt und langfristig Erträge einbringt.

http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/stiftu…

Wenn ich die Wahl hätte, mir von der Stiftung Warentest oder einem Schimpansen Tips geben zu lassen, würde ich den Schimpansen wählen. Die mir bekannten Tests, nicht nur im Finanzbereich, sind methodisch mehr als fragwürdig, gehen von absurden Erwartungen aus und sind handwerklich aufgrund offensichtlich fehlenden Fachwissens schlichtweg unbrauchbar. Aber sie erfüllen ihren Zweck: Auflagensteigerung und Festigung der bestehenden Vorurteile.

Gruß
C.

Hallo Christian,

was ist ein sinnfreies Produkt? Eines, das eine
Anlagemöglichkeit schafft, die der Kunde selbst auch
zusammenbasteln könnte? Eines, das von vornherein auf
Geldvernichtung konzipiert ist?

Ein sinnfreies Produkt ist aus meiner Sicht etwas, was vorrangig konzipiert ist, um Erträge für den Iniator bzw. den Vertrieb zu generieren und für den Kunden Nachteile gegenüber anderen am Markt befindlichen Produkten (z.T. des gleichen Anbieters)hat.
Als Beispiel fällt mir hier aus dem Versicherungsbereich die Unfall-Prämien-Rückgewähr ein.
Im Fondsbereich zählen für mich die Garantiefonds darunter, die Genobanken und Spasskassen mit schöner Regelmäßigkeit unter die Leute bringen. Auch finden sich in den Fondslisten der großen Anbieter viele Produkte, die offensichtlich rein aus Marketinggründen aufgelegt wurden. Oft hat die gleiche Gesellschaft wesentlich bessere Produkte im gleichen Segment, aber nicht mit so einem „schönen“ Namen.
Mit so Geschichten wie Filmfonds und anderen geschlossenen Produkten, die von vornherein chancenlos waren, will ich gar nicht erst anfangen… .

Das suggeiert vor allem Böswilligkeit. Natürlich wollen die
Mitarbeiter und ihr Arbeitgeber Geld verdienen.

Hier müsste man „Böswilligkeit“ erstmal genau definieren. Natürlich will keiner dem Kunden bewusst schaden. Aber das Unternehmensziel ist nun mal nicht der (unmessbare) Kundenutzen sondern der Ertrag für das Unternehmen. Das ist OK.
Man sollte nur dem Kunden nicht vorgaukeln, dass es um seine Interessen geht. („Die Beratrung, die sogar Paul versteht!“)

Ich glaube
nicht, daß die Mehrzahl der Berater ihre Kunden bewußt über
den Tisch zieht.

Das Problem liegt nicht auf der Ebene der Vertriebsmitarbeiter vor Ort, sondern im Geschäftsmodell als solches.
Beratung ist definitiv nicht Bestandteil dieses Geschäftsmodells. Deren Ergebnis lässt sich auch in keiner Bilanz messen (außer es geht um Honorarberatung. Aber wo gibts die für 0815-Kunden schon?). Die Vertriebsmitarbeiter (mit dem Begriff Berater tu ich mir ziemlich schwer) haben einen ganz klaren Vertriebsauftrag. Mit entsprechenden Vorgaben und Druck zur Zielerfüllung.
Da wird es für den einzelnen schwer, seinen Wunsch nach Beratung seines Kunden und der Erfüllung der Vorgaben seines Arbeitgebers unter einen Hut zu bringen.

Mir ging das schon vor rund zehn Jahren so, als ich noch in dieser Situatuion war. Von denen, die es noch sind, weiß ich, dass der Vertriebsdruck deutlich höher geworden ist… .

Nach drei, fünf oder zehn Jahren
festzustellen, daß das Produkt Verluste brachte oder den
Vergleichsindex nicht schlug, ist keine Kunst. Die Frage ist,
wer es schafft, das im Vorhinein zu erkennen.

