Hi Community,
ich plane derzeit einen Dachbodenausbau. Entsprechende Anleitungen haben ich mir im Web angesehen, das scheint nicht extrem schwierig zu sein: Unter den Ziegeln, zwischen den Sparren, kommt das Isoliermaterial, darüber die Dampfbremse und darüber dann die Gipskartonplatten.
Meine Frage: Wenn ich bei dieser Konstruktionsform irgendwann mal ein Loch im Dach habe (Also in der äußeren Hülle, den Dachziegeln) habe ich Probleme ohne Ende. Und leider wird jedes Dach früher oder später undicht. Die Dinge, die mir Sorgen bereiten:
Gibt es erst mal ein Loch, dringt das Wasser erst mal in das Isoliermaterial ein. Das Isoliermaterial saugt sich voll und wenn es schon sehr viel Wasser aufgenommen hat, dann sucht es sich irgendwie ein Loch in der Dampfbremse. Das Loch in der Dampfbremse kann natürlich irgendwo ganz anders sein, nicht direkt unterhalb des Lochs im äußeren Dach. Irgendwann mal (!) sickert das Wasser doch noch irgendwo (!) durch. Konkret bedeutet das, dass ich bei einem Wasserschaden eventuell den gesamten Innenausbau komplett entfernen muss um ein winziges Loch zu entdecken.
Die Fragen:
Ist mein Szenario unrealistisch, weil ein gut gedecktes Dach eben hält?
Gibt es eine andere Konstruktionsform, die mehr Schutz bietet?
1) Ist mein Szenario unrealistisch, weil ein gut gedecktes Dach eben hält?
Ja, es ist unrealistisch . Du machst dir zu viel und vor allem unnötige Sorgen.
Nehmen wir mal an, es käme Nässe von den Pfannen her in die Dämmung.
Na und möchte ich sagen ?
Die Dämmung saugt die Nässe auf und gibt sie aber spätestens im Sommer bei Hitze auch wieder ab.
Und ins Innere kommt es nie, denn die Dampfbremse hat keine Löcher zu haben !
Das ist jetzt überspitzt, es tritt nicht ein, weil man ein Dach nach Punkt 2 hat oder nachträglich schaffen muss !
2) Gibt es eine andere Konstruktionsform, die mehr Schutz bietet?
Ja. Die Dachdeckung nach den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks.
Jedes Dach hat 2 Dachdichtungsebenen. Die Dachpfannen und die darunter befindliche 2. Ebene, die Unterspannbahn.
Oder bei bestimmten sehr flach geneigten Dächern ein sog. Unterdach.
Diese 2. Ebenen halten Nässe ab, dringt Wasser durch die Deckung ein, so schützt die 2. wasserführende Schicht und leitet es zur Traufe hin ab.
Dach bleibt trocken.
Beachte: Nur bei Dach nach Nr. 2 darfst Du bis an die Unterspannbahn heran ausdämmen.
Im Fall Nr. 1 nicht, da muss man einen Abstand von mind. 4 cm zur Unterseite Pfanne einhalten, was nur mit festen Dämmplatten, nicht Rollenware geht. Und man braucht Anschlagleisten,die ein zu hohes Aufschieben begrenzen.
Dieser Luftraum ist von Traufe bis First belüftet (das muss vorhanden sein !) und hält die Dämmung trocken. geringe Feuchte kann immer wieder ablüften.
Eine Variante des Dachaufbaus wäre eine Aufdach-Dämmung, ggf. auch in Kombination mit Sparrenfelddämmung. Die Aufsparrendämmung kann die Aufgabe des Unterdachs als 2. wasserführende Dachebene übernehmen.
Hi Duck,
danke erst mal für die Infos. Was du sagst, macht ja durchaus Sinn, d. h. ich mache mir zu viele Sorgen. Aber besser vorher fragen als nacher.
Ich bin zwar handwerklich ganz OK, aber an Variante 2 traue ich mich nicht ran. Bleibt Variante 1. Dabei verstehe ich zwar den 4cm Abstand zwischen Dachziegeln und Dämmung, aber in keinem der Erklärvideos, die ich gesehen habe, wird darauf Bezug genommen. Ich hoffe, dass es nicht auch noch andere Fehler in den diversen Videos gibt. Fall jemand einen Link zu einem guten Video oder einer guten Erklärung, kennt, freue ich mich.
@ Dampfbremse: Da ist ev. noch ein Denkfehler in den meisten Erklärvideos: Meistens heisst es dann, dass auf die Dampfbremse Abstandhölzer angebracht werden (Durch Schrauben in die Sparren). Auf die Abstandshalter kommen dann die Gipskartonplatten. Doch obwohl die Videos ganz explizit davor warnen, dass die angetuckerte Dampfbremse an der Tuckerstellen verklebt werden muss, kann plötzlich ein Abstandshalter einfach an den Sparren angeschruabt werden. Ist das nicht auch problematisch? Oder geht man davon aus, dass das Holz das Bohrloch mit der Schraube abdeckt und daher keine Feuchtigkeit austreten kann?
