Wichteln

Hallo,

ich hab die nun abgeschlossenene Diskussion zum Thema „Julklapp/Wichteln“ mit Interesse verfolgt, denn als Franzose hatte ich nie davon gehört.

Alle Beiträge kamen aus Norddeutschland. Ist das also typisch norddeutsch?
Wie heisst Wichteln sonst woanders?
Wenn ich richtig verstanden habe, wichtelt man NACH Weihnachten. Man tut alle Geschenke, an denen man keinen richtigen Gefallen gefunden hat, in einen Sack und jeder darf ein Geschenk daraus ziehen? Wo findet das statt? In den Betrieben? An den Schulen? Auch im Familienkreis? Macht man das nur nach Weihnachten?

LG

Benoît

Hallo,

Alle Beiträge kamen aus Norddeutschland. Ist das also typisch
norddeutsch?

meines Wissens gibt es keine regionale Begrenzung.

Wie heisst Wichteln sonst woanders?

z. B. Julklapp oder Engerlspiel.

Wenn ich richtig verstanden habe, wichtelt man NACH
Weihnachten.

Nein, es findet in der Vor weihnachtszeit statt.

Wo findet das statt? In den
Betrieben? An den Schulen? Auch im Familienkreis?

Da bestehen keine festen Regeln.

Zum Nachlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wichteln
http://www.wichteln.de/WichtelnBeschreibung.php

Gruß
Kreszenz

Hallo Kreszentia,

ich hatte gedacht, dass es nach Weihnachten stattfindet, denn ich hatte anscheinend falsch verstanden, die Schenkenden würden dadurch ihre unerwünschten Weihnachtsgeschenke los.

LG

Benoît

Dafür gibt’s doch ebay :wink: (OWT)

Salut Benoit,

Ist das also typisch norddeutsch?

in gewisser Hinsicht: Ja.

Einmal, weil es eine sehr moderne Sache ist - in meinem Jahrgang 1961 wirst Du zumindest südlich der Mainlinie niemanden finden, dem das schon von Jugend auf eine Gewohnheit oder persönliche Tradition war. Wenn man jetzt den deutschen Kulturkreis in einen „konservativen“ und einen „progressiven“ Teil tranchieren will, wird man auf eine Nord-Süd-Teilung kommen, das hat auch mit den vorherrschenden Konfessionen zu tun: Der katholische, barocke, danubische Süden (incl. dem Gebiet von Vorderösterreich, aus der ich stamme - seit dem 19. Jahrhundert zu Württemberg gehörig) träumt immer noch von einer Revanche für 1866 (gewaltsame deutsche Einigung, vulgo Unterwerfung durch das Königreich Preuszen) und wälzt sich in angenehm feucht-warmen Erinnerungen an die Donaumonarchie, an das schwäbisch-sizilianische Stauferreich, auch daran, wie Prinz Eugen vor Belgrad die Türken verdroschen hat und dergleichen. Der lutherische, rhenanische Norden kümmert sich um Industrie, Handel und Seefahrt, schert sich wenig um Wein, Weib und Gesang, sinniert dafür umso fleißiger, wie man die Reichweite der Dicken Berta noch vergrößern könnte und ob man damit nicht auch Nukleargeschosse lancieren könnte etc. Seine Freude heißt Pflicht, und sein Blick geht nach vorne.

Dementsprechend sind viele modischen Amerika-Importe im Norden Deutschlands schneller und eher zu Hause als im Süden: Muttertag, Valentinstag, Halloween und dergleichen Unfug hatten für mich subjektiv immer das Konnotat von „Norddeutschem“…

– Zum sprachlichen Aspekt gibts auch eine Nord-/Süd-Trennung: Die eigentlich aus dem germanisch-skandinavischen Kreis stammenden Wichtelmännchen heißen im Süden Heinzelmännchen und haben auch eine etwas andere Funktion - sie sind stille, freundliche Helfer, ungefähr vergleichbar mit Jean-qui-Passe aus der Ardèche.

Das führt jetzt ins Spekulative, aber beim Vergleich der Volkssagen und -legenden kommt die Idee auf, daß im deutschen Süden, der sich schon seit etwa fünfzehnhundert Jahren (Unterwerfung der Alemannen durch die Franken unter Clovis, später Christianisierung) an mehr oder weniger ständige Niederlagen gewöhnt hat, vieles Neue und Ungewohnte als „irgendwie von Norden her kommend“ empfunden wird.

