Hallo Wissende!
Wir sind im Sommer aus Schweden nach NRW gezogen. Unser Sohn, 13 Jahre alt, war in Schweden in der Grundschule, die dort bis Klasse 9 für alle gilt. Er sollte in Deutschland also in Klasse 7 eingeschult werden. Zum Zeitpunkt des Umzugs hatte er bereits ein Jahr Deutschunterricht in Schweden, was aber nicht reichte, um in Deutschland dem Unterricht in irgendeiner Schule zu folgen.
Wir waren vor der Einschulung bei allen kommunalen und kirchlichen Realschulen und Gymnasien und fragten, ob unser Sohn dort aufgenommen werden könnte. Leider wurde das im Hinblick auf seine unzureichenden Deutschkenntnisse und mit dem Hinweis auf lange Wartelisten überall abgelehnt. Also mussten wir ihn wohl oder übel in die Hauptschule schicken. Hier ist er jedoch in den naturwissenschaftlichen Fächern und in Englisch total unterfordert, da man in Schweden schon sehr viel weiter war.
Wir haben deshalb bei allen Realschulen und Gymnasien beantragt, ihn auf die Warteliste für das zweite Halbjahr zu setzen, jedoch bisher keine Antwort erhalten. Habe bei einer Realschule deshalb nachgefragt und wurde wieder mit dem Hinweis auf lange Warteleisten abgewimmelt.
Habe deshalb mit dem zuständigen Schulamt gesprochen. Dort wurde mir mitgeteilt, dass man dort keinen Einfluss auf die jeweiligen Schulleiter nehmen kann; letztendlich bestimmen die, wer aufgenommen wird.
Wie bekommen wir unseren Sohn in eine Realschule oder Gymnasium? Oder gibt es eine andere Möglichkeit, ihm nicht seine Zukunft zu verbauen? Eine Privatschule ist uns definitiv zu teuer!
Besten Dank im voraus für Tipps und Infos.
Grüße
/Reinhard
Hallo Reinhard,
Ich war gerade auf dieser Seite
http://www.bildungsserver.de
und hab dort Schulen in NRW geguckt – dort gibt
es (so wie bei uns in Hessen) Gesamtschulen.
Waere das nichts fuer deinen Sohn.
Wir sind in aehnlicher Situation (ich kann mich
auch schon erinnern, dass wir uns schon mal hier
in dem einen oder anderen Thread getroffen haben),
unsere Jungs wechselten letztes Jahr von einer
amerikanischen Schule nach Deutschland.
Ich will nicht sagen, dass wir es ideal getroffen haben
und das es keine Probleme gibt ,aber mit der Schulform
Gesamtschule fahren wir doch recht gut, weil sie in
Deutsch in einen schwaecheren Kurs gehen, in den anderen
Faechern aber in staerkere Kurse.
Waere das nicht eine Loesung?
Gruesse
Elke
Hallo Elke!
Ja, ich kann mich so dunkel an Deine Antwort letztes Jahr erinnern!
Wir waren schon an der Gesamtschule im Nachbarort, aber auch dort wurde mit dem Hinweis abgewunken, dass man eine lange Warteliste habe.
Ich frage mich so langsam, wie kommt ein nicht aus dem Ausland zugezogener Schüler an seine Wunschschule? Muss also der Gymnasiast aus München, der nach Düsseldorf zieht, dann dort auf die Hauptschule gehen, nur weil es nirgendwo einen freien Platz gibt?
Kopfschüttelnd.
/Reinhard
Hallo Reinhard,
tut mir leid, dass ihr so Schwierigkeiten habt.
Also hier (=Hessen) war es so, dass wir in das Einzugs-
gebiet der Schule ziehen mussten, dann musste die Schule
unsere Jungs nehmen. Also, haetten wir 2 Orte weiter im
naechsten Tal eine Wohnung genommen, hatten sie an eine
andere Schule gemusst (und waeren auch eventuell nur auf
die Hauptschule gekommen). Ich weiss, ein neuer Umzug wollt
ihr euch auch nicht antun, aber ich kenne Familien, die diese
Klausel umgehen, in dem sie eine Tagesmutter im richtigen
Viertel engagieren (da faellt man dann naemlich auch schon
wieder in die richtige Abteilung). Vielleicht waere das ein
Gedanke in die richtige Richtung?
Ansonsten faellt mir nur noch ein, den Rektoren der Wunsch-
schule immer wieder zu besuchen und ihm z.B.
mit den Fortschritten eures Sohnes in Deutsch zu nerven (belegbar),
sowie mit Beweisen, dass er in Mathe etc. leicht mithalten kann
(wenn das der Fall ist) - mit Heften von frueher usw.
Bei uns hilft auch die Jungs in den besseren Kursen
zu halten, in dem wir unsere Plaene offenlegen, wie wir gemein-
sam dran arbeiten, dass die beiden die Luecken aufholen (Nach-
hilfe, unser Sohn, der ADS hat, geht in eine spezielle Legastheniker-
foerderung usw.). Wenn man das auf eine Art macht (Achtung:
schwer!), die der Schule zeigt, dass man engagiert ist, aber
trotzdem kein Querulant, kann man die Verwaltung vielleicht
weich kriegen.
Viel Glueck!