Wichtig wäre, dass Verkäufer und Anleger die Risiken kennen und einschätzen können.
Was den Anleger angeht, ist das aber nicht in der Verantwortung der Bank - wenn sie nur verkauft. Würde sie wirklich beraten, sollten die Kunden ihre Risiken kennen.
Nach meiner Erfahrung wird dem Vertrieb meistens auch nicht die ganze Wahrheit erzählt. Zu viel Fachwissen stört nur beim Verkauf.

Dann gilt es zu hinterfragen, warum das so war. Waren die
Erwartungen falsch, wurden die Anlageziele nicht richtig
beschrieben oder erfragt oder ist der Markt einfach nicht wie
erwartet gelaufen.

Oder wurden die Anlageziele -nicht auch böswilligkeit, sondern in der Not der Zielerfüllung- mit dem Produkt „synchronisiert“?

Diese Fragen werden aber regelmäßig nicht gestellt. Läuft die
Sache nicht wie geplant, ist als erstes mal die Bank oder der
Berater schuld. Das kann es m.E. nicht sein.

Deswegen plädiere ich dafür, dass die Banken sich als reine Vertriebsstellen outen. Dann begreift der Kunde vielleicht auch irgendwann, dass er selbst die Verantwortung für seine Anlagen übernehmen muss.

Ich warnte schon vor zehn Jahren, daß die Kunden, die nichts
zahlen wollen, das bekommen werden, was es zu diesem Preis
gibt. Qualität kostet Zeit und die kostet Geld. Problematisch
wird es, wenn der Preis nicht für Qualität garantiert. Und da
sind wir wieder ganz oben: wie definiert man
Beratungsqualität? Rein nach dem Ergebnis der Anlage zu gehen,
erscheint mir aus den oben erwähnten Gründen nicht ganz fair.

Ich denke der Ansatz wäre erstmal, die Beratungsleistung als solche auch auf Kostenseite darzustellen. Z.B. indem ein Berater (von mir aus auch in einer Bank)gegen ein angemessnes Honorar ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Schließt der Kunde dann bei der Bank ab, werden die Provisionen auf das Honorar angerechnet.
Na ja, bei hohen Beträgen könnte das aufgrund der Provisionshöhe schwierig werden. Aber wenn die Bank von jedem Kunden für eine Beratung einen Deckungsbeitrag erhält, könnte man villeicht die Provisionslast auf den Produkten reduzieren… .
Aber das geht jetzt zu weit.

Gruß und schönen Tag wünscht der Money-Schorsch

Hallo, amüsiert habe ich mir die Argumente angehört bzw. ange-
schaut, die Ihr Euch um die Ohren geschlagen habt.
Als stark interessierter Börsenlaie habe ich mich immer
selbst beraten. Es begann vor 51 Jahren mit der Privatisierung
von Preußag, dann 1961 VW usw. Ich bezweifle, dass es wirklich
Börsenfachleute gibt. Ein Banker muß m.E. wissen, dass Dt. Bank
nicht unter 15,80 € fallen kann und dann natürlich zugreifen muß.
Gruß

Ich bezweifle, dass es wirklich
Börsenfachleute gibt. Ein Banker muß m.E. wissen, dass Dt.
Bank
nicht unter 15,80 € fallen kann und dann natürlich zugreifen
muß.

Wie Hugo Egon Balder sagen würde: „Das ist eine hochinteressante Antwort auf eine völlig andere Frage.“

Hallo,

was ist ein sinnfreies Produkt? Eines, das eine
Anlagemöglichkeit schafft, die der Kunde selbst auch
zusammenbasteln könnte? Eines, das von vornherein auf
Geldvernichtung konzipiert ist?

Ein sinnfreies Produkt ist aus meiner Sicht etwas, was
vorrangig konzipiert ist, um Erträge für den Iniator bzw. den
Vertrieb zu generieren und für den Kunden Nachteile gegenüber
anderen am Markt befindlichen Produkten (z.T. des gleichen
Anbieters)hat.

das gilt für praktisch alle Produkte, egal ob es sich um Finanzdienstleistungen und Waren handelt: Produkt generiert Ertrag für den Verkäufer und am Markt gibt es eine gleichwertige und günstigere oder bessere aber gleich teure Alternative.