Du hast nicht so richtig verstanden was die Dampfbremse eigentlich macht und was nicht.
„… das nichts austreten kann …“
Genau das ist falsch ! Es soll nichts eintreten !
Es geht nicht darum Wasser vom Dach her abzuhalten in den Wohnraum zu gelangen.
Das kann die Dampfsperre gar nicht, dazu säße sie falsch.
Ich sage es, diese Schicht muss unter die Pfannen als 2. Dachebene.
Es geht darum, keine feucht-warme Luft vom Wohnraum aus ins Dach zu lassen.
Diese Feuchte kondensiert in der Dämmung zu Wasser und schädigt sie langfristig. Deshalb muss die Dampfsperre so sorgfältig verlegt und überall sehr gut und dauerhaft angedichtet werden. Das ist das A und O.
Und die Nagel- oder Schraublöcher in den Konterlatten(so heißen die Latten parallel zu den Sparren) sind wirklich nicht ganz unbedeutend. Man verlegt dazu spezielle Nagelschutzbänder aus einem Schaumstreifen. Die dichten am Nagelrand ab.
Auf die Konterlatten muss meist noch das Traggerüst aus Latten für die Kartonplatten, damit man die Rastermaße einhalten kann. Man braucht ja an Plattenstößen etwas um beide anstoßenden Platten zu montieren.
Diese Latten schaffen einen Schutzabstand zur Folie. Die ist so vor Beschädigungen sicher, man hat so auch gleich einen Installationsraum für Kabel oder auch Einbaudosen der Elektrik.
Das du keine Info zu dem angesprochenen Luftraum zw. Dämmung und Dachpfannen gefunden hast wundert mich nicht wirklich.
Denn man geht selbstverständlich davon aus, des gibt eine Unterspannbahn wie es im Dachaufbau seit Jahrzehnten vorgeschrieben ist.
Ein Dach muss unterseitig belüftet sein, dazu gibt es unten an Traufe (Dachüberstand Lufteintritt und oben am First Lüfterpfannen oder Lüfterfirst.
Eben weil ein Dach nicht wasserdicht sein kann und sich dort Tauwasser und auch mehr bilden kann muss die Luft es abführen können-
Der Luftraum muss von Dämmung freigehalten werden. Die Dachlatten bieten eine gewissen Mindestabstand (4-6 cm Lattenstärke), allerdings kommt ja die Kehle der Pfannen tiefer runter, Luftraum wird geringer.
Deshalb muss man von der Dachlatte nochmals Abstand einhalten, was eben mit steifen Platten besser machbar ist als mit Rollenware.
Wenn Du keine Unterspannbahn hast und nachrüsten willst (von Dachseite aus) dann musst Du mit gewisser feuchte der Dämmung rechnen, weil Dach ja nicht wasserdicht ist.
In der Regel trocknet diese Nässe von selbst ab und schädigt die Dämmung nicht. Bei Unwetterschäden und großen Löchern im Dach natürlich nicht.
Auch wenn ich von nix ´ne Ahnung habe, mal was Grundsätzliches zum Thema nachträglicher Dachausbau und Dämmung.
Einen funktionierenden Dachstuhl packe ich nur unter Bauchschmerzen an. Funktionierend dahingehend, dass es recht zugig ist und - obwohl es ab und an mal reintropft -, alle Hölzer knochentrocken sind. Das soll sich nun ändern, indem man das Dach dämmt und ausbaut.
Neben statischen Problemen kommen physikalische aus der Sparren- Zwischendämmung hinzu. Geht man die Sache beim Dachstuhl ohne Unterspannbahn an, und duck313 hat´s ja beschrieben, reduziert man die Dämmstärke. Bei älteren Hütten mit Sparrenhöhen von 12, 14, 16, …cm holt man den Taupunkt weit ins innere der Dämmung. Kein Problem könnte man denken. Trocknet ja wieder. Weit gefehlt behaupte ich. Denn das gilt nur für sonnige Tage der nach Süden gerichteten Dachflächen. Und was ist mit dem Rest der Tage und der nach Norden gerichteten Dächer, wo nie ein Sonnenstrahl hinkommt? Der Dämmung mag dies ja nicht sonderlich schaden. Aber was ist mit den Hölzern des Dachstuhls?
Ich will den Teufel ja nicht an die Wand malen, aber wenn ich ein Haus kaufen wollte, kämen als erstes alle Verkleidungen des Dachstuhls runter. Und sehe ich blühende Landschaften hinter der Dampfsperre, hat sich der Fall erledigt.
Gruß.
B
PS: Wer glaubt, das gemalte Szenario blühender Landschaften bezöge sich nur auf „Altbauten“ Google Image Result
Oder folgt dem hier (zustimmen muss man aber nicht in allen Punkten)