Hallo Oliver.
Zum Sachverhalt hat Maximilian bereits alles gesagt; ich will versuchen, es anders zu erklären.
Bei vorhandenen Singularitäten von f ist das Integral
b
INT f(z)dz
a
i.a. wegabhängig. Also kann es eine Funktion F, für die immer
b
(1) INT f(z)dz = F(b) - F(a)
a
gilt, nicht geben.
Natürlich kann man das Integral
w
(2) F(w)= INT f(z)dz
w<sub>0</sub>
bilden, und die so definierte Funktion F hat auch die Eigenschaft
(3) F'(z)=f(z),
aber sie hat eben nicht die Eigenschaft (1).
Im Reellen sind die Eigenschaften (1) und (3) äquivalent (Hauptsatz der D+I - Rechnung), im Komplexen gilt das nicht, bzw. nur dann, wenn man sich auf einfach zusammenhängende Gebiete beschränkt.
Im laxen Sprachgebrauch nennt man eine Funktion, die (3) erfüllt, Stammfunktion; dies tun auch viele Autoren, sofern in den Büchern über Funktionentheorie überhaupt das Wort Stammfunktion gebraucht wird. Man denkt nicht weiter darüber nach, da einem der Sachverhalt klar ist, und im Reellen ist das ja auch korrekt. Eine Stammfunktion im eigentlichen Sinn ist aber nur eine Funktion, für die (1) gilt.
Die Funktion f(z) = 1/z hat einen Pol bei 0. Also darf man nur einfach zusammenhängende Gebiete betrachten, die den Nullpunkt nicht enthalten. In diesen Gebieten gilt (1), wenn Du F(z) = ln z wählst.
Wenn Du aber auf dem Einheitskreis um 0 herum integrierst, ist das Gebiet nicht mehr einfach zusammenhängend, und (1) muß nicht gelten.
Gruß
meridium