Als Beispiel fällt mir hier aus dem Versicherungsbereich die
Unfall-Prämien-Rückgewähr ein.

Kenne ich nicht.

Im Fondsbereich zählen für mich die Garantiefonds darunter,
die Genobanken und Spasskassen mit schöner Regelmäßigkeit
unter die Leute bringen.

Wenn Du damit Produkte meinst, die auf jeden Fall am Ende den Einsatz auszahlen, sehe ich da nichts grundsätzlich problematisches. Natürlich kann sich der Kunde für weniger Geld eine Nullkupon-Anleihe und ein Index-Zertifikat kaufen, aber welcher Privatanleger macht das schon bzw. blickt da en detail durch?

Auch finden sich in den Fondslisten
der großen Anbieter viele Produkte, die offensichtlich rein
aus Marketinggründen aufgelegt wurden. Oft hat die gleiche
Gesellschaft wesentlich bessere Produkte im gleichen Segment,
aber nicht mit so einem „schönen“ Namen.

Wenn es sich um genau das gleiche Produkt handelt, kann man die Sinnfrage stellen, wenn es sich um den gleichen Emittenten handelt, aber genau gleiche Produkte vom gleichen Anbieter sind mir eigentlich nicht bekannt.

Mit so Geschichten wie Filmfonds und anderen geschlossenen
Produkten, die von vornherein chancenlos waren, will ich gar
nicht erst anfangen… .

Das kann ich en detail nicht beurteilen, allerdings sind die Produkte auch von Kunden explizit so nachgefragt worden.

Ich bin kein Freund von Vertrieb um jeden Preis, um das klarzustellen, aber nicht nur bei Finanzprodukten bekommt der ahnungslose Kunde genau das, was er braucht. Allerdings finde ich es problematisch, wenn man Beratungsfehlern spricht, wenn Kunden keine Ahnung haben, ihre Bedürfnisse und ihre Situation falsch angeben aber gleichzeitig viele Stunden in den Vergleich von TV-Geräten oder MP3-Playern investieren.

Da wird es für den einzelnen schwer, seinen Wunsch nach
Beratung seines Kunden und der Erfüllung der Vorgaben seines
Arbeitgebers unter einen Hut zu bringen.

Es ist natürlich eine Frage des einzelnen Mitarbeiters, wie er diese beiden Ziele gegeneinander abwiegt. Es gibt eben so’ne und so’ne.

Nach drei, fünf oder zehn Jahren
festzustellen, daß das Produkt Verluste brachte oder den
Vergleichsindex nicht schlug, ist keine Kunst. Die Frage ist,
wer es schafft, das im Vorhinein zu erkennen.

Wichtig wäre, dass Verkäufer und Anleger die Risiken kennen
und einschätzen können.
Was den Anleger angeht, ist das aber nicht in der
Verantwortung der Bank - wenn sie nur verkauft. Würde sie
wirklich beraten, sollten die Kunden ihre Risiken kennen.
Nach meiner Erfahrung wird dem Vertrieb meistens auch nicht
die ganze Wahrheit erzählt. Zu viel Fachwissen stört nur beim
Verkauf.

Ich kann nicht beurteilen, was den Leuten im Einzelfall erzählt wird, aber den Produktbroschüren, die ich bisher erhielt, ließen sich die Risiken schon entnehmen. Natürlich sind die länger als drei Zeilen, aber wenn man Geld ausgibt, sollte man sich die Mühe schon machen, zumindest das meist einseitige Kapital „Risiken“ durchzulesen.

Dann gilt es zu hinterfragen, warum das so war. Waren die
Erwartungen falsch, wurden die Anlageziele nicht richtig
beschrieben oder erfragt oder ist der Markt einfach nicht wie
erwartet gelaufen.

