Wie am besten auswendig lernen?

Hallo!

Ich hab ein kleines Problem. Und zwar muss ich für ein Examen
einen längeren Text auswendig können. Und zwar sinds genau 58
Seiten. Wie mach ich das am besten?

Leider hab ich garkeine Erfahrung mit soner enormen Länge an
Text, und bin ziemlich verloren.

gruss,

Michèle

58 Seiten? Auswendig? Komplett? Holla die Waldfee, bist du sicher? Was studierst du denn?

Und was für ein Gedächtnis hast du? Je nachdem gibt es verschiedene Möglichkeiten etwas auswendig zu lernen.
Hast du ein fotografisches Gedächtnis, hilft es den Text Seite für Seite zu fokussieren und geistig aufzurufen, so dass du irgendwann das Blatt vor dir siehst, und zumindest Teile davon „ablesen“ kannst.
Phrasen merkst du dir am besten indem du sie dir durchliest, vorliest oder vorlesen lässt, falls du eher akkustisch gepolt bist.

Brauchst du nur den groben Inhalt, hilft es auch Textpassagen als Antwort auf mögliche Fragen zu formulieren.

Ansonsten rate ich dazu, dir Wortreihenfolgen zu merken, z.B. wenn in einer Passage ein markantes Fremdwort vorkommt dieses merken, was darauf kommt, und dann darauf. Das hilft ungemein weil man dann nur noch die Sätze komplettieren muss.

Dennoch stell ich es mir äußerst ungewöhnlich vor, dass man 58 Seiten komplett auswendig kennen muss, ohne Karten und alles, das ist mir so noch nicht begegnet und ich glaub die meisten meiner Profs könnten es auch nicht.

lg
Kate
Klappt bei der Endosymbiontenthese ganz gut.

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Hallo Michèle

Ich finde es auch reichlich merkwürdig, dass jemand 58 Seiten Text für ein Examen auswendig können muss.

Zur Lerntechnik an sich wurde bereits etwas geschrieben. Du musst herausfinden, was für Dich am besten geht, ob eher visuell oder akustisch, die Typen sind da sehr verschieden.

Was die Länge angelangt, so fährst Du wohl besser, wenn Du nicht 58 Seiten Text probiert in Deinen Kopf zu hämmern, sondern 58 mal eine Seite oder 29 mal zwei Seiten. Also den Text sinnvoll gliedern und dann die einzelnen Abschnitte auswendig lernen. Wobei sinnvoll Gliedern heisst, dass jeder Abschnitt einen inneren Zusammenhang haben sollte, also z.B. eine Gliederung nach Kapiteln oder Themen, auch wenn dann nicht alle Abschnitte gleich lang sind. So musst Du beim Abrufen des Gelernten nur noch denken „Ach, jetzt kommt der Abschnitt, wo es um xy geht“, und schon taucht der gesamte Abschnitt in Deinem Kopf auf. So kannst Du die Abschnitte zunächst durchaus unabhängig von ihrer ursprünglichen Reihenfolge lernen, was verhindert, dass Du den Anfang perfekt kannst und das Ende dafür nicht. Nur solltest Du rechtzeitig damit anfangen, Dir dann noch die richtige Reihenfolge einzuprägen.

Na dann, viel Spass :wink:

Ursula

Hi Michèle,

Ich hab ein kleines Problem. Und zwar muss ich für ein Examen
einen längeren Text auswendig können. Und zwar sinds genau 58
Seiten. Wie mach ich das am besten?

Leider hab ich garkeine Erfahrung mit soner enormen Länge an
Text, und bin ziemlich verloren.

