Wie alt ist Wasser?

Moin,
könnte sein dass diese Frage in „Chemie“ gehört…

Man hört in Werbespots für Mineralwässer immer, dass das dieses Wasser xx Millionen Jahre alt ist. Ist Wasser denn unterschiedlich alt? Wenn ja, wird auch heute noch Wasser „produziert“?

Paul

Hallo!

Wenn Wasser besonders alt sein soll in der Werbung, dann ist damit wohl gemeint, dass das Wasser in der Flasche, bevor es dort befüllt wurde, (angeblich) zum größten Teil sehr lange unter der Erde war, ohne als Regen vom Himmel gefallen zu sein oder anderweitig von der Oberfläche heruntergekommen zu sein.
Such mal nach dem Stichwort Wasserkreislauf.
Da wird das deutlich.
Natürlich produzieren wir Wasser, z.B. wenn Erdgas verbrannt wird.
Im Verhältnis zu den Wassermengen der Ozeane, deren Wasser chemisch schon lange existiert, sind die produzierten Mengen vernachlässigbar.
Außerdem tauschen die Wasseratome ihre Protonen aus.
Chemisch gesehen gibt es daher nicht wirklich altes und neues Wasser.
Jedenfalls nicht, wenn sie vermischt werden.
Außerdem ist Wasser chemisch sehr stabil.
Es geht nicht schlecht wie eine Milch und reift auch nicht wie ein Wein. Die Werbung macht eben gerne solchen Kram.
Wie sich der Quellort auf die Mineralien im Wasser auswirkt und welche Schadstoffe eventuell enthalten sein können, das steht nochmal auf einem anderen Blatt Papier.

Viele Grüße,
Stefan

Hallo,

Man hört in Werbespots für Mineralwässer immer, dass das
dieses Wasser xx Millionen Jahre alt ist.

Nicht ganz, sondern dass es soundso lange bis zur Quelle unterwegs war. Allerdings ist nicht gesagt, ab wo bzw. wann diese Zeit gezählt wird. Das Wort „Werbung“ ist nicht nur kürzer, sondern passt hat besser als „Verbraucherinformation“.

Ist Wasser denn
unterschiedlich alt? Wenn ja, wird auch heute noch Wasser
„produziert“?

Ja, tatsächlich ist das so.

Wassermoleküle haben sich auf der frühesten Erde schon gebildet, es ist zum großen Teil schon in der Staubwolke vorhanden gewesen, aus der sich unser Sonnensystem gebildet hat.

Seit dem Aufkommen der oxygenen Photosynthese (das, was die Cyanobakterien und die grünen Pflanzen machen), wird Wasser aber auch wieder in seine Bestandteile (Wasserstoff und Sauerstoff) zersetzt. Bei Verbrennungen (und zwar egal, ob als Feuer oder biochemisch in Zellen („Zellatmung“)) werden diese Elemente wieder zu Wasser zusammengesetzt.

Nach den Angaben in Wikikepdia beträgt die globale Netto-Primärproduktion an Biomasse 80 Billiarden Gramm. Geht man davon aus, dass etwa 50% der Brutto-Primärproduktion wieder veratmet wird, dann muss die Brutto-Primärproduktion bei etwa 160 Billiarden g oder 16 Billionen Tonnen liegen. Nach der chemischen Summenformel der Photosynthese bzw. Zellatmung werden im Schnitt pro 180g Biomasse 108g Wassermoleküle umgesetzt. Bei 16 Billionen Tonnen Biomasse sind das also etwa 10 Billionen Tonnen Wasser, die jährlich auf der Erde neu entstehen (und auch wieder auseinandergenommen werden).

Die 10 Billionen Tonnen Wasser haben ein Volumen von 10000 Kubikkilometern.

Die Gesamtmenge an Wasser auf der Erde wird mit 1,4 Milliarden Kubikkilometer angegeben.

Pro Jahr werden daher etwa 0,07% des gesamten Wassers auf der Erde auseinandergenommen und neu hergestellt. Vernachlässigt man, dass sicher ein Teil des jährlich neu hergestellten Wassers wieder gespalten und neu zusammengesetzt wird, wären in 70 Tausend Jahren etwa die Hälfte des Wassers auf der Erde einmal „erneuert“ worden.

LG
Jochen

Hallo,

Außerdem tauschen die Wasseratome ihre Protonen aus.
Chemisch gesehen gibt es daher nicht wirklich altes und neues
Wasser.

Das ist ein guter Punkt!