Oder wurden die Anlageziele -nicht auch böswilligkeit, sondern
in der Not der Zielerfüllung- mit dem Produkt
„synchronisiert“?

Das läßt sich dann ja anhand des Protokolls nachvollziehen. Wenn die Anlageziele nicht zum Produkt paßten, ist das ja schnell zu erkennen.

Diese Fragen werden aber regelmäßig nicht gestellt. Läuft die
Sache nicht wie geplant, ist als erstes mal die Bank oder der
Berater schuld. Das kann es m.E. nicht sein.

Deswegen plädiere ich dafür, dass die Banken sich als reine
Vertriebsstellen outen. Dann begreift der Kunde vielleicht
auch irgendwann, dass er selbst die Verantwortung für seine
Anlagen übernehmen muss.

Das sollte eigentlich jeder Kunde schon daran merken, daß er keinen Pistolenlauf an der Schläfe hat.

Beratungsqualität? Rein nach dem Ergebnis der Anlage zu gehen,
erscheint mir aus den oben erwähnten Gründen nicht ganz fair.

Ich denke der Ansatz wäre erstmal, die Beratungsleistung als
solche auch auf Kostenseite darzustellen. Z.B. indem ein
Berater (von mir aus auch in einer Bank)gegen ein angemessnes
Honorar ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Schließt der
Kunde dann bei der Bank ab, werden die Provisionen auf das
Honorar angerechnet.

Das Konzept gibt es ja durchaus, aber eben nicht für Anlagebeträge von 5000 Euro.

Gruß
Christian

Hallo,

das gilt für praktisch alle Produkte, egal ob es sich um
Finanzdienstleistungen und Waren handelt: Produkt generiert
Ertrag für den Verkäufer und am Markt gibt es eine
gleichwertige und günstigere oder bessere aber gleich teure
Alternative.

Wenn ein Produkt seine Aufgabe erfüllt und einen Ertrag für den Produzenten und den Vertrieb generiert, dann ist die Welt ja in Ordnung. Welchen Preis der Kunde im Marktvergleich dafür zahlt ist m.E. zweitrangig. Bei Kauf war ihm das Produkt den Preis wert. Basstscho, wie die Bayern sagen.
Ich habe mal vermeintliche Funktions-Ski-Unterwäsche beim Tchibo gekauft. Das war auch vollkommen Sinnfrei, weil null Funktion. Aber Ertrag für den Herrn Tchibo. Ja, das gibt es überall… .

Als Beispiel fällt mir hier aus dem Versicherungsbereich die
Unfall-Prämien-Rückgewähr ein.

Kenne ich nicht.

Haste auch nix versäumt.

Wenn Du damit Produkte meinst, die auf jeden Fall am Ende den
Einsatz auszahlen, sehe ich da nichts grundsätzlich
problematisches. Natürlich kann sich der Kunde für weniger
Geld eine Nullkupon-Anleihe und ein Index-Zertifikat kaufen,
aber welcher Privatanleger macht das schon bzw. blickt da en
detail durch?

Keiner. Bei den meisten dieser Produkte würde der Kunde aber mit 100% in einem Zerobond besser fahren, weil Konzeptbedingt der Cashlock droht.
Im Ergebnis fährt der Kunde schlechter als mit einer stinknormalen Anleihe, Bank und KAG haben aber verdient.
Das ist dann wie bei meiner Skiunterwäsche :frowning:

Wenn es sich um genau das gleiche Produkt handelt, kann man
die Sinnfrage stellen, wenn es sich um den gleichen Emittenten
handelt, aber genau gleiche Produkte vom gleichen Anbieter
sind mir eigentlich nicht bekannt.

