Hi Michèle,
Ich hab ein kleines Problem. Und zwar muss ich für ein Examen
einen längeren Text auswendig können. Und zwar sinds genau 58
Seiten. Wie mach ich das am besten?
Leider hab ich garkeine Erfahrung mit soner enormen Länge an
Text, und bin ziemlich verloren.
Also ich nehme mal an, Du meinst nicht richtig Wort für Wort auswendig, sondern Gedanke für Gedanke …
58 Seiten so richtig auswendig wäre ja vollkommen abgefahren 
Theoretische Abhandlungen über Mnemotechnik bringen Dir ja hier sowieso nichts, drum führ ich Dir einfach mal meine Standardtechnik für sowas aus, jeder hat eine andere Methode auf die er schwört …
Ich musste mal für eine Prüfung ca. 50 Seiten Zusammenfassung zu Nietzsches „Genealogie der Moral“ lernen, und mir ist es folgendermaßen eigentlich recht leicht gefallen:
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Sinneinheiten bilden
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den einzelnen Gedanken, also z.B. Gedanke: „für Schopenhauer ist Musik von allen übrigen Künsten zu trennen, welche nur Abbilder der Phänomenalität bieten, denn die Musik ist die unabhängige Kunst an sich, sie spricht die Sprache des Willens selbst“ jeder Sinneinheit ein Wort zuordnen, hier: Schopenhauer
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die Wörter von Numero 2 irgendwie die Reihenfolge wahrend in einen Satz bringen, vollkommen sinnfrei, und teilweise auch nicht das ganze Wort, sondern eine Silbe, einen Buchstaben.
Beispiel dafür statt weiterer Erklärung:
5 Gedanken-Wörter dieser Sinneinheit:
Erdentreue, Zarathustra, Sklavenmoral, Gott, Schopenhauer
-> Er und Sara schlafen in Gottes Schuppen
(irgendwie halt, wie’s am leichtesten geht)
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die Sätze von Numero 3 wiederum entsprechend mit den Sinneinheiten von Numero 1 verbinden, z.B. hier als „Schlafstätte“
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die Sinneinheiten-Wörter in eine Erzählung einbauen (Verse sind dabei immer gut), z.B. Mein Cäsar suchte voll Geheul unsere Schlafstätte in Deutschland morgens um halb vier am Nachmittag nie Donnerstags auf … blablabla … je bescheuerter und idiosynkratischer, desto besser merkbar.
Auf jeden Fall sollte am Schluss die Merk-Geschichte auswendig sitzen, und die Merk-Sätze zu jedem Merk-Wort der Merk-Geschichte … 
und dann muss halt (je nachdem wie stark das erforderlich ist) der entsprechende Gedanke da sein, also im Beispiel muss so:
Mein Cäsar …blablabla -> Schlafstätte -> Schuppen -> Schopenhauer -> Gedanke: „für Schopenhauer ist Musik von allen übrigen Künsten zu trennen, welche nur Abbilder der Phänomenalität bieten, denn die Musik ist die unabhängige Kunst an sich, sie spricht die Sprache des Willens selbst“.
Wenn das mit dem Übergang vom Gedanken zum Merk-Wort nicht klappt, dann musst Du halt noch eine Ebene dazwischen schalten; hängt natürlich auch davon ab, wie detailliert Du den Text brauchst.
Am Schluss, wenn Du dann die Merk-Geschichte gut kannst, dann hast Du den ganzen langen Text eigentlich gut abrufbar geordnet im Kopf, weil Du praktisch von Einheit zu Einheit springen kannst, und Dich so nicht an der Linearität des Textes aufhalten muss; ideal für eine Prüfung, aus meiner Sicht zumindest.
Viel Erfolg
Franz
P.S.: Das Ganze lässt sich natürlich individuell variieren, z.B. kann man das Grundgerüst auch mit Zahlen aufbauen, aber mir persönlich taugts so mit Wörtern am besten. Auch meinen Nachhilfe-Schülern hats so immer ganz gut getaugt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mnemotechnik