Hallo,
ich leide seit der Geburt an Hornhautverkümmung, ich schiele auf dem linken Auge und ich bin dadurch weitsichtig. Im Kindesalter habe ich ein Pflaster auf mein rechtes Auge bekommen, damit das linke trainiert wird.
Ich trage eine Brille mit, so glaube ich, 2,5 Dioptrien.
Jetzt habe ich gehört, dass man seine fehlsichtigen Augen selbst so trainieren kann, dass man keine Brille mehr benötigt. Auch in meinem Fall.
Ist das korrekt?
Wenn ja, wie genau funktioniert das?
Bitte um eure Antworten.
Vielen Dank im Voraus.
Gruß
Hi,
Es gibt Leute, die behaupten, man könne Fehlsichtigkeiten wegtrainieren. Diese Meinung geht auf einen gewissen Herrn Bates zurück und wird von Schulmedizinern abgelehnt, es gibt auch keine wissenschaftlich tragbaren Nachweise eines Erfolges. Wenn man sich ein wenig in der Physiologie des Auges auskennt, sind die empfohlenen Übungen auch wenig plausibel.
Die im frühen bis mittleren Erwachsenenalter auftretenden Kurz/Weitsichigkeit und Astigmatismus resultieren aus der Form des Auges. Die Altersweitsichitgkeit aus einer starrer werdenden Linse. Übungen die die Form des Auges verändern sollen sind für mich genauso glaubwürdig wie Übungen, die die Größe anderer Körperteile beeinflussen sollen.
Bei Störungen des beidäugigen Sehens kann man in der Entwicklungsphase einiges tun. Das Abdecken des eines, normalerweise führenden Auges zwingt das andere Auge zur Arbeit. Sonst wird nur noch das bessere Auge genutzt, das andere wird unter Normalbedingungen nicht mehr vom gehirn berücksichtigt. Auch Ungleichgewichte der Augenmuskulatur lassen sich in Grenzen durch trainige beeinflussen. Im Erwachsenenalter sind hier aber allenfalls geringe Effekte möglich.
A.
Hi Andreas
Absolut korrekt und schön beschrieben - gibt auch von mir n Sternchen.
Als Mediziner teile ich Deine Meinung, allerdings cum granu salis: Bei geringer Fehlsichtigkeit (wie vom Poster beschrieben) könnte ich mir sogar gewisse verbesserte Komensationsmöglchkeiten derselben durch Augenraining a la Bates vorstellen.
Ich gestehe, dass ich es auch mal versucht habe, ich glaub es war 1982 in einem Freibad in Wedding. Aber dafür intensiv. Bei MEINER Dioptrienzahl (und inzwischen zusätzlicher Alterssichtigkeit) allerdings ohne Erfolg.
Gruß,
Branden
Hi A.,
erstmal besternten Dank, so kompakt und schlüssig war es selten zu lesen. Dennoch eine Anschlussfrage: Gibt’s das irgendwo auch „amtlich“? Wenn ich diese Meinung vertrete, wirke ich nicht immer glaubwürdig…
Gruß Ralf
Hi,
das Problem ist das übliche wie bei allen Glaubenssachen.
Wenn ich an etwas glaube, kann es mir Keiner, auch mit noch so viel Beweisen ausreden.
In der Medizin geht es aber nicht um Glauben. Jemand der eine neue Therapie vorschlägt, muss deren Wirksamkeit in wiederholbaren wissenschaftlichen Studien selbst nachweisen - nicht „Die Anderen müssen die Unwirksamkeit nachweisen“.
Insofern haben weder die Vertreter des Augentrainings (die sich damit im Erfolgsfalle die Existenzberechtigung abgraben würden) noch die Schulmediziner (die die Behauptungen so abwegig finden, dass sie keiner einer Studie für Wert hält) ein großes Interesse an Studien.
Sicher gibt es aber Studien zur Trainierbarkeit einzelner Größen wie z.B. Nahvisus. Da müsste man dann aber in entsprechenden wiss. Datenbanken wie z.B. medline recherchieren.
siehe auch hier einmal:
http://www.winkelfehlsichtigkeit.de/augentraining.htm
Einen Effekt auf den Fernvisus könnte das Training übrigens doch haben. Wenn ich anspruchsvolle Sehaufgaben auf die Nähe habe (z.b. stundenlange Computerarbeit, feine Kontroll- und Montagearbeiten), kann sich die Augenmuskulatur nicht mehr sofort voll entspannen. Daraus resultiert eine scheinbare Kurzsichtigkeit in den ersten Minuten bis Stunden nach der Belastung.
Jede Maßnahme zur Entspannung der Augenmuskulatur wird sich in einer schnelleren Umkehr des Effektes Auswirken. Weshalb man auch nicht unbedingt direkt nach einer solchen Arbeit zum Ausmessen der Brille gehen sollte, sondern dann eher vor der Arbeit.
A.
Hi A.,
also wieder das alte Leiden: Bewiesen werden kann nur das, was es gibt; dass etwas nicht existiert, ist nicht beweisbar. Dennoch vielen Dank, besonders für das Argument, dass Gliedmaßen nicht durch Training verlängert werden können.
Gruß Ralf
Was ist daran unglaubwürdig? Die Form der Hornhaut kann genauso weinig durch Training beeinflußt werden wie man X - Beine durch Training begradigen kann.
Mit wem mußt Du darüber diskutieren? Oder mußt Du Dich gar vor Leuten, die von der Natur weniger schlecht behandelt wurden, rechtfertigen? So nach dem Motteo „bist ja selbst Schuld, daß Du eine Brille brauchst, das kann mit mit Training wieder hinkriegen. Also bist Du nur zu faul und mußt deshalb eine Brile tragen…“?
Wenn das der Fall sein sollte, brauchst Du nichts amtliches, sondern anderen Umgang.
BT
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Mehrere Fragen dazu
Hallo Andreas,
In der Medizin geht es aber nicht um Glauben. Jemand der eine neue Therapie vorschlägt, muss deren Wirksamkeit in wiederholbaren wissenschaftlichen Studien selbst nachweisen
Wurde das getan?
In mehreren, von einander unabhängigen Studien?
Über einen langeren Zeitraum?
Gibt es Informationen über die Ergebnisse in Link oder Buchform, die man überprüfen kann?
Neugierige Grüße
M.
[ot] Heilslehren
Hi BT,
mir liegt nicht an anderem Umgang, die Menschen sind halt so. Vielmehr geht es mir darum, die Argumentation „Warum soll das nicht helfen?“ zu knacken. Hab Du erstmal eine Schwägerin, die jede Woche zwei Heilsideen anschleppt - nicht für mich, ich bin als beratungsresistent verschrien, sondern für Oma, Kind und Hund. Das tut nicht direkt weh, kostet aber immer wieder Zeit und Nerven.
Gruß Ralf