Ein Beispiel aus den Hause DWS:
Beworben (und mit entsprechenden Vertriebsvorgaben versehen) wurde im Sommer die Produktfamilie „db PrivatMandat“. Aufwändiger TV-Spot zur besten Sendezeit. Die Idee, potenzielle Kunden auf vermögensverwaltende Fonds aufmerksam zu machen ist ja auch bestens.
Aber das Produkt? Nehmen wir den Klassiker „Balance“. Ich kann hier keine Grafiken einstellen, aber vergleiche diesen (LU0110176657) mal mit dem „Vermögensmandat Balance“ (LU0309483435) aus dem gleichen Haus.
Natürlich sind die Fonds nicht identisch, sonst gäbe es ja keine Performaceunterschiede. Aber es ist die gleiche Zielgruppe und das gleiche Ergebnis auf dem WphG-Bogen.
Warum wird das eindeutig schlechtere Produkt aktiv vertrieben? Wegen 0,65% höherer Fee? Warum sonst?

Das kann ich en detail nicht beurteilen, allerdings sind die
Produkte auch von Kunden explizit so nachgefragt worden.

Fonds, die von vornherein keine Chance auf wirtschaftlichen Erfolg hatten und in den USA lachend als „stupid german money“ bezeichnet wurden, hat vermutlich niemand explizit nachgefragt.
In den Prospekten und Verkaufsgesprächen waren die Darstellungen sicher anders. Ich glaube auch, dass die Vertriebler oft an den Erfolg geglaubt haben, bzw. weiß dies aus vielen Gesprächen.

Ich bin kein Freund von Vertrieb um jeden Preis, um das
klarzustellen, aber nicht nur bei Finanzprodukten bekommt der
ahnungslose Kunde genau das, was er braucht.

Da hast Du recht. Aber es bringt andererseits auch nichts, einen Fehler mit einem anderen zu legitimieren.

Allerdings finde
ich es problematisch, wenn man Beratungsfehlern spricht, wenn
Kunden keine Ahnung haben, ihre Bedürfnisse und ihre Situation
falsch angeben aber gleichzeitig viele Stunden in den
Vergleich von TV-Geräten oder MP3-Playern investieren.

Da bin ich 100% bei Dir.

Es ist natürlich eine Frage des einzelnen Mitarbeiters, wie er
diese beiden Ziele gegeneinander abwiegt. Es gibt eben so’ne
und so’ne.

Bei denen, die ich persönlich kenne (von der Produktanbieterseite her), ist keiner, der sagt, dass er seine Kunden uneingeschränkt so beraten kann, wie er es gerne möchte.
Zu abstrakt sind oft die Ideen aus den Vorstandsetagen, wie und mit was jetzt noch schnell Erträge generiert werden müssen. Die Führungsmethoden sind oft nicht mehr weit weg von dem was man aus den heftigen Strukturvertrieben so kennt.
Aufgrund Deiner sehr tiefen Fachkenntnis gehe ich davon aus, dass Du nicht (mehr) direkt im Endkundengeschäft aktiv bist? Vielleicht auch für ein Institut, das nicht um die letzten Margenpunkte im verflixten Retailgeschäft kämpft.
Aber kennst Du wirklich eine erkleckliche Anzahl an Kundenbetreuern, die etwas anderes Berichten, als ich oben?
Kann ja sein, ich kenne die falschen Leute.

Ich kann nicht beurteilen, was den Leuten im Einzelfall
erzählt wird, aber den Produktbroschüren, die ich bisher
erhielt, ließen sich die Risiken schon entnehmen. Natürlich
sind die länger als drei Zeilen, aber wenn man Geld ausgibt,
sollte man sich die Mühe schon machen, zumindest das meist
einseitige Kapital „Risiken“ durchzulesen.

Der leider ziemlich unbedarfte Normalanleger würde eigentlich nicht mal mehr einen Rentenfonds kaufen, wenn er sich die Risikohinweise durchlesen und diese ernst nehmen würde, befürchte ich. Der Hinweis des Beraters „Das muss da stehen, aber da müsste schon die Welt untergehen, dass es so schlimm kommt. (Augenzwinkern) …und dann isses auch egal, oder?“ reicht meist zur Beruhigung.
Und weil der Kunde denkt, er wird beraten und „nicht verkauft“ (oh, ein Wortspiel), will er das gerne glauben…

Das läßt sich dann ja anhand des Protokolls nachvollziehen.
Wenn die Anlageziele nicht zum Produkt paßten, ist das ja
schnell zu erkennen.