Also ich nehme mal an, Du meinst nicht richtig Wort für Wort auswendig, sondern Gedanke für Gedanke …

58 Seiten so richtig auswendig wäre ja vollkommen abgefahren :wink:

Theoretische Abhandlungen über Mnemotechnik bringen Dir ja hier sowieso nichts, drum führ ich Dir einfach mal meine Standardtechnik für sowas aus, jeder hat eine andere Methode auf die er schwört …

Ich musste mal für eine Prüfung ca. 50 Seiten Zusammenfassung zu Nietzsches „Genealogie der Moral“ lernen, und mir ist es folgendermaßen eigentlich recht leicht gefallen:

  1. Sinneinheiten bilden

  2. den einzelnen Gedanken, also z.B. Gedanke: „für Schopenhauer ist Musik von allen übrigen Künsten zu trennen, welche nur Abbilder der Phänomenalität bieten, denn die Musik ist die unabhängige Kunst an sich, sie spricht die Sprache des Willens selbst“ jeder Sinneinheit ein Wort zuordnen, hier: Schopenhauer

  3. die Wörter von Numero 2 irgendwie die Reihenfolge wahrend in einen Satz bringen, vollkommen sinnfrei, und teilweise auch nicht das ganze Wort, sondern eine Silbe, einen Buchstaben.

Beispiel dafür statt weiterer Erklärung:
5 Gedanken-Wörter dieser Sinneinheit:
Erdentreue, Zarathustra, Sklavenmoral, Gott, Schopenhauer
-> Er und Sara schlafen in Gottes Schuppen

(irgendwie halt, wie’s am leichtesten geht)

  1. die Sätze von Numero 3 wiederum entsprechend mit den Sinneinheiten von Numero 1 verbinden, z.B. hier als „Schlafstätte“

  2. die Sinneinheiten-Wörter in eine Erzählung einbauen (Verse sind dabei immer gut), z.B. Mein Cäsar suchte voll Geheul unsere Schlafstätte in Deutschland morgens um halb vier am Nachmittag nie Donnerstags auf … blablabla … je bescheuerter und idiosynkratischer, desto besser merkbar.

Auf jeden Fall sollte am Schluss die Merk-Geschichte auswendig sitzen, und die Merk-Sätze zu jedem Merk-Wort der Merk-Geschichte … :wink:

und dann muss halt (je nachdem wie stark das erforderlich ist) der entsprechende Gedanke da sein, also im Beispiel muss so:

Mein Cäsar …blablabla -> Schlafstätte -> Schuppen -> Schopenhauer -> Gedanke: „für Schopenhauer ist Musik von allen übrigen Künsten zu trennen, welche nur Abbilder der Phänomenalität bieten, denn die Musik ist die unabhängige Kunst an sich, sie spricht die Sprache des Willens selbst“.

Wenn das mit dem Übergang vom Gedanken zum Merk-Wort nicht klappt, dann musst Du halt noch eine Ebene dazwischen schalten; hängt natürlich auch davon ab, wie detailliert Du den Text brauchst.

Am Schluss, wenn Du dann die Merk-Geschichte gut kannst, dann hast Du den ganzen langen Text eigentlich gut abrufbar geordnet im Kopf, weil Du praktisch von Einheit zu Einheit springen kannst, und Dich so nicht an der Linearität des Textes aufhalten muss; ideal für eine Prüfung, aus meiner Sicht zumindest.

Viel Erfolg
Franz

P.S.: Das Ganze lässt sich natürlich individuell variieren, z.B. kann man das Grundgerüst auch mit Zahlen aufbauen, aber mir persönlich taugts so mit Wörtern am besten. Auch meinen Nachhilfe-Schülern hats so immer ganz gut getaugt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mnemotechnik

Hi,

ist zwar nicht ganz dasselbe, aber bei Theatertexten hilft es mir, den gesamten Text auf CD oder Kassette aufzunehmen und immer wieder anzuhören. Beim letzten Zwei-Personen-Stück habe ich noch nicht einmal versucht, mitzusprechen, einfach immer und immer wieder die Aufnahme laufen lassen, auch einfach im Hintergrund beim Autofahren oder Putzen oder so, und innerhalb von ca. 4 Wochen hatte ich den Text drauf.

Gruß,

Florian

Hallo,

wenn es nicht tutikompletti sein muss - schon mal mit Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken probiert? Mind Map ist doch dafür ideal - abhängig vom Lerntyp.

Viele Grüße von Kim