Gruesse
Elke
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Hallo Reinhard,
zunächst mal ist es schon so, dass der Schulleiter entscheidet, wen er aufnimmt oder nicht. Wenn ein Kind praktisch ohne Deutschkenntnisse aus dem Ausland kommt hat es natürlich auf einem deutschen Gymnasium schlechte Karten, vor allem wenn es in eine der höheren Klassen eingeschult werden soll. In der 7.Klasse sind die Probleme normalerweise temporär, allerdings kann ich natürlich nicht beurteilen, wie viel bzw. wenig Deutsch dein Sohn spricht. Wenn es sehr schwierig ist und ihr in einer größeren Stadt wohnt würde ich mich mal über die Existenz internationaler Schulen mit Unterrichtssprache Engisch im Umkreis erkundigen, die gibt es an verschiedenen Standorten.
Eine angebliche „Warteliste“ ist eigentlich kein Thema, wenn das Kind jetzt nicht von Schweden sondern von Münschen käme hätte man es vermutlich aufgenommen. (An meiner Schule existieren keine solchen Listen, obwohl wir eigentlich knallvoll sind)
Hier in RLP gibt es auch die Möglichkeit, in der Fremdsprache, die hier nicht unterrichtet wird, aber die das Kind beherrscht, (in eurem Fall also Schwedisch) eine „Feststellungsprüfung“ abzulegen, die quasi bescheinigt, dass es die Verpflichtung zur 2.Fremdsprache erfüllt hat, so dass es nur noch Englisch haben muss und die restlichen Stunden zum Erlernen der deutschen Sprache investieren kann.
Es lohnt sich in jedem Fall, ein ernsthaftes Gespräch mit dem Schulleiter zu führen, vor allem wenn du nachweisen kannst, dass dein Sohn in der Hauptschule unterfordert ist und eigentlich das Zeug zum Gymnasium hätte.
In der Regel sind die Schulen natürlich nicht erpicht darauf, sich Schüler einzuhandeln, die langfristig Probleme bereiten werden, aber wenn dein Sohn intelligent und arbeitsweillig ist sollte das eigentlich mittelfristig zu einem guten Ende führen können.
Gruß Orchidee
Hallo Reinhard,
Wie bekommen wir unseren Sohn in eine Realschule oder
Gymnasium? Oder gibt es eine andere Möglichkeit, ihm nicht
seine Zukunft zu verbauen? Eine Privatschule ist uns definitiv
zu teuer!
ich arbeitete im Schulbereich und kann Dir daher aus erster Quelle folgendes sagen:
es gibt bei uns im Regierungsbezirk Schulen für Spätaussiedler und andere. An diesen Schulen werden speziell Schüler unterrichtet, deren einziges Manko die Deutsche Sprache ist. Und das sind Realschulen!
Frag mal bei euch in der zuständigen Bezirksregierung /Schulabteilung nach, welche Schulen sowas anbieten.
Im Übrigen war ich selber auf einem privaten Gymnasium und da mussten meine Eltern nichts zahlen, weil es von der katholischen Kirche bezahlt und vom Staat unterstützt wurde.
Nicht jede private Schule ist eine, für die Du blechen musst.
Bei Fragen kannst du mir auch gerne eine Mail schreiben.
Viele Grüße,
Lina
Hallo!
Konkrete Tips zur Schule kann ich dir eigentlich auch nicht geben. Allerdings sehe ich es auch als riesen Problem an, wenn er nur wegen der Deutschkenntnisse auf der Hauptschule landet und sich dort völlig unterfordert fühlt. Das ist für die weitere Motivation nicht gerade förderlich! Viele Kinder aus Migrantenfamilien besuchen u.a. deswegen Sonderschulen…und das ist mehr als bedenklich! Nicht zuletzt ist das auch ein Grund, warum man nach PISA diese Selektivität des dt. Schulsystems kritisiert. Schweden ist nun mal die Vorzeigenation!
Ich würde versuchen, für Deinen Sohn eine „Deutsch-Nachhilfe“ zu organisieren - z.B. Studenten aus dem Fach „Deutsch als Fremdsprache“ oder an einem Spracheninstitut. Sollte es in NRW geben. Es gibt spezielle Lehrwerke für Jugendliche, die ihm dabei helfen, die grammatikalischen Feinheiten etc. zu lernen. Das geht bei Jugendlichen nicht mehr so einfach wie bei Kleinkindern (die das eher noch „automatisch“ lernen). So könnte er evtl. schnelle Fortschritte im Deutschen machen, was ein gutes Argument bei der Schule wäre. Ansonsten würde ich mir tatsächlich noch überlegen, den Schritt zum Kultusministerium zu machen - einen Brief verfassen und die Lage schildern; evtl. konkret nennen an welcher Schule man deinen Sohn aus welchem Grund abgelehnt hat. Gute Zeugnisse aus Schweden wären als Beleg hilfreich. Ich kenne einen Fall aus RLP, wo das tatsächlich erfolgreich war.
Zu guter letzt noch eins: Bekannte meiner Familie (aus den USA mit deutscher Staatsangehörigkeit) mit zwei schulpflichtigen Kindern (damals 12 und 15) waren vor einiger Zeit für 9 Monate in Deutschland. Die Deutschkenntnisse der Kinder sind nicht gerade gut. Sie sind nach BaWü gezogen, haben sich beim Einwohnermeldeamt angemeldet und die Kinder beim nächsten Gymnasium angemeldet. Kein Problem.
Manchmal muss man sich schon wundern…
Hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben und viel Glück!
Kathi