Ich habe nicht behauptet, dass der Bankvertriebsmitarbeiter grundsätzlich frei von jeder Intelligenz und Kreativität ist! Das Protokoll wird passen. Ganz sicher. Denn bis zu dessen Unterschrift will der Kunde ja dieses geile Produkt haben. Und wenn er das nur dann kaufen darf, wenn er in dieser Risikoklasse usw. ist, dann geht er da schon von selbst ganz schnell hin.
Klar ist er da selbst schuld. Aber würde ein Berater ihn darüber nicht aufklären müssen? Ein Verkäufer dagegen hat einen guten Job gemacht. Und der Bankmitarbeiter ist seiner Zielerfüllung näher gekommen… .
Böse Welt. :wink:

Das Konzept gibt es ja durchaus, aber eben nicht für
Anlagebeträge von 5000 Euro.

Wohl auch nicht für 10.000 oder 20.000 und selten für 50.000?
Aber das würde sich in der Abwägung Kosten / Nutzen auch wirklich nicht lohnen.
Aber, ich komme wieder zum Anfang, man könnte dem Kunden schon sagen, was man wirklich macht. Finanzdienstleistungen brauchen die Menschen ja trotzdem. Und MP3 Player werden ja auch gekauft, obwohl der Mediamarkt kein Technologieberatungszentrum ist… .
Wenn sich die Leute dann auf MP3-Player-Niveau mit ihren Anlagen beschäftigen, wäre die Welt ein Stück besser. Glaube ich zumindest.

Gruß vom Money-Schorsch

Guten morgen,

problematisches. Natürlich kann sich der Kunde für weniger
Geld eine Nullkupon-Anleihe und ein Index-Zertifikat kaufen,
aber welcher Privatanleger macht das schon bzw. blickt da en
detail durch?

Keiner. Bei den meisten dieser Produkte würde der Kunde aber
mit 100% in einem Zerobond besser fahren, weil Konzeptbedingt
der Cashlock droht.

nun, wenn aber bei solchen Konstruktionen eines transparent ist, ist das doch, wann man alle bisherigen Kursgewinne verwirkt hat und wieder auf den Einstandswert zurückfällt. Da würde ich dann doch wieder den Fehler beim Anleger suchen und nicht beim Produkt, denn es ist dann der Anleger, der einen Mittelweg zwischen Wertsteigerung und Absicherung sucht, der naturgemäß und offensichtlich mit einem Verlust an Renditepotential einhergeht.

Wenn es sich um genau das gleiche Produkt handelt, kann man
die Sinnfrage stellen, wenn es sich um den gleichen Emittenten
handelt, aber genau gleiche Produkte vom gleichen Anbieter
sind mir eigentlich nicht bekannt.

Ein Beispiel aus den Hause DWS:
Beworben (und mit entsprechenden Vertriebsvorgaben versehen)
wurde im Sommer die Produktfamilie „db PrivatMandat“.
Aufwändiger TV-Spot zur besten Sendezeit. Die Idee,
potenzielle Kunden auf vermögensverwaltende Fonds aufmerksam
zu machen ist ja auch bestens.
Aber das Produkt? Nehmen wir den Klassiker „Balance“. Ich kann
hier keine Grafiken einstellen, aber vergleiche diesen
(LU0110176657) mal mit dem „Vermögensmandat Balance“
(LU0309483435) aus dem gleichen Haus.
Natürlich sind die Fonds nicht identisch, sonst gäbe es ja
keine Performaceunterschiede. Aber es ist die gleiche
Zielgruppe und das gleiche Ergebnis auf dem WphG-Bogen.
Warum wird das eindeutig schlechtere Produkt aktiv vertrieben?
Wegen 0,65% höherer Fee? Warum sonst?

