Hi,
was sagt Ihr, wenn jemand in einer trauernden / Abschied nehmenden Phase ist?
Da sein. Doch wie? Trösten? Wie?
Als ich bei Leuten einen Todesfall im nahen Umfeld mitbekam, wusste ich nicht recht zu reagieren. Klar, ich kann Beileid wünschen. Doch wer sagt, dass der Mensch über den Tod des anderen denn wirklich traurig ist? Vielleicht empfindet es der Mensch als Erlösung? Vielleicht freut sich jemand sogar nun auf die langersehnte Erbschaft? Gerade wenn es um Großeltern geht, hörte ich dann öfter, dass man eh nicht so den Kontakt gehabt hätte, dass vielleicht der Opa, die Oma eh schon senil oder schwierig war… so als Erleichterung.
Mir fällt dazu eine Geschichte ein aus dem Buch „Das Mädchen mit dem die Kinder nicht verkehren durften“ von Irmgard Keun. In meiner Erinnerung war es so, dass das Mädchen ein Gespräch zwischen zwei Lehrerinnen mitangehört hatte, in dem nicht gut über die eben verstorbene Direktorin gesprochen wurde. Die Lehrerin die meinte, ihr würde der Direktionsposten zugestanden haben, meinte dann später vor der Klasse in der das Mädchen war, wie traurig es doch sei, dass die Direktorin gestorben sei. Die Kinder heulten. Doch das Mädchen konnte nicht weinen, da sie die Direktorin ja nicht mal gekannt hatte. Da sie meinte, auch Anteilnahme zeigen zu müssen, fragte sie, woran denn die Frau Direktorin gestorben sei. Die Lehrerin reagierte sehr unangemessen, bezeichnete das Mädchen als kalt und herzlos, und schloss sie aus dem Trauerfeierzug aus, wofür sich das Mädchen dann schämte. Als sie zu Hause vom Tod der Direktorin erzählte, fragte dann die Tante, woran die Direktorin denn gestorben sei. So meine Erinnerung an eine der Geschichten aus dem Buch. Wäre interessant das Buch nochmal zu lesen. Jedenfalls fühle ich mich ihr in dieser Hinsicht ähnlich.
Ich fühle mich in solchen Situationen betroffen, bin traurig, auch wenn ich den Menschen nicht kannte, denn wohl jeder Mensch oder hat auch etwas Wertvolles an sich. Doch ich fühle mich auch entsprechend hilflos. Klar, es hängt davon ab, wie gut man den Menschen der traurig ist, kennt. Wie gut kennt man eventuell auch den Menchen der gegangen ist.
Aktuell geht es um eine Frau die ich vor drei Jahren kennenlernte und von vor ein paar Monaten erzählte sie mir noch eine heiße Geschichte wie sie ihren Mann verführt hat und dass sie es toll findet, dass nach 25 Jahren Ehe die Luft noch nicht raus ist, dass sie sich immer noch lieben. Ansich sprach sie schon öfter davon, dass alles bei ihnen im grünen Bereich sei und dass sie sich lieben würden.
Dennoch hatte ich sie auch mal, mehrmals sogar, drauf angesprochen, dass es möglicherweise auch ein paar Konflikte innerfamiliär gibt, die sie eventuell ausblenden, und schlug eine Familientherapie vor. Grund dafür war, dass wenigstens ein Mensch in dieser Familie immer krank war. Das reichte von einfachen Erkältungen bishin zu diversen Krankenhausaufenthalten. Fast in jedem Kontakt mit ihr war irgend jemand gerade krank und sie musste sich kümmern mit dem „Erfolg“, dass sie sich dabei selbst ganz vergisst und dann immer an der Grenze zur Magersucht is(s)t. Wenn dann eine Frau mit 45 kg (oder so) sich um Mann, 2 Kinder und dann noch das eine oder andere (Schwieger-)Elternteil zu kümmern hat, kann das schon belastend sein, doch es darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen und das tut es hier sicherlich.
Obwohl ich mit ihr nicht so wirklich nahe bin, spürte ich, dass in der Familie was nicht stimmt. Ich hatte ihren Mann auch mal kennengelernt, wenigstens seine physiche Erscheinung.
Reden wollte er nicht, wenigstens nicht mit mir. Er reagierte nur auf sie, wenn überhaupt.
Tja, die beiden hatten sich sehr jung kennengelernt und ineinander verliebt. Vielleicht hat er gerade mit Anfang 40 seine Midlife-Crisis, vielleicht kommen sie ja nach einer Pause wieder zusammen (dahin gehen dann gerne meine Gedanken, weil ich die Menschen in ihren Beziehungen gerne heil sehen möchte). Aber gut, jetzt ist erstmal Schluss und ob das für immer sein wird, werden die Beiden miteinander klären.
Dennoch bleibt mein Problem, wie reagieren? Fühle mich hilflos. Gut, ich kann zuhören, kann ihr sagen, dass mir ihre Traurigkeit leid tut. Aber sonst?
Würden wir näher zusammen wohnen, könnte ich ihr einen Besuch vorschlagen und durch Unternehmungen für etwas Ablenkung sorgen, sofern sie das wollen würde.
Wie reagiert ihr, was sagt ihr, was macht ihr? Eine „Gebrauchsanweisung“ gibt es hier leider / glücklicherweise nicht.
Ich möchte für sie da sein, doch ihr auch zu einem Blick nach vorne verhelfen, sollte dieser abhanden gekommen sein. Doch wann ist dafür der rechte Zeitpunkt? Sicherlich wäre es auch hilfreich sich ihre Beziehung mal anzuschauen, sei es um diese wieder in Ordnung zu bringen oder bei der nächsten gleiche Fehler nicht mehr machen zu müssen.
Ich werde sie mal fragen, was sie braucht, was sie sich von mir wünscht. Aber was wenn sie es nicht weiss oder nicht sagen kann. Gut, ausprobieren. 
Dennoch wünschte ich mir mal konkrete/re Schritte. Was macht / sagt Ihr?
Ciao,
Romana