Obwohl: es müsste heißen: Chemisch gesehen gibt es kein altes Wasser.
Kein individuelles Wassermolekül dürfte älter als einige Sekunden oder Minuten sein. Damit ist auch meine vorige Rechnung recht unnütz… :frowning:

LG
Jochen

Hallo Paul

Wenn Du das meinst, was aus dem Hahn kommt, ist eine Mindestverweildauer im Erdreich von (war früher so, was heute ist weiß ich leider nicht) 40 Tagen vorgeschrieben. Man geht dabei von der Annahme aus, dass das versickernde Wasser innerhalb dieser Zeit von Mikroorganismen im Erdreich ausreichend gereinigt wird und Keime (E.coli und Verwandte) nicht mehr leben, das Wasser also bakteriell einwandfrei ist. Das galt für die Schluck- und Saugbrunnengalerieen am Rhein ab Düsseldorf. Trotzdem war die Brühe in Hildenin den 60ern als Zahnputzwasser fast nicht zu brauchen und die volle Badewanne war bräunlich und roch nicht gerade frisch.
Weiterhin gibt es um Brunnengalerien herum Sperrgebiete für Tankwagen mit grundwassergefährdenden Stoffen.

Die Verweildauer von Wasser im Boden ist sehr stark von den Gesteinseigenschaften abhängig. Während bei Tiefengesteinen (Granit- Gabbro) Wasser nur in Klüften zirkulieren kann und gespeichert wird und auch schon nach einer Woche oder noch schneller wieder austritt, kann das bei Ergussgesteinen (Basalte, Porphyre) etwas besser aussehen. Beste Ergebnisse für uns Menschen haben z. B. Sandsteine, die ein freies offenes Porenvolumen haben, in dem das Wasser langsam zum Austritt fließt. bei uns im Saarland sind die geförderten Buntsandsteinwässer bis zu 400 jahren alt; der Niederschlag aus der Zeit des 30-jährigen Krieges ist heute früh in meinem Kaffee gelandet. Bei Kalken sieht es wieder etwas schlechter aus, da läuft das Wasser wieder in Klüften löst den Kalk in einem Gebiet auf und schidet ihn an anderer Stelle wieder ab.
(schwäbische Alb, Tropfsteinhölen und Donauversickerung als Beispiele)
Die Altersbestimmung des Wassers geschieht durch Sauerstoff- Isotopenmessung und Vergleiche. Ganz kurzzeitige Messungen werden durch Färbeversuche angestellt

Ich will hier aber nicht noch tiefer in das Gebiet der Hydrologen und Hydrogeologen eindringen, am Ende schreib ich noch Angreifbares und die machen mich total fertig, weil ich mich als ehemaliger Geochemiker und Prospektionsgeologe mal wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt habe.
Gruß vom Klugscheisser Olschi

Moin,

könnte sein dass diese Frage in „Chemie“ gehört…

stimmt :wink:

Man hört in Werbespots für Mineralwässer immer, dass das
dieses Wasser xx Millionen Jahre alt ist. Ist Wasser denn
unterschiedlich alt? Wenn ja, wird auch heute noch Wasser
„produziert“?

Wasser ist etwas dynamisches, solange es im üblichen Kreislauf bleibt, ähnlich wie Kohlendioxid, Stickstoff, Schwefel und was weiß ich.
Es wird gebildet und zersetzt, z.B. durch Photosynthese.

Wird es aber aus dem Kreislauf herausgenommen und versackt in große Tiefen, dann kann man dem Kollektiv ‚(Grund)wasser‘ ein Alter zuweisen, nämlich die Zeit, die es aus diesem Kreislauf herausgenommen wurde.
Allerdings ist das Grundwasser nur in seltenen Fällen komplett isoliert, meist gibt es Kontakte ‚nach außen‘
Man kann das u.a. daran erkennen, ob bestimmte antropogene Substanzen vorhanden sind oder nicht.

Einem indiviuellen Wassermolekül ein Alter zuzuweisen ist, wie schon erwähnt wurde recht problematisch bzw. unsinnig.

Gandalf

Tach,

hab irgendwo mal gelesen, dass das Wasser auf unserer erde wirklich verschieden alt ist, also unterschiedlich lang auf der erde. es gab mehrere große eisbroken, die mit der erde kollidierten, und das mit tausenden jahren distanz.

lg guseman

Tach auch,

es gab mehrere große eisbroken, die mit der erde
kollidierten, und das mit tausenden jahren distanz.

und?
flüssiges Wasser ist etwas höchst dynamisches.
Die Wasserstoffe tauschen binnen Mikrosekunden aus und wie willst Du dann noch was nach Alter staffeln?

Selbst in Eis und in Kristallhydraten kommt es zu Austauschreaktionen.

Gandalf