Ich kann nicht beurteilen, ob einer der Fonds intensiver vertrieben wird als der andere. Die drei letzten Jahre (und ausgerechnet die letzten drei Jahre) für ein abschließendes Urteil heranzuziehen, finde ich bei einem Fondsprodukt aber generell problematisch. Außerdem könnte man ja auch die Gebühren bei dem besseren Produkt heraufsetzen, wenn man denn wollte - oder das billigere einstampfen usw.

Das kann ich en detail nicht beurteilen, allerdings sind die
Produkte auch von Kunden explizit so nachgefragt worden.

Fonds, die von vornherein keine Chance auf wirtschaftlichen
Erfolg hatten und in den USA lachend als „stupid german money“
bezeichnet wurden, hat vermutlich niemand explizit
nachgefragt.

Da bin ich mir sogar sicher, weil wir die Dinger gar nicht aktiv vertrieben haben. Nebenbei: es haben durchaus welche wirtschaftlichen Erfolg gehabt, wenn auch möglicherweise nicht die, die öffentlich vertrieben wurden.

Es ist natürlich eine Frage des einzelnen Mitarbeiters, wie er
diese beiden Ziele gegeneinander abwiegt. Es gibt eben so’ne
und so’ne.

Bei denen, die ich persönlich kenne (von der
Produktanbieterseite her), ist keiner, der sagt, dass er seine
Kunden uneingeschränkt so beraten kann, wie er es gerne
möchte.
Zu abstrakt sind oft die Ideen aus den Vorstandsetagen, wie
und mit was jetzt noch schnell Erträge generiert werden
müssen. Die Führungsmethoden sind oft nicht mehr weit weg von
dem was man aus den heftigen Strukturvertrieben so kennt.

Natürlich, keine Frage. Ich kenne es so aus dem Firmenkundenbereich, gehe aber davon aus, daß das bei den Privatkunden nicht anders ist. Es ist dann aber auch eine Frage der Vertriebsfähigkeiten des Kundenbetreuers. Wenn der jeglichem Kundenkontakt aus dem Weg geht und jede Woche nur mit drei Kunden spricht, muß er den dreien natürlich das Produkt aufschwatzen, was derzeit en vogue ist - unabhängig davon, ob sie es brauchen. Ein Kundenbetreuer, der wesentlich mehr Kunden an der Angel hat, kann insofern viel stärker auf die Kundenbedürfnisse eingehen.

Aufgrund Deiner sehr tiefen Fachkenntnis gehe ich davon aus,
dass Du nicht (mehr) direkt im Endkundengeschäft aktiv bist?

Wenn ich das mal war, dann nicht im Privatkundenbereich.

Vielleicht auch für ein Institut, das nicht um die letzten
Margenpunkte im verflixten Retailgeschäft kämpft.
Aber kennst Du wirklich eine erkleckliche Anzahl an
Kundenbetreuern, die etwas anderes Berichten, als ich oben?
Kann ja sein, ich kenne die falschen Leute.

Das kann ich nicht beurteilen, aber die, die ich kenne, berichten, was ich oben schrieb: der Druck ist groß, aber es hängt halt davon ab, zu wievielen Kunden man guten Kontakt hat. Je mehr es sind, desto besser kann man die zu vertreibenden Produkte auf die Kunden „verteilen“, zu denen sie passen.

sollte man sich die Mühe schon machen, zumindest das meist
einseitige Kapital „Risiken“ durchzulesen.

Der leider ziemlich unbedarfte Normalanleger würde eigentlich
nicht mal mehr einen Rentenfonds kaufen, wenn er sich die
Risikohinweise durchlesen und diese ernst nehmen würde,
befürchte ich. Der Hinweis des Beraters „Das muss da stehen,
aber da müsste schon die Welt untergehen, dass es so schlimm
kommt. (Augenzwinkern) …und dann isses auch egal, oder?“
reicht meist zur Beruhigung.

