Weshalb riecht d. hauptfigur v.'des Parfum' nicht?

hallo!

die hauptfigur „grenouille“ aus patrik suesskinds roman „das parfum“ hat aufaelligerweise selbst keinen eigengeruch.
wieso?
mir ist weder im verlauf der handlung noch literarisch gesehen ein guter grund aufgefallen.
gruesse
hannes

mir ist … im verlauf der handlung
… kein guter grund
aufgefallen.

Mir auch nicht, aber ich denke, daß er durch seine Geruchlosigkeit als Kontrast zu den extremen Gerüchen seiner Zeit (siehe die ersten Seiten) gesetzt wurde. Außerdem war es ihm so möglich, die anderen Gerüche unverfälscht aufzunehmen. Aber das ist wie gesagt nur eine Vermutung.

Gandalf

Neutralität
Hi!

Ich stimme Gandalfs Vermutung zu, daß J.B.G. deswegen keinen Eigengeruch hat, um aus dieser Neutralität heraus erst zur Wahrnehmung feinster Gerüche befähigt zu sein. Außerdem ist dies eine subtile Metapher für das Fehlen einer eigenständigen Persönlichkeit - denn neben allen anderen Romanen ist das Parfum ja auch ein Entwicklungsroman.

Lesetip: es gibt unter dem Titel „Unter der Jaguar-Sonne“ von Italo Calvino eine Sammlung dreier genialer Kurzgeschichten, deren jede einen bestimmten Gesichtssinn literarisch verarbeitet - in diesem Fall Geruchs-, Geschmacks- und Hörsinn. Kann ich unbedingt empfehlen!

Gruß,

hendrik

hi!
seine eigene geruchslosigkeit ist doch nicht unmotivierter als sein phänomenaler geruchssinn?

leider ist es zulange her, dass ichs las, sonst könnte man überlegen, ob die geruchslosigkeit denn erzähltechnisch notwendig war. ob sie also, wenn auch selbst unmotiviert, als motivation für etwas anderes dient. (und ich glaube, das ist so, nicht wahr?)
süskind braucht grenouilles duftarmut nicht, weil sie aus irgendwelchen tatsachen in der geschichte (oder unserer welt) notwendig folgt, sondern um aus ihr konsequenzen für seinen protagonisten ziehen zu können.

grüße
jonas

Sein fehlender Geruch macht Grenouille zu einem unvollständigen Menschen. Solange er
nicht wie ein Mensch riecht, bleibt er aus der Gesellschaft ausgeschlossen, wenngleich die meisten ihm nicht sagen könnten, warum sie ihn nicht mögen.
Er steht also von Geburt an am Rand der Gesellschaft. Erst als er lernt diesen Geburtsfehler zu kaschieren, hat er eine Chance auf Akzeptanz. Er bewegt sich vom Rand der Gesellschaft in deren Mitte. Zum Schluss gelingt es ihm sich mit Hilfe des Duftes der schönsten Frauen zum totalen Mittelpunkt zu machen, er ist das Zentrum, dem die Menschenmassen zustreben.
Sein Leben ist eine Bewegung vom Rand -als geruchsloser Unmensch- zum Mittelpunkt der Gesellschaft -der maßlos gut riechende Mensch. Das Erreichen seines Ziels bedeutete
zugleich seinen Tod, er wird von der gierigen „Meute“ zerfetzt.

ciao Iris