Beiläufig: Ich weiß überhaupt nicht, wie man wichtelt, und das interessiert mich auch nicht. Aber zur „alten Fasnet“ um den Funkenring würfeln kann ich gut, und zu Weihnachten geh ich immer noch in den Garten, um zu schauen, daß da keine Klinge offen herumliegt, damit sie in den Rauhnächten Muetes Heer nicht in die Finger kriegt. Und wenn ich bei den Nachbarn im alemannischen Elsass bin, kann ich zu Epiphanias mit dem Gâteau des Rois umgehen.

Moden und Mödelein wechseln, der Süden bleibt…

Schöne Grüße

MM (Redneck)

Hallo, Martin,

in meinem
Jahrgang 1961 wirst Du zumindest südlich der Mainlinie
niemanden finden, dem das schon von Jugend auf eine Gewohnheit
oder persönliche Tradition war.

an meiner Schule in Mittelschwaben wurde Anfang der 60er schon begeistert gewichtelt - und das bis zum Abitur. War aber wohl mehr „Mädchensache“ :wink:

Gruß
Kreszenz

Hallo,

ich hatte gedacht, dass es nach Weihnachten stattfindet, denn
ich hatte anscheinend falsch verstanden, die Schenkenden
würden dadurch ihre unerwünschten Weihnachtsgeschenke los.

Das machen nur manche, aber es sind die Geschenke vom Jahr zuvor!

Gruß
Elke

?
Hallo Martin,

bislang hielt ich dich eigentlich für ganz vernünftig. Jetzt tust du mir nur noch Leid. Es sind zwar viele, zum Glück aber nicht alle Süddeutschen so wie du.

Gruß
Ultra

PS: Hast du mal darüber nachgedacht, was heute für ein Datum ist?

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Hallo,

Ist das also typisch norddeutsch?

in gewisser Hinsicht: Ja.

Nein.

Einmal, weil es eine sehr moderne Sache ist - in meinem
Jahrgang 1961 wirst Du zumindest südlich der Mainlinie
niemanden finden, dem das schon von Jugend auf eine Gewohnheit
oder persönliche Tradition war.Da darf ich dir widersprechen, Martin.

Bei uns gabe es in der Grundschulklasse und auch im Sportverein den „Grabbelsack“ (so nennt es Wiki, ich dachte immer es sei „Krabbelsack“, aber das ist weniger wichtig). Ach ja: ich bin Jahrgang 59 und das ist in den 60er Jahren gewesen.
Jeder bekam die Vorgabe ein KLEINES Geschenk verpackt mitzubringen, und dann erhielt jeder eines aus dem Sack (oder durfte mit den Fingern drin rumkrabbeln und eins rausziehen).

Was ich im englischsprachigen Sprachraum neu kennengelernt habe, ist die Variante „Secret Santa“, wo jeder im Vorlauf einen Namen zieht und eben diesem eine kleines Geschenk machen muss, stellvertretend dafür ALLEN bei so einer Gelegenheit ein Geschenk machen zu „müssen“.

Gruß
Elke

ich hatte gedacht, dass es nach Weihnachten stattfindet, denn
ich hatte anscheinend falsch verstanden, die Schenkenden
würden dadurch ihre unerwünschten Weihnachtsgeschenke los.

Hallo!

Dafür gibt’s in der Familie meines Freundes eine Tradition zu Silvester: Scheußlichkeitenwürfeln. Alle Scheußlichkeiten, die man so geschenkt bekommt über’s Jahr und auch zu Weihnachten, werden zu Silvester neu verteilt :wink:. Die Regeln sind wohl so ähnlich wie beim Wichteln, kenn ich aber nur von Erzählungen, ich war selbst noch nicht dabei.

Gruß,
Thorid

Hallo Martin,

diese Beobachtung täuscht sicher:

Dementsprechend sind viele modischen Amerika-Importe im Norden
Deutschlands schneller und eher zu Hause als im Süden:
Muttertag, Valentinstag, Halloween und dergleichen Unfug
hatten für mich subjektiv immer das Konnotat von
„Norddeutschem“…

Einiges davon färbt auch direkt von den Ameriikanern vor Ort im Südwesten ab.

Grüße,
Ostlandreiter

Hallo Martin,

bislang hielt ich dich eigentlich für ganz vernünftig. Jetzt
tust du mir nur noch Leid.

Es war vielleicht eine überspitzte Darstellung, aber in gewisserweise halte ich sie schon für nachvollziehbar. Ich habe so einige Tendenzen wiedererkannt, die ich auch selbst beobachtet habe. Natürlich hat nicht jeder Süddeutsche einen süddeutschen, nicht jeder Norddeutscher einen norddeutschen „Geist“ in sich.
Daß es zwischen dieser Erscheinung und der eigentlichen Frage anscheinend keinen Zusammenhang gibt, steht auf einem anderen Blatt.

Grüße,
Ostlandreiter