Das kann ich nicht beurteilen. Bei dem schlechten Ruf, den Bankangestellte mittlerweile haben, kann ich kaum glauben, daß dem Spruch und dem Augenzwinkern heute noch einer Glauben schenkt. Und wenn, bin ich wieder bei dem MP3-Player: die Risiken werden beschrieben und zwar in verständlicher Sprache (allein schon wegen der Prospekthaftung). Wer das nicht liest, ist selber schuld.

Nebenbei: meine Theorie geht ja ohnehin in die Richtung, daß sich die Leute umso mehr belabern lassen und nicht selbst informieren, je wichtiger eine Entscheidung ist. Obwohl vom Fach, habe ich den Notar seinerzeit mit etlichen Fragen zum Immobilienkaufvertrag gelöchert. Höchst irritierend fand ich am Ende die Bemerkung, daß noch nie einer so viele Fragen gestellt hätte wie ich.

Woher kommt das? Warum meinen so viele Menschen, in Finanzdingen den Experten mimen zu müssen anstatt ihre Unwissenheit zu artikulieren? Glauben die wirklich, daß ihre Unwissenheit nicht auffällt, wenn sie nur lange genug den Mund halten?

Das läßt sich dann ja anhand des Protokolls nachvollziehen.
Wenn die Anlageziele nicht zum Produkt paßten, ist das ja
schnell zu erkennen.

Ich habe nicht behauptet, dass der Bankvertriebsmitarbeiter
grundsätzlich frei von jeder Intelligenz und Kreativität ist!
Das Protokoll wird passen. Ganz sicher. Denn bis zu dessen
Unterschrift will der Kunde ja dieses geile Produkt haben.

Mag sein, aber warum wird die Frage nach regem Optionsscheinhandel in der Vergangenheit mit ja beantwortet, wenn man noch nicht einmal eine Aktie im Depot hatte?

Wenn sich die Leute dann auf MP3-Player-Niveau mit ihren
Anlagen beschäftigen, wäre die Welt ein Stück besser. Glaube
ich zumindest.

Da sind wir fraglos einer Meinung.

Gruß
Christian

Hallo, bei Betrachtung der Frage von dreyer3 gehören m.E. viele Antworten
in den chat-room. Ich schwöre z.Zt. auf Bonus-Zertifikate mit
Zinsen von 5 - 6% p.a.und natürlich großem Sicherheitspuffer.
Unterschiedliche Fälligkeiten von 6 Mo. bis 18 Mo. Motto:
Kleinvieh macht auch Mist. Gruß

Hallo, bei Betrachtung der Frage von dreyer3 gehören m.E.
viele Antworten
in den chat-room. Ich schwöre z.Zt. auf Bonus-Zertifikate mit
Zinsen von 5 - 6% p.a.und natürlich großem Sicherheitspuffer.
Unterschiedliche Fälligkeiten von 6 Mo. bis 18 Mo. Motto:
Kleinvieh macht auch Mist.

Und auch hier wieder eine Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Es geht um die Frage, ob der Erwerb eines bestimmten Fonds einer Falschberatung geschuldet ist oder nicht. Da es der Fragesteller vorzieht, sich zu dem Thema nicht zu äußern oder gar Fakten beizubringen, die eine Beurteilung des Sachverhaltes erlauben, ist das ganze Gerede ohnehin überflüssig.

Hallo Christian,

ich glaube wir sind nun an einem Punkt angelangt, an welchem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Standpunkte klar besprochen sind.
Wir scheinen uns einig zu sein, dass der „Otto-Normal-Anleger“ selbst mehr Verantwortung für seine Anlagen übernehmen muss.

Unterschiedlich streng gehen wir mit der Finanzbranche um. Damit können wir aber wahrscheinlich beide leben.
Ich verabschiede mich jedenfalls an dieser Stelle in ein sonniges Wochenende und werde erst am Montag wieder versuchen, die Welt zu verbessern… . :wink:

Danke für die angeregte Diskussion und schönes Wochenende.

Der